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Das Abendland · 1865-06-08 · 12 (8.6.1865) · p. Seite 104

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
12 (8.6.1865)
Date
1865-06-08
Page
Seite 104 (sequence 6)
Language
German
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104 Lornle und iimmmrtiijr Neuigkttten Prag. Der Redakteur der „Neuzeit" glaubt Ursache zu haben,'sich beklagen zu müssen, daß er das, waS in der Wiener israelitischen Kultusgemcinde vorgeht, erst durch die politischen Tagcsblätler erfährt, und man sein Blatt übergeht, das für solche Angelegenheiten, doch ein eigenes Fachblatt ist.. — Was sollen erst wir sagen, die wir das, was in der Prager isr. Kultusgemcinde vorsällt, erst durch sein Wiener Organ erfahren? — Wir wollen nicht das alte bekannte Sprichwort hier zur Geltung bringen, aber bemerken müssen wir doch, daß es gerathcn wäre, wenn wir unsere schmutzige Wäsche schon auf der Gasse waschen, sie doch nicht auf dem Ringplatze allen Augen preiszugeben, nicht das Unzukömmliche in der Heimat auch in der Hauptstadt des Reiches austrommeln zu lassen und wenn schon ein klein wenig Skandal gemacht werden muß, cs intrn muros geschehen mag. — Ein Auge, das den jüdischen Skandal weniger sieht. Ein Ohr, das mehr von ihm verschont bleibt, ist Gewinn. Es hat überall Wahlagitationen gegeben, cs gibt ihrer allenthalben, bei wichtigern und bei den wichtigsten Wahlen fehlen diese nicht; sie sind zum Theile nothwcndig und darum zulässig; schlimm genug wenn Ausschreitungen Vorkommen, wenn sogar niedere Absichten befördert werden wollen, aber warum unsere Schmach an die große Glocke hängen? — Die Prager Gemeinde hat 9 Repräsentanzmitglieder zum Theile neu, zum Theile wiedergewählt, die Wahl ist angefochtcn worden. Die Gewählten wollen nach erfolgtem Proteste resigniren, die Resignation wird angenommen und die Tage bestimmt an welche die Neuwahl vorzunehmen sein wird, das ist alles „schon dagewcsen" und wird sich oft noch wiederholen, aber warum hieraus ein Spcktakelstück machen, zum Ergötzen derer machen, die an der Schmach Israels eine Augenweide haben,?c,TnSx rrx D'ian ne«' neS Wozu ein Borgang, der jene traurigen Hohnworte provozirt, deren der Prophet in der Megillath Echa Erwähnung thut? Ist die Absicht der Wähler und derer, die sich berufen fühlen, gewählt zu werden, eine reine, mit dem allgemeinen Wohl verträgliche, so thue jeder nach seinem besten Wissen und Gewissen und das Beste der Gemeinde wird die Folge sein. Ist das nicht der Fall, so heißt es: Ein Werk ohne Gott beginnen, Wächter aufstcllcn, die Gott nicht gewählt, und wie cS dann mit dem Werk und der Sicherheit desselben ist, hat schon der Psalmist ausgesprochen. — _ * Ehrenpokal. Dem Vorstände des deutschen Ga belsberger Stenografen Vereines Herr Professor Bleyer wurde in Anerkennung seiner vielen Verdienste um die Verbreitung der Redczeichcnkunst vom Ncuwalder Stcnografenkränzchen ein schöner Glaspokal zum Ehrengeschenk überschickt worden. Der Pokal ist kunstvoll geschlissen und reich mit Gold verziert; in der Mitte befindet sich in einem Felde, welches von einer verzierten Schlange umgeben in stenografischer Schrift folgende Worte musterhaft cingcschlisscn: dem mit die Verbreitung der G a b c l s b c r g e r' s ch c n K u n st hochverdienten Herrn Professor Bleyer aus Ehrfurcht und Dankbarkeit j gewidmet vom Stenografenkränzchen zu Neuwald am 20. Mai 1865). KöniMütr, 2. Juni. Am Iohannisplatz wird hier in einem gcmicthcten Hause eine Jndcnsynagoge hcrgcstcllt, eben > so wie hier ein eigener Rabbiner eingestellt ist. In der! Bestätigung der Stadtprivilegicn von K. Maria Theresia ddo. Octobcr 1747 lautet der Schlußsatz wörtlich: „dann wird denen Königgräzcrn verbothcn, keine in ihre Gemeinde aufzunchmen, er feie dann der katholischen Religion zugethan, auch sollen sie keine Inden unter ihnen, cs feie in der Rad- oder Vorstadt oder anderen Gründen leiden und dieselben beherbergen unter Verlust ihrer Privilegien." Welcher Umschwung seit nicht ganz hundert zwanzig Jahren!!! Welcher Riescnfortschritt der Aufklärung! — Wik,,. Am 17. Oktober l. I. kommen Interessen der Mannhcimerstiftung zur Vcrtheilung. Anspruch daraus haben, arme Rabbiner, Lehrer und deren Witwen und Waisen, wenn selbe bei einer Gemeinde von 50 Mitgliedern 10 Jahre angestellt waren und ein sittliches Betragen Nachweisen. — * Aus London wird vom 29. v. M. berichtet daß Dichter Mosenthal dort bei Ausführung seiner ins Englische übertragenen Dcborah die seltene Auszeichnung geworden, daß er nach Beendigung des Stückes auf der Bühne erscheinen mußte, wo er mit großem Enthusiasmus empfangen wurde. — * Die neuernannten kaiserl. Räthe Bo sch an, Frankl, Gärber, Recken schuß, Schiss und Stern haben gestern im Handelsgerichte Angesichts der versammelten Landesnnd Oberlandesgerichtsräthe den Eid geleistet, und zwar die Katholiken beim Crucifix, die Israeliten mit bedecktem Haupte, die rechte Hand auf die Bibel gelegt. Nach geleistetem Eide verfügten sich die Herren zum Jnstizministcr Hein und zum Leiter des Handelsministeriums, Freihcrn v. Kalchbcrg, um demselben für die Ernennung ihren Dank auszusprcchcn. * Literarisches. Die Festrede, welche Dr. Adolph I e l l i n e k zur Erinnerung an den verewigten Prediger Hrn. I. N. M a n n h e i m e r am 1. Tage des Passah-Festes 5625 gehalten, ist im Verlage von Hcrzfcld und Bauer in Wien erschienen. In schwungvollen, beredten Worten schildert der Verfasser das Streben, Wirken und die hohen Verdienste, die sich der Verblichene um seine Gemeinde und sein Volk erworben. „Ich schlafe, mein Herz aber ist wach!" Mit diesen Worten des hohen Liedes, die der Verewigte in seiner letzten Stunde ausgerufen und an die Dr. Icllinek passend anknüpft, wird das Ringen dieses edlen Kämpfers um seines Volkes Freiheit auf das Treffendste gezeichnet. Er schläft; aber sein Herz, „Lew" in der nationalen Bedeutung des Wortes, seine Begeisterung und sein Glaube an die Freiheit wird fortlcben in seiner Gemeinde und in seinem Volke. Wir empfehlen Dr. Iellinck's warm empfundene, von liebevoller Begeisterung getragene Festrede unseren Lesern auf daö Wärmste. * lieber das neue Statut der Wiener israelitischen Kultusgemeinde entnehmen wir folgende interessante Mitthcilnng: Nach wie vor betrachtet sich die KnltnSgcmeindc als „eine Religions-Genossenschaft", und nicht als einen politischen Verband, da die israelitischen Wiener als solche nur der Großkomnne angehörcn, und von keinem Sonderverband wissen wollen. Ebenso behält sie ausschließlich die ursprünglichen Zwecke, „Erhaltung und Förderung ihrer rituellen, Unterrichts- und Wohlthätigkeits-Anstaltcn", bei, will aber künftighin nur die zum Verbände der Wiener Großkomnne gehörenden Israeliten als Mitglieder anerkennen. Eine wesentliche Umgestaltung haben die Besteuerungs-Modalitäten erfahren. Die Kultusgcmeinde erhält bekanntlich ohne irgendwelche staatliche Unterstützung alle ihre rituellen und Humanitären Anstalten, und schasst die hiezu nöthigcn sehr bedeutenden Summen auf dem Wege der Selbstbestencrung herbei. Bezüglich dieser waltete bis jetzt das schreiende Mißvcrhültniß ob, daß der Höchftbesteucrte nur hundert, der Mindcstbesteucrte schoi/zehn Gulden zahlte. Das bisherige Ausmaß der Minimalsteucr soll beibchaltcn und dagegen ein Maximum von 5)00 Gulden präzisirt werden, obwohl sich die Fcststcttnng einer Maximalsteucr, die den wechselnden Vcrmögensvcrhältnissen gegenüber nnvcrändert bleibt, nicht leicht rechtfertigen läßt. Auch in der Zusammensetzung des Vorstandes wurde eine wohlthätige Veränderung beschlossen. Bisher wurde die Kultusgemeinde, abweichend von den Modalitäten, nach denen Munizipal-Körpcr aller Welt geleitet werden, nach einer Art von Zweikammcr-System verwaltet. Von den zwanzig zur Leitung der Gemeinde Angelegenheiten gewählten Vorstandsmitgliedern gelangten fünfzehn, die sogenannten Bciräthc — eilt Ausdruck, der schon im vorhinein die bloS beiläufig zugestandene Wirksamkeit charakterisier— nur in sehr unzulänglicher Weise zur Ausübung der ihnen obliegenden Verpflichtungen, und die „fünf Vertreter" konnten trotz des schätzenswerthesten Eifers Angesichts der erdrückenden Masse der Ge-

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