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Das Abendland · 1865-06-08 · 12 (8.6.1865) · p. Seite 103

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
12 (8.6.1865)
Date
1865-06-08
Page
Seite 103 (sequence 5)
Language
German
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103 geregt und hervorgebracht, nachdem es in uns gewogt und wir nicht Worte sondern nur Zähren finden konnten, die uns Milderung brachten. — Eigene Begeisterung und nichts als diese ist es, die der Religionslchrer in sich haben muß, die es dahin bringt, daß der Religionsunterricht dem Kinde nicht langweilig, nicht lästig, sondern daß ihm die Religionsstunde zur angenehmsten, zur liebsten in der Schule wird, der es mit heißem Berlaugcn entgegen sieht. Feierlich, weihevoll und erhebend muß der Religionsunterricht sein, wenn er nützen soll! — Gesang, Musik und Gebet müssen die Vorbereitung sein, aber ein Gebet, das täglich neu, immer aus der Seele gesprochen, uicht hergeleiert wird, um maschinmäßig ohne irgend ein Gefühl nachgeäfft zu werden, wie es die eingeführten Schulgebete sind. — Warum den kindlich freien Geist schon in Zwangsjacken schnüren? wo soll da Begeisterung, wo Erhebung Herkommen? — Ich habe diese meine innere Uebcrzeugung hier jenen Herren Lehrern mitthcilcn zu müssen geglaubt, die mit mir das Bedürfniß eines bessern Religionsunterrichtes fühlen und bin ich zufrieden, wenn meine Ideen nur einigermaßen ihres Beifalls nicht ermangeln. I. Bl. VI. Horazdiowitz 26. Mai. Es ist sonderbar, wie unendlich verschieden oft die Ansichten und Meinungen der Behörden und Männer vom Fache von derjenigen der großen Menge des Volkes sind, ja noch mehr, daß sogar die größten und vorzüglichsten Vertreter unserer Interessen im Rathe der Gesetzgebung cs nicht immer ihren Eommittenten so ganz recht zu machen verstehen. So sehen wir auch, wie der um das Schulwesen Böhmens hoch verdiente Schulrath Maresch in seinem unermüdlichen Streben für das Wohl der Schule und der an ihr thätigen Individuen folgenden Plan entwirft und dem böhmischen Landtage zur Durchführung empfiehlt. Damit der sehr fühlbare und gcmeinschädlichc Lehrerwechsel an'den,Volksschulen, der namentlich in letzter Zeit ungeheuer überhand nahm, abnchme und weniger bemerkbar werde, solle jedem neu creirteu Lehrer von der Gemeinde, die ihn aufnimmt oder allenfalls zur Aufnahme vorschlägt, und präsentirt, ein bescheidenes Stück Acker zur unentgeltlichen Benützung übergeben werden. Es wäre dieß für die meisten Individuen des Lchrerstandes ein Sporn, seinen Aufenthalt an dieser Gemeinde so weit als möglich auszudehnen oder überhaupt eine neue Heimath daselbst zu gründen. Diese Idee von einem Manne, wie der uni das Schulwesen so hoch verdiente Schulrath, angeregt, dürfte jedenfalls einer eingehenden Erwägung würdig sein und wahrlich das Mittel müßte ein vortreffliches und würdig von einer Korifäc unseres Unterrichts- und Erziehungswcscns erfunden zu werden. Doch wie wird der edle Zweck dieser nicht zu unterschätzenden Idee bei unseren jüdischen Gemeinden ausgefasst? Hören Sie ein. kleines Histörchen und bald sind wir im Klaren. Ich besuchte letzthin S. eine nicht unbedeutende israel. Kultusgemeinde Böhmens. Alle Institutionen dieser Gemeinde sind in ganz regellosem Zustande. Im Gotteshause ist weder Predigt zu hören noch ein zeitgemäßer Gottesdienst eingcsührt, den Eautor vertritt allwöchentlich abwechselnd eine andere baal batische Eapacität und mit Gassenhauern eingcflochten wird der Gottesdienst celebricrt. An der Schule wirken zwei brave strebsame Lehrer mit Geschick und Fleiß doch entbehrt dieselbe noch heute der behördlichen Sanction. Es war mir nun auffallend, warum die Gemeinde diese ihre Anstalt in solchem Zustande der Regellosigkeit lasse, so daß ein Windhauch die ganze Pseudoschulc in ein Nichts verwandeln kann. Zwei der Mitglieder dieser jonst sehr achtbaren Gemeinde gaben mir aus meine Frage hinlänglichen Bescheid. Warum, heißt eS. eine öffentliche Anstalt errichten, wenn's nicht Roth thut? Die Behörde nähme dann Einfluß auf die Schule, das Gesetz des Staates will dann ebenfalls gehandhabt sein und jetzt kommt das Rechte oder eigentlich Unrechte — Der Lehrer muß definitiv angcstellt werden. „Gegen D— sagt jemand, „kämpfen alle Mächte vergebens" und vcrgcbeus werden alle unsere Pestalozzis sich abmühen, glauben zu machen, es sei besser, wenn der Lehrerwechsel vermieden wird; unsere israel. Kultusgcmcindcn Böhmens sind der größern Mehrzahl nach der Ansicht, man müße es nur dabei lassen, zu jeder Zeit und Stunde sagen zu können: „Sie sind uns nicht mehr anständig, ergo stehen Sic sich oder anderen zur weiteren Verfügung." Seien wir jedoch nicht unbillig und oberflächlich in unserem Urthcilc; untersuchen wir daher etwas gründlicher, inwiefern diese Herren böhmischen baal batim in ihrem autonomischeu Dünkel Recht oder Unrecht haben. Von Recht kann nur in so weit die Rede sein, wenn materiellen Vorthcil erringen und Recht haben identisch sind, denn die Gemeinde hat bei einer Winkelschule, den Vorthcil, daß sie den Lehrer, sobald derselbe etwas älter, schwächlich oder sogar kränklich geworden, verabschieden kann und sich weiter um ihn nicht zu, kümmern braucht. Mir sind hier im südlichen Winkel Böhmens allein drei Fälle neuesten Datums bekannt, wo derartig frühzeitig gealtete Individuen des Lehrerstandes hilflos hingcsiccht sind und endlich bettelarme Wittwen und Waisen zurückgelassen haben. Grauenhaft, aber wahr!! Aber die Gemeinden sprechen ganz vornehm, es sei durchaus nur darum zu thun, daß die Lehrer recht brav, fleißig und tüchtig arbeiten, so werde man ihnen nicht kündigen; ja aber wenn der Lehrer sich in einigen Jahren bei Euch ruinirt haben und nicht mehr bei gleicher Kraft sein wird, wie früher fortzuarbeitcn? — Dann mag er in eine kleinere Gemeinde gehen und — dort sterben. Schon da gewesen. Bei solchem Bewandtnisse wird der um seine Familie besorgte Lehrer nicht selten nachdenkend und kalkuliert seinerseits folgendermaßen: Gebet ihr mir keine definitive Anstellung, so werde auch ich meine Gesundheit für eine andere Gemeinde aufsparen, die es besser zu würdigen wissen wird, ich werde mich um einen andern Posten Umsehen, der mir mindestens mehk einträgt, um für schlimme Zeiten einen Pfennig ersparen zu können. Wer verliert nun? der Lehrer? — Beileibe nicht, der bekommt von seiner neuen Gemeinde die Ucbersiedlungskosten ersetzt. Die Gemeinde selbst verliert auch nicht gar viel, sie bekommt für ihr Geld einen andern Lehrer und die paar Gulden an Reisespcsen, die sic dem neuen Ankömmling zahlt rentieren sich schon im Reize der Neuheit. Hingegen gibt es eine Sorte junger Staats- und Weltbürger, die wir mit dem Namen Schuljugend bezeichnen, diese eigentlich ist das Papier zwischen der Scheere. Man müßte diesen Artikel gar zu weit ausdehnen, wollte man den ganz richtigen unwiderlegbaren Beweis liefern, daß durch jeden Lehrerwechsel, außer dem moralischen Schaden, den die Schule erleidet, bei den Schülern im allgemeinen ein halbes Jahr Unterricht verloren ist, speziell jedoch bei einzelnen Schwächlingen, die von ihrem frühern Lehrer bei besserer Bekanntschaft mit den Charakteren in ihrer Klasse erhalten wurden geht ein ganzes Jahr und oft noch mehr verloren, denn, der frühere Lehrer, heißt eS jetzt, hat nichts gelehrt, darum seien nur einige vorzügliche Talente vorgeschritten, die alles ohne Hiezuthun des Lehrers erlernt Hütten u. s. w. Nun zu unserem Schulrath und Landtagsabgeordneten Maresch. Diesem Pflanzer von Stetten für Bildung der Menschheit, dem es doch gewiß nicht bloß um Bildung kathol. Schulen allein zu thun sein darf, würden wir für unfern Theil noch den Vorschlag machen, daß er alle jüdischen Winkelschulen, deren Zahl in Böhmen enorm groß ist, förmlich sperren und jeden Unterricht daselbst strengstens untersagen möge. Es wäre dieß ein Anfang für eine neue Acra aus dem Gebiete des jüdischen Schulwesens in Böhmen. In wie weit jedoch ein Unterschied zwischen einer Winkelschulc und einer öffentlichen Lehranstalt obwaltet, haben wir schon sowohl in diesen, wie in andern den Interessen der Israeliten gewidmeten Blättern nachzuweisen versucht und hoffen nächstens daraus näher einzugehen. Philipp Lederer.

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