Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 12 (8.6.1865)
- Date
- 1865-06-08
- Page
- Seite 100 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ICO Die Orgel beim jüdischen Gottesdienste. „Lobt Gott in seinem Heiligthume, lobet ihn mit Saitenspiel" ruft der gottbegeisterte Sänger in seinem letzten Psalme uns zu, damit der fromme Gedanke, der aus der Seele gen Himmel steigt, durch die harmonische Tonweise erhoben und vom erhabensten Gefühle begleitet und verklärt werde, daß die Herzen der Betenden durch die Zaubergewalt der Töne zur Andacht erweckt, erbaut und auch das kaltblütige, stumpfe Gcmüth zu inbrünstiger Anbetung hingerissen werde. Es könnten noch viele andere Stellen aus den heiligen Büchern hervorgehobcn werden, in denen das Bedürfniß nach gottesdienstlicher Erbauung unter Mithilfe jener Himmclstochter, Musik genannt, als ein gerechtfertigtes geheiligtes erscheint, und die Befriedigung desselben empfohlen, ja geboten wird, wenn die aus den Zeiten des Druckes herüberragcnden durch Gewohnheit genährten Bedenklichkeiten dagegen nicht zum Wohle des Iudenthums bereits überwunden wären. Das Verdienst des ersten Schrittes hierzu ist insofern den Gründern des ersten Tempels zu Prag zuzusprcchcn, da diese zumeist noch der orthodoxen Richtung angehörenden, sämmtlich aber für den väterlichen Glauben erglühenden und friedliebenden Männer im Einverständniße mit dem dortigen Rabbinatskollegium den Gottesdienst geregelt, dabei die Orgel eingeführt haben, somit die Benützung derselben von maßgebendcr Seite als ein Element des isr. Gottesdienstes sauktionirt wurde. Groß und sichtlich tief war der Eindruck der ersten Töne, die bei der Tcmpcleröffnung am 19. April 1837 der Orgel entlockt wurden, auf die vollgedrängte Gemeinde, unter der sich auch der damalige Obcrrabbiner Kauder, wie der im Amte stehende H. S. Freund befanden, und wurde selbst dadurch nicht sehr geschwächt, daß mit dem Beginn des Festabends die Orgel verstummte und die Abendandacht auf den nackten Ehoralgcsang beschränkt wurde. Denn cs hieß damals, die Ausdehnung der Orgelbegleitung auf den Ruhe-und Feiertagsgottcsdienst bilde nur eine Zeitfrage, und man wolle, ohne gegen die Gewohnheit durch Ucberstürzung zu verstoßen, allmälig vorwärtsgehen. Seit jenem Abende ist ein voller Sonnenchclus, eine Reihe von 28 Jahren verstrichen. Hinsichtlich der Zuläßigkeit der Orgclbegleituug an Ruhetagen sind die Akten geschlossen. Denn abgesehen davon, daß hier blos ein cipea mstn obwaltet, während der ursprüngliche w2L' heute nicht mehr beschränken sollte px '2 Tlf* ^2 jipm j'X'pn i:x, daß ferner in Theorie und Praxis der Gebrauch der Musik bei minder erheblichen Anlässen als bei Belustigung der Brautleute (siehe »so "2 mix) bei geselligen Unterhaltungen u. dgl. als ein religionsgesetzlich gestatteter erscheint, derselbe auch in alten Zeiten am Festabende der Gesetzfreude <n"P) in der alten «L-inagoge zugelassen ward, ist diese Frage in neuester Zeit von Gemeinden, an deren Spitze hochachtbare Rabbiner stehen, wie Pest, wie von kleineren auch in unserem Böhmerlande faktisch erledigt. Roch sind aber die Blicke der übrigen böhm. Gemeinden auf Prag gerichtet. Wozu soll aber eine so vielfach verbreitete fast allgemein anerkannte Einrichtung zur Hebung der Andacht noch länger hinausgeschobcn werden. Hat der musikalische Genuß bei häuslichen Unterhaltungen der Sabbatseier keinen Abbruch gethan, so wird er dies desto weniger im Gotteshaufe, wo er unmittelbar das Gemüth erwärmt und zur Frömmigkeit und Veredlung des Herzens entflammt, und auch bei jenen den Anstand fördert, die selbst beim geregelten Gottesdienste hinsichtlich ihrer Haltung noch Manches zu wünschen übrig lassen. Wie ehrerbietig wird jederman das Gotteshaus betreten und verlassen, wenn seine Schritte von den feierlichen Tonweisen begleitet werden. Noch sind wir Israeliten in Oesterreich nicht am Stadium des höchsten ersehnten Rechtszustandes angelangt, um so mehr bedürfen wir als Gesellschaft jenes Gutes, das dem Einzelnen als das höchste erscheint, der Ehre, der Achtung der Umgebung zu dieser führt auch größtcntheils die Gesittung, wie sie sich in unserem öffentlichen Leben, namentlich im Gotteshause kund gibt. Diese wirkt aus die Meinung des unparteiischen Beobachters, des Ortes und Landes, der niederen und höchsten Schichten der Gesellschaft, auf Volk und Regierung mächtig ein, und bildet hiernach ihre Begriffe über unsere Anschauung. Da man in Prag damit umgeht, den alten Tempel zu erweitern, so dürfte die wolgcmeinte Erinnerung an der Zeit sein, daß bei diesem Anlaß die Elite der böhm. Glaubensgeuossenschaft ihr Urtheil über diesen Punkt unverholen ausspreche und die Wohlthat der Orgclbegleituug beim gottesdienstlichen Gesänge an Sabb. und Feiertagen der lechzenden Gemeinde nicht länger mehr vorcnthaltc, welchem schönen Beispiele dann die Landgemeinden mit Beruhigung folgen werden. — Trauer - Kode, gehalten am 19. April I8(i.j, als am Tage der Beisetzung des am 15. April entschlnmerten Präsidenten der vereinigten Staaten gehalten im Tempel der Keneselh Israel Gemeinde zu Philadelphia von Dr. David <Linhorn. Und Gott sprach zu Abraham: Geh ans Deinem Lande und aus Deiner Heimath und aus Deinem Baterhause in das Land, das ich Dir zeigen werde. Und ich werde Dich machen zu einem großen Volke und Dich segnen und Deinen Flamen groß machen, und Du sollst ei» Segen sein, lliiö ich werde segnen, die Dich segnen, und wer Dich flucht, den werde ich verfluchen, und es werden durch Dieb gesegnet sein alle Familien der 6rbe.’(l B. M, 12, 1—4.) ES kömmt der Morgen und die Nacht. (Jef. 21, 11.) Gott hat uns vom höchsten Jubel iu die tiefste Trauer gestürzt. 'Nie war eine Natioualtrauer so tief und innig nie mit solchem Entsetzen gepaart, wie die unsere; denn Eut- Mit wahrer Befriedigung haben wir lehtbin davon Akt genommen. daß in einem hiesigen Gotteshanse dem Abscheu vor dem an den Präsidenten Linkoln begangenen Batermorde Warte g widmet, und dem Andenken des unsterblichen Mannes, der die Freiheit im Geiste des Iudenthums aufgcfaßt, öffentliche Auerkenuunz ausgesprochen worden sctzlichcs ist geschehen, eine That, schwärzer, als die sterncn lose Nacht, und aiwgcbrütct im tiefsten Höllcnpfuhle. Abraham Lincoln, der Liebling seines Volkes, der Erlöser des Vaterlandes, der Befreier von Millionen geknechteter Menschen, der Gesalbte Gottes ist von Mörderhand gefallen, von der Hand eines Menschen, dessen Name der Fluch der Jahrhunderte sein wird. Wie viele Thräncuströme in diesen vier blutigen Jahren auch geflossen — sie sind nur wie ein Tropfen im Thräncnmcere, das dem Herzblute dieser großen Nation entströmt und jene Lade umrauscht, die sie jetzt in Washington dahintragen mit den sterblichen llcbcrrcsten des beist. — Wie uns der würdige k. k. Professor Herr vr. W. Wessely mutheilt, lvird ui einigen Gemeinden Amerikas auch das Kadischgebet für dieses Impfer der Menschen- und Gewissensfreiheit verrichtet. Es kann uns daher nur lieb sein folgende Predigt hier zum Besten zu gek"*' ^ie m Amerika zu in Andenken diesem ausgezeichneten Fceiheits Bertheidiger gehalten worden ist.