Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 11 (25.5.1865)
- Date
- 1865-05-25
- Page
- Seite 97 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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zu sagen ihren Eifer nicht erkalten zu lassen und die neuen, gewiß zeitgemäßen Kräfte, die in den Verein cingetreten sind, collegial unter sich aufzunehmen, um einen Körper zu bilden, der auch achtunggebietend dastcht, wie es dem Vorstande der hervorragenden Muttergemeindc Prags geziemt. Denen, die aus der Vertretung geschieden sind, wollen wir unfern Dank für ihr bisheriges Wirken, für ihre gebrachten Opfer nicht vorenthalten. * Ans Wien ist uns das neue Journal ,,Wiener Geschichten" zugekommen. Eigcnthümer und Herausgeber: O. F. Berg, Redacteur des „Kikeriki", und wir können nicht umhin dies ebenso inhaltrciche als picante Blatt unfern Lesern anzuempfehlen. Man sieht cs dem Tageblatte an, wes Geistes Kind es ist, und wird es gewiß nicht minder als sein älterer Bruder in der Gunst des Publicums sich festzusetzen wissen. Es bringt das Neueste von den Weltbegebenheiten in gedrängtester Kürze mit launigen Nebenbemerkungcn, die wenn nicht weitschweifig, doch Alles sagen, was Leitartikel mit vielen Worten sagen können. Alle Um- und Zustände Wiens, der Stadt wie der Vorstädte, sind kurz, prägnant uud scharf gezeichnet.— Doch wozu viele Worte; das Werk lobt den Meister und mittelbar sich selbst. Illustrationen geben dem Blatte ein weiteres Interesse. * In Paris starb vor Kurzem der bekannte Professor Ollendorf, dessen Methode in den Sprachunterricht einen neuen Gang gebracht. — Wer kennt die Ollcndorf'schen Sprachbücher nicht'? In unserer „Deborah" werden wir die Biographie dieses Mannes, der ein Jude war, bringen. * Am 14. d. fand im Sitzungssaale der Beerdigungsbrüdcrschaft die Generalversammlung der Brüderschaft für Krankenpflege (Derech Jeschara und Maskil el Dol) statt, und ist da der Bericht und die R.'chnungsvorlage des Rechnungsausweises Pr. 1863—1864 verlesen worden und haben diese allgemein zusriedengestellt, so daß bei der vorzunehmenden Wahl des Vorstandes der alte Körper wiedcrgewählt würde, und zwar: Herr Leopold Gitschin, Med. Dr. und Stadtverordneter als Direktor, Herr Jacob Neustadt! Med. und Chirg. Dr als Cassier, Herr Carl Gottlieb Bond y, Stadtrath oc. Vorsteher, ferner die Herren Selig mann Dus chene s, Moses Edler v. H ö n i g s b e r g, Jacob Rose rill erg, Marcus Teller, Med. Dr., uni> David Zappcrt. * An Juden befinden sich : In Victoria (Australien) 5903; in den russischen Ostsceprovinzen 304 .'8: in Brünn 6000; in Rom 4490; in Leipzig 1021; in Italien 40o00; in Triest 5000; in Livorno 4340; in Venedig 2500; Florenz, Turin, Mantua und Modena je zu 2000; in Ferara 1600; in Ancona 1500; Verona 1400; Alessandria und Pisa zu 800; Easalc 700; Bologna 650; Vcrcelli 600; Neapel 350; Parma 280; Genua 250. * Der Wahlspruch „Mit vereinten Kräften" hat wieder im gedeihlichen Zusammenwirken zweier sonst verschiedennamiger, wenn auch gleichen Zweck verfolgender Vereine sich bewährt, indem ein uns vorliegender Ausweis der Einnahmen u n d A u s g a b e n nebst Uebersicht dcsVcrmö g ens sta n dcs des i s rae li ti sch cn K ra n kcn pflege v e r c i n e s I) e r e c h j e s ch a r a h u n & M a s k i 1 e 1 dol in den Jahren 1863 und 1864 die erfreulichsten Resultate desselben, als ein gckrästigter Körper wirkend, darstellt. — Durch ernstes und thätiges Bestreben des Vereinsvorstandes und die Opserwilligkcit der Mitglieder hat das Vercinsvcrmögen die Höhe von 15338 fl. 71 kr. erreicht. Spenden sind ausgewiesen: Sr. Em. Herr Cardinal Erzbischof von Schwarzenberg mit jährlichem Beitrag zu 100—200 fl; Hr. Carl Gottlieb Bondy 100 fl.; H. S. Kohn 6 fl. 47 kr; Frau Rosa Edle von Portheim 100 fl.; Fr. Franciska Rosenberg 89 fl. 50 kr. Hr. I. Rosenberg 75 fl.; Frau Caroline Schwab 20 fl.; Hr. E. Sobotka 3 fl. 32 kr. Hr. Thorsch. Ephraim 20 fl.; Hr. Thorsch Philipp 300 fl.; Hr. I. G. Wehli 10 fl. — in den 2 Jahren die summe von 924 fl. 29 kr. — Der Verein Derech jescharah hat in den beiden Jahren 81 und der Verein Maskil el dol 34 Mitglieder in Krankheitsfällen unterstützt. — Der Rcchnungsbericht enthält auf der letzten Seite auch ein Verzeichmß der verstorbenen VcreinSmitgliedcr und deren Sterbetag in beiden Zcitrechnungsartcn ans den Jahren 1862 und 64.— Es ist dies der erste derartige Bericht dieses Vereines, und hoffen wir, daß das Ergebniß desselben ebenso allgemein befriedigend sein wird, als er geeignet sein dürfte, diesem Vereine recht viele neue Mitglieder zuzuführen, einem Vereine, der zugleich für Körper und Seele seiner Glieder sorgt. Lemberg. Hier erscheint seit Kurzem eine neue hebräische Zeitschrift „Jbr i Anochi" unter der Redaction des Herrn Baruch Werber aus Brodi. Jedenfalls ist das Austauchen so vieler Zeitschriften in hebräischer Sprache ein Beweis, daß die jüdische Literatur sich guter Pflege erfreut. Möge die neue Zeitschrift ihrem Titel Ehre machen und ihm stets vollkommen entsprechen! Frankfurt a. Ä)t. Bei den jüngsten Wahlen zum Eolleg der ständigen Bürgerrcprüsentation wurden unter Andern auch zwei Israeliten (die ersten, die jemals in das Eolleg gelangten) gewählt. Es sind die Herren Rütten und Dr. Neukirch. Ballenstedt, 1. März. (Privattmith.) In vergangener Woche ist hier ein 31jährigcr Mann aus Ealbe a/Milde von der evangelischen Religion zum Judenthume übergetreten. Der besagte junge Mann wandte sich behufs seiner Aufnahme in das Judenthum an den hiesigen Religionslehrer, Herr Elkeles und erklärte demselben, daß er sich mit der Wichtigkeit und mit den Pflichten des israelitischen Glaubens bekannt gemacht habe und aus vollkommener Ueberzcugung zum Judenthume übergehen wolle. Es wurde in Folge dessen ein Drcimänner-Gericht gebildet, und nachdem er auch vor diesem seinen unerschütterlichen Entschluß, in das Judcnthum eintreten zu wollen, ausgesprochen hatte und nochmals auf die Wichtigkeit der jüdischen Religion aufmerksam gemacht wurde, wurde der rituelle Act der Beschneidung durch Herrn Elkelcs, welcher zugleich Mohel ist, in höchst geschickter Weise an ihm vollzogen. Kopenhagen, Anfangs Jjar. (Privatmitth.) Hier in der Hauptstadt Dänemarks bewegt sich das jüdische Leben ganz ohne Anspruch auf öffentliche Anerkennung; nichtsdestoweniger entfaltet cs sich nach allen Seiten hin in einer Weise, die allen Anforderungen an eine jüdische Gemeinde — und diese sind in neuester Zeit so relativ und elastisch, daß cs wohl schwer sein dürfte, sie in ein universelles Ganze zu fassen — gerecht zu werden bestrebt. Von den 8263 „Anhängern Moses", wie die officielle Sprache die Juden nennt, die in unserem Königreiche leben, kommen circa 3000 auf seine Metropole, und unter diesen sind alle Fractionen, in die das Lager Israels getheilt, vertreten. Im Allgemeinen herrscht Wohlstand, wenn auch nicht immenser Rcichthum, in hiesiger Gemeinde, beträchtliche Factoren, die keine Gelegenheit verabsäumen, sie zur Geltung zu bringen. — lieber die Stellung des Judenthums dem Staate gegenüber sind von unserem Königreiche bereits mehrfache Facta migctheilt worden, die erkennen lassen, daß in demselben der Jude auch als Mensch lebt und geschätzt wird. Die Folgen des vorjährigen Krieges lassen jetzt in den Herzogthümern auch auf jüdisch religiösem Gebiete ihre Spuren merkbar hervortretcn. Viele Gemeinden derselben besitzen jetzt auch nicht einmal einen Lehrer und werden solche und noch andere religiöse Institutionen auch noch so lange entbehren müssen, bis die Annexion ('?) zu einem der deutschen Staaten entschieden sein wird. Wie es von unserer Regierung bekannt ist, daß sie in jeder Hinsicht den Interessen des Judenthums gerecht zu werde» sich bestrebt, so können wir es hier auch nur anerkennen, daß sic, als noch Schleswig-Holstein unter dänischer Oberhoheit stand, Alles aufgeboten, die Lage der dortigen Israeliten zu heben und zu verbessern. Paris. Das geistliche Oberhauvt des französischen Judenthums Herr Rabbiner Ullmann, Großrabbi des Central-