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Das Abendland · 1865-05-25 · 11 (25.5.1865) · p. Seite 92

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
11 (25.5.1865)
Date
1865-05-25
Page
Seite 92 (sequence 2)
Language
German
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— 92 — getreten, weil in der Bibel der Siebenhügelstadt wahrscheinlich dieser Bibelsatz fehlt oder gestrichen wurde. Aus der Gottesidce und der Gottähnlichkeit des Menschen gehen alle anderen ewigen Wahrheiten des Judenthums hervor. Sie umfassen alle Wahrheiten: über Gott und Menschen, über Selbstbestimmung und Selbstbeherrschung, über irdisches und ewiges Leben, über Tugend und Recht, über Gerechtigkeit und Liebe, über Staaten und Völker, über Freiheit und Brüderlichkeit! Im Geiste dieser Wahrheiten lebte und wirkte Abraham; sie sind das Erbtheil, welches er seinen Nachkommen vererbte. Damit sie aber im regen Völkerlcben nicht getrübt, gefälscht oder vergessen werden, wurden sic durch die sinaische Offenbarung, durch die Verkündigung der Lehre von der positiven Religion verkörpert. Der Mosaismus ist der Leib, belebt vom Geiste der ewigen Wahrheiten. Israel ist das von Gott gewählc Volk, das mittelst der positiven Religion die ewigen Wahrheiten rein erhielt; cs trug mit dem Leibe den belebenden Geist durch alle Zeiten über den Erdball und verbreitete die ewigen Wahrheiten unter den Völkern aller Zonen. Nie hat sich Israel von diesen Wahrheiten losgesagt. Glücklich oder unglücklich, frei oder geknechtet, in Palästina, in Babel, in Europa und Amerika, auf dem Schaffot und ans dem prasselnden Holzstoffe hielt es fest an den ewigen Wahrheiten; sie waren ihm höher und weythvoller, als Besitz und Reichthum, als Leben und seine Genüsse! Jedes Blatt seiner Geschichte gibt ihm dieses ehrenvolle Zeugniß, und dieses Volk sollte in der Jetztzeit dem Leben, sein heiliges Erbtheil, seine Geschichte, seine Mission vergessend, all' dieses leichtsinnig opfern? Wer Gelegenheit hat, das jüdische Leben der Jetztzeit in allen gesellschaftlichen Schichten, vom Hausierer bis zum Großhändler, vom Bettler bis zum Banqnier, vom Handwerker bis zum Künstler, vom Unwissenden bis zu den Koryphäen der Wissenschaft zu betrachten; wird zur Ueberzeugung gelangen, daß das jüdische Leben auch heutigen Tages mit den ewigen Wahrheiten des Judenthums in keinem Widerspruche steht, daß Leben und Lehre mehr als je in Eintracht verbunden sich gegenseitig unterstützen, aufmuntern und kräftigen. Wo ist der Jude der Jetztzeit, der von Gottesidee nicht durchdrungen wäre? Wer von den heutigen Juden erkennt den Menschen in der Farbe, in der Sprache, in der Nationalität, im Stande oder in der Confession? Wo ist der Jude, der nicht in warmer Brüderlichkeit jedem Menschen hilft, jeden tröstet, wenn er helfen und trösten kann? Wo ist der Jude, der Menschenrechte mit Füssen tritt? Wo ist endlich der Jude, der vom Glauben der Unstreblichkeit der Seele, von einem ewigen Leben nicht tief überzeugt wäre? Selbst der leichtsinnige, mit sich selbst zerfallene, mit seinem Witze alles Heilige zersetzende Heinrich Heine starb mit Anerkennung der ewigen Wahrheiten des Judenthums. Könnten wir die letzten Augenblicke aller aus dem Lager des Judenthums Geflüchteten belauschen, wir würden von den sterbenden Lippen das letzte Bekenntniß Heine's lispeln hören. Wahrlich nicht alle Gewässer des Oceans, nicht die heiligen Fluten des Ganges besitzen die Kraft, aus dem Gemüthe des Juden die ewigen Wahrheiten des Judenthums zu vertilgen! Wer also zwischen dem Leben des Juden der Gegenwart und der Lehre der ewigen Wahrheiten des Judenthums einen Widerspruch erblickt, ist ein Schwarzseher, ist ungerecht gegen die Bekenner des Judenthums. Noch heutigen Tages lebt und stirbt der Jude festhaltend an den ewigen Wahrheiten des Judenthums! (Schluß folgt.) U» die jüdische» Heere» Lehrer, sowie an die Schul- und Jugendfreunde Äöhniens nöerhanpl.*) Bekanntlich fand im October v. I. eine Versammlung jüdischer Lehrer Böhmens in Prag statt. Von dieser wurde cm prov. Comite (bestehend aus den Herren Dr. Grünhnt, Professor Adler, Jnstitntsdirector Frei, Lehrer Löwy ans Beneschau und dem Unterfertigten) behufs Vorberathung der Statuten eines Vereines zur Unterstützung hilfsbedürftiger Lehrer, deren Witwen und Waisen gewählt. — Gemäß weiter getroffener Vereinbarung sollre der Entwurf der Statuten einem weitern Ausschüße hervorragender Eapacitätcn der Prager jüd. Gemeinde (namentlich von der Lehrerversammlung dazu erwählt) zur Begutachtung und Nachbcrathung vorgclegt werden. Nachdem nun das prov. Eomitc sich seiner Aufgabe entledigt und den Entwurf dem Präses der Prager iSracl. Enltnsgemeinde Herrn Ernst Wchli überreicht hatte, fanden ans Veranlaßung und unter Vorsitz des letztgenannten Herrn im Lause des Monates April mehrere Beralhnngen auf dem Prager jüd. Rathhausc über diese Angelegenheit statt, an welchen nebst dem prov. Eomitc auch der weitere Ausschuß, bestehend aus den Herren Prof. Dr. Wessely, Prediger Dr. Stein, Hauptschuldirector Utitz und das Mitglied der böhmisch-jüdisch. LandeSrepräsentan; S. I. Schwarz Thcil nahmen. — In Folgendem beehrt man sich nun, den auf diese Weise vereinbarten Entwurf der öffentlichen Prüfung und Beurtheilnng zu übergeben. Ilm jedoch so bald als inöglich zu einem gedeihlichen und endgiltigen Resultate zu gelangen und thuulichst allen Wünschen und Ansprüchen gerecht zu werden, hat sich der weitere Ausschuß über folgenden Vorgang geeinigt. Es werden nicht nur die jüd. Herren Lehrer Böhmens, sondern überhaupt Alle, die diese hochbedentsamen, weil nicht blos die Interessen der jüd. Lehrer, sondern in zweiter und dritter Linie auch jene der Gemeinden und der israel. Jugend nahe berührenden Angelegenheit ihre menschenfreundliche Aufmerksamkeit zuwendcu wollen, hiemit dringend aufgefordert und ersucht, binnen acht Wochen vom heutigen Datum an gezählt ihre Gutachten, Meinungen, Wünsche, Vorschläge :c., diese Statuten betreffend schriftlich an die Adresse des Herrn Präses Ernst Wehli in Prag zu leiten. — Es versteht sich von selbst, daß die Herren Einsender sich so kurz und bündig als möglich faßen, auch ihre Vorschläge wie die allenfallsige *) Es freut uns, durch obigen, vom Eomitc des zn creirenden Vereins der bohm.-jüdischen Lehrer zur Unterstützung hilfsbedürftiger Lebrer, deren Witwen und Waisen erhaltenen Ausruf eonstatiren zn tonnen, daß dieser in der „Zeitstimme" vom Herrn Hauptschullehrer M. Pick in Pischally angeregte und vielbesprochene Verein endlich einer hoffentlichen Realisirung entgegengeht, und glaubten wir Herrn Pick diese Bemerkung schuldig zu sein, weil wir den Urheber der Angelegenheit nicht gerne in den Hintergrund gedrängt wissen wollen, nach dem Ausspruche: V'byno Die yjsn

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