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Das Abendland · 1865-05-11 · 10 (11.5.1865) · p. Seite 88

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
10 (11.5.1865)
Date
1865-05-11
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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88 gefochten; imb da dessen sterbliche Ueberrcftc die ersten waren, die ans dem dort erst jüngst errichteten isracl. Friedhose beigesctzt werden sollten, so wurde der Kreisrabbiner Dr. Elbogcn ans Jungbnnzlau vom Beerdigungsvereine zur Leichenfeier eingcladen. Diese begann um 8 Uhr Morgens mit der Absingung des 91. Psalmes vor dein Traucrhanse, woraus sich der Zug durch die schönsten und belebtesten Stadttheilc unter zahlreicher Thcilnahme der christlichen Bevölkerung nach der neuen Begräbnisstätte an der Friedländcrstraßc nächst Rupersdors hin bewegte, wo sich bereits eine große Menschenmenge eingefunden hatte, die sodann zu Tausenden anwuchs. Dort wurde das Hazurtomim recitirt, worauf Dr. Elbogen, von dem SatzeI „Er soll friedlich hinüber wallen" usw. im Iesaias 57. 2. ausgehend, eine auf die Einweihung des Friedhofes durch den Greis, wie auf die Berdicnste der Veteranen bezügliche Rede hielt, dann am offenen Grabe die üblichen Trauersprüchc und ein Seelengebet verlas, wobei die große Masse der innerhalb und außerhalb der Friedhofmaucrn Anwesenden die tiefste Stille und andächtigste Haltung beobachtete. Auch der Ausschuß des Veteranenvereines erwies dem dahingeschiedenen Kameraden, dem Leichenwagen hinter den Leidtragenden folgend, die letzte Ehre, und sämmtliche Mitglieder desselben senkten ihm in Liebesgaben Erde auf den schwarzen Sarg in's Grab und haben dem verblichenen Mitbruder, wie die gesammte Stadtbevölkcrung, an der der Conduct vorübcrkam, eine vorurtheilsfreie Thcilnahme bezeigt. Die treffliche Rede des Herrn Kreisrabbincrs hat nicht verfehlt, allgemein den besten Eindruck zu machen, und dies umsoweniger, als derselbe Vieles über Vaterlandsliebe und die Pflichten des Juden als Staatsbürger, der Regierung wie den Mitbürgern gegenüber gesagt hat, was manches Vorurthcil berichtigte und und beseitigte dem nichtjüdischen Theil der Anwesenden einen ganz andern Begriff vom jüdischen Wesen zu geben geeignet war. — H . . . Preßburg, den 21. April 1865. A Das preß bürg er Judcnthnm mir seinen starrsinnigen, unbicgsamen, ungehobelten und eckelhaften, in anderen Gemeinden bereits an's Fabelhaste gränzenden Manieren, ist nicht nur in Ungarn und der gesammten österreichischen Monarchie, sondern auch in anderen Kronländern, wo echt jüdische Gemüther dem Zeitgeist und dem Fortschritt huldigend veraltete Gebräuche und Sitten zu entfernen suchen, sprichwörtlich geworden. Glanz und Reichthum ist hier geschwunden; denn die meisten der Intelligenz Angehörenden, alles Widerwärtigen satt, gingen in^ die Residenz. Den säst einzeln Zurückgebliebenen sind wir zu öffentlichen Dank verpflichtet; sic hatten den Muth, mitten unter Finsterlingen einen Rcsormtcn:pel in's Leben zu rufen, der, wenn auch mühselig und auf freiwilligen Opfergabcn basirt, dennoch schon 3 Jahre lang soribcsteht. Uw das Erhalten machen sich's aus dem Vorstand die Herren Ai an dl und Bunzl, und von Privaten die Herren Biach Philipp, Stern, als Spender besonders erwähnt zu werden, verdient. Doch trotz Dpfcrn und großer llmsicht wäre das edle Streben bald zu Richte geworden, das mühselige Zusammentragen war dem Vcrstiebcn nahe. Alan munkelte nicht nur, sondern man sprach cs laut und offen: Die Po sch im liegen goses, und die Lehrer der Primär- Hauptschule stimmten, den lachenden Erben gleich, mit verklärten Blicken das Schauder erregende am siebenmal an. Die Uedeloeh in der Gasse reichten sich freudenvoll die Hände und riesen verzückt: brnn nyi "□~n idj üy; er schläft nicht, er schlummert nicht, der Hüter in Israel. Ja! er schläft und schlummert nicht, unser Hort und Hüter, denn er sandte uns in Herrn David Brüll eine Stütze, damit das Gerechte, Schöne und Erhabene durch Finsterlinge nicht zerstört werde. Während der Triumpf in der Gasse von Haus zu Haus den Untergang der Chor schul verkündete, hielt Brüll an hds bin ''y'lV seine vor einem fast überfüllten Gotteshause sehr gelungene Predigt. Nicht der blumenreichen Sprache, nicht der Gediegenheit des Vortrages nicht der Durchführung wollen wir gedenken (es sind Thatsachcn, die Brüll als talcntirten Redner schon längst bekundeten), es war der Scharfsinn seiner Rede, welcher zündete. Der für seinen Glauben begeisterte und fromme Redner iheiltc die aus Aegypten ziehenden Israeliten in 4 Elasten, und zwar: in Furchtsame, Starrsinnige, Schreier und Faulenzer. In Bezugnahme ans uns prcßburgcr Mischlinge konnte die Classificirung ein herrlich gelungenes Bild genannt werden, welches seinen Effect nicht verfchtc. Die zahlreich Anwesenden waren nicht nur begeistert, sondern wie ans einem, so erscholl es auch aus jedem Munde: Die Frucht, unser 3jähriges Ringen durch Selbstcrlahmnng vernichtet zu sehen, ist geschwunden, wir sind stark, so lange wir Brüll unter uns haben! Die Macht der Rede also war es, die unsere Reform wieder ausrichtete und uns den Sieg über unsere Frohlocket verliehen hat, wofür wir Herrn Prediger Brüll unfern wärmsten Dank hiemit öffentlich aussprechen. Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Vergangenen Samstag hatten wir das Vergnügen, in der Meiselsynagoge einer trefflichen Predigt des Herrn Rabbinen Dr. Stein beiznwohnen, welcher eine Ansprache vorangegangen war, in welchem er einem nixa-“a die ihm nun gewordenen Pflichten an's Herz legte, unter welchen er Heiligkeit, Sittenreinheit und allgemeine Menschenliebe als die wichtigsten hervorhob, wie dies im Wochenabschnitt und der Haftarah vorzüglich ausgesprochen, welchen ersten der in die Gemeinde Israels Ansgenommene vorlesen gehört und letztere selbst vorgelesen hatte. Die Predigt hatte den Vers ica D'rr lKTn voni zum Text und betonte insbesondere, daß nicht Elternliebe befohlen ward, die schon in der Natur des Menschen und sogar des Thieres liegt, aber Gott will Ehrfurcht vor Vater und Mutter; Ehrfurcht, die nur ein Mensch gegen Gott und die Menschen haben kann, Ehrfurcht, die in den Eltern den Gott sicht, und sprach in diesem Sinne über Erziehung in gegenseitiger Beziehung zwischen Eltern und Kindern; über das Verhalten der Eltern den , Kindern gegenüber, und das der Kinder gegen die Eltern. --! Die Eltern müssen für das Kind ein Gott sein, als solcher vor ihm sich benehmen, und so wenig als. möglich Menschliches von sich sehen lassen. Dem Kinde müssen die Eltern wie Gott allwissend, allgcrecht, allmächtig erscheinen, sie müssen ihin gegenüber Alles können, Alles wissen, Alles besser verstehen. — Die Eltern müssen den Kindern Gott sein, dem man nicht nur für Gutes, dem man auch dann muß dankbar sein, wenn scheinbar das Gcgcnthcil von ihm kömmt. Diese Ehrfurcht darf selbst der Tod nicht begränzcn, daher die hei- , lige Sitte, daß der Israelite am „Iahrzeit" mit der versammelten heiligen Gemeinde die erhebenden Worte ausruft: „Der Name des Allerhöchsten sei gepriesen auf ewig und in der Ewigkeit Ewigkeiten." Nachdem die Predigt geschlossen, und die Gemeinde zur Beherzigung des Gehörten wiederholt aufgefordert ward, richtete Herr Prediger Stein einige Worte an die Zuhörer, in welchen er es als heilige Pflicht anerkannte, daß dem Gefühle über MF" Fortsetzung in der Beilage.

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