Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 10 (11.5.1865)
- Date
- 1865-05-11
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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87 manche Forschung in Fluß bringen mögen, die in der Kälte der Vernachlässigung erstarren und erhärten muß. Warum dem Verfall ruhig Zusehen, ohne zu stützen oder auszubessern, wo eine Lücke geworden? — Dies im Allgemeinen. -- Was den Conflict zwischen dem Herrn Rabbineu in Prag und unserem Freunde Herrn Krcisrabbinen Dawid Löwy, den so zu nennen wir stolz sind, betrifft, sind uns für Ersteren mehrere apologetische Schreiben zugekommen und haben wir das Vorstehende darum vor andern gewählt, weil cs uns am trefflichsten und den Gegenstand erschöpfend geschienen und überdies am Gemäßigtesten gehalten ist. Von einer Versöhnung der Parteien, wie Herr Sone Awel meint, kann umsoweniger eine Rede sein, als es auf eine Beleidigung gewiß nicht abgesehen war, wie wir cs auch von dieser Seite weder betrachtet haben, noch es betrachtet wissen wollten, nachdem es sich nur um Objectives, keineswegs aber um Subjectives handelt. Hoffentlich wird eine Erklärung in diesem Sinne von meinem Freunde nicht ausbleiben, wenn wir diese hiemit auch nicht povocirt haben wollen. nn» 'lbism nc«n Die Redaction.) Dobrisch, am 23. April 1865. Geehrter Herr Redacteur! Wollen gefälligst Nachstehendes in Ihrem geehrten Blatte aufnehmen. Bietet der Fortschritt der israelitischen Gemeinden im Allgemeinen ein erfreuliches Zeichen der Bildungsfähigkeit des Israeliten dar, so ist dies speciell nicht minder im Wesen unserer Gemeinde der Fall. Von Tag zu Tag beginnt jener Obscurismus bei uns zu schwinden, der den Israeliten nie jene Stelle cinnchmeu ließ, wie sie ihm, seiner Intelligenz nach, mit Recht zukömmt. Die Mehrzahl unserer Gemeiudeglieder z. B. huldiget den Reformen des Iudeuthums, ohne daß dadurch den Geboten unserer Religion auch im mindesten Abbruch geschieht. Mit sehr löblichem Beispiele geht in jeder Hinsicht unser ehrenwerthcr Cultusgemeindc-Vorstaud Herr M. Lewinsky voran, ein Mann mit ungewöhnlicher Intelligenz; der Feind jedes das Judenthum schändenden Zelotismus, ist er rastlos bemüht den Gemeindeinteressen die größte Sorgfalt zu widmen, weshalb er sich der größten Achtung und Liebe, nicht nur der Israeliten, sondern auch der sämmtlichen katholischen Bürgerschaft erfreut. Den glänzendsten Beweis hievon gab die auf benannten Herrn gefallene Wahl zum Ausschußmitglicde in der Stadtvertretung. Wohl wissend, daß nur die Volksschule es ist, die den Keim der künftigen Bildung in sich trägt, unterlässt der Herr- Vorsteher auch nichts, was zur Hebung desselben beitragen könnte. An unserer israelitischen Schule, welche gegenwärtig von mehr als 60 Kindern besucht wird, wirken Herr Hauptschullehrer M. Dubsky, der schon 3 Jahre mit trefflichem Erfolge die Schule leitet und zugleich den Unterricht in böhmischer Sprache erthcilt, und Herr Hermann Dux, Rcligiouslehrer, der zugleich die religiösen Functionen im Gotteshause versieht. Ich bin in der Lage Ihnen versichern zu können, daß beide Herren mit redlichem Eifer und lobenswerter Gewissenhaftigkeit Alles aufbieten, um unserer Jugend neben geistigem Wissen jenes religiöse Gefühl einzuflößen, das allein zur Hebung des Iudeuthums beizutrageu im Staude ist. Diesem Umstande namentlich haben wir es zu danken, daß unsere israelitische Schule, welche nebenbei gesagt täglich der Ocffentlichkeitserklärung von Seite der Behörde cntgegcusieht^ daß diese Anstalt sich im weiten Umkreise des besten Rufes erfreut, genießt eine bedeutende Anzahl auswärtiger Zöglinge an unserer Schule den Unterricht. £, möchte nur dieser Geist des Fortschrittes stets unter uns walten, und derselbe seine wohlthätigen Folgen uns nie vorenthalten. I. L. Ein Freund des Fortschrittes. Kutteirplan. Als ein Zeichen der Zeit darf wohl der allerorts sich kuudgebcude Sinn für Hebung des Volksschnlwesens angesehen werden, und ist es eine erfreuliche Thatsache constatiren zu können, daß die Zahl der israel. Volksschulen seit einem Deccnnium in sehr überraschender Weise zugeuommen habe. Um aber diesen aus dem Gebiete der Volksschule gemachten Fortschritt noch prägnanter darzustellen, möge eS mir gestattet sein ein Pröbchen aus unserer ehrwürdigen Gemeinde mitzutheilcn, um darzuthun, mit welchen Schwierigkeiten mau hierorts itodj vor einigen 30 Jahren zu kämpfen hatte, bis cs endlich gelang, eine össcutlichc israel. deutsche Volksschule zu creiren. — Der nunmehr in Gott ruhende Gras Eajctau von Berchem Haimhausen, ehemaliger Besitzer der Domäne Kutteuplan, dessen Edelsinn in hiesiger Gegend fast sprichwörtlich geworden ist, war schon vor Jahren bestrebt jenen Schulzwang zu beseitigen, mit welchem die israel. Kinder an die katholische Schule gebunden waren, daher der Herr Gras im Jahre 1829 bereits der hiesigen Judcugemcinde den sehr freundlichen Rath crthcilte, beim damaligen Prager Gubcrninm um Bewilligung zur Crcirung einer israel. deutschen Trivial-Schulc cinzuschrcitcu, versichernd, daß er seinerseits bemüht sein werde für dieselbe nach Thunlichkeit zu intcrveniren. Die Gemeinde, vom besten Willen beseelt, ließ cs natürlich auch ihrerseits nicht an den geeigneten Schritten fehlen; doch was hals's? binnen Kurzem erfolgte die Zurückweisung. — Man ließ sich diescrtwcgen nicht einschüchtern und rccurrirte, wurde jedoch abermals abwcislich beschieden, bis man sich endlich an das Ministerium wagte, welches jedoch ganz im Sinne der beiden Instanzen abschlägig entschied. Unser edle Rathgeber und Protector, durch die Erfolglosigkeit der Bestrebungen unserer Gemeinde höchst unangenehm berührt, beschloß nun diese Schulangelegenheit in einer Audienz vor den Thron Seiner Majestät des Kaisers Franz zu bringen. Die Möglichkeit der Ausführung dieses vom wahrhaftigem Herzensadel zeugenden Gedankens bot die um diese Zeit fallende Reise nach Baiern, woselbst Seine Majestät die Kreisstadt Pilsen mit Höchstseiner Anwesenheit einige Zeit beglückte. Kaum hievon in Kenntniß gelangt, eilte der Herr Gras nach Pilsen, ließ sich zur Audienz anmelden und erhielt dieselbe allsogleich, indem sich Kaiser Franz der besonders humanen Behandlungsweise gegen österreichisches Militair und der österreichfreundlichcn Gesinnung dieses baierischen Cavalicrs aus früherer Zeit noch gut zu erinnern wußte. Sofort wurde mittelst allerhöchsten Handschreibens die Bewilligung zur Errichtung einer israel. deutschen Trivial-Schnle erthcilt, die während ihres ersten Bestandes noch mehrfache Kümpfe durchzumachen hatte, bis dieselbe endlich mittelst Hosentschließnng vom 25. Decembcr 1831 und Gub.-Berordnnng vom 16. Februar 1832 Z. 989 hochortig privilegirt wurde. So besitzen wir hierorts durch die edelmüthigste Befürwortung des leider zu früh entschlummerten Herrn Grasen eine öffentliche d r e i c l a s s i g e Schule,*) deren Segnungen bereits die zweite Generation sich erfreut. Daß diese Bemühung nicht umsonst geschah, wird wohl Jeder erwägen, der die Cultur-Stusc der hiesigen Gemeinde im Verhältnisse zu andern Gemeinden des flachen Landes zu vergleichen sich bestrebt, und möge diese schwierige Errungenschaft sammt ihren Erfolgen den jüdischen Gemeinden den Impuls geben, ebenfalls für Gründung selbstständiger öffentlicher Volksschulen zu petircn, umscmchr, als es den heutigen Gemeinden bei Weitem leichter gemacht wurde. Aus dem nördlichen Böhme n. Am 20. April fand in Reichenberg eine erhebende Trauerfeierlichkcit statt. Es war am 18. d. M. daselbst ein greiser Veteran gestorben, der im Befreiungskriege in den Reihen der Tapferen *) Noch heute bezieht die Schule alljährlich das Bcheizungs-Materiale aus der herrschaftlichen Waldung in 4 klaftern Scheitholz gratis.