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Das Abendland · 1865-05-11 · 10 (11.5.1865) · p. Seite 83

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
10 (11.5.1865)
Date
1865-05-11
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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83 (Sitte Vorlesung. (Von Dr. M. Duschak. — Fortsetzung.) .'b)y npm Mit diesen Worten schärft uns die Bibel gar viele Ceremonial-Gesetze ein. So lange Gott nicht ans dem flammenden Sinai erscheint und uns in eben so feierlicher Weise von dem Ceremonialgesetze entbindet, als er uns dazu verband, so lange kann uns keine irdische Gewalt und Macht davon dispensiren. Dies ist Mendelssohns Ausspruch. Haben aber die Ceremonialgesetze mit dem Glaubens- und Sittengesetzc auch gleiche Dignität und gleiche Würde? Keineswegs; und wenn dies vom Maimuni des zweiten Theiles des nno behauptet wird, so ist er offenbar im Irrthum. Man lese die Einleitung in die Herzenspflichten von Bachajc, wo die diametral entgegengesetzte Ansicht auseinander gesetzt wird. Wer dem Monotheismus entsagt, wer nicht dem unmittelbaren Verkehr Gottes mit dem Menschen glaubt, der hat das Band zerrissen, das ihn an dem Judenthume knüpft, der heißt nicht mehr Jude; wer dem Sittengesetze Hohn spricht, gegen die Moral frevelt, der gehört zwar noch immer seinem Gotte und dem Judenthume an, aber er hat die Pflichten als Meusch gegen die Menschen verletzt, er hat die Bande gelockert, welche ihn an die Menschenwelt knüpfen; der Uebertreter eines Ceremonialgesetzes dagegen bleibt Jude, bleibt Mensch, er hat nur die Pflichten des Gehorsams gegen Gott verletzt, patt? nroy "IE3Q nMl npab Das biblische Judenthum enthält also nichts Vergängliches und Veränderliches, mit Ausnahme desjenigen, was der himmlische Gesetzgeber selbst für veränderlich und auflösbar nach Zeit, Raum und Umständen erklärte, z. B. jene Gesetze, welche an den palästinensischen Boden und an den Tempel geknüpft waren; die Verschiedenheit der pentateuchischen Vorschriften besteht lediglich nach Rang, Würde und Dignität. Diese Differenz stellt sich prägnant dar, bezüglich der Aufgabe, welche das Judenthum und die Judcnheit nach Außen der Menschenwelt gegenüber hat. Einer jeden Nation rmf ßfrlyn bat der genfer der irdischen Geschicke dre Mstttiung einer Aufgabe anvertraut, hat ihr ein Ziel vorgcstreckt, das sie zu erreichen, ihr eine Mlssiou ertheilt, der sie nachzukommen hat. So haben die Römer Schlachten geliefert, Völker besiegt, die Kriegskunst gefördert und eine Gesetzgebung geliefert, welche der Grund und Boden ist, aus welchem alle späteren Gesetzgebungen sich aufbaueu; so waren die Griechen Meister und Muster in Kunst und Wissenschaften. In der Neuzeit ist Frankreich das Volk der Civilisation, England Nation des Handels, in Deutschland wird Wissenschaft gehegt, wir Juden sind das Volk der Religion, die reine Gottesverehrung ist unsere weltgeschichtliche Mission, wir haben die Aufgabe und die Bestimmung, der Menschheit mit der Fackel der Wahrheit und der Klarheit vorzuleuchten, den einig einzigen Gott zu lehren, mit der reinsten und unbescholtensten Sittlichkeit voranzugehen, mit einem Worte die Erkenntniß Gottes und die gediegenste Sittlichkeit zu üben und zu verbreiten. Was aber die Ceremonialgesetze betrifft, so sind sie nur für Israel und nicht für die andern Völker bestimmt und gegeben; darum gibt es keine Prosilitenmacherei im Judenthume, darum durfte der Nichtjude kein jüdisches Cermonialgesetz üben, wenn es mit socialem Leben collidirte. im'fc' 'my nrrn zpvi Darum wird jedem Nichtjuden die Seligkeit zucrkannt und zugesprochen, sobald er nur die 7 uoachidischen Gesetze beobachtet, welche die Kernpunkte der reinen Gotteserkenntniß und des Sittengesetzes enthalten. Das Sittengesetz steht so hoch über das Ceremonialgesetz, daß ’anippnp 'i bie um den Fall Jerusalems allzu sehr Trauernden damit beruhigte, daß er ihnen sagte - Übet statt Darbringung der Opfer Wohlthätigkeit. Und als die Kanaiten zu Lida nach dem Falle Bethas sich zu einer Synode versammelten, beschlossen sie, daß man für kein Ceremonialqesctz das Leben lasse müsse. So viel in Beziehung des ^biblischen Judenthums. Wie ist es aber mit dem rabbimschen Judenthum? Ist es ewig und unveränderlich oder nicht? Ehe wir diese Frage beantworten, müssen wir einen Blick ans die Geschichte des jüdischen Religionsgcsetzes werfest, wir müssen die Anstalten kennen lernen, welche Gott getroffen, um die reme Gotteserkenntniß im Schoße Israels zu erhalten. Zn e Zeiten der Richter und Könige war das Judenthum so gut wie gar nicht vorhanden, die himmlische NnZnaDarta fristete kaum ihr Dasein auf dem Papiere, in dem Herzen Israels hielt sie ihren Einzug nicht; da erweckte Gott die Propheten, damit sie das Volk durch ihre Reden aus dem TodesMummer erwecken und durch ihre Donnerworte erschüttern; die Propheten mahnten und warnten wegen des cingerissenen Götzendienstes und wegen der groben Unsittlichkeit; über das Ceremomalgesetz mit Ausnahme des Sabbaths sprachen sie keine Sylbe. Das Volk wanderte in die babylonische Gefangenschasst hier dachten sie darüber nach, wie das Prophetenwort in Erfüllung geht, wie die Verläugnung des Monotheismus, Götzendienst und Unsittlichkeit sie um ihr staatliches Lebeu und in die Gefangenschaft gebracht. Hier erneriten sie ihre Liebe zu dem einzigen Gott und kehrten mit dieser neuen Liebe und Gotteserkenntniß, als ihnen Cyrus die Erlaubniß ertheilte, zurück nach Palästina, sehr viele blieben in Persien,, sie befanden sich in ihrem neuen Vaterlande zu wohl, als daß sie es hätten verlassen sollen; die aber nach Palästina zurückgekehrt waren, als die Elite der Exulanten, waren von der Sehnsucht nach der wahren Gottesverehrung erfüllt und durchdrungen. Nun war der Monotheismus gerettet und gesichert, oder wie der Talmud in Joma sich ausdrückt siP war besiegst die Juden hatten ihre weltgeschichtliche Mission wieder übernommen; nun erst war es an der Zeit, das jüdische Leben der That und der Werke im Geiste des Mosaismus zu regeln, das ceremonielle Leben zu gestalten und zu formen. Esa und nach ihm die 'iDOin i^aten daher vor Allem für die Verbreitung der und für sfp -o....D <,v. ^vrrernrencyischen Vorschriften. Aber während der griechischen Periode brach eine neue Fluth von Bedrängnissen über das Judenthum herein, die griechischen Syrer wollten es entwurzeln, Beschneidung, Sabbath und Festtage waren gefährdest jüdische Griechlinge wüthetn gegen ihr eigenes Volk; die Syrer wurden besiegt, aber rm jeder Gefahr vorzubeugen, glaubte man das Gesetz noch rehr befestigen, die jüdische Praxis erweitern, jüdische Werkeund^ jüdisches Wirken ausdehnen zu müssen. Wir glauben, de Spruch am Ende des Buches nbnp: „Fürchte Gott und bedachte seine Gebote, denn das ist der ganze Mensch," gehöre kr damaligen Zeit an. Der ganze, aus Körper und Seele besteheve Mensch gehöre Gott an, mit seinem Geiste, durch richtig Erkenntniß, mit seinem Leibe durch fromme Thaten; eine sche Erinnerung war damals um so nothwendiger, als die Sncäer gegen die rabbinischen Erleiterungen die entschiedenstemisprache erhoben; und die Secte der Essäer, die Ceremonicesetze symbolisirte und allegorisirte, mithin verflüchtigte, daß sie nach den Berichten des Josephus und Philo sich n Opfercultus entzog. Schon Krochmal bezog die letzteiVorte des Buches ^p pa nmn'nsD mtpy auf dama- (ige ,t, in welcher mau die Hagiografen in dem Canon aufnahmuch der Schlußsatz dzwüi -]io;p nbss by ’D y~n öer t jenseitiger Vergeltung sprichst scheint eine oppositionelle! gegen Me Saducäer gewesen zu sein, welche jeni seitlgLohn und Strafe in Abrede stellten. Die Saducäer! werd besiegt,^die Karüer, welche im 8. Jahrhunderte die! Sad.nscheu Tendenzen erneuerten, sind beinahe spurlos ver- ' schwrn, und selbst die Antirabbinen waren davon entfernst I den (scheu Glauben anzutasten, nur gegen die rabbinische i Prazvaren ihre Pfeile gerichtet. Ans dem Schoße der Eöj säer z das Christenthnm hervor und vererbte die jüdische > Mo und die jüdischen Feste, nach ihrem Glauben modificireven Bekennern des Ehristenthums, verwarf aber das jüdmesetz und formte sich die jüdische Erkenntniß zu einem 10*

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