Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 10 (11.5.1865)
- Date
- 1865-05-11
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- 82 - krit durch kri, im Griechischen durch na, im Lateinischen durch fac, im Assyrischen aber durch ’abas, im Phönicischen durch pa’al, im Hebräischen durch pa’al oder ’assa, im Aramäischen durch abad, im Arabischen durch ka’al, im Aethiopischen durch gabar ausgedrückt. Wie verschieden auch die Wurzeln in den beiden Sprachen-Familien sind, überall finden sich auf der einen Seite einsylbige und auf der anderen zweisylbige Wurzeln. Ich werde mich nicht bei dem aufhalten, was man die Armutb der semitischen Sprachen genannt hat, denn dies würde ein Eingehen auf technische Details erfordern, die hier nicht am Orte sein würden. Wenn ich Armuth gesagt, so will ich damit nicht eine Armuth an Wurzeln und Wörtern gemeint haben, an denen z. B. das arabische Wörterbuch so reich als irgend ein anderes ist. Ich meinte vielmehr die Armuth an grammatischen Formen, der Declination und der Conjugation; ferner die absolute Unmöglichkeit, abstracte Ideen anszudrücken, den gänzlichen oder fast gänzlichen Mangel an zusammengesetzten Verben und Substantiven — und man weiß, wie groß in allen diesen Beziehungen der Reichthum der indo-europäischen Sprachen ist. Endlich will ich auch noch der Einfachheit ihrer Syntax gedenken. Die semitischen Sprachen incommodiren sich nicht mit langen Perioden; die Sätze folgen einander ohne sonderliche Kunst und ohne anderes Band, als das Bindewort und; ihre prosaische Diction gleicht der Sprechart der Kinder. Es ist bemerkenswerth, daß die Araber z. B-, selbst auf dem Höhepunkte ihrer Civilrsation, zur Zeit des Mittelalters, niemals einen erträglichen Geschichtschreiber hervorgebracht haben. Ihre Historiker und Chronisten erzählen gleich den Kindern. Ein Thukydides, em ^iuiu», cm wuifS» tu: — < , semitischen Sprachen möglich sein. Als die Araber sich einen eleganten Styl schaffen wollten, verfielen sie in das Kindische und Geschmacklose. Wir finden bei ihnen Alliterationen, Assonanzen, Wortspiele und alle möglichen anderen Kinsteleien, die wohl einen Augenblick das Ohr kitzeln, jedoch auf die Länge abgeschmackt und ermüdend werden. Gestatten Zie mir, Ihnen eine Vorstellung davon zu machen, indem y Ihnen aus einer Uebersetzung, die ich früher von den Malmen des Hairiri zu machen versuchte, einige Phrasen mitther. (Der Redner citirte hier eine Stelle, worin der arabischcPrcdiger eine Mahnung an den Tod gibt, und zwar in ähnlien Assonanzen und Alliterationen, wie wir sie aus der deutsck Uebersetzung von Friedrich Rückert kennen, und fuhr dai fort:) Run denken Sie sich ein ganzes Geschichtswerk in dich Style, wie z. B. das Leben Timur's von Hu-Arabscha! )as ist natürlich ebenso abgeschmackt als ermüdend. Ich komme jetzt zu den Hebräern. Ich werde iAugenblicke, die mir heute verbleiben, darauf verwenden, t ihrem monotheistischen Glauben und von der Poesie zu sp>en, die dieser Glaube erzeugt hat. Man hat in den letzten Jahren viel über den ameinen Charakter der Semiten geschrieben, und ich muß fast trchten, etwas Bekanntes zu wiederholen, wenn ich hier anst, daß man die Armuth der Sprache mit der Armuth der'n, der Einbildungskraft und des Gefühls in Verbindung gebt habe. Ich werde daher nicht wiederholen, was Andere ü diesen Gegenstand viel besser geschrieben, als ich es zu sagmnag. Aber es scheint nur, daß man ungerecht gegen die Her gewesen, indem man sie in allen Beziehungen mit daderen semitischen Völkern zusammengeworsen hat.! Man hat ihnen Allen dieselbe Religion beigemessen, die man die Religion der Semiten genannt, und man hat ihnen Allen den Jnstinct des Monotheismus beigemessen, als ob die speculativste Idee der Welt, jene Idee, welche die größten Philosophen des Alterthnms nur unvollkommen aufzusassen vermochten, eine Sache des Jnstincts sein könnte, besonders bei solchen Völkern, denen man andererseits mit Recht jede Befähigung zur philosophischen Speculation absprach! Aber glauben Sie ja nicht, daß dieser vorgebliche Monotheismus der Semiten etwas in die Augen Springendes, daß er für den Geschichtschreiber, der mit vorurtheilssreiem Geiste die Wahrheit sucht, eine ausgemachte Thatsache ist. Im Gegentheil, er entzieht sich überall unseren Blicken, und es hat großer Anstrengungen bedurft, um ihn überhaupt nur in's Auge fassen zu können. Man hat zu diesem Zwecke ein ganzes Gerüst philologischer Deductionen aufgebaubt, die aber der leichteste Wind umzuwerfen vermag. Von historischen Nachweisen, von einer auf authentischen Urkunden ruhenden Kritik ist nicht die Rede. Im Gegentheil gibt fast jede Seite der Bibel und geben zahlreiche Stellen profaner Schriftsteller jener Hypothese das vollständigste Dementi. Denn eine Hypothese ist es nur, eine a priori zu einem bestimmten Zweck aufgestellte Theorie, und jedesmal, wenn dieselbe zur Anwendung gebracht werden sollte, hat man es mit Ausnahmen zu thun gehabt. Die Semiten, hat man behauptet, waren Monotheisten. Aber die Assyrier? Ausnahme! Die Babylonier? Ausnahme! Die Syrier und die Phönicier? Ausnahme! Was so viel sagen will, als daß die semitische Race wesentlich monotheistisch war, ausgenommen — alle semitischen Völker. —(azio hi* Araber," wird man mir erwidern; „sind nicht ihre Denkmäler da, um ihren Glauben an einen einzigen Gott darzuthun?" Welche Monumente, wenn ich fragen darf? Eine Reihefolgc von Eigennamen, mühselig zusammengestellt aus Schriften, die relativ einer neueren Zeit angehören und mit einem philologischen Scharfsinn ausgelegt, der einer ernsteren, besseren Sache werth wäre. Aber ich öffne das Buch „Iosuah", und ich lese daselbst: „Josuah sagte allem Volke: Also hat Iehovah esprochen: Jenseits des Flusses wohnten einst euere Vorfahren, Tarah, Vater- Abraham s und Vater Nahor's, und sie beteten falsche Götter an." Ist dies deutlich? Ich öffne den Herodot und lese daselbst, daß die alten Araber die Venus Urania unter dem Namen Alilat, d. h. Alilaliet, anbeten, die ihre Göttin par excellence war, die Astarte der Syrer und Phönicier, die der Prophet Jeremias die „Königin des Himmels" nennt. Ich öffne den Koran, und ich lese daselbst die Namen mehrerer heidnischen Gottheiten, welche die Araber anbeteten. Ucbcrdies ex fructu arbor agnoscitur. Was hat der angebliche Monotheismus der Araber hervorgebracht? Nichts, durchaus nichts! Die alten Araber haben ebenso wenig, als die Syrer, die Phönicier und andere semitische Völker, eine Literatur hinterlassen. Mehr als zehn Jahrhunderte waren über die Gräber der letzten Propheten hingegangen, als Arabien die ersten Töne seiner monotonen Gesänge erschallen ließ. Und was weiß der Araber zu besingen? Seine Eitelkeit, seinen Stolz, seinen Egoismus, ein schönes Kanreel, ein edles Roß, eine gerade Lanze, einen schnellen Pfeil, manchmal eine schöne Frau. Die Gastfreundschaft ist seine höchste Tugend, die Rache ferne vornehmste Leidenschaft. (Schluß folgt.)