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Das Abendland · 1865-05-11 · 10 (11.5.1865) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
10 (11.5.1865)
Date
1865-05-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Nro. »« Prag, den l i. Mai 186». II. Jahrgang. $ litfi ^iVvllvUI^^4 Agentur in Wien r Herzfeld und Bauer. Eenlml-Organ siir ulk zcilgeinülkn Ziilerellen des 2udeii!l)U»ies. Verleger, Elgcnthümer und verantwortlicher Redactcur: )faak Block. Agentur in Brünn: B. Epstein. Pränumerationsbetrag ganzjährig 3 fl., halbjährig 1 fl. 50 kr. mit Postzusendung und Zustellung iu's Haus. — Erscheint am 2. und 4. Donnerstag des Monats. — Administration bei A. Renn. Buchdruckerei zu „< Linden," wohin alle Geldsendungen, Briefe und Reklamationen zu richten sind. K. Nmili's Eröst’nnilgs-Vortesuiig mit’ Nenan’s Lehrstuhl. (Fortsetzung zu Nr. 3.) Nach dieser Erklärung, die ich für nothwendig gehalten, komme ich auf die drei Sprachen zurück, mit denen wir uns zu beschäftigen haben werden. Das Hebräische, das Chaldäische und das Syrische gehören einer Sprachenfamilie an, welche man seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts gemeinhin scinitische Sprachen benennt, weil, wie man damals annahm, die Völker, welche sie redeten, von der Racc des Sem, Sohnes von Noah, waren. Diese Völker sind: die Assyrier, die Babylonier oder Chaldy?r die Syrer, die Phönicier, die Hebräer, die Araber und die. Aethiopier. Die Benennung--„semitische Sprachen" ist angegriffen fDQlkwtT—umu hu» "ifeiHHTT,1 vvP ^rr cicr und die Aethiopier, nach der Genesis, von der Race Cham's seien und nicht von der des Sem. Weitergehende Kritiker, auf dem Principe fußend, daß die Gleichförmigkeit der Sprachen ein evidenter Beweis für die Homogeneitüt der Raccn sei, behaupteten dreist, daß die Phönicier und die Aethiopier Semiten seien, und daß sie vom Verfasser der Genesis entweder irrthümlich oder boshafterweisc unter die Chamiten versetzt worden. Es ist dies eine sehr bequeme Kritik, die mehr einer gewissen skeptischen Eoquetterie, als dem Streben I nach Wahrheit ihr Dasein verdankt. Was die Aethiopier betrifft, so gab es deren von der j Race Sem's und von der Race Cham's. Das Wort Atöloneg bei den Griechen und das Wort Kusch bei den Hebräern bezeichnet im Allgemeinen alle Völker im Sinne der den Alten bekannten Welt. Diejenigen dieser Völker, die den Ghdez genannten semitischen Dialekt sprachen, waren unzweifelhaft Semiten. Es war dies eine Colonie von himyaritischen Arabern, die den arabischen Meerbusen überschritten und sich in Afrika zur Seite der eingeborenen Aethiopier niedergelassen hatten, welche Letztere Chamiten waren und einen chamitischen Dialekt sprachen. Hinsichtlich der Phönicier ist die Frage etwas schwieriger, doch scheint sie mir nicht unlösbar. Man braucht sich nur zu erinnern, daß nach Herodot die Phönicier von den Küsten des Rothen Meeres, d. h. wahrscheinlich vom Persischen Meerbusen, hergekommen waren, als sie sich in Palästina niederließen. Diese Wanderung muß im höchsten Alterthume stattgesunden haben, denn als Abraham, der Aramäer, mit seiner Familie nach Palästina kam, fand er dort bereits die Kanaaniter. „Der Kanaaniter war damals im Lande," sagt die Genesis (XII, 6.). Die Phönicier hatten sich dort mitten unter einheimischen Völkerschaften, genannt Rephatm, Emim, Susiin, Samsumim, Awim rc. niedergelassen. Diese, deren Race die Bibel nicht angibt, sind wahrscheinlich Semiten gewesen, die einen semitischen Dialekt sprachen, den die Phönicier allmälig selbst annahmen. Es würde diese Hypothese zugleich das^Vorhandensenr einigem chamitischen Wörter in der Sprache ta.t PMjlM erklären, namentlich des persönlichen FtMvortes (irfri—W r.’rf. •" --VpnMfff^autzer der hebräischen, findet, in welcher es fast identisch mit dem phönicischen Fürwort ist, wo jedoch neben anochi auch das semitische Pronomen ani angewandt wird. Eiiu ähnliche Erscheinung nehmen wir auch bei den Hebräern wchr. Die Abrahamiten, ursprünglich Aramäer, nahmen in PalHßna angekommen nach und nach die Sprache der Palästinenser, d. h. die der Landeseingeborcnen, und der Phönicier am Aber sie erhielten sich einige Bruchstücke der Sprache ihrer iranischen Vorfahren, namentlich das wichtige Zeitwort Haja obeHawa (Sein), das in inniger Beziehung stand zu dem Nayl Gottes, Jahwe oder Jehova, Der, der ist, oder das Allst, während die Phönicier das Zeitwort Sein, wie die Arcck durch eovan oder ean ausdrückten. Bor dreißig Jahren leits habe ich dieses Zeitwort ean in zwei finnischen Versen “t Plautus erkannt. Damals wurde die Richtigkeit j dieser Berkung von den Orientalisten bestritten; seitdem hat 1 jedoch vphönicische Inschrift von Marseille und die des Sarkophs von Eschmuneser, König von Sidon, die Thatsache besgt, die jetzt Niemand mehr in Abrede stellt. Wis nun auch mit diesen ethnographischen Fragen sich verhalten ich hier unmöglich erschöpfend behandeln kann, so halte dafür, daß man den semitischen Sprachen einen viel charristischeren Namen beilegen könnte, indem man sie drcibuchtze oder zweisylbige Sprachen nennte, denn soweit wir auck die Geschichte der semitischen Sprachen zurückzugehen v'geu, bieten sie uns Wurzeln von drei Consonanten dar, dicch zwei Vocale verbunden und zweisylbig sind, währcndimtliche indo-europäische Sprachen einsylbige Wurzeln haSo wird z. B. das Zeitwort mach(en) im Sanö- 10

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