Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 9 (20.4.1865)
- Date
- 1865-04-20
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Die in der Generalversammlung vom 20. ffljärj gewählte Direetio n des deutschen Babelsberger St.aiografen-Bereins hat sich nun constitnirt, und cd wurde H. Professor Bleycr wieder zum Borstand, und Hr. ll.D.E/Kräsa zum Borstandsstellvertreter ernannt. Uebcrdies wurde Professor .Bleycr von der Generalvcrsannnlnng einstimmig zum Rcdactcnr der „Blätter für Stenographie and Böhmen" erwählt. * Xic Direetion der unter dem Protcctoratc des Hrn. Grafen von Ehotek, vormaligen Tberstburggrafen in Prag, stehenden israelitischen Mnsterkinderbewahranstalt hat das Dusensischc Haus, in welchem siästdie Anstalt befindet, um den Preis von 14000 fl. ö. 26. käuflich an sich gebracht. Wir sind überzeugt, daß diese, für Kinder, ohne Unterschied der Coufession so wohlthütig wirtende Anstalt, die eben so trefflich geleitet und so reichlich unterstützt wird, als sie Vorzügliches leistet, einer schönen Zukunft entgegengeht und unter die besten Anstalten Prags zu zählen berufen ist. " Ans Dölnnen ini März. '<Pr.) Ein jüdischer Kaufmann beabsichtigte, wie uns geschrieben wird, sich in Klösterle zu etabliren. Das Gesuch um die Aufnahme in den Gemeindeverband, wie seine Anmeldung zum Gewerl.betriebe, wurden abschlägig beschicden. Das Krcisgericht entschied, daß der Gewerbebetrieb nicht verboten werden könne, worauf der Israelit seinen Wohnsitz in Klösterle nehmen wollte; doch fand sich Niemand, der ihm eine Wohnung vermiethct hätte, bis er von einem in Gelduoth befindlichen Bürger ein Hans käuflich an sich brachte. Kaum war jedoch der israelitische Kaufmann eingezogen, als sein ganzes Haus über 'Nacht mit Blut besudelt, und er selbst Gegenstand von Schmähungen wurde. Auf die Anzeige bei dcit Behörden gelangte binnen Kurzem eine Note der Statthaltern an den Gcmcindcrath, worin diesem bedeutet wurde, daß das Vermögen der Stadt für jede etwaige Be schüdigung des Eigenthums des mehrerwühnten Israeliten zu haften habe. Es kam aber kein Exceß vor. Nur am letzten Faschingstage ließen bedrohliche Symptome manches besorgen; eine Verstärkung des Gensd'armerie-Postens, um welche der Bedrohte ansuchte, verhütete jedoch jeden Epceß. PZien. Mir Beschluß der sämmtlichen Wiener Eultnsgemeindc-Vorstandsmitglieder ist die Absendung einer Dankadresse an Hr. Or. Ad. Jellinek bestimmt worden, deren Wortlaut folgender ist : — Hochwürdiger Herr Doctor! Die Tranerfcierlichkeit für unfern in Gott ruhenden Prediger Isaak Noe Mannheimer, welche ihm seine Gemeinde dankbaren und ticferregten Herzens widmete, sind zu Ende. Sic haben, hochgeehrter Hr. Dr., diesen Trauermomenten durch die feurige Kraft Ihrer frommen Bercdtsamkeit eine besondere Weihe, dem herben Schmerze der Gemeinde einen idealen Ausdruck verliehen.' Zugleich haben Sie aber auch durch die von Ihnen in großen Zügen gezeichnete Persönlichkeit des Hingeschiedenen, durch Ihre geistvolle Anschauung eines für das Judentlmm historischen Eharaktcrs den glaubensinnigen Drost in die Seele Aller geflößt, daß ein schöpferisches, den heiligsten Gefühlen und Pflichten geweihtes Leben, wenn ihm auch die allem Mcuschcnlohne gemeinschaftliche Gränzc gezogen wird, zu wirken nicht anfhöre. Sic haben uns den reichen Besitz seines kostbaren fortdauernden Erbes zu einem, den allgemeinen Schmerz versöhnende Bewußtsein' gebracht. Der Gesammtvorstand unserer Gemeinde hat in feiner Sitzung vom 2. dieses Monats, einhellig beschlossen, Ihnen geehrter ^r. Dr.! für Ihre im angcdenteren edelsten Sinne gehaltenst Trauerrede mie für die mühevolle Auferbannng den Dank der Gemeinde auszusprcchcn. — Es gereicht uns, indem wir diese Gcsinnnug theilen, auch eine persönliche Befriedigung, Ihnen den lebhaften Dank und die vollste Anerkennung durch diese Zeilen zu vermitteln. Empfangen sie den Ausdruck unserer vorzüglichsten Hochachtung, mir dem mir zeichnen. Tie Vertreter der israelitischen EnltuSgcmcinde: Josef Werth ei m er, Mori; Ritter von Goldschmied I. Ritter v. Königsmarter. M. Pollak u. s. w. Wien, am 4. April 1805). Sr. Ehrwurdcn H. Or. Ad. Jellinek, Prediger der isr. EnltuSgcmcinde in Wien. Aus Oberitalien, 12. März. (Privatmitth.) Herr Professor de la Dorre in Padua schreibt ini Corricre Israclitico von Triest Artikel über die vorn Institute zur Beförderung der israelitischen Literatur nud Wissenschaft hcrauSgcgebeucn Werke. Die letzten Hefte enthalten Berichte über die Schriften des achten Jahrganges. Herr Professor Samuel D. Hizzatto ist gegenwärtig mir der llcbersetzung der heiligen Schrift in's Italienische beschäftigt, welche sofort in Triest vci Eolomöo Eocn gedruckt werden wird. Herr Ritter Morpurgo von Triest, der vor einiger Zeit in seiner Vaterstadt eine Stiftung zur Prämien-Verthcilung an verdiente Handwerker gegründet hat, bedachte dieselbe neuerdings mit einer Vermehrung von 5000 Gulden (Z. d. I.) Tttrol. Hohenems im Vorarlbcrgc. Die hiesige in zwei politische Gemeinden gcthciltc Bevölkerung, die christliche und jüdjsche nämlich, hat am 11. Marz l. I. das 100jährige Jubelfest der Vereinigung der ehemals unmittelbaren Reichsgrafschaft Hohenems mit den ^rbländern unseres Allerhöchsten , Kaiserhauses gefeiert. Die, Art und Weise, mit welcher diese ' Feier von den zweierlei Glaubensgenossen begangen worden,/ ist gewiß der Erwähnung 'in . einem Blatte würdig, das ein' Organ säinmtlicher Interessen.>4es Judcnthums ist, und erfahren wir darüber Folgendes: y \; st. In Kirche und mit allemLestschmucke ansgestatteter Synagoge erschienen die Vertreter der k. k. Regierung und beider Gemeinden, so wie einc^zahlreickc Volksmenge, um für das Wohl Ihrer» k. Majestäten, zu.bßtcn. Herr Rabbiner Simon Popper hielt eine kreisliche 'Festrede, die schöne Zeie schildernd, wo unsere Vorfahren vor 100 Fahrest auch an dieser Stättegestanden, Gott dankend, der sie Unterthancn des erleuchteten Kaisers Joseph II., des edlen Verleihers des ToleranzcdietcS werden ließ, und verrichtete ein, inniges Gebet für fernen erhabenen Nachkommen, unseren allcrgnädigsien Kaiser Franz' Josef I., der uns die lange entbehrten Menschenrechte zu Thrik werden ließ. Herr Eautor E. Fränkel, der Gesangverein, „Frohsinn" und die hiesige Musikeapelle trugen durch ihre musikalischen Leistungen zur erhöhten Feier des Gottesdienstes beij An dem Festabende saßen im Fcstlocalc vereinigt hie \ geistlichen urD weltlichen Vertreter der jüdischen und christli-. chen Gemeinden, die Honoratioren und Gesangsvercine des Ortes. Die Feier des Abends wurde mit einem vom Festordner Hr. Leopold Rcichcnbach gedichteten und vom Referenten vorgctragencn Fcstprologe eröffnet, und nachdem der Bürgermeister der Ehrisleugcmeinde Hr. Spieler und der wegen seiner Verdienste allgemein geachtete Bürgermeister der Jsraclitengcmeinde Herr Samuel Menz Toaste auf das Wohl Ihrer k. k. Majestäten und der k. k. Staatsbehörden gesprochen hatten und der als Ehrengast hier lveilende Vorstand des h. Landesausschusses Herr Barou von Scyfsertitz eine Festrede gehalten, in der er unter andcrm die Israel. Bürger erinnerte, daß sie zu einer Zeit unter Ocslerrcich's Seeptcr kamen, wo ihre Glaubcnsbrüdcr in den übrigen Ländern Deutschlands unter dem Drucke großer and kleiner Herren schmachteten, während sie in Kaiser Joseph II. einen gütigen Beschützer fanden; führte der Obcrschützcnmeistcr Herr Ist'. Ullmann die Geschichte der Grafschaft Hohenems vor, die der Israeliten daselbst besonders beleuchtend. Er erzählte, wie die zu Ende des Mittelalters ans Böhmen angekommenen Juden überall zurückgcwiestn, von