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Das Abendland · 1865-04-20 · 9 (20.4.1865) · p. Seite 78

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
9 (20.4.1865)
Date
1865-04-20
Page
Seite 78 (sequence 6)
Language
German
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78 stellen:,, daß jene dieser Vorarbeiten müsse." — Und das ist Jedermann doch >zcwiß einleuchtend und unbestreitbar. Wie die Mutter dem Krude die erste leibliche Nahrung reicht, so soll sie auch — wenn sie anders den Namen „Mutter" beanspruchen will — dem kleinen Staatsbürger die erste geistige Speise verabreichen. Wie das zu machen? Ganz einfach. Sie überläßt ihr Fleisch und Blut in den ersten entscheidenden Lebensjahren nicht Mcthlingcn zur Pflege in der Gcsindcstube, sondern nährt und^ pflegt es selbst, spricht zu ihm durch langsame und deutliche Vocalisation der einzelnen Worte mit Heranziehung der bildlichen Gegenstände, — trällert ihm mit heller limine ein Kindcrlicdchcn mit einfacher Sangwcise tagübcr vor, — vermeidet sorgsam Zorn nud Streit, verwahrt sich vor Eigensinn und — Vaitncn und übertrügt so ihre sricdcncrsüllte, frohe Gcmüthsstimmung in das Herz ihres Kindes, damit cs nicht dem Eigensinne, oder jenem Dämon, genannt — Launenhaftigkeit verfalle, jenem nnmotivirtcn Gcsühlsnmstürz von Lust und Leid u. s. w., wodurch cs sich selbst und seinen Mitmenschen zur Qual wird. „Nur ein frohes Her; ist des Leibes Leben." Da bei vorschreitcuden Lebensjahren das Kindcsaltcr an innerer und äußerer Beweglichkeit zunimmt, sourit niemals der Einförmigkeit oder dem Müßiggänge überlassen werden darf, so leitet eine sinnige, häusliche Erziehung jenes zur Mlcn Sclbstbei'chästigung (Fröhlich's Stäbchen- und Holzklötzchcnspicl ir. A. m.) au; gibt ihm den Namen, Stofs, Theile und Zweck aller der Gegenstände bekannt, welche in der Umgebung des Kindes sind. Besonders Bedacht aber nimmt das Haupt der Faurilie aus einen unbedingten, ohne alle Gegenfrage zu erfolgenden Gehorsam von Seite der Kinder für das Gebot der Eltern und die berufenen Erwachsenen; auf Mäßigung, QrdnungSlicbc und — Reinlichkeit, welche letztere Tugend nach dem AuSfpruche der Engländer, gleich nach der — Gottesfurcht kommt. Bon einer viel größeren Dragweitc wird' sich die Einpflanzung eines tiefen Abschcues vor der Lüge und Heuchelei, nud einer Liebe zur Wahrheit und Treue gegen sich selbst und Andere in die Seele der Kinder erweisen, und die herzerschütternde Klage der Eltern über den zu spät wahrgenommcncn Mangel an Vertrauen von Seite der crstcren verstummen machen. Aber als einen der entscheidendsten Factoren zur Lösung einer verklärenden Iugendbildung wird die erste häusliche Erziehung ans die Hinleukung des kindlichen Geistes auf die Schönheit, den Reichthum und Harmonie in der Natur, gleichwie zur Liebe 'zu -derselben und zur Erkcnntniß seiner selbst als Krone und Geschöpf der sichtbaren Welt legen. Nie wird sich ferner eine ticfcmpsindcnde Mutter die Erfüllung der Pflicht abnchmcn last'en, ihre Kinder in jenem religiösen Sstme zu erziehen, der höher ist, als alle Vernunft, — und wie die Biene in der Blnme, so deren Geist anzuleitcn, in der Liebe zn allem Wahren und Guten sich zu vcrtic'en. IV. W eitentrcb it s ch im April. Hochgeehrter Herr Rcdaetcur! Mit größtem Vergnügen begrüße ich Ihre rühinliche Absicht, zur Hebung des israelitischen-Schulwesens eine Reihe Aufsätze didaktischen Inhaltes m Ihr geschütztes Blatt aufzunchmcn, indem ich cs wage, mit Nachfolgendem meine beim Unterrichte in der hebräischen Sprache gesammelten Ersahruiwen und die von mir hierin als bcst^ anerkannte Methode der Ocfseutlichkcit zu übergeben. . Es ist ein großer Fortschritt in der Methode, daß man bei Erlernung der Sprachen überhaupt vom breitgctrctenen Fahrwege der sogenannten gelehrten oder grammatikalischen Methode abgckommcn ist und den Weg betreten hat, den nnö die Natur gewiesen. Hier quält sich der Schüler nicht mit dem Erlernen der Paradigmen und Vocalen ab, der Lernende wird . viclnichw unmittelbar mit der Sprache befreundet, sic tritt ihm entgegen in ihrem Leben und das Wort im Zusammenhänge. Alle die großen Resultate, die Iakotot "erzielte, ruyru, davon her, baij .er cs verstand, der Natur ihr Verfahren Sprachen zu lehren abzulauschen und nachzuahmcn. Diese natürliche Methode war der große Svrachcntrichtcr, den Ratich gefunden hatte, und das Geheimuiß, welches er nur einem Fürsten um viele Tausende verkaufen wollte; sic ist cs auch, welche unter dem Namen Hamiltou'sche Methode in allen Schulen Englands Eingang gesunden hat. Indem ich das Wesen dieser Methode für bekannt vöVnussctzc, will ich hier nur deren Anwendung auf den Unterricht in der hebräischen Sprache zeigen. Ich fange nämlich mit meinen Schülern bei den historischen Büchern der Bibel an und lese den zu lernenden A' - schnitt Satz für Satz vor nud lasse jeden Satz dreimal na - lesen, so daß ihn jeder Schüler dann geläufig lesen ka.. . Hieraus mache ich sic mit dein Inhalte desselben bis in's kleinste Detail bekannt. Dieser Moment ist äußerst wichtig, ja von ihm allein hängt :cr Erfolg zum großen Theil ab; denn an dem Faden der Geschichte knüpft sich das Behalten der einzelnen Ansdrücke an. Dann wird zum Ucbcrsctzcn geschritten. Hier übersetze ich wieder Satz für Satz vor und suche dabei die einmal gegebene Bedeutung des Stammes in allen seinen Ableitungen und Verbindungen möglichst bciznhaltciw denn übersetzen die Schüler^jcocn Satz wieder dreimal nach. In der nächsten Stuudeiwird der Absatz geprüft, und — was vorauszuschcn war die Schüler übersetzen ihre Lcction sehr geläufig. Aus diese-Weise lvird sortgcfahrcn, bis ein größerer Abschnitt, etwa eine Sidra zurückgclcgt ist; dann wird dieser Abschnitt wiederholt und sofort, bis ein ganzes Buch erlernt ist, welches hieraus noch einmal flückstig durchgcnommcn wird. Späterhin braucht der Lehrer nicht mehr vorzntragen: der Schüler übersetzt und der Lehrende Hilst nur bei den noch nicht vorgckommcnen Ausdrücken nach, bis jener endlich ganz frei ohne alle Unterstützung, wie David, nur mit Schleuder und Stab, ausziehcn kann, um duftende Blüten und köstliche Früchte auf dem weiten Felde der Sprache zu sammeln. Bei diesem Verfahren rathe ich noch, neben einem historischen Buche nicht gleichzeitig ein poetisches zn nehmen, weil es sowohl für Lehrende und Lernende sehr unerquicklich, als für die sprachliche Ausbildung der Letzteren sehr nachthcilig sein muß, wenn mit dcr Stylart immer gewechselt wird; vielmehr ist eins nach dem andern zn nehmen. — Auch will ich bemerken, daß ich jene namentlich im Buche Genesis und Ezechiel so häufig vorkommcndcn, aus geschlechtliche Verhältnisse Bezug habenden Stellen auölassc. . Der große Vorthcil der angeführten Methode liegt schon darin, daß der Zögling bei täglich einstündigcm Unterrichte in ein ein, höchstens zwei Jahren die ganzen st Bücher Moses zurücklegt, während aus einem andern Wege kaum die ganze Zeit, welche der Schüler in der Volksschule zubriugt, dazu hinrcicht. . Wir sehen also, daß zum Versläudniß dcr Sprache allein gar keine Graiiimatik nothwcndig ist; denn indem der Schüler gciiöthigt wird, sich die cinzelucn Wörter zu merken, so merkt er sich auch zugleich die grammatikalischen Formen und ihre Bedeutung, da dieselben Fornicii an den verschiedenen Wörtcrii, also öfters als die Wörter, vorkomm 11. Soll jedoch der Schüler befähigt werden, die Sprache zu schreiben oder gar zn sprcchcii — was übrigens nur in dcr Qbcrclasse gefordert werden könnte — so treten auch grammatische und stylistische Ucbungen hinzu, die aber viel weniger Schwierigkeiten bieten, als wenn die Grammatik getrieben wird, bevor noch die Sprache znm geistigen Eigcuthume des Schülers geworden ist. Ohne alle Mühe löst er nun die Wurzel ab, die Form liegt bar, dcr Lehrer erklärtste ihm dann uiid fügt diciiöthige Terminologie hinzu. Die Stylübungcn bcstchcn so lange im schriftlichen Ucbcrsetzcn und Rückübersetzen, bis dcr junge Stlflist den Idiom dcr Sprache kennen gelernt und einen reichen Vorrath von Phrasen gesammelt hat. Vcrnard Löwe, ' gkp. Hniipischullchrcr.

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