Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 9 (20.4.1865)
- Date
- 1865-04-20
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
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schrieben: „Beleuchtung der zwei Artikel: Das Papstthum im Judcnthum." dieser Rabbiner strengt sich an;u beweisen, daß bei der Doctrin dcS RabbiniSmnö keine Rede von Wissenschaft und freier Forschung sein könne. ES hat mich diese Behauptung . lmangeuchm berührt. Besonders nachtheilig muß sie aus den Laien, der mit den Lehren des Rabbi,lismus weniger vertraut ist, cinwirken. Wird er's wagen, an der Richtigkeit des Urtheilö eines Rabbinen gegen das Rabbincnthum zu zweifeln? Uebcrzeugt aber, daß nur von demjenigen, der den Talmud und dessen Grundsätze nicht kennt oder nicht kennen will, eine solche Behauptung ansgehcn kann, sehe ich mich verpflichtet nachzuweiscn, das; dies auch mit dem Verfasser jenes Artikels der Fall sei, zu welchem Zwecke ich hier seine eigenen Worte soweit lasse; sie lauten: „Wie sieht es denn nun aber aus mit ieser Doetrin, über welche Herr Goldschmidt sich außer Ali..in schreibt, um sie als das Princip der freien, wissenschaftlichen Forschung darzustellen. Gesetzt, ein freier Forscher über Biln und Talmud käme einmal zu dem Resultate, das Wort in bcr Bibel: „Tu sollst nicht kochen ein Böcklcin in der Milch seiner Mittler," hieße weiter gar nichts und verbiete also auch weiter Har" nichts, als was diese Worte besagen; es hieße aber durchaus nicht und verbiete also durchaus nicht: „Du sollst nicht essen ein Hühnchen in Butter gebraten." WaS würde das Rabbincnthum zu dieser freien Forschung sagen? Deutlich ist hier zu ersehen, daß der H. Rabbiner der Meinung ist, daß nach talmudischcr Interpretation das Verbot xrr ebne "li bren ab auch ebne in zu essen verbiete, daß ein Hühnchen in Butter gebraten von Gott aus, oder was dasselbe ist, von der Thora aus verboten sei." Welche ungerechtfertigte Behauptung! Rzeige uns einen *on oder einen imca dem je so etwas cingemllcn wäre. Ausdrücklich heißt cs im Talmud ck lb K3P — ic« ebne *»-,j braun xb Ja nach .io b-.e'-r ''nec/bn cem übertretet, dasjenige y~ me welches vorgibt, daß ebne erae von der Thora aus verboten sei das Verbot ,*-pcin ab Da, wo Herr Rabbiner vom Schulchan Aruch spricht, ist man versucht zu glauben, daß er dieses Werk nur dem Namen nach kennt? Doch nein, weiß Herr Rabbiner doch sogar, daß in demselben verboten sei, vier Ellen barhaupt zu gehen, dann weiß er wiederum, daß genanntes Werk verordnet, beim Frühaufslehen vom Schlaf sich die Hände zu waschen. Rur wundert es uns, wie Hr. Rabbiner in Betreff des Barhauptgehens fragen kann, warum noch kein Rabbiner c§ zu behaupten gewagt R-tt, daß diese Vorschrift keine verbindende Kraft mehr habe, hätte er doch dort zur Stelle den vom Ture Sachava citirten bcj“0 gcfcljcn, der gründlich beweist, daß diese Vorschrift keine verbindende sei, sondern nur nrren me ist. Wie könnte er in Betreff des Händewaschens beim Frühanfsteheu die Aushebung dieser Verordnung verlangen, gehört dieser Gebrauch doch zur ordentlichen Lebensweise des Menschen? Er Hütte höchstens gegen das r>yi r.n meynb proiestircn können. Er hat aber geglaub., daß hier von einem ganz andern Händewaschen die Rede sei. Ich stimme mit H. Dr. Goldsckunidt vollkommen überein, daß der Rabbinismus eine freie Forschung zulüsst; jedoch will ich keineswegs damit gesagt haben, daß wir der Tradition zuwider .handeln dürfen und gegen ihre" Deutung kämpfen können. Dem freien Forscher, der da behauptet, daß das Verbot x« ebne braen rG durchaus weiter nichts verbiete, als tvaS blvs eben diese Worte besagen werden. Wir sagen, erstehe außer dem rabbinischen Jndcnthum; er leugne die Wahrheit der mündlichen Ucbcrlicfcrnng, der zufolge hier jedes reine Tbie: und unter x« ebn nicht gerade die Milch der^Acutter des erwähnten Böckleins, sondern auch Milch von jedem andern reinen Thier verstanden wird. Die Göttlichkeit und Echtheit der mündlichen Uebcrlicfcrung hier darzuthun, gestattet der Raum einer; einingseorrespondenz nicht. Ich hoffe dieses in ein eigenes hiezu bestimmtes Werk bald zu vollführcn. Soviel aber kann ich den H. Rabbinen schau jetzt vcrstchen^ daß nach meiner Ansicht wir Mäßigkeit, Sittcnreinheit, Mildthätigkeit Geduld und Au sdaucr in Leiden nur dcnr RabbmismuS zu verdanken haben. Amschelberg, den 2. 'Nissan .^eb r/r'Vn Tnimb Löwy, &rci?rabbtitcr. Pädagvgiscltc Briese. ’m. St. Daß weder der öffentliche, noch der Privat-Schulnnterricht selbst unter Voraussetzung der Leitung durch seientifisch und pädagogisch bestgcschulte Lehrer und Erzieher die ungczähmtcn Vermögen der Jugend in alten 'Neigungen und Leidenschaften oft nicht zu einem Ebenmaß zu bringen, noch viel weniger große Kräfte harmonisch zu einer höheren, idalcreu Gemülhsstimmnng zu ordnen vermögen, aus deren Einheit der erhabene Eharaktcr entspringt, ist. wer könnte es leugnen, wohl eine demüthigcnde, aber nur zu wahre Thatiache, bezeugt durch die Blätter der Geschichte alter und neuer Zeit. Die uäligc Heranbildung einer „seiner gearteten Menschheit in Erkenntniß und Sitte" von der Schule allein erwarten, wäre Unmögliches verlangt, und „ultra posse nemo obligatur.“ Aber wir müssen zu unserem Bedauern hierin noch einen gewaltigen Rückschritt machen und sagen, daß viele Erzieher der Kindheit, statt im Sinne Goethes „große Menschen und große Zwecke" in ihrem mühevollen Berufe vor Augen zu halten, sich schon damit begnügen lassen: „Reihen untergeordneter Naturbildungen der Gestalt und dem Name:, nach zu überliefern," und oft nicht im Stande sind „das Gefühl an einer einzigen guten That, au einem einzigen schönen Gedichte zu erwecken!" — Die Wahrheit ist. mau widmet der genannten Angelegenheit noch immer eine viel zu geringe, ja im guten Falle eine nur oberflächliche Beachtung, so daß rnan mit dem vorerwähnten Dichter darüber ausrufen muß: „Untröstlich isl's noch allerwürts!" Und dennoch, — um im Sinne unserer durchweg praktisch gewordenen Zeit zu sprechen, — gehört die reelle Erziehung des Volkes, wie uns der praktische angelsächsische Volksstamm so ausfällig darlegt, im höchsten Grade zu den Fragen über Nationalarbeit und ist nicht anders, zu behandeln;als Schutzzoll, Handelsfreiheit, Genossenschaftswesen n. s. w. Auch hier gilt das Wort: „Selbst ist der Mann." Worin wurzeln denn nun, so srugcu und fragen Tausende, die Hauptübel, an denen nrnissw amittemlis, eilt sonst wolgcordnetcr Schul- und Privatunterricht krankt? Blicke in die Zeit, und deren Geschlecht enthüllen uns das offene Geheimniß, und die diesen Zeilen gegebene Aufschrift bezeichnet Men tiefen Schaden, wodurch .er Volksunterricht so häufig lahm gelegt wird und das Geständnis; auf die Lippen preßt: Beeeatur extra et intra miii-QS Iliacos“. — Wir wollen hier nun nicht negativ Vorgehen, d. h. all die herrschenden Uel elstände u. smv. anführcn, wodurch die häusliche Erziehung die Arbeit der schule bewußt oder unbewußt paralysirt; sondern ganz positive, kur; gehaltene Grundstriche zu dem Bilde einer häuslichen Erzi huug unseren Lesern im Interesse der hochwichtigen Sache geben. Daß vorzugsweise tz'as Haus und die Familie, spceiell die häusliche Erziehung, rücksichtlich der Heranbildung der Jugend für die Zukunft der erste und letzte, der vorzüglichste und nachhaltigste Factor sein soll, daß dem so ist, leuchtet — um aus Hunderten von Beispielen nur einige markante hervorzuhebeu aus 'der Geschichte der alten Zeit, namentlich der Zeit der Römer und Griechen, bei denen die häusliche Erziehung in den Händen der Mütter und gebildeter Selaven lag, — aus den eutlurgeschichtlicheu Bildern ucucstcr Zeit ans vielen Gegenden Deutschlands und ferner aus den Biographien großer Eharaktere, überhaupt sittlich vollkommener Mem'cheu auf das klagte hervor. — Rach Richtigstellung unseres Standpunktes kommen wir unserer Ausgabe ganz nahe, indem wir als erste Pflicht der häuslichen Erziehung der Schule gegenüber den «Latz auf-