Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 9 (20.4.1865)
- Date
- 1865-04-20
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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76 1} f! (Sine 'l'orl'f l'uiuj. M. Duschak.) (Bon I>r. - Indcnthnin, Seele unserer Seele, Leben unseres Lebens, sag' an. welches ist dein innerster goldener Kern, was ist dein gediegener Inhalt, wornach strebst und ringst du? waö ist dein Ziel und Zweck? welche Ausgabe hast du dir gestellt? welche Segnungen botest und bietest du Israel und der Menschheit an? was hat dich über die Stürme der Iabrhnndcrte hinweggetragen? anS;o vielen Schisfbrüchcn gerettet? deine Unverwüstlichkeit ist dir gewährleistet, welche Umstände und Vcrhältnisse haben dazu beigctragen? deine Bekenner wurden ans Märtyrer- und Folterbänke gelegt, Schcitcrhauscn wurden sür sie angezündct, aber der Dornbusch brannte und verbrannte nicht; sic glichen nach den Worten des Midrasch dem Oele, das vom Wasser abgcsioßcn, sich dennoch stets aus d r Oberfläche hält, sic glichen dem Lustknöchclchen der Kabalisten, das den Keim zu einem neuen Körper bildet, wenn der alte Körper int Staub zerfallen ist, deine Lehren müssen daher den Keim der Unvcrgänglichkeit und Ewigkeit in sich tragen. Schlagen wir, meine werthen Zuhörer, das Buch der Bücher, die heilige Schrift ans, jo enthält sic 2 Elassen Pcntatcnchischer Vorschriften : theoretische und praktische. Die theoretischen Vorschriften beziehen sich aus Alles, was die Erkenntniß Gottes betrifft, daß er ein einiges, einziges Wesen ist, keine Macht über, keine neben, keine unter ihm, daß er unkörpcrlich, allgerccht,' allgütig, heilig, Schöpfer des unendlichen All's der Dinge ist, daßer das Meisterstück seiner Schöpfung, den Menschen in seinem Ebenbilde schuf, zu dem er in der unmittelbarsten Unmittelbarkeit ohne irgend ein vermittelndes Zwischcnwcscn, steht. Ich nenne dieses Erkenntniß Gottes, weil das Judenthum jeden blinden Glauben, jeden Köhlerglauben entschieden von sich weist; schließe aber keineswegs den Glauben als Vorstufe zu der Höhe der menschlichen Erkenntniß gänzlich aus. )2rr heißt im Hebräischen glauben und erziehen. Der Glaube ist dem Iudcnthnmc ein pädagogisches erziehliches Moment; sowie der junge Zögling den Aussagen seiner Eltern und Erzieher so lange unbedingten Gehorsam zollen, unverkürzten Glauben und Zutrauen schenken muß, so lange er nicht im Stande ist zu unterscheiden zwischen Gut und Böse, Recht und Unrecht, Wahrheit und 'Falschheit, so inuß auch der Mensch aus dcr'niedrigcn Stufe seiner Unreife so lange sein Erkenntniß-Vcrmögen noch nicht entwickelt und entfaltet ist. den Aussagen und Zusagen Gottes über sein Verbältniß zum himmlischen Vater, über seine Hoffnungen und Aussichten unbedingtes Vertrauen und Zutrauen schenken. Man hat seit Mendelssohn geltend machen wollen, daß das Indcnthum nnbcd' zt und ausnahmslos jeden naiven Glauben perhorrcseirt, einige Sprachforscher behaupteten sogar, daß s28 keincswc den Glauben an eine Aussage bedeute, sondern lediglich das Vertrauen aus eine Zusage; wir vermögen aber diese haarspaltcnde Differenz zwischen dem Glauben an eine Wahrheit und zwischen dem Vertrauen ans eine Versicherung ans dem Munde einer erhabenen Autorität nicht cinznsehen. In der Thal bedeutet s2rr wie cS die neuesten, Sprachforscher darthnn, nichts anderes, als an etwas scsthaltcn, mag sich dieses Festhalten auf die Erkenntniß einer Wahrheit, oder auf die Verheißung und Zusicherung beziehen. Wenn das Golteswort uns zuruft: „Höre Israel, der Herr unser Gott ist cm einziger Gott," was will das GottcDvort anders, als daß wir zunächst diesen himmlischen Schatz gläubig in nnsxr Gcmüth an- und anfnchmcn; die Rabbinen.nennen daher dieses Bckcnntniß nicht Erkenntniß, sondern n.ap. Wir haben 2) die Vorschriften des Pentateuchs hier die Praxis genannt; sie begreifen das Gebiet der Moral, des Rechtes und der Gerechtigkeit und der Ecrcmonial-Gcsctze. Es ist das eine Eigcntbümlichkcit des Iudcnthnms, daß cs alle Handlungen des I.-raelircn ans Gott nr.d Religion bezieht: du sollst sittlich sein und moralisch' handeln, weil cs Gott befiehlt, ehre Vater und Mutter, wie dir dein Gott befohlen, du sollst das Gute und Rechtschaffen«; üben in den Augen des Ewigen deines Gottes; dn sollst gerecht handeln, Gerechtigkeit schützen und schirmen, weil es der Wille deines himmlischen Vaters ist; brauche ich cs Ihnen noch zu sagen, daß wir auch die Eercmonial-Gcsctze beobachten sollen, damit der Wille des himmlischen Vates von iW erfüllt werde? Sage nicht, bemerkt der Talmud, ich.' esse! diese verbotenen Speisen nicht, weil sie mir nicht mullden^! sage vielmehr, ich hätte Lust und Gefallen daran, aber hinein Vater im Himmel hat es verboten. So viele Mühr'ümd Anstrengung sich auch die jüdischen Philosophen gaben, die Eercmonialgesetze zu motiviren und dem Verständnisse nahe zu bringen, sic sahen sich in ihrem allerdings lobcnswcrthen Streben ilicht belohnt, wo ihnen die heilige ^Schrift, oder die augenfälligsten Facta die Winke versagten, da mußten sie cm Ende gläubig vor dem Thron- Gottes knien und gestehen, daß die Wege Gottes Macht und Dunkel sind. Unsere Weisen drücken dieses in ihrer mythisch allegorischen Weise so ans: Salomon der Weise habe mit dein ganzen Aufgebot seiner eminenten geistigen Kräfte die Eercmonialgcsctzc zu erforschen gesucht; als er aber zur Vorschrift über die rothe Kuh kam, da strich er die Segel und sprach: .'Ü22 nprn r.a^ns Tnc» Wenn cs demnach an einer andern Stelle heißt: Gott babc uns die Beobachtung der Eercmonialgcsctzc an's Her; gelegt rvrp3n so kann damit nur gemeint sein, cs habe Gott unfern Glauben, nnscrn Gehorsam, unsere Willfährigkeit, unfern Kindessinn läutern wollen. Der grofc Maimnni bestärkt uns in dieser Ansicht. Maimnni der Philosoph wirst im Wegweiser der Verirrten alle Pcntatcnchischcn Vorschriften in den ^chmclzliegel der Specnlation, während sich Maimnni der Eodisicator in seinem Eodcx r.pin” ~v in die Arme des Gehorsams wirft; die Opfer sind.Maimnni, den Philosophen eine Eonccssion der noch im Heidcnthnme wurzelnden Israeliten. Maimuni dem Eodiücator sind sie ein Act des strengsten Gehorsams ohne Begründung nitd Ursache, worüber d'?td*i21 C'Dn nachznlescn ist. Sie begreifen nun, meine Herren, daß sich der cbrlichc Jude, der cs ehrlich und redlich mit seinem Indcnthntnc meint, eben so wenig der Beobachtung und Befolgung eines Ecreinonialgcsetzcs entziehen kann und darf, als er die ^Eigenschaften und Attribute seines Gottes, wie sie das Iudenthum ihn lehrt, in Frage oder in Zweifel ziehen, oder als er einem Sii'tengcsctze in's Angesicht schlagen darf. ch ' j (Fortsetzung folgt). t C o r r c H o ch g c c h r t c r Freund! *) Ihr, die Interessen des Iudcnthnms forderndes geschätztes Blatt daß „Abendland" hat mir viel Vergnügen gc- .; ä ' i ond e nz. / . macht. 2 In unserer Zeit sind Schriften dieser Art höchst erwünscht. Möge Gott Ihr Unternehmen segnen, und -Ihr Streben, Aufklärung nitd Religiosität zu verbreiten, gelingen lassem Niä't diesem Zwecke entsprechend aber in der Artikel voic einem Rabbinen in Nw. 6 des erwähnten Blattes, übcr- *) Sorgen Mangels an Raum verspätst ansgcnoinmcn.