Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 8 (6.4.1865)
- Date
- 1865-04-06
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
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71 Mähren. Zn Leipnik besteht ein Glücksvcrcin aus 50 Mitgliedern der minder bemittelten jüdischen Einwohner. Dieser Verein hat den zweiten Haupttreffer der 1854er Lose gewonnen. Der Betrag dieses Gewinnstes von 21.000 fl. dürfte den Leuten wahrscheinlich sehr gelegen kommen. Dbernngarn, Mitte März. Das hier ziemlich verbreitete Gerücht, wonach Herr Oberrabdiner L ö w vor Kurzem eine Berufung als Prediger nach Berlin erhalten, bestätigt sich nicht. Allerdings sollen sich hiefür kräftige Stimmen erhoben haben; allein, nicht in Berlin, sondern in — Szeg e d in. Zn S. a. Ujhely hat sich ein Verein gebildet zur Unterstützung mittelloser Talmudjünger. Die nächste Aufgabe desselben ist, den zahlreichen Bachurim Mittag-und Abendbrod verabfolgen zu lassen. In Dcbreczin, wo in den letzten Zähren eine ansehnliche isracl. Gemeinde sich consolodirt, wurde vor wenigen Monaten ein Verein in's Leben gerufen, unter dem Namen: „Verein zur Förderung des Ackerbaues, der Zndustric und Handwerke unter den Juden Unterungarns". Der Verein, dessen Statuten bereits die hohe Genehmigung erhalten, zählt ungefähr 400 Mitglieder; der dritte Theil der Mitglieder besteht aus christlichen Bürgern, lieber die Thätigkeit dieses Vereines — in unserem nächsten Referate. Berlin, 15. März. (Privatmittheil.) In hiesiger Stadt ist abermals ein Jude, der Assessor Lasker, zum Mitglied des Abgeordnetenhauses gewählt worden. Es ist dies der vierte in dem jetzigen Abgeordnctenhause, und zwar zwei für Berlin (Jacoby und Lasker) einer für Königsberg (Kosch) und einer für Waldenburg (Reichenheim). Diese Zahl geht über das Normalverhältniß nicht hinaus, nach welchem fünf auf die jüdische Gesamintbevölkerung in Preußen kämen. Es ist hierbei aber wohl hervorzuheben, daß vermöge der großen Zerstreuung der jüdischen Bevölkerung sie auf die Wahl der Abgeordneten gar keinen Einfluß übt, und höchstens in der Provinz Posen hier und da als ein kleiner Brnchtheil ein Gewicht bei den Wahlen besitzt. Der Jude also, der als Volksvertreter in das Abgeordnetenhaus tritt, ist von seinen christlichen Mitbürgern ge- - wählt und hat es seiner allgemeinen Thäffgkeit und Auszeichnung zu danken. — Unter dem jetzigen Regime ist an eine Besserung in denjenigen Verhältnissen, in welchen wir noch benachtheiligt oder ausgeschlossen sind, nicht zu denken. Wir können noch zufrieden sein, daß Rückschritte nicht gemacht werden, was hinlänglich beweist, daß die feudale Partei, die Partei der „Kreuzzcitnng", doch nicht zur gänzlichen Herrschaft gekoinmen ist. Die drei wichtigen Punkte sind eben: Der Ausschluß von den meisten Staatscarrieren, der Ausschluß von aller Subvention aus Staatsmitteln für unsere Cultus- Gcmeinden und der Eid more judaico. Es wäre vergebens, irgend wie und wo Schritte hierin zu thun. Die großen Eonflicte, in welchen die Staatsgewalten begriffen sind, verhindern jeden Einfluß von liberaler Seite und nehmen auch dermaßen den Vordergrund ein, daß an dergleichen Gegenstände der speciellen Gesetze nicht gedacht werden kann. — Herr Professor M u n k hat bereits sein Patent vom Regierungsrath von Bern erhalten und tritt im April seine Professur an. Gleichzeitig ist Herr Munk zum dirigirenden Arzte des Berner Jnselspitals erwählt worden. — Die „Voss. Ztg." enthält folgenden Artikel: „In einem Aussatz der "Allg. mcdic. Eentr.-Ztg." (Nr. 20) weist Dr. I. Beer aus einen Ucbelstand hin, dem anderweitig bereits Abhilfe geschehen ist, während er für Berlin noch besteht. Derselbe betrifft die „Eeremonialbcschneidung der Juden", die in Frankreich im vorigen Jahre durch einen Regicrungsertaß ans den Händen der nichtwissenschaftlich - medicinischcn frommen Körperschaften jüdischen oder nichtjüdischen Otfiders de saute übertragen ist, wobei jedoch das Rituale demnngeachtet nackalter Vorschrift unangetastet bleibt. Mag man, sagt Dr.Becr, über die Bcschneidnng denken wie inan will, das steht fest, daß es hohe Zeit für Preußen, namentlich für Berlin ist, daß diese nicht stets so sehr ungefährliche Operation den Händen der Laien abgcnommen und ans Usance oder ans Ucberzcugung einer größeren Sicherheit des Erfolges approbirten Medicinalpersonen übertragen werde." (A. Z. d. I.) Hannover. (Ein Jude — Welfenritter.) Zn Hannover ist etwas Außerordentliches passirt! Dem Hauptmann Meyer vom Hamburger Contingent ist der Gnelphcn- Orden ertheilt, weil er sich beim Rückmarsch der Hannoveraner aus Holstein gegen diese kameradschaftlich benommen. Bereits war das Diplom ausgefcrtigt, der Orden an den Empfänger gesandt, das Capitcl der Guelphcnrittcr zählte einen bürgerlichen Meyer zn den Seinen — da erschütterte mit einemmal die furchtbare Kunde das gesammte königliche Hofgesinde: Meyer ist ein Jude! Ein Jude ist Welsenritter! So was ist noch nicht da gewesen! Das Ordenscapitel ist natürlich grenzenlos gemeiert, aber — geschehene Dinge lassen sich nicht ändern, und der christliche Wclfcnhof, der lieber seine erste Musik-Notabilität Herrn Joachim verlieren, als sich von diesem einen jüdischen Kammcrmusicns (Grün) aufdrängcn lassen will, zählt mit tiefer Schamröthe am Boden der Wclfenhosc einen Juden unter seinen Rittern. Bonn, 11. März. (Privatmitth.) Das jüngste Heft der ^.rell. isr. enthält eine Mittheilnng aus dem Großherzogthum Hessen, daß in der Stadt Lauterbach es den Juden verboten sei, außer dem Jahrmärkte in den Straßen zu verkaufen, wo die Christen verkaufen, sondern es sei ihnen dies nur in einer besonderen Straße gestattet. Ans mehrfache Gesuche der Juden sei stets eine abschlägige Antwort erfolgt. A. Z. d. I. Aufforderung. . Mehrere hiesige Geschäftsleute beabsichtigen einen Glücksverein zu bilden, zu welchem seinerzeit die behördliche Bewilligung erwirkt werden wird. Mit einem Betrag von I oder S fl. monatlich, je nach Uebereiurommen, kann man sich an diesem Vereine betheiligen. — Wer sich diesem Vereine anzuschlieflen gedenkt, wolle seine Anmeldung in der Administration dieses Blattes, Buchdruckerei des Herrn A. Renn, Kolowratflrafle zu 3 Linden, machen, und es wird nächstens Hierwegen das Röthige veranlaflt werden. Die Redaktion. «3II fl) sch a u. „Bezalel der Gottberusene." Gcdächtnißredc, gehalten am Sabbath: Wajjakhel-Phekude 5625 in der Ncnsynagogc zu Prag, von Dr. Ad. Hübsch, Rabbiner und Prediger daselbst. (Auf vielseitiges Verlangen veröffentlicht.) Predigten lassen sich besser und angenehmer hören als lesen, denn es ist hier das todte Wort, während aus dem Munde des begabten Redners das belebende fließt. Mau sieht das' Wort in der Rede entstehen, sieht die Rede wachsen, hört sic und denkt mit; cs wird einem aus der Seele gesprochen, was beim Lesen alles nicht der Fall ist, und muß daher, wenn eine gedruckte Rede sich des Beifalls erfreuen soll, die Veranlassung eine wichtige und die Ausführung eine gelungene sein, wie überhaupt der ganze Ban derselben ein ge-