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Das Abendland · 1865-04-06 · 8 (6.4.1865) · p. Seite 70

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
8 (6.4.1865)
Date
1865-04-06
Page
Seite 70 (sequence 6)
Language
German
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70 von 20—25 Versen in der Bibelstunde mit den Schülern besprecben und getrost zur Wiederholung übergeben konnte- Zweiter Grundsatz bei Ertheilung des Bibelu..ternchtes: Möglichst viel Beseitigung des Mechanismus und Anregung des Schülers zur Selbstthätigkeit. (Eduard Ltein, Hauptschullehrer. . H o l i tz, den 20- März. Wenn allenthalben das Gemeindewesen erfreulichster Weise emporblüht und uns durch sein Gedeihen die schönsten Früchte hoffen läßt, so ist dies gewiß sehr den Männern zu danken, die ihre geistige und materille Kraft dem erhabenen Ziele widmen^ den Namen „Jude" zu einem klangvollen zu machen, ihn von dem Schlacken zu befreien, der ihm verdient und unverdient anhängt j um wie viel mehr verdienen aber Männer unsere Achtung, die mit verhaltnißmäßig geringen Mitteln ausgerüstet, trotz einer kleinen Mitgliederzahl, trotz manchem hindernden socialen Elemente, ihre Kräfte anstrengen, um ihre kommunalen Verhältnisse nicht nur erträglich, sondern der Nachbildung würdig zu gestalten, wie unsere Gemeinde den schönsten Beleg hiefür bietet. Vor wenigen Jahren noch war wenig Israeliten der Aufenthalt hier gestaltet und heute zählt die Gemeinde ungefähr 25 Familien, die, obzwar zum großen Theile wenig bemittelt, doch ihr Möglichstes beitrugen, um einen geregelten Gottesdienst und eine gute Schule zu besitzen. Besonders ist es die letztere, die in beträchtlichem Umkreis sich des besten Rufes erfreut, so daß Kinder aus nah und fern zum Unterrichte hergesandt werden; die Leistungen des betreffenden Lehrers Herrn A- Weiß werden auch genügend anerkannt, nicht nur von den Gemeindemitgliedern, sondern auch von den die Schule von Zeit zu Zeit besuchenden Visitatoren, und hat Herr Weiß in letzter Zeit vom löbl. Consistorium ein Belobungsdecret erhalten. Die Schule hier ist eine ganz unabhängige und hohen Orts autoriffrtc. Von den Männern, die sich uin das Gedeihen der Gemeinde besonders verdient gemacht haben, verdienen in erster Reihe genannt zu werden die Herren I. Schulhof, M. Popper und A. Fuchs; sie haben cs weder an Bemühungen noch an Opfern fehlen lassen, um die erfreulichen Erfolge, die sie genießen, anzustreben, und es ist diesen Herren ferner das beste Gelingen ihrer den Dank der Mitglieder verdienenden Handlungen zu wünschen. Möge auch die Eintracht, die bisher selten und wenig unterbrochen wurde, ferner das Bindemittel aller das Beste anstrebenden Gemeindeangehörigen fein. Bielenz bei Komotau. Der heurige Purim war für uns ein wahres Fest. Herr Sigmund Fischel aus Jungbunzlau, deutscher Lehrer an der hierortigen Religionsschule, hat gezeigt, daß die Schule nicht einseitige Ausbildung des Verstandes anstreben, sondern durch die Poesie auch auf das Gefühl und die Fantasie der Jugend einwirken und so Kopf und Herz in schönem Einklänge bilden soll. Herr Sig. Fischel veranstaltete nämlich am Purimfeste mit seinen Schülern eine Theatervorstellung, welche bei vollem Hause mit dem größten Beifalle ausgenommen wurde, da sowohl die Aufführung eine äußerst gelungene war, wie auch die Wahl des Stückes,^ die Ausschmückung der Bühne und der Garderobe nichts zu wünschen übrig ließen. — In den Zwischenpausen wurden passende Gedichte vorgetragen und zwar, wie es dem Vortrag.' anzuhören war, mit Verständniß, und was die Folge davon war, mit Gefühl. Was' aber dem Ganzen die Krone aufsetzte, das war der wohlthätige Act, der hiemit verbunden wurde: den Reinertrag, der nicht unbedeutend war, vertheilte Hr. Fischel unter die Armen des Ortes ohne Unterschied der Religion. — Ein nachahmungswürdiges Beispiel! Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Dcr böhmisch - jüdische L c h r c r v er e in. Nachdem wir in der „Zcitstimme" diese Angelegenheit angeregt und es dahin gebracht, daß eine Anzahl von ausgezeichneten Männern Prags znsammengctreten sind, um die Sache zum Ziele zu führen, — so wenig Dank uns auch dafür geworden, — so ist es uns angenehm hiemit anzeigcn zu können, daß Herr JnstitutSdirector Frei dem Präses der israelitischen Cnltusgemcinde, Herrn Ernst Wehli, wie dem k. k. Professor Herrn Dr. Wessely die znsammcngestellten Statuten dieses Vereins zur Revision vorgelcgt hat, und hat Herr Frei den Wunsch geäußert, cs mögen jene Herren, die sich dem Vereine anschließen wollen, nächsten n'nn in Prag zusammenkommen, damit die Sache zum Abschluß kommen und der k. k. Behörde könne vorgelcgt werden. * Die Prüfung an der öffentlichen Hauptschule des Herrn I. Frei, die sich sowohl durch angemessene Auswahl reicher Lehrmittel, als durch eine starke Schülerzahl auszeichnet, befriedigte auch diesmal nach geschlossenem Wintercnrse sowohl die dabei intercssirtcn Eltern, als jeden Freund der Jugend und des Schulwesens. Bei dem, seit Jahren überhand nehmenden Jndisfcrentismus thut die Erscheinung wohl, daß noch viele Eltern den gründlichen Unterricht im Hebräischen wünschen, und daß ehremvcrthe, tüchtige Schulmänner diesem Wunsche mit eifrigem Bestreben entgegenkommen. Auch für Erlernung der zweiten Landessprache geschieht an der Frci'schen Schule sehr Ersprießliches. Wien. Die „Prediger Mannheimer-Stiftung." (Aufruf.) Als im Oktober des Jahres 1863 die Wiener israelitische Eultnsgcmcindc das siebzigste Geburtsfest ihres hochgeehrten, nun in Gott ruhenden Predigers Herrn I. N. Mannheimer feierte, widmete der edle Greis einen ihm als Ehrengabe zur Verfügung gestellten Betrag von 4000 fl. in Grundcntlastungs-Obligationcn für eine Stiftung, „deren Zinscrträgniß jährlich zur Unterstützung von Rabbincn, Predigern und Lehrern, die dienstunfähig geworden sind, oder deren Witwen und Waisen verwendet werden solle." Schon damals hatte der treffliche Mann, der mitten unter den Aufregungen eines von den freudigsten Kundgebungen begleiteten Tages an nichts als an Wohlthun dachte, eine Erweiterung dieser seiner Stiftung im Sinne, die so recht der Ausdruck seines milden, hochherzigen und gehobenen Gcmüthcs war. Gewiß! Das Unterzeichnete Cnratorinm geht nicht irre, wenn cs die „Prediger Mannheimer-Stiftung" gleichsam als ein Vcrmächtniß an die ganze Wiener Gemeinde betrachtet, deren Vater, Freund und Seelsorger in dem unersetzlichen Verluste des theuern Mannes noch betrauert wird, indem cs die Bitte ansspricht, ihm zur Erweiterung und Fortbildung dieser Stiftung, dieses Lieblingsgedankenö des seligen Herrn Mannheimer, die Mittel an die Hand zu geben. Zu segensvollcr Thätigkcit berufen, wird die so erweiterte und reichlicher ausgcstattetc Stiftung nicht nur ein Vcrmächtniß des viclbctrancrten Mannes sein, sie wird sich zugleich zu einem Denkmal der Pietät und Dankbarkeit gestalten, an welchem sich die ganze Gemeinde in innigster Einmüthigkeit bethciligt hat. Die Herren Vertreter der Wiener Eultnsgcmcindc Huben demgemäß, in voller Würdigung des angestrebten Zweckes, gestattet, daß die für'die „Prediger Mannheimer-Stiftung" cinlaufcndcn Beiträge (selbst die kleinsten nicht ausgeschlossen) durch die Gcmeindckanzlci (Scitcnstettengasse Nr. 4, 2. Stock) gegen Empfangsbestätigung entgegegcnommen werden können. Ferner ist jedes Mitglied des Unterzeichneten Enratoriums gerne bereit, Beiträge cntgegcnzunchmen. Die cingczahlten Beträge werden durch die öffentlichen Blätter gehörig ausgewiescn werden. Wien, 30. Mürz 1865. Das Enratorinm der „Prediger Mannheimer-Stiftung.* Ignaz Bobellc. L. S. Fischel. Jul. Ritter v. Goldschmidt. Dr. Kompert. Dr. G. Wolf.

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