Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 8 (6.4.1865)
- Date
- 1865-04-06
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
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69 dieses Mannes kannte, ward diese traurige Begebenheit ties empfunden, und die Kundgebungen in dieser Richtung sind nicht ausgeblicbcn. — Auch Prag, welches stets das Verdienst Mannheimers zu würdigen wußte, konnte sich den Sympathien für denselben nicht verschließen und den Gefühlen, die dessen Verlust überall wachgernsen hat, und hat durch seltene Trauerscierlichkeitcn diesen den Ausdruck verliehen. — Gehen wir der Reihe nach, wie diese stattgefuuden, so müssen wir vor Allem der Trauerrede Erwähnung thnn, welche Herr Rabbiner Dr. Hübsch, Prediger der Neusynagoge gehalten, und welche aus Aufforderung vieler seiner Verehrer bereits in der Buchdruckerei von Senders und Brandeiö im Drucke erschicnep ist; dieselbe zeichnete sich durch den in echt homiletischem Sinne gegliederten Jdeengang und eine seltene Gedankenfülle vortrefflich aus, und regte sie nicht nur das geistige Interesse an, sondern auch das Gefühl von Pietät für den seltenen Mann, der nicht leicht m ersetzen sein dürfte. In dieser wahrhaft geistreichen Homilie ward des verewigten Mannheimers in würdigster und erhebendster Weise gedacht, und jeder seiner seltenen Vorzüge und sein unvergessliches Wirken im Interesse des Jndenthums im Allgemeinen und des österreichischen insbesondere möglichst hcrvorgehoben. — Am 26. Mürz Vormittags um 11 Uhr versammelte sich in der, zu diesem Bchufc schwarz decorirtcn Maiselsynagoge ein ebenso andächtiges als distinguirtcs Publicum, unter denen wir mehrere Mitglieder der Gcmcindcreprüsentanz, dann den intimen Freund Mannheimers, den hochverehrten k. k. Professor Herrn Tr. Wessely und sonst mehrere Honoratioren bemerkten. Die Feier wurde mit einem, von dem tüchtigen Dirigenten Herrn Rubin geleiteten Choral, gesungen in Begleitung einer Phisharmonika, eröffnet, hieraus bestieg Herr Rabbiner Dr. A. Stein die Kanzel und besprach die großen Verdienste des theucrcn Verblichenen, indem er betonte, wo und in welchem Lande und Hanse er geboren ward, wie damals die Zeit und die Lage des Jndenthums beschaffen war, wie er nach Oesterreich gekoinmcn und welche Kämpfe er da zu bestehen gehabt, und wie er bei jeder Gelegenheit als Mann und wieder als Mann sich gezeigt und bewährt, wie so einfach, so anspruchslos, so freundlich und verträglich er gelebt und gewirkt hat; wie er als Mensch und als Prediger ausgezeichnet, jederzeit menschenfreundlich, wohlthätig und bescheiden, aber wo es galt, ein Recht zu vcrthcidigen, zu verfechten, auch männlich aufzntreten wußte. 'Nachdem er sich gerühmt, auch unter die Glücklichen sich zählen zu dürfen, die den Verewigten gehört und bewundert, schloß er die Rede mit einem eigenen, in hebräischer Sprache bei eröffn et er Lade vorgctragenen Gebete für das Seelenheil d§s Hingeschiedenen. Aus die Rede folgte ein Choral, mit welchem die Feier schloß. — Abends 5 Uhr begann der von dem Vorstände des Tempels veranstaltete Traucrgottcsdicnst. Lange noch vor Beginn desselben hatte sich ein die für diesen Zweck etwas engen Räume vollkommen nnssüllendcs Publicum cingcfnndcn, und viele Verehrer des Dahingcschicdcncn konnten wegen Mangel an Raum der Feier nicht beiwohnen. Auch hier wurde dieselbe nach abgchaltenem Minchagcbct mit einem vom Ober-Cantor Herrn Pereles componirtcn und persönlich geleiteten Choräle eingeleitel. — Hieraus wurde die Trauerrede von dem bewährten Prediger H. Professor l)r. Kämpf unter ungetheiltcr Aufmerksamkeit gehalten. Die Zuhörer lauschten den Worten des beliebten Predigers, der die Verdienste seines dahingeschiedencn Collcgcn in eben so sinniger als rührender Weise würdigte. Gleich die einleitenden Wone j'Q'np nQü Dun waren äußerst glücklich gewühlt, weil für Mannheimer nicht blos nach seinem Tode, sondern schon bei Lebzeiten jeder Glaubensgenosse, ja jeder Mensch ein Bruder, ein Verwandter war. Sich anlehncnd an zahlreiche biblische und talmudische Stellen, wies Redner nach, wie Mannheimer allen Anforderungen, die man an ihn als Prediger wie als Menschen, als Leiter der Gemeinde wie als Familienvater, als Trostspender im Unglücke wie als Theilnehmcr an der Freude stellen konnte, in ausgezeichnetem Maße gerecht wurde. Der Eindruck der Rede war um so mächtiger, als sic gewürzt war mit einigen geistreichen ^.per^ues aus talmudischem Gebiete, und so nach jeder Seite hin befriedigte. Mit einem Gebete, bei dem Herrn Professor Kämpf auffallenden Weise und wohl nicht ex professo eine Thorarolle in Händen hielt, schloß die Feier. Aber das Andenken an I. M. Mannheimer ist nicht geschlossen. Friede seiner Asche! Corresponden). Pädagogische Briefe. II. Erstes Mittel zur Förderung eines gedeihlichen Fcrtschreitens im Bibelunterrichte wäre demnach: ein nach didaktischen Grundsätzen ertheilter Vorbereituugsunterricht. Nun ein Wort über den Bibelunterricht selbst. In welcher Weise soll dieser ertheilt werden? Dafür einen, etwa den von mir betretenen Weg als den allein heilsamen zu bestimmen, kann und will durchaus nicht in meiner Absicht liegen. Viele Wege führen zn einem Ziele, sagt das Sprichwort. ' _ Soll man aber deshalb jeden beliebigen Weg nehmen? Soll man nickt vielmehr einen solchen wählen, der sowohl dem Führenden als dem Geführten angenehm ist? Cs sei mir gestattet, nur auf einige Hauptmomente aufmerksam zu machen, die so selten berücksichtigt werden. Noch immer besteht der Bibelunterricht vieler Lehrer einzig darin, daß sie den Schüler jedes Wort aus dem hebräischen Texte des vorzunehmenden Abschnittes lesen und die ihm vorgesprochene Bedeutung desselben wieder uachsprechen lassen, und dies so oft, bis es das Kind nach der Meinung des Lehrers ganz oder halb behalten zu haben scheint. Thut's Noth, so werden der Abschnitt und das Kind in der nächsten Bibelstunde wieder so behandelt. Wie leicht ließe sich jedoch das ewige Einerlei, der stete Mechanismus vermeiden! Oft ist das dem Kinde fremd scheinende Wort eigentlich kein neues, sondern nur in neuer Form. Der Lehrer hätte also nur auf die frühere Form hinzuweisen und beide vergleichen zu lassen und so den Stop dem Verstände, nicht aber einzig dem Gedächtnisse zu übergeben. — Manche Lehrer gefallen sich wieder darin, ganze Capitel nach Docentenweise im Monologe hebräisch und deutsch durchzuuehmen und dies von der Classe gleich ein- oder zweimal nachahnten zu lassen. Es ist selbstverständlich, daß der Lehrer es dabei an seiner kräftigen Unterstützung nickt fehlen lässt. Es scheint da nur darauf ,abgesehen zu sein, schnell viel durch genommen zu^haben, ob die Schüler auch auf genommen, wäre überflüssige Sorge. Ein zweiter Uebelstand ist, daß viele ihre Zöglinge mit der Bibel blos in der dafür bestimmten Stunde beschäftigen, daß ste diese nicht auch veranlassen, den genommenen Abschnitt selbst zu wiederholen und sich so einzuprägen. Dazu gehört natürlich, daß der Lehrer die Anleitung gebe, wie die Schüler leicht wiederholen können, und daß jeder im Buche neben dem Urtexte die Uebersetzung habe. Im Interesse des einheitlichen Wirkens wäre da zu rathen, daß alle Schüler gleiche Bücher besitzen. Die von Philippson in neuester Zeit veranstaltete Ausgabe dürfte wegen ihrer anerkannt guten, Uebersetzung, wegen ihre'' praktischen Einrichtung und ihrer Wohlfeilheit vor allen zu empfehlen sein. — Ist ein Abschnitt mit genauer Benutzung der im eingeführtcu Schulbuche stehenden Uebersetzung in rechter Weise 2—3ntal durchgcnommen worden, so zeige der Lehrer, wie er selbst an ihrer Stelle jeden Satz einzeln wiederholen würde, wie er die Uebersetzung für ein unverstandenes Wort im deutschen Theile suchen würde, und lasse sie manches selbst suchen. Wenn der Abschnitt „früher mit Tact 2mal durchgenommen wurde, kann ihnen das Selbstsinden keine erheblichen Schwierigkeiten mehr bieten. Selbstverständlich ist, daß die Hilfe bei den Wiederholungsübungen nur den Neulingen zu leisten ist, und daß die Menge des Unterrichtsstoffes stets der Kraft des Kindes angemessen sein muß. Schreiber dieses nahm gewöhnlich anfangs höchstens 3—4 Verse vor und brachte es bei bezeichnetem Vorgehen dahin, daß er zum Schluß des ersten Jahres einen Abschnitt