Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 8 (6.4.1865)
- Date
- 1865-04-06
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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hauch geht über sic hin, und in dem Grade, wie die schlummernden Fähigkeiten erwachen und das Verständniß sich entwickelt, werden intellectuelle und sittliche Reichthümcr aus dieser offenen Mine gewonnen werden, die auch den Nationen zum Vorthcil gereichen, in deren Mitte die Israeliten leben. Israeliten! Was braucht man, um ein so wünschcnSwerthes Resultat zn erlangen? — Man braucht Geld, viel Geld. Wir unterhalten bereits sieben Schulen und wissen, was das kostet. Eine jede erfordert ein Local, Material, hebräische, arabische, französische, spanische, italienische, englische Bücher, je nach der Sprache, die in den betreffenden Gegenden am gebräuchlichsten und daher für den Unterricht am nothwendigsten ist. Jeder Lehrer reist, oft mit Familie, auf unsere Kosten über die Meere, empfängt von uns seinen Unterhalt und erwartet Alles von uns; aber unsere Hilfsquellen sind unzureichend. Jetzt, da ihr, ihr Israeliten der ganzen Welt, ihr Israeliten von Europa und Amerika, die ihr so viele Vortheile genießet, unser Unternehmen begriffen habt, — werdet ihr euch weigern, dieses Werk zu unterstützen, dessen Zweck so genau bestimmt, dessen Nützlichkeit so einleuchtend ist, dessen Resultat so fruchtbringend sein wird? Ihr thcuern Brüder in Frankreich, England, Italien, Holland, der. Schweiz, Deutschland, Algerien, ihr Brüder in den vereinigten Staaten, aus den Antillen, in Australien und Indien, werdet ihr euch weigern, euren Namen dem größten Emancipationswerke zuzngesellen, welches jemals in Israel versucht worden ist? Ihr, ihr theuren Schwestern, welche ihr so wohl die Kunst versteht, große Almosen zn veranlassen, werdet ihr euren Beistand weigern, da es gilt, Schulen zu gründen für jene kleine Mädchen, die so weit davon entfernt sind, euren Töchtern zu gleichen? Organisirt überall Subscriptioncn, schaffet neue Comite's für unfern Verein, eifert die Gleichgiltigen an und hebt den Eifer der Nachlässigen! Jede neue im Orient oder in Afrika erösfnete Schule wird ein Heerd der Emancipation und des Lichts sein, jedes Buch des Orients, das jene jungen Lippen bnchstabiren, wird ein Same der Zukunft sein. Die Katholiken und Protestanten haben ihre Stiftungen, ihre Missionäre, ihre Bücher, ihre unerschöpflichen Hilfsquellen und geben ungeheure Summen aus, um ihre Ideen auszubreiten, und das Judenthum sollte fast gar Nichts thun? Es sollte einigen edlen Männern das zn thun überlassen, was die Anstrengung und die Ehre Aller herausfordern sollte? Israeliten! Der Verein, welchen wir gegründet haben,'wird das Werkzeug eurer Freigebigkeit sein; er weiß die Mittel anzuwenden und eure Opfer fruchtbar zu machen, er wendet sich an das ganze Judenthum, und das ganze Jndenthum muß ihm antworten. Ad. Cremieux, Advocat, ehemaliger Minister, Präsident; B. I. K ö n i g s w a r t e r, corrcspondirendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften, Vice-Präsidcnt; Eugen Manuel, Professor an der Universität, Vice-Präsidcnt; H. Leven, Advocat, Secretär; V. Sa int-Paul, Banquier, Eassirer. Paris, den 1. März 1865." Bredigcr Mannheimer. Nicht nur die jüdischen Journale des In- und Auslandes haben über das Leben den Hintritt und die Beerdigung dieses ebenso trefflichen als seltenen Mannes Bericht gebracht; auch die allgemeinen politischen Tagesblätter sind mit ihren Nachrichten über den bedauerlichen Vorfall nicht! zurückgeblieben, und haben auch wir in unserer letzten Nummer | dieser heiligen Pflicht der Anerkennung und des Dankes für > das vielseitige Streben des unvergesslichen Mannes Genüge! zn thun gesucht. Der Raum unseres Blattes gestattet uns; aber nicht, all' das anfzunchmcn, was uns in dieser Richtung zugekommen, und wollen wir nur skizzirt Einiges über die Begräbniß- und Trauerfeier, wie letztere selbst in unserem j lieben Prag vor sich gegangen, mit Gegenwärtigem bringen.! Daß bei der Leichenfeier in Wien ein massenhafter Ani drang der Bevölkerung ohne Unterschied der Eonscssion stattgesunden, ist bekannt, ebenso auch, daß die sterblichenAkebcrj restc des allgemein Betrauerten im allen israelitischen Tempel! ausnahmsweise anfgebahrt waren, in Berücksichtigung dessen, j daß hier ein Gottcsmann das Wort Gottes zn dessen Ruhm j und Ehr' verkündet und gelehrt. Erwühncnswerth ist die! schlichte und kurze Rede des Herrn Wertheimer, Präses des , Wiener israel. Eultusvorstandcs. 'Nachdem er des scgenreichcn Wirkens des Verewigten Erwähnung gcthan, rühmte er besonders das organisatorische Talent desselben, das viel 'Neues I geschaffen und das Alte den Zci tvcrhültnisscn entsprechend ans-! gefasst hat. Daß er, auf's Krankenlager geworfen, noch den | sehnlichen Wunsch hatte, die Versassnngsscier mitmachcn zu können, nachdem er des schönsten Ercignistcs dieser Zeit, einer besseren Stellung der Juden in Oesterreich, noch sich gerne einmal erfreut hätte. Dr. Jcllinck sprach im Namen der Versammlung, was die Gemeinde, was die Armen und Waisen, was das Jndenthum an dem Hingeschiedenen verloren. Einen wahrhaft erschütternden Eindruck machte cs, als Jcllinck unter Andern: erwähnte, wie sich der Verblichene bei der Kunde von dem Ableben seines Sohnes benahm. — Zuerst habe es da geschienen, als wollte das Vaterherz im Schmerze znsammcnbrcchcn; doch im nächsten Momente hatte sich der alte Mann wieder aufgerasst, ein stilles Gebet gesprochen und habe in Dcmuth Gott als den gerechten Richter gepriesen. Unter Thränen gelobte hierauf der Sprecher am Sarge des Dahingeschiedcnen, daß er für die weitere Befruchtung der Saat, die so reichlich ausgestreut worden sei, sein Scherflein beitragen, daß er seine schwachen Kräfte im Dienste der Gemeinde und im Geiste seines Vorgängers benützen werde. Der ganze Act hat bewiesen, daß unsere Zeit noch nicht so sehr dem Materialismus anhcimgefallen, und daß man Verdienst achtet, wo immer man cs findet. — Kürzer, bündiger und wahrheitsgetreuer hat Niemand das Verdienst Mannheimers gewürdigt, als dies Schnsclka in seiner „Reform" gethan hat. „Die israelitische Gemeinde in Wien", sagt er, „hat ihren besten Mann, den hochwürdigen Prediger I. N. Mannheimer, begraben. Doch nicht blos die israelitische Gemeinde, Wien selber hat dieses großartige und rührende Begräbniß gefeiert. Mannheimer war im besten Sinne des Wortes eine Notabilität von Wien. Sein Begräbniß war ein culturhistorischcs Ercigniß von der ersrcnlichstcn Bedeutung. Mannheimer hat als ein gottinniger Weiser vollendet, und er hat ein glückliches Leben vollendet. — Er erfreute sich der Erreichung des Zieles, dem er sein Leben geweiht. Als Mannheimer nach Wien kam, waren die Juden Heloten, und er selber mußte einen Erlaubnißschcin zahlen, °um in Wien übernachten zu dürfen, iind nun hatte er die Gleichberechtigung seiner Glaubensgenossen erlebt und wurde als Bürger von! Wien mit der höchsten äußeren Ehre und unter der innigsten I Theilnahmc der ganzen Bevölkerung getragen. — Das ist ein j Fortschritt des Rechtes und der Bildung, dessen wir uns > allinnig erfreuen müssen."! Aber nicht blos an der Stätte, wo dieser große Mann ' j lebte und wirkte, har dessen Tod so allgemeine Theilnahmc | gesunden, sondern überall, wo man das Thun und den Ruf