Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 7 (23.3.1865)
- Date
- 1865-03-23
- Page
- Seite 62 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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wurde. An hundert Gemeinden und bedeutenden Persönlichkeiten sandten Adressen, Briefe, Telegramme und kostbare Ehrengeschenke, unter denen die der Wiener Cultusgemeinde selbstverständlich als die kostbarsten durch künstlerischen Geist hervorglänztcn. Der synagogalen Feier folgte die in der Schule, wo das Bild des Jubelgreises ausgestellt wurde. Znhöchst erfreut hat ihn bei all' diesen Zeichen einer huldigenden Verehrung das ihm verliehene Bürgerrecht der Stadt Wien. „Es ist eine Spende," sprach Mannheimer tief bewegt, „die mir köstlicher dünkt, als Perl' und Edelsteine. Ich bin stolz darauf, ein Bürger Wiens zu sein. Ich war es immer, aber man weiß, wie schwer es hielt, dieses Gefühl zur Geltung und Anerkennung zu bringen. Es war immer mein stiller Herzenswunsch. Das Bürgerrecht, das war es, was der Jude vor Allem angestrebt, und die Bürgerkrone, was ihn am schönsten schmückt und ziert." „Es ist die erste Stadt Deutschlands! die schönste im deutschen Vaterlande! Es ist die Stadt, in der ich die größere Hälfte meiner Jahre und Tage verlebt und eine freundliche Heimat gefunden habe. Es ist der Boden, auf dem die Wiege meiner Kinder und Enkel gestanden. Es ist der Boden, der das schöne Gotteshaus trägt, in dem ich zur Ehre und Verherrlichung das Gotteswort verkündiget habe. Es ist der Boden, in dem ich einst die Ruhestätte finden soll, die mir ist bereit gehalten." Ein Ehrengeschenk von 4000 fl. in Staatspapieren, das ihm seine Gemeinde nach dem Feste übergab, bestimmte der gefeierte Seelenhirt zu einer Stiftung für Witwen israelitischer Rabbiner und Lehrer. Sie ist bereits wirksam in's Leben getreten und führt den Namen des edlen Stifters für ewige Zeiten. Wir schließen diese Lebensskizze mit den Worten des Hingeschiedenen, die er an seinem 70. Geburtstage im Tempel des Herrn nach allen ihm erwiesenen Ehren sprach: „Ich habe jetzt nur einen Wunsch, den ich vor Gott bringen kann, es drückt ihn das Wort des Psalmisten aus: „Zuletzt nimmst Du mich, Gott, in Ehren auf!" oder wie es jetzt heißen müßte: „Nach allen den Ehren nimm Du mich, Gott, in Ehren auf!" Und Er hat ihn ausgenommen in Ehren, in der Nacht, die jenem erinnerungsreichen Tage folgte, an welchem er gerade vor 17 Jahren am Grabe der Märzgefallenen jene berühmte Rede hielt, die in Millionen österreichischer Herzen wiederhallte. Das Leichenbegängniß Mannheimer's fand den 20. Mürz Vormittag 9 Uhr unter einer außerordentlich zahlreichen Theilnahme der Bevölkerung Wiens Statt. Um 9 Uhr war die mit Tausenden von Kerzen erleuchtete israelitische Synagoge, in der L>tadt, Seitenstättengasse, von Menschen vollgepfropft. Vor der schwarzbehangencn Bundcslade war der Sarg Mannheimer's auf einem schwarzen Katafalk aufgcbahrt, und brannten um denselben große Wachskerzen in schwarzen Candelabern. Den Sarg umstanden die leidtragenden Söhne des Verstorbenen, ferner die Vorstände der israelitischen Gemeinde, viele Mitglieder des Abgeordnetenhauses, des Gemeinderathes, die anwesenden Rabbinen und Prediger ans Pest, Brünn und Presbnrg. Zn Häupten des Sarges standen der älteste Vorstand der Gemeinde, Joseph Wertheimer, der Rabbiner von Wien, Horowitz, Dr. Jelinek und Professor Snlzer. Letzterer eröffnetc die Leichenfeier mit einem Choral, in welchen der Gesangverein „Eintracht" einstimmte. Herr Joseph Wertheimer widmete dem Dahingcschiedcnen im Namen der Gemeinde in warm empfundenen Worten eine Nachrede. Darauf hielt Dr. Jelinek eine ergreifende Rede. Dann hielt Rabbiner Horowitz eine Predigt in hebräischer Sprache, worauf die Feier mit einem erhebenden Trauerchore geschlossen wurde. Der Sarg wurde nun von den Vorständen der Gemeinde auf den vierspännigen Leichenwagen gehoben, und der Leichenzug setzte sich in Bewegung: Die verschiedenen Vereine, deren Vorstand der Verewigte war, darunter auch in Uniform eine Deputation der christlichen Rettnngsanstalt in Penzing, deren Wohlthäter Mannheimer war; der Verein „Eintracht" mit brennenden Fackeln, die Vorstände der israelitischen Gemeinde, die Bethausverwaltung; nun kam der Leichenwagen; zu beiden Seiten schritten die ältesten Vorstände mit Windlichtern; dem Wagen folgten die Leidtragenden, mehrere hohe Geistliche und Würdenträger, sowie nahezu 10,000 Menschen. Die Straßen, welche der Zug passirte, waren mit Menschen gefüllt, und die Fenster dicht besetzt. Erst um 11 Uhr langte der Zug am Friedhofe in Währing an. Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. In der Reprüscntanzsitzung der Prager israel. Cultusgemeinde vom 18. d. M. wurde beschloßcn, zum Leichenbegängniße Mannheimers eine Deputation von 2 Repräsentanzmitgliedern abzuordnen und sind die Herren Dr. Gitschin und Georg Feigel für diese Mission gewählt worden, die auch nach Wien abgingen. * Beim bürgerlichen Grcnadiercorps wurde Herr Marcus Kaufmann zum Ehrenhanptmann und Herr Gustav Pribram, Fabricant am Smichov, als Lieutenant ernannt. Wien. Dr. I. Schnitzler wurde vom Staatsministerium als Docent über Brustkrankheiten an der Wiener Universität bestätiget. * Bekanntlich hat Herr Ignaz Deutsch vor Kurzem in mehreren Wiener Blättern ein von ihm als angeblichem Vertreter sämmtlicher Juden Galiziens und der Bukowina verfaßtes Majestätsgesuch um Aufhebung der auf denselben noch lastenden Beschränkung der Besitzfähigkeit veröffentlicht. Der Lemberger israelitische Gemeindevorstand erklärt nun, daß weder seine Gemeinde, noch andere Hauptgcmeinden Galiziens und der Bukowina Herrn Ignaz Deutsch ermächtigt haben, in ihrem Namen die gedachte Petition zu überreichen und als ihr Sachwalter vor dem Allerhöchsten Throne aufzutreten. Vrütttt. Dem Feintuchfabrikanten Herrn Abraham Popper in Brünn wurde in Anerkennung seiner hervorragenden industriellen Thätigkeit und seines gemeinnützigen Bestrebens zur Förderung des Gemeinwohles das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen. Pest. So eben ist im Verlage von M. E. Lövys Sohn, Buchhändler in Pest, erschienen: „Biblische Geschichte" (in ungarischer Sprache) in sachgemäßer Verbindung mit den Elementen der Religions- und Sittenlehre für israelitische Schule vom Mnsterhauptlchrer Nathan Fischer. Der Verfasser hat sich zum Frommen der vaterländisch-israelitischen Schule, nachdem er schon in früher» Jahren überhaupt für das ungarische Sprachfach Vorzügliches geleistet, diesmal auch dem specifisch konfessionellen Gebiete mit großem Geschicke zugewandt. Das stete Einleben des talentirten Verfassers in seinen Beruf und sein ununterbrochener Umgang mit Kindern ließ ihn den allmäligen Entwicklungsgang ihrer Fähigkeiten genau beobachten und so die Progression der geistigen Natur belauschend, reihte -Fischer Schritt vor Schritt, Stufe nach Stufe die Erzählungen der heiligen Schrift an einander, indem er aus den biblischen Ereignissen eine Eigenschaft Gottes, aus den Erzählungen eine Pflicht heraushob, mit einem