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Das Abendland · 1865-03-23 · 7 (23.3.1865) · p. Seite 63

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
7 (23.3.1865)
Date
1865-03-23
Page
Seite 63 (sequence 7)
Language
German
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03 Worte: die systematische Religionslehrc naturgemäß mit der biblischen Geschichte in Verbindung brachte. Leipzig, 12. Mär;. Im festlich geschmückten Saal des Hotel-dc-Pologne beging gestern Abend der Verein zur Förderung geistiger Interessen im Judenthnm seine Stistuugsfeier. Genannter Verein besteht nun bereits seit sechs Jahren. Der Vorsitzende Hr. Map Fräukel bemerkte in dem von ihm erstatteten Jahresbericht: Das Bestehen einer Vereinigung für anscheinend so specielle Interessen sei gerade in gegenwärtiger Zeit immerhin eine Rothwcndigkeit; denn immer noch sei die Stellung der verschiedenen Couscssioncu in gar manchen Ländern Deutschlands eine offene Frage, selbst in Sachsen unterliege ja die Berechtigung der Inden zum Aufenthalt immer noch gewissen Beschränkungen. Zudem huldige der Verein dem Geist des Fortschritts im öffentlichen Leben, und wenn cs' heute zur Mode geworden, eine besondere Art von Frömmigkeit zu betontem Nachdruck zu bringen, so sei ein Verein, in welchem so häufig Männer des verschiedensten Glaubens sich zusammenfinden, eine sehr erfreuliche Erscheinung. In den jüugstvcrwichencn Jahren hat der Verein durch Vortrüge ^der Herren Doctorcu Rcyhcr, Möbius, Goldschmidt, Palleske oe.) sowie durch die Feier von Moses Mendclssohn's Geburtstag seinen Mitgliedern geistige Anregung geboten. Seine Bibliothek und der Kreis der in seinem Vereinslocal aufliegcnden Zeitschriften hat sich vermehrt, indes bleibt für beide eine stärkere Benutzung wünschenswert!). Der Verein als solcher hat das Geburtshaus Mendclssohn's in Dessau angekauft und gesenkt in demselben eine ähnliche Stiftung wie Die hiesige Mendelssohnstistung zu errichten; er hat sich an den Zeichnungen zur Ehre Gabriel Rieser's und zur Herausgabe von dessen Werken betheiligt, hat auch für die junge Israelitengemeinde in der Hauptstadt von Steiermark, in welchem Kronland noch vor zwei Jahren kein Jude übernachten durfte, eine Unterstützung gewährt und sich sonst noch an manchem öffentlichen Unternehmen betbeiligt. Die gestrige Stiftungsfeier bot in ihren ersten Theilcn außer dem ebenerwähnten Bericht des Vorsitzenden geistige Genüsse in reichem Maß. Frl. Bach und Hr- Grabau erfreuten die Versammlung durch den Vortrag mehrerer Eompositionen von Mcndelssohn-Bartholdy, R. Schumann und Chopin, Frau vr. Bräutigam durch den Gesang einiger classischer Lieder und Arien, Frau vr. Benedix-Paulmann durch Declamation von Gedichten Uhland's, Frciligrath's und Robert Reinick's; vr. Rodcrich Benedip gestaltete seinen Protest gegen Verwirklichung eines ihm im Programm irrigerweise auferlegten „Vortrags" selbst zu einem kleinen humoristischen Vortrag. Wir haben noch des von dem Vereinsmitglied Hrn. Arnold Bodck gedichteten und gesprochenen Prologs zu gedenken, welcher das Aufstrcben der Natur nach oben, znm Licht, und das Zusammenwirken ihrer Kräfte als Vorbild für jeden einzelnen Menschen zeichnete und die Wogen unserer Zeit mit jenem Meer verglich, welches der Perscrkönig wohl peitschen, nicht aber fesseln konnte, und das die Machtherrschaft des Gewaltigen so bald dahinschwinden sah. Die Festtafel war von Liedern und Trinksprüchen ernsten und launigen Inhalts ungemein belebt. Professor Wuttte weihte sein Wort dem freien deutschen Vaterland, in welchen: auch der Jude eine liebe Heimatstätte gefunden, obschon er, ungeachtet des oft verkündeten Grundzugs des Christenthums, der Liebe, sich noch oft genug bedrückt sehe, bedrückt namentlich durch das Schmarotzerthum, das sich neben dem echt deutschen Wesen eingcuistct hat. Sein volles Recht sei auch dem Israeliten gewährleistet in den wenn auch nicht thatsüchlich geltenden, so doch zu Recht bestehenden deutschen Grundrechten, deren Wicdergcwinncn eine der Nächstliegenden Aufgaben unserer Zeit sein müsse. Professor Roßmäßlcr knüpfte au die Worte an, welche er bei dem ersten Stistnngsscst des Vereins gesprochen: „Das Judenthum hat drei Vorzüge, die ich, als dem christlichen Bckcnntniß ungehörig, ihm herzlich neide: — es hat einen ehrlichen Monotheismus, cs hat kein zwingendes Dogma und cs hat keinen übcrmüthigcn Clcrus." Er ließ diejenigen leben, welche echte Menschen, aber auch nichts weniger sein wollen. 'Nachdem I)r. Bcnedip in gcmüthlichcr Weise den Frauen gehuldigt, sprach I)r. Smitt den Dank der Gäste für das schöne Fest aus und ließ den Verein als eins jener deutlich sprechende:: Zeichen leben, welche Verwahrung gegen die schwere Anschuldigung cinlegcn, als ob die jetzige Zeit nur den materiellen Interessen diene. Hr. Zolles gedachte des mannhaften Auftretens des Anwalts Cremicux. Den Beschluß des genußreichen Festes bildeten die Freuden des Tanzes. ^frlin^en, 10. Februar. Hier ist schon seit vorigem Jahr ein Jude Mitglied des Bürgeransschusscs, Herr Rechtskonsulent Heiden. Kürzlich ist derselbe zum Obmann gewühlt worden. Heute sollte die erste Stiftungsrathsitznng seit den neuen Wahlen stattsindcn Bekanntlich laden Dccan und Stadtschulthciß gemeinschaftlich zu solchen Sitzungen ein, und der Bürgcrausschuß wird hiezu durch seinen Obmann berufen. Gestern Abend aber ließ Herr Dccan Knapp, Bruder des verstorbenen Ministers, demjenigen Bürgeransschußmitglied, welches nach Herrn Heiden die meisten Stimmen erhalten hatte, folgendes Circular mit dem Ersuchen zustellcn, dasselbe in Lauf zu setzen: „Die verehrlichcn Mitglieder des Bürgeransschusscs werden hiermit benachrichtigt, daß morgen (Donnerstag) eine Stiftungsrathssitznng stattsindet, und sic zu pünktlichem Erscheinen bis 9 Uhr cingcladen werden, da vor der Sitzung ein Stellvertreter des Obmanns Heiden bestimmt werden muß." Pünktlich erschienen denn auch heute früh die Bürgerausschußmitglicder, aber, wie sich von selbst versteht, mit ihrem Obmann an der Spitze. Dieser protestirtc unter Berufung auf das Verwaltungs-Edicr, das ihn nur in eigentlich consessionellcn Fragen von der Bcthcilignng an Stiftungsrathsverhandlungen ausschlicßt, und kündigte eine Beschwerde an die Regierung gegen seine beabsichtigte Absetzung an. Der Herr Stadtschulthciß hatte, soviel zu vernehmen, von dem Vorgang nichts gewußt. Der Bürgcrausschuß verließ, als nicht correct cingcladen, den Saal, und ein Viertelstündchcn darauf sah man auch die übrigen geistlichen und weltlichen Mitglieder des Collcgiuins wieder vom Rathhaus heimwärts wandeln. Mau sagt gewöhnlich: Wenn die Herren vom Rathhaus kommen, sind sic am klügsten. Dieses Sprüchwort wird wohl auch heute cingetroffen sein. Auäjl'chlni. Heute liegt uns das trefflich ausgestattete 1. Heftchen des in der Druckerei von Senders und Brandeis eben erschienenen "nr. bip ober die biblische Blumenlese. Ein Buch für jeden denkenden und gebildeten Menschen, von I)r. M. Deutsch, Prediger in Pilsen, zur Einsicht vor. In VII und 16 Seiten bestehend, bringen crsterc in der Vorreoe die Gründe, ^jcke den Verfasser bewogen haben, seine Betrachtungen über die Wocheuabschnitte bezüglich ihrer Anwendung auf jüdischreligiöse Erziehung zu veröffentlichen. Er beklagt den leider um sich gegriffenen Uibclstand, daß das jüdische Hans nicht mehr die alte Pietät für den Ruhe- und Feiertag gewahrt, so wie dessen verminderten Einfluß aus religiöses und sittliches Leben, hofft aber viel von der großen jüdischen Literatur „die ihren Pflegern alle Ehre macht und den treuen Wäch-

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