Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 7 (23.3.1865)
- Date
- 1865-03-23
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 59 — wahrscheinlich in der löblichen Absicht, den Kummer der Leidtragenden recht gründlich zu ersäufen. Es zeigte sich jedoch, daß die Capacität der Leidtragenden und Condolirendcn den so gesteigerten Anforderungen nicht immer gleichen Schritt zu halten im Stande war. — Der Gaon R. Jehudai (fungirte 759—62) führte den Kelch in die Verlobnngs- und Vcrmälnngsceremonie ein. Wurden Verlobung und Vermälung, wle auch gegenwärtig geschieht, unmittelbar nach einander vorgenommen, so waren einige Lehrer, au ihrer Spitze Raschi, für zwei Kelche, andere sprachen sich dahin aus, daß auch ein Kelch für beide Cercmonien ausreiche. Noch später wurde der Kelch bei der Bcschneidung cingcführt, und Maimonidcs nebst andern Kasuisten erklären ihn wenigstens an Fasttagen als völlig nnznläßig. Beinahe eben so alt, als der Kelch selbst, bei dieser Cercmonie ist der Gebrauch, dem beschnittenen Kinde ein Tröpfchen von dem Weine in den Mund träufeln zu lassen. Bemerkenswerth ist es, daß ein ganz ähnlicher Gebrauch auch bei den Kopten stattfindet. Bei der Taufe, sagt „Boeoeke," tauchen die Kopten das Kind dreimal in das Wasser, dann firmeln sie cs, und geben ihm den Wein des Abendmahls. Es taucht nämlich der Priester seinen Finger darein und berührt damit den Mund des Kindes. Lerhültnißmäßig am jüngsten ist wohl der Gebrauch des Kelches bei der Auslösung der Erstgebornen. bezüglich der Hube», zusammengetragen von I. Bloch. Die ^«den und ihre gesetzliche Stellung in Nom vor und nach Einführung des Christenthums. Die Juden vergalten den Heiden die Verachtung ihres Eultus. Das Unbcschnittensein wird ein Flecken genannt, denn böse Menschen werden damit bezeichnet. (Maschnah Nedarim 3. II.) Die unscheinbarsten Verehrungen, einer heidnischen Gottheit erwiesen, werden hart gerügt; einen Stein dem Mercurius hinwersen, ist eben so verboten, als in der Nähe von Hermessüulen 3 Steine liegen zu haben. (Abodah Sarah 4, 1. — 3, 4.) wird es dem Rabbi Gamaliel zum Vorwurf 'gemacht, in den Bädern der Afrodite ein solches genommen zu haben. Das Neujahrsfest des Januar, die D^D^-ip die Thronbesteigung der iocm m\ Geburtstage der Kaiser npjn Gegenstände mit dem Abbildc der Scene und des Mordes sind eben so verpönt als jvnpia und nDJTUS (Abodah Sarah 40. 6). Gegen den Besuch der circenischeu Spiele ma-HEPa Theater und matopip, Circi, Circus ward ein Verbot geltend gemacht. — Hinsichtlich der Christen bildete sich das feindliche Verhältniß um so schärfer ans, und die Feindseligkeit war hier ciitq um so natürlichere, als die Standpunkte einander näher gelegen und die Gebiete, auf denen man sich bewegte, engere waren — Die Juden hatten einen einzigen Gott, sahen also eine Mittelperson zwischen Gott und Menschen als einen Rückfall znm Heidenthum, als eine Abschwächung des Glaubens an Gott an. Wenn Kirchenväter btc Sectirer im Christenthumc für ärger als Juden hielten, so ist es auch erklärlich, das die Christen im Allgemeinem dem Juden mehrzuwider waren, als die Heiden. Denn Christen beschwerten sich ferner, daß von Juden und Samaritern niemals so treue Glaubensgenossen ausgingen, als von Heiden. Die Ursache hievon zu finden dürfte nicht schwer sein. Celsus, der gegen das Christenthum schrieb, that dieses nach Berichten der Juden, und Epiphanius nennt den Vater des Josef: Josef Panther (Padere) und Joannes Damascenus den Joachim, Vater der Marie: Sohn der Panthera, daher die Inden diesen Namen nicht erfunden haben mögen, wie ihnen zur Last gelegt wird.. Die Juden hatten für die ersten Christen wie für alle, die in ihrem Denken vom Judenthume abwichen, den Namen pn (Art oder Abart). Als man die ro-Q eingeführt hatte, konnte Samuel der Kleine sich ihrer kaum erinnern, so wenig mag sie gebraucht worden sein. (Berachoth 28 b.; 29.) Noch gebrauchte man den Ausdruck: isud für den skeptischen Rationalismus und Dvnp’’*r*s für die Bekenner der Lehre des Epikur, die ins jüdische Leben sich einpflanzte, "ieie (Apostat, Lüugner). Die Polemik damaliger Zeit bringt sowohl der Talmud und die Medraschim in witzigen Ein- und Ausfällen so wie die Kirchenväter. Böswillige, daher verbotene Schriften gegen das Judenthum hießen njyb p -nro. Anfangs gediehen solche Streitfragen zwischen Juden und Heiden, später zwischen Juden und Christen. Schlimmer kam cs jedoch, als der Streit zu Gewaltthätigkeiten sich versteigerte und gesetzliche Verordnungen nöthig wurden, um selben Einhalt zu thun, wie Constautiu dergleichen erlassen mußte. Der Gott der Liebe wurde zu einem Gott der Rache. Dem Ambrosius kam es als ein Martyrium vor, in Folge eines kaiserlichen Befehls eine niedergebrannte jüdische Synagoge wieder aufbauen zu müssen. (Inst. 4. 219). Julian erlaubte den Juden, den Tempel wieder aufznbauen, aber aus dem Grunde aufsteigende Flammen sollen sie daran gehindert haben. Wie dies zuging, ist noch nicht enträthselt. Nach dem Tode Julians, der Allen recht thnn wollte, wiederholten sich die Reibungen zwischen Christen und Juden und geschah es nun, daß letztere, die jetzt die Gewalt in Händen hatten, auch stets recht hatten. Wunder sollen geschehen sein, um einen Inden zu taufen. Das Fest Purim wird als, eine Schmach gegen das Christenthum und das Kreuz ansgelegt. Die Christen, der eigenen Leiden und des ihnen gemachten Vorwurfs des Kindermordes vergessend, wälzen ähnliche Verläumdungen auf die Juden. Auf der andern Seite muß wieder geeifert werden, daß Christen den Juden sich nicht nähern, wie Chrisostomus 8 Tage hintereinander predigen mußte, um die Christen von der Mitfeier des Rasch-Haschanah und Jam Kizur abzuhalten. Christen wollten durchaus in jüdischen Synagogen schwören und ein Kaiseredict mußte verbieten, sich in Processen jüdischen Richtern zu unterwerfen. (Frankel-Beweis usw.) Origenes scheut es nicht, sich von jüdischen Gelehrten unterrichten zu lassen, und räth den Juden zu schmeicheln, um von ihnen die Einsicht in die hebräischen Codices zu erlangen. (Epistola ad African 1. p 16.) In der Mischnah werden die Wege des Friedens und der Bestand der Welt als normal auch gegen Nichtjuden empfohlen, während Hylarius keinen Juden und Ketzer eines Grußes würdigt. Die Ehe wird christlicherseits mit Juden verboten und das Concil von Elvira verbietet sogar das Essen mit den Juden. (Fortsetzung folgt.) 7*