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Das Abendland · 1865-03-23 · 7 (23.3.1865) · p. Seite 58

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
7 (23.3.1865)
Date
1865-03-23
Page
Seite 58 (sequence 2)
Language
German
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58 nach Aegypten hin hatten sie den schmalen Weg der Wüste offen. In Afrika selbst wohnten keine Semiten. Aber das arabische Ufer des rvthen Meeres bewohnten nur Semiten und trennten hier wieder die Chamiten in Afrika, nämlich: Aegypten, Nubien, Meroc und Abyffinien von den Chamiten im Innern Arabiens. Diese Semitischen Stämme an dem Westrande Arabiens stammten ab von Ioktan, sie wohnten im Hedschas um Mekka uud Medina, und im Jemen, wo Saba, Mokka und Aden, Länder, die-noch jetzt mit der gegenüberliegenden afrikanischen Küste die engsten Beziehungen haben. Semiten wohnten auch am Südrande Arabiens im Hadramaut und an der Südostspitze in Oman, dem alten Ophir. Und-noch glaubten die neuesten Reisenden durch das glückliche Arabien mitten in ihrem europäischen Vaterlaude zu fein' so schön, edel und frei waren Sitten und Haltung der Männer und Frauen, ganz verschieden von den übrigen Arabern, selbst denen, die von Jsmacl, Abrahams Sohn, abstammten. Ganz Afrika gehörte also den Chamiten, um den größten Thcil von Vorderasien theilten sic sich mit den Semiten, dem gesegneteren Stamme; der übrige Theil Asiens mit Europa uud Amerika blieb den Japhetiden, wenn sie auch nur allmälig sich darüber verbreiteten. Zu diesem Stamme gehören' die Inder, die Meder und Perser, die Griechen und Römer, die Selten und Iberer, die germanischen und slavischen Völker, deren Sprachen noch jetzt den Indogermanischen Sprachstamm bilden. Der größte Theil der Welt ist von ihnen bewohnt oder von ihnen unterworfen; die Stämme, welche zuerst in der Geschichte austreten, lebten ebenfalls in der Nähe der Semiten. Es sind die Perser, Nachbarn von Aelam, die Meder und Armenier, Nachbarn von Assur und Chaldäa, die kleinasiatischen den Griechen nahe verwandten Völker, Nachbarn von Syrien. Ja den östlichen Theil der Halbinsel bis an den Halys bewohnten die Cappadocicr und Pontier, welche die Alten weiße Syrier nannten. Nichts desto weniger war die Welt wiederum in Götzendienst versunken, so daß Gott sich ihrer wiederum erbarmen und ihr auf ungewöhnliche Weise helfen mußte. Im 3. Zeiträume erscheint Abraham, von Arphaxad abstammend, dem Sohne Sems, als Stammvater eines eigenen Volkes, das Gott auf eigenem Boden, durch eine eigene Verfassung und stete übernatürliche Leitung mittelst gottgesandtcr Führer und Propheten zu einem festen Bollwerke gegen den Götzendienst aufstellte. Abrahams Familie wohnte zuerst in Ur der Chaldäer, wohl in der Nähe des heutigen Nisib, nicht weit nördlich von Ninive, und dann in Haran, wohl Carrhac bei dem berühmten Cdessa, näher dem Euphratc. Gott rief den Abraham auch von hier aus seiner Verwandtschaft und wies ihm seine Wohnsitze an mitten im Lande der Chamiten, in Chanaan. Es gebar ihm die Aegypterin Hagar den Jsmael, den nun alle Araber als Stammvater anerkennen. Sodoma, der Garten Gottes, wo sich jetzt der öde salzige Spiegel des todten Meeres ausbreitet, 20 Stunden lang, 6 Stunden breit und nach den neuesten Messungen des Ingenieur-Lieutenants Symonds mitten in einer Gebirgslandschaft, fern vom Meere, doch 1337 Fuß niedriger als die Oberfläche des Mittelmecres, während eine Tagreise näher dem Meere noch Jerusalem 2000 Fuß hoch über dem Mittelmeer thront. Eine Erscheinung, die sich nirgends auf der Erde wiederholt, war der Sitz Loth's, des Stammvaters Moab's uud Amon's, der Nachbaren Palüstiua's. Mehr als 200 Jahre wanderten Abraham, Isaak und Jacob, diese angesehenen Hirtenfürsten mit ihren zahlreichem Knechten und Hecrden durch Chanaan und zu den benachbarten Staaten. Die Namen der Patriarchen Abraham (Ibrahim), Jacob (Jacub), Joseph (Jussus) sind noch gefeiert in Asien, in Afrika von Millionen von Christen, Muhamedanern und Juden, die sich als ihre Abkömmlinge oder Verwandte preisen. Der Kelch in der v. W Es ist nicht uninteressant wahrzunehmen, wie im Laufe der Zeiten nach und nach der Kelch eine so vielfältige Anwendung in der Liturgie gefunden. Den Ausgangspunkt bildet wohl der sogenannte Segenskelch (Oos'seliel Beraella). Brvd und Wein bildeten die Hauptbestandtheile des gewöhnlichen Mahles, darum wurden Wein und Brod — weil nach der orientalischen Sitte zuerst getrunken uud dann gegessen wurde, von dem Hausvater oder von dessen Stellvertreter, eingesegnet und den Tisckgenossen zum Genüße verabreicht. Da aber nicht blos vor dem Speisen, sondern auch nach dem Speisen getrunken wurde; so könnte man bald dahin kommen, auch das Trinken nach dem Tischgebete mit einem gesegneten Kelch (Cos’schel Birchath lia-mason) zu beginnen. Sabbathe und Festtage wurden bei ihrem Eintritte des Abends mit einem Weihgebete (Kidusch), welches dem gewöhnlichen Abendgebete ciugefügt wurde, cingcleitet. Zur Hebung der Feier wurde dieses Weihgebet, in etwas veränderter Fassung, auch beim Beginne des Festmahles wiederholt, 'und hier mußte es mit der Einsegnung des Kelches in Verbindung jüdischen Liturgie. treten. In der Mischnah sind noch die Schulen Schamais uud Hilcls darüber nicht, einig, ob die Einsegnung des Kelches dem Weihgebete vorangehen, oder ihm Nachfolgen solle; die Praxis hat sich jedoch für die erste Ansicht, welche auf den Namen Hilels sich stützt, erklärt. Wurden Sabbathe und Festtage mit dem Kelche eingeleitct, so war es auch billig, daß das Gebet, beim Scheiden der heiligen Tage, mit einein Kelche (Cos’schel Habdala) verbunden werde. 3it der Synagoge wurden im Alterthume die zugereisten Armen gespeist; der Aufseher der Syuagogc (Chasan ha- Kneseth) machte den Hausvater, segnete den Kelch ein und sprach das Wcihgebct. Das Speisen in der Synagoge hat nun längst aufgehört, aber Kelch uud Weihgebet sind ein wesentlicher Bcstaudthcil der synagogalcu Liturgie geblieben. Bei besonders feierlichen Gelegenheiten ließ man es nicht bei einem Kelche bewenden. So wurden für das erste Festmahl der Passahfeier vier Kelche angeordnet. Bei Leichenmahlcn brachte man es nach und nach bis auf 14 Kelche,

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