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Das Abendland · 1865-03-23 · 7 (23.3.1865) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
7 (23.3.1865)
Date
1865-03-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Nro. 7. Prag, den LS Mär; 1S65. II Jahrgang. Agentur in Wien: Herzfeld und Bauer. Äentml-Organ l'nr alle zcilgemäöcn Zulerelle» des Jnde»tl)lil»cs. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redacteur: ^faak Bloch. Agentur in Brünn: B. Epstein. Pränumerationsbetrag ganzjährig 3 fl., halbjährig 1 fl. 50 kr. mit Postzusendung und Zustellung in's Hans. — Erscheint am 2. und 4. Donnerstag des Monatö. — Administration bei A. Renn, Buchdruckerei zu ,,'i Linden/' wohin alle Geldsendungen, Briefe und Reklamationen zu richten sind Die Entstehung der Völker (Von I. Wie cs Augenblicke im Leben eines jeden Menschen gibt, wo er mitten in seinen Anstrengungen, Leiden und Freuden innehält und zurückblickt aus die Jahre, die hinter ihm liegen, und aus ihre verschlungenen Pfade mit allem, was sie Freudiges und Trauriges brachten, und überall die liebevolle Hand des Herrn sieht und dadurch neuen Muth, höheres Bewußtsein seines Wollens und Könnens und innigeres Vertrauen zur Zukunft gewinnt, so gewährt es auch auf dem, weiten Felde der Menscheugeschichte eine belebende und kräftigende Freude uild einen Trost in den Zeiten der Noth und des Draugsals, wenn wir zurückblickcn auf das, was früher war, in der Kindheit und im Mittelalter der uns bekannten Zeit, und da erkennen wir, wie eine leitende Weisheit alles führt und anordnet und manches uns nur als Übel erscheinet, was so nothwendig ist, wie Salz zur Speise und Gift als Arzneimittel. — Wie Völker erstanden und vergangen, wie sie gewandert und sich ansäßig gemacht, da vertrieben und dort ausgenommen wurden, ist gewiß kein unwichtiger Theil der Geschichte und nicht minder bedeutend als das, was gewöhnlich in Beachtung gezogen wird, weil es mehr in die Augen fällt, Kriege und Friedensschlüße nämlich, das Leben der Helden, Könige und Staatsmänner, was eben nur einzelne Menschen betrifft und das, was sie gewollt und gewirkt, während im Entstehen und Verschwinden ganzer Völkerschaften das höhere Walten des Welteulenkers vorherrschend ist wie sein mächtiger Einfluß auf die Weltbegebcnheitcu und aus das Eulturhistorische, das hier lebendig vor das Auge tritt. — Als erste Quelle für diese Forschungen gibt cs gewiß keine geeignetere Autorität als die Geschichte des jüdischen Volkes, zumeist von gotterfüllten Bolksvorsteheru ausgezeichnet. Wohl hatten diese nur das Walten der Vorsehung im eignen Lande zum Borwurf ihrer Arbeit genommen, haben meist nur ein Bild ihres Glaubens und des religiösen Lebens ihrer Zeit ausgerollt, und konnte ihnen die Geschichte anderer Völker und deren Entwickelung nur insofern erwähnenswerth erscheinen, als sie mit denselben in Berührung kamen, und sind selbst die da zu findenden geschichtlichen Aufzeichnungen nur spärlich, und sind oft sogar manche Schriften verloren gegangen, die wahrscheinlich mehr auf historischem Boden sich nach Wüschet Unstnstnng. B . . .» bewegt haben mochten, wie das Buch Nathans, das Buch Gad's, Ahias und Adda's des Sohnes, ferner das „Zeitbuch der Könige." Der erste Zeitraum der Geschichte von der Schöpfung bis auf Noe gehört nicht in unsere Besprechung, da wir nicht von Individuen, sondern von Gruppen, von Massen sprechen wollen, die als Familien, Stämme und endlich Völker in der Weltgeschichte auftreten,;um Theile wieder verschwanden, zum Theile aber heute noch bestehen, und da sind es die drei Söhne Noe's mit ihren Nachkommen, die wir in den Bereich unserer Betrachtungen zn ziehen haben. — Cusch ist ein Hauptstamm der Chamitcn und wohnt in Babylon, am persischen Meerbusen und zerstreut durch Arabien, dann jenseits der Straße Bab cl Maudeb in Aethiopien und Meroe. Mesraim, der zweite Stamm, bewohnte Aegypten und von ihnen waren die Philistäer ein Zweig. Phut, der dritte, bevölkerte den übrigen Nordrand Afrikas, während Chanaan Phönizien und Palästina inne hatte. Obwohl früh mächtige, reiche Staaten unter den Chamiten sich erhüben, sie entgingen nicht der fürchterlichen Knechtschaft eines Götzendienstes, der geradezu hier die Tugend, dort die eigenen Kinder zum Opfer verlangte. Der Stamm, der am längsten und reinsten die wahre Gotteserkenntniß bewahrte, lebte mitten unter den Chamiteu und sprach mit ihnen dieselbe Sprache. Nördlich von Babylon und am Euphrat und' durch zwei Ströme auf's innigste mit ihm verbunden, wohnte das Semitische'Volk von Assur mit der Hauptstadt Ninive am Tigris als nächster Nachbar, und noch höher Ar'phaxad, die Chaldäer, aus denen Abraham durch Heber stammte. Oestlich von Babylon an dem untern Laufe beider Ströme das mächtige Aelam bei Susa, ebenfalls Semitisch. Im Westen trennte die Wüste das Chamitische Babylon von dem Cham rischen Chanaan und diese Wüste wurde wiederum durchzogen von dem Semitischen Stamme Uz. So war Babylon ganz von Semiten umgeben, denn im Westen erstreckten sich auch von dem obern Euphrat bis zum Mittelmeere hin die Semiten, nämlich: Aram, Syrien, mit der Hauptstadt Damaskus. So waren durch Aram und Uz im Osten und Norden, durch das Mittelmeer im Westen die Chanaaniter und Philistäer ganz getrennt von ihren Chamitischen Stammverwandten; nur nach Süden, 7

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