Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 5 (24.2.1865)
- Date
- 1865-02-24
- Page
- Seite 47 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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einer energischen Haltung der Tempclpartci gegenüber anszuwcichcit. Doch möge man uns verzeihen, wenn wir es als einen Mangel on Gottvertrauen bezeichnen, wenn man bei so heiligen Interessen, wie nuS die Neubildung der Gemeinde doch sein muß, Gefahren fürchtet, weit dem Kalkül des berechnenden Kaufmanns die Et Haltung der jüdischen np-ii’ bedenklich erscheint. Noch nie wohl hat jüdisches Wohlthun cs geschehen lassen, daß ein Armer in Israel verkommen, und wenn eine Stadl darin Großes leisten kann und leistet, so ist cs Hamburg. Wie viele Vereine existircn, die mit dem Gemciudcvcrbandc in keiner weiteren Beziehung stehen! Dieser private Thcil der Hamburger Zedakah ist bewunderungswürdig wegen seiner Vielseitigkeit und Intcnsivität zugleich. In gerechter Würdigung des Eingangspunktes der Eompromißpartci hat diese unter anderen einen sehr tüchtigen Kenner des Armenwcscns, Herrn Philipp Simon, mit ausgenommen. Derselbe hat eine Broschüre über das jüdische Armenwescn versaßt, in der er nachweisr, wie erstens das Verhältniß der jüdischen Armen zur Gemeinde ein ganz anderes sei als das anderer Glaubensgenossen. Das der jüdischen sei eilt Familienverhültniß, während das der übrigen ein polizeiliches ist. Er zeigt ferner, wie sich trotz der Vergrößerung der Gemeinde die Anzahl der Armen stets verringert hat, wie von diesen die größte Zahl aus Altersschwachen bestehe oder ans Witwen, und mit G. H. Aussicht ans eine glänzende Zukunft vorhanden sei. Der Mai'schcn Broschüre geschah schon früher in mehreren Blättern Erwähnungwic weit die Eompromißpartci sich dieser, die den Eultus von der übrigen Verwaltung ganz getrennt wissen will, nähert, darüber haben wir noch keine klare Anschauung erlangen können. Lassen Sie mich mit dem Wunsche schließen, Gott stehe uns bei unseren Entschlüssen und deren Ausführung bei, daß Halbheit nicht zu Niederlagen führt, sondern jedenfalls, welches der Programme auch durchgehen mag, die Frommen streng aus ihrer Hut seien! — (Israelit.) Schweiz. Im Eauton Zürich sind die Juden in Bezug aus Verkehr und Niederlassung seit dem 2. März 1862 ganz den übrigen Eantonbürgern gleichgestellt; da nun nach dem Büudniß mit Frankreich dem französischen Staatsbürger jüdischer Eonsession das freie Niederlassungsrecht in der ganzen Schweiz gewährleistet ist, so wünscht der Negierungsrath in Beantwortung des Kreisschrcibens des Bundesrathcs, daß min auch den schweizerischen Israeliten die Gleichberechtigung eingeräumt werden möchte, nachdem es sich gezeigt, daß nicht alle Eautonen bereit sind, die bei ihnen diesfalls bestehende Beschränkungenans dem Wege der Gesetzgebung auszuheben. — Tbilna. Hier lebte vor einigen Jahren ein armer Jude, Namens Simon, welchem man den Beinamen Kaftan gab, weil er nur einen einzigen Kaftan besaß, den er 30 Jahre nach einander trug. Die ganze 'Nacht arbeitete er, um seinen Lebensunterhalt zu gewinnen, und den Tag verbrachte er damit. Almosen für die Armen zu sammeln. Dien' Almosen wußte er aus die geschickteste und passendste Weise anzubringcn, und namentlich verstand er es, zu vermeiden, daß irgend einer durch seine Gabe beschämt wurde. Viele arme Knaben, welche die Talmud-Thora-Schule besuchten, wurden fast ganz von der Almoseneasse Simons erhalten. Dieser Mann wurde bald so wohl bekannt, daß selbst die christliche Bevölkerung Wilna's den lebhaftesten Autheil an ihm nahm. Man wünschte das Andenken au ihn für kommende Geschlechter zu erhalten. Man ließ eine P!>olographie anfertigen, tue ihn darstelltc, wie er in deiH einen Hand eine Büchse und in der andern Hand einen Laib Brod trug, denn so wurde er oft in den Straßen gesehen. Daraus ließ man nach dieser Photographie eine Statuette anfertigen, welche, als die Verkörperung von Menschenliebe und Selbstverleugnung, im Museum von Wilna aufgestellc wtirdc. Der bekannte polnische Dichter Horotyeski verfaßte ein Lobgedicht auf unfern Simon, welches in der Wilnaer Monatsschrift „Teka Wilneska" erschien. (I. C.) * Der Adel der Provinz Kharkoss hat cine Petition an den Kaiser gesandt, in welcher derselbe für die Juden die Erlanbniß erbittet, daß sich dieselben ungehindert in dem ganzen Gouvernement nicderlasscn dürfen. Die Bittsteller erhoffen von der Erfüllung dieser Bitte viele Vorthcilc für die Provinz. Der Eivilgouvcrnenr Gras Sievers unterstützt seinerseits die Bitte des Adels. (E. Ich Jerusalem. Der „Lcbauon" meldet das Hinscheideu eines hundertjährigen Greises, Rabbi Abdallah, y"j. Derselbe war ans Bagdad gebürtig und stammte von dem Fürsten der Gcsangenschast ab. Der „Lebanon" rühmt die Wohlthin tigkeit und die Freigebigkeit des Verewigten gar sehr und beklagt, daß er nicht seiner Würde angemessen begraben und betrauert worden sei. * Die von uns in voriger Nummer erwähnte topographische Ausnahme von Jerusalem unter Lieutenant Wilson erfreut sich, wie Herr Fergussou berichtet, des besten Fortgangs. Der Pascha gewährt den Arbciteir seinen vollständigen Schutz, so daß wir hoffen könncu, daß im nächsten Sommer die für die gesundheitlichen Verhältnisse so wichtige topographische Ausgabe vollendet sein wird. (I. Ehr.) Von Öatt. Eine groöc Versammlung von Kamlcuteu, Bauguiers und den übrigen vorzüglichen Eiuwohiteru Bcmbay's wurde unlängst hier abgehaltcn; seine Excellenz, der Gouverneur, sühne das Präsidium. Der verhandelte Gegenstand betraf die Errichtung eines Denkmals zu Ehren des verstorbenen Menschenfreundes David Sassoon. Das Ergebniß der Verhandlung ist in Europa noch nicht bekannt. (I. Ehr.) Auch l'cljau. Tic Pariarchcn, Misere Vorbilder. Homilien zu erbauender Belehrung für Israeliten; von I. S. Pick, Rad! irrer. Wenn von jeher das Ansstellen großer Musterbilder aus der Geschichte als anregend betrachtet wurde, als ein Mittel, im Leser den Wunsch hervorzubringen, diesen Vorbildern ähnlich zu werden, oder wenigstens durch Thun und Lassen sich diesen würdig auzuschließen, wenn auch sic nicht zu erreichen; so ist dies Mittel besonders da angczcigt, wo cs sich um die eigenen Vorfahren handelt, und dies um so mehr, als da ein aus der An Schlagen um so sträflicher wäre, je größer und ausgezeichneter solche Ahnen waren. Das Leben unserer Patriarchen ist uns daher ein wichtiges Studium, um darin eine Anweisung zu finden, wie wir ihrer würdig zu leben, wie wir in ihre Fußstapfen zu treten haben. Ein solches näheres Eingehen in das Leben und Wirken der Erzväter ist der Zweck des vor uns liegenden Heftchens, dem noch mehr derartige Stücke folgen sollen, und hat Verfasser und Herausgeber desselben redlich das Seine gethan, um diese Eharaktcrc nach allen Richtungen hin nach Möglichkeit zu beleuchten. — Die Tendenz dieses W .kes scheint eine zweifache zu sein: 1. Das Leben der Patriarchen in seiner Vollständigkeit darzustellen, daher ans dem Talmud und den Midraschim alles in dieses Werk eiugcflochteu wurde, was deren Lebensbild vervollständigt, ihre Lebens- und Handlungsweise in das wahre Licht setzt, ebenso aus den Eommentatoren dasjenige ausgenommen wurde, was manches Anstößige beseitigt, Dunkles ausklärt und Widersprüche löst. Die 2. und vorwiegende Tendenz ist, von dem Lebensbaume der Patriarchen die köstliche Frucht für Israels heutiges Leben zu pflücken; wie wir sie als Vorbilder zu nehmen, wie wir ihre Tugenden bcthütigcn sollen in den veränderten Verhältnissen unseres Lebens, die durch Zeit, Wohnort und Bildungsstufe der Gesellschaft ganz andere, als die ihrigen geworden sind. Das jüngst erschienene 1. Heft enthält auf 6 Bogen Octav einen Theil vom Leben Abrahams. In Eommission bei D. Ehrmann, Buchhändler in Prag. Die Billigkeit dieses in schöner Ausstattung aus der ty pogr. Dsficin der Herren Senders H Brandeis hervorgegaugcncn Werkchcns läßt es Jedermann anempfehlen.