Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 5 (24.2.1865)
- Date
- 1865-02-24
- Page
- Seite 46 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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46 UVibc. Minister Schmerling erwiderte aber daraus, daß die Regierung keinen Ausland nehmen werde, auch jüdische Anstalten $11 unterstützen, wenn die Nothwcndigkeit davon uachgcwicscn werden sollte. — * AuS der Thronrede des Kaisers der Franzosen wollen wir folgenden PassuS hcrvorhebcn, der seiner Ansicht über Gleichberechtigung aller Eonfessionen den Ausdruck gibt: Lassen Sie uns demnach zusammen die Maßnahmen prüfen, welche geeignet sind, den Wohlstand des Reiches zu besördern. Die Religion und der ö s f e n t l i ch e Unterricht sind Gegenstand Meiner beständigen Beschästigung. Alle Eulte genießen eine gleiche Freiheit; der katholische EleruS übt selbst über sein Amt hinaus einen legitimen Einfluß; vermöge des Unterrichtsgesetzes rnirkt er bei der Erziehung der Jugend mit; nach dem Wahlgei e kann er in die öfsentlichen RathSkörper eintreten, vermög. der Berfassnng hat er Sitz im Senate. Allein je mehr wir ihn Ehrerbietung umgeben, desto m i t A n sehe n un d m ehr rechne n wir darauf, daß er die S ta ats g r u nd g esetz e achten werde. Es ist Meine Pflicht, die Rechte der Eivilgewalt, welche seid Ludwig dem Heiligen kein Herrscher in Frankreich jemals ausgegeben hat, unverletzt zu erhalten. Die Entwickelung des öffentlichen Unterrichtes verdient Ihre Fürsorge. In dem Lande des allgemeinen Stimmrechtes soll jeder Bürger lesen und schreiben können. ES ist zu wünschen, setzt die „Morgenpost" hinzu, daß die entschiedene Werse, mit der Louis Napoleon die Uebergriffe des Elerus zurückweist, einen Wiederhall in den Staaten finde, in denen die Gleichberechtigung aller Eonfessionen principiell anerkannt, durch thatsächliche Gesetze aber illusorisch ge- - macht wird. Der sranzöniche Elerus wird die ihm zugerufenc Warnung zu würdigen wiiscu. Die entschiedenste Stelle, die in den siebzehnhundert Worten der Thronrede vorkömmt, bezieht sich aus ihn. Der Kamps, den der Kaiser ausgenommen, ist kern so schwerer, wenn die reckte Energie waltet. Er wird nicht zum Nachtheil der bürgerlichen Gewalt aussallen, dafür ist der Zeitgeist Bürge, und ebeniowenig wird ob der Förderung der materiellen Interessen die Freiheit zur Utovie werden. * Im Berlage von Herzseld und Bauer ist so eben erschienen: „Salomon Munk, Professor am College de France. Sin Bortrag, gehalten von Dr. Adolf Iellinck im Wiener Beth liainidrasch " In schwungvollen treffenden Worten kennzeichiict der berühmte Irce ger die bisherige Thätigkeit dieses Gelehrten, der in Paris an die Stelle RcnauS zum Professor der hebräischen, chaldäischen und syrischen Sprache ernannt worden, und macht auf die Bedeukung dieser Thatsache für die Entivickelung der Gesthichte ausiuertsam. Wir machen jene Leser, die sich für eine scharfe Kritisirung der litcrärischcn Arbeiten Mnnk'S intcressircn, aus Dr. Icllinek's warm und klar geschriebene Broschüre aufmerksam. Venetien. Im Jahre 18f><) starb in Mantua ein reidber Israelite, H. Earpi, der dem dortigen Munieipium ein großes Haus mit Grundstücken verma hte, damit dasselbe dort eine Ackcrbauschnle eröffnen könne. Tie Stiftung soll nun ins Leben treten, das Munieipium nahm aber sogleich im 1. Artikel die Bestimmung ans, wornach Israeliten von dem Lehrstuhle dieser Anstalt ausgeschlossen sind. — Welche wunderbare Eonseaue»;! — kÄerlitt. Betreffs der Ausstellung von PrüfüngSzeugitist'en mit Rücksicht auf die confessioncllc Anstellung hat das Mini>terium dem Provineialschulcollegium folgende Berorduung zugehcn lassen: Auf den Bericht vom 6. Deeember v. IahreS eröffne ich, daß Re Prüfung für das Schulamt nicht den Zweck hat in confessioneller Beziehung die Kategorien der Schulen zu 'czcichuen, an welchen die Geprüften zu unterrichten berechtiget sind, sondern nur die Dnalification scstzustclleu. — DaS nie Anna R. ausgestellte PrüfungSzeugniß bezeichnet diese keineswegs als nur für jüdische Schulen befähigt, dieselbe ick nach dem Ausfälle der Prüfung für den Unterricht an Töchterschulen überhaupt befähigt. — Berlin, 11. Januar 186;'). von M ühlc r, Minister der gcistl. Angeleewnheiten. j * Der Preis der Michael-Bccrischen Stiftung ist Heuer : für Bildhauer bestimmt, und können sich jüdische Künstler, die ein Alter von 22 Jahren erreicht haben und Zöglinge einer deutscheii Kunstakademie sind, darum bewerben. —; Stuttgart. Bei der Beeidigung des BürgerauS-; schnsies sprach der ueugewähltc Dbmaun dieses EollegiumS! der Stuttgarter Bürgerschaft gegenüber die Anerkennung aus, daß sie von dem Gesetze Gebrauch gemacht und einen >)S r a-; clitcn, Herrn Ad. Levi, zum Mitglied gewählt habe, und hofft, diesem Schlitte werde allmälich eine Aussöhnung der . Gegensätze folgen. Bei der Beeidigung lehnte Herr Levi das Emporhebeu der drei Schwnrsingcr „als Symbol der Drci-! faltigkeit" ab und wurde ohne diese Form beeidigt. Es ist sehr erfreulich, daß Männer selbst dieser erstem religiösen Richtung wieder auf dem Standpunkte angelangt sind, der Religion ihre Huldigung zu bringen, wenigstens daun, wenn es sich um öst'entlichc Acte handelt. — (ISraelit.) »Httittburg, den 9. Februar. Die Wahlen für den LiguidationSausfchnß der Gemeinde sind recht bestiedigcnd ausgeiaUeu. Überhaupt zeigen die Ereignisse der jüngsten Tage im Hamburger Gemeiudelebcn, wie viel von echt jüdischer Gesinnung G. s. D. in Hamburg zu finden ist. ES ist daS Programm derjenigen Partei durchgegangcn, die, der Mehrzahl nach fromm, bei diesem Wahlact einen Eompromiß der Drthodoren mit dem Theil der Gemeinde, die den Tempel unterhält, für ivünschenSwerth hält, und daher eine ganz kleine Minorität der Tempelpartei mit ausgestellt hat, die mit den Übrigen en bloc angenommen wurde. Den nächste Woche stattfiudenden Repräsentantenwahlen ist eine weit größere Wichtigkeit beiznmcssen, weil diese Eandidalcn die Gemeindesraruten entwerfen sollen. Es ist daher der Unterschied der Parteien in größerer Schärfe zu Tage getreten. Die Eomvromißpartei hat sehr viel Aussicht auf Erfolg. Sic hat wieder ihr Programm derart entworfen, daß die Frommen die Majorität unter den 9 Eandidaten erhalten sollen, zu denen sich dann noch zwei Mitglieder des SynagogcnvorstandcS, zwei des Tempels und zwei des ArmcncolleginmS gesellen werden. Dieses Programm enthält auch die Namen zweier Gelehrten, Herrn Dr. Lsler und Dr. Nakhan, welcher letztere glücklicherweise fast von allen Parteien ausgestellt ist. Daneben hat sich nun jetzt eine entschiedenere Partei der Tithodoren constituirt, die mit Recht in einer so heiligen, wichtigen Sache keine gefährliche Halbheit zulasscn wollen. ES sind dieS vor Allem die Mitglieder der sehr bedeutenden, weitverzweigten Becrdigungsbrüderschaft r-Q“), deren Rechte von dem bisherigen Gemeindcvorstande bedeutend beeinträchtigt wurden. ES ist sehr zu bedauern, daß daS Programm dieser Herren darum nickt die entschiedene Unterstützung findet, weil die Furcht vor dem Austritt der Tempelpartci und dem dadurch möglicherweise eintretenden Zerfall deS ArmeuwcscnS sehr Biele für das Programm der Eompromißpartci bestimmt. ES ist wohl nicht mit Unrecht von sehr verständiger Seite hier bemerkt: man redet sich und den betreffenden Herren die Gestchr pes Austritts so lauge ein, bis letztere selbst daran glauben und möglicherweise dann austrcteu. Die Aussicht dazu iväre nicht, sehr groß, und die Gefahr des eventuellen Austritts für die humanen Institute nicht so bedeutend. Der größere Theil der Einnahmen der Gemeinde geht von dem religiösen Theile derselben ein, und die Armen würden aus keine Weise geschmälert werden. Allerdings wollen wir hiebei mit dem Urtheile vorsichtig sein und nicht verkennen, daß viele einsichtige fromme Männer, die sonst das Princip der Trennung von den Nichtrcligiöscn unterstützt hätten, sich nach sorgfältiger Erwägung entschlossen haben, den möglichen schweren Nachtheilen