Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1865-02-24 · 5 (24.2.1865) · p. Seite 42

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
5 (24.2.1865)
Date
1865-02-24
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/9050333-9088714-9050458--0129-9050460
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

scher, wir im Vereine die Scheidewand zwischen Volks- und Iugendlchrer ansgchobcn. Wahrlich, sic haben sich Nichts vergeben, die Herren Rabbinen und Doctoren Stein, Philippson Rorhschild x\, daß sie mit den Herren Lehrern Luss, Fleisch- Hacker, Plaut etc. zusammcnftchen, znsammcngchen, zusammcnrathen, zusammenthaten. Ein Ziel, die Erhaltung der Religion, die Erziehung dcS Menschen haben sie alle. Stehen dem gelehrten Rabbinen mehr Mittel zur Erreichung desselben, mehr Kenntnisse zu Gebote, so hat dagegen der Schullehrer mehr Fertigkeit in der Anwendung seiner Mittel, seine Arbeit ist anhaltender und seine Erfolge sind weit gesicherter. Wir haben daher in der jüngsten Zeit die Koryphäen der Gctchrsamkcit eine Ehre darin suchen gesehen, auch das Schnlmcislcramt zu verwalten, so Geiger, Sachs, Saalsckitz, andere sind von ihren Lehrkanzeln hcrabgcstiegen und haben sich aus den Schultrthcdcr niedergelassen, so Frankel, L. Stein. Wenn jetzt Joseph Theomim, Verfasser des peri megadiin, noch lebte, so würde er kein Epitheton der Bescheidenheit sondern des Stolzes darin sehen, sich Kindcrlchrer (malm dardeke) zu nennen. Begrüßen wir also das Jahrbuch Achawa als das Frühroth der Zeit, da nicht mehr Einer zum Andern sagen darf: „ Erkenne den Ewigen," denn Alle erkennen ihn von. Kleinen bis zum Großen. Wüßten wir also nur, wie dies Buch entstanden und was das Buch bezweckt, wir hätten Grund genug, cs zu kaufen und zu wünschen, daß cs von Jedermann gekauft werde, ohne seinen Inhalt zu berücksichtigen. Nachdem wir es aber gelesen, können wir es, ganz abgesehen von Ursprung und Zweck, bl'os seines Inhalts wegen aus das wärmste empfehlen und müssen bedauern, daß cs nur in so wenigen Exemplaren abgezogen ist. Es ist, obgleich zunächst für Israeliten bestimmt, doch ein Volksbuch in des Wortes würdigster Bedeutung. Es wäre überflüssig die literarischen Gaben von L. Stein, der seit mehr als 2 Decennien als einer der beliebtesten Volksschriststeller glänzt, besonders anznprciscn. Er hat als Mitglied des Redactions-Comites das Buch mit voller Liebe behandelt und mit Erzeugnissen seines E istes reichlich bedacht. Von ihm ist das Einsührnngsgedicht: „Wandel und Dauer," —eine homiletische Arbeit; „Tie Lchrgegenständc in der Schule des Lebens," eine Schulrede; — „Biblische Lehrgedichte," metrische, zum Theil auch gereimte Übersetzungen von Bibclstclleu oder an biblische Personen und Begebenheiten augcknüpste Wahrheiten; — die Hanptnntcrscheidungslchrcn der 3 monotheistischen Religionen in epigrammatischer Form („Jesus, Mohamed, Moses"); — eine Würdigung des jüdischen Witzes im „Anckdolcuschatz", — endlich: „Feicrabendlied." Was wir von diesem Buche in Zukunft zu erwarten haben, sagt uns trefflich und schön das Mitglied des Haupt- und zugleich des Rcdactionseomites, Dm Rothschild, im „Ein Programm für unfern Rückblick." Sehr wahr ist die Bemerkung, die nur Verblendete nicht scheu wollen, daß vom Anbeginn her in der Lehre und im Leben Israels „Wandelbares und Stehendes" 'stets nebeneinander gewesen. . Daß Entwickelung von Stufe zu Stufe darin staltgefundcn, daß cs durch das Wandelbare nicht zur Erstarrung und durch das stehende nicht zur Entfremdung im religiösen Wesen Israels kommen konnte. Ter Verein mit seinem Fahrbuchc vertritt selbst eine Entwickclnngsphase der jüdischen Religion, indem es dieselbe ans den Socialismnö stützt, und so verbindet in ihm wirtlich Adam mit seinem Toppclgcsichtc den Gott Israels als Wcltcnschöpfcr mit der Gc'clligungSthcoric des jüngsten Jahrhunderts. — Das gegebene Programm berechtigt uns zu der Hoffnung, daß daS Jahrbuch ans allen Werkstülden, welche das Feuer der Religion belebt, sein Material nehmen acrde. Wir freuen uns darauf. Nicht so befriedigt können wir uns über die zweite Gabe desselben Verfassers anssprechcn: „Die Frauen Israels." ES ist dies eine Übersetzung oder Überarbeitung aus dem Eng« tischen: Women of Israel von Grace Aguilar. Mit der hier gegebenen Anschauung von der ersten Sünde können wir uns nicht einverstanden erklären. Aber ganz abgesehen hiervon wird die Behandlung der biblischen st Frauen, wie sic oiefl „Eva" erfahren, deutsche Lescrincn schwerlich anzichcn, sie in gar zu verständig, zu trocken zu — cnglif ch. — Die geschichtlichen Beiträge von Wiener und Krämer: „Zur Geschichte der Juden in Hcilbronn" und „Zur Geschichte der Juden in Baiern" sind sehr willkommen. Bis zum Schlüsse des vorigen Jahrhunderts waren wir Inden so zu sagen ein nnhistorisches Volk, d. h. der Sinn für Geschichte war uns ganz gescknvnnden. Tb vor 1000 oder vor 100 Jahren, ob in Persien oder Spanien etwas geschehen und gesprochen war, das machte gar keinen Unterschied. Die Herren der Stabilität unserer Tage glänzen in jeder Gattung vou Gelehrsamkeit, nur Geschichte wollen sic nicht kennen. Desto eifriger muß dem Volke die Kcnntniß seiner Geschichte zugcsührt werden. Je mühsamer cö nun ist, die Ähren der jüischcn Geschichte aus dem großen Erntcfcldc der allgemeinen; Weltgeschichte zu sammeln, desto dankbarer ist das, aus diesen Ähren bereitete Brod hinzunchmen, wenn cs so für Jedermann genießbar gereicht wird, wie hier geschehen. Die Gedichte von F. Mayer gen. Eppstein sind anziehend nach Inhalt und Form, nur scheinen die beiden: „Lehrers Liebe" nnd „das Schibcn-Mahl" nur ans' individuellen! Empsindnng, vielleicht Erfahrung hcrvorgegangen. Blau merkt! aas heraus und wird verstimmt. Der Dichter soll uns immer ans den Standpunkt des allgemein Menschlichen heben. Dagegen ist Krämcr's: „Auch ein Rothschild" eine allerliebste Illustration des jüdischen Lehrcrstandes ans der Zeit, als in Deutschland die „Gcseira", das unerbittliche Schicksal in Gestalt einer Staatsprüfung über ihn hcrcinbrach. Das Lebensbild „Irrwege" ist vou Klingernein trefflich gezeichnet. Nur verspricht der Titel etwas zu viel; denn wir gewahren in dieser Dichtung nur eine Verirrung des weiblichen Herzens, welches an Liebe glaubt, trotz der Disharmonie in der religiösen Gesinnung, die ja von Anfang bis zu Ende dieses Irrweges deutlich genug in die Augen springt. Aber jedenfalls werden jüdische Eltern einen lehrreichen Wink für die Erziehung ihrer Töchter in diesem Bilde finden. Beim Dnrchlcscn des Lehmann'schen Gedichtes, „Wache" konnten wir nicht umhin, eine Parallele zu ziehen zwisü en dem Dichter, der sich zum Kampfe gegen die Finsterlinge ausgcfordcrt fühlt durch einige Bibelwerse, und — Rabbi Iosajah *) Bon „Frauen Israels" zu sprechen, idjeint mir nberbanvl bedenklich, unter den biblischen Frauen ist, unsere? Erachtens, die einzige Deborah, die den Eharakler einer israeliii'chen Frau beanspruchen dars.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.