Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1865-02-24 · 5 (24.2.1865) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
5 (24.2.1865)
Date
1865-02-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/9050333-9088714-9050458--0128-9050459
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

??rv. 5. ^>rrt<v den 2 1. Februar K*(i5. II. Iabrgang. ‘Agentur in 2i?icn: Hcrzfeld imb Bancr. Ce»lral-(9rga» l'iir n 11 c geilgemiHVit SnlereHen dcs IudeulljimicS Elgcnthümer: Isaak Blvcb. Agentur in Brünn: B. Epstein. Pränuinera betrag ganzjährig 3 fl., holbjährig 1 sl. 50 kr. mit Postznsendung und Zustellung in's Haus. — Erscheint am 8. und 24. eines jeden Mon — Administration bei A. .itenn, Buchdrnckerei;n ,,'i Linden," wohin alle Geldsendungen, Briese und Reclamaiionen;u richten sind. Aci)awa. Jahrbucl) lür ISlio—ol)2o. Herausgegeben vom Bereine;ur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Witwen untr Waisen in Teun'chland. Leipzig, in Commission bei C. L. Fritzsche XX u. 221 und einem israelitischen Kalender ans das Jahr 5625.*) Reicht blos ein literarisches Erzeugniß sehen wir in diesem Buche, sondern eine glücklich vollführte und höchst erfreuliche That begrüßen w: i-n demselben. Durch die edelsten Mittel wird hier der heil re Zweck erstrebt und muß erreicht werden, oder man niüßte verzweifeln am Sinn für das Gute in Israel. Ein Buch wie dieses, hervorgegangcn aus der Bereinigung von Kräften, durch deren Wirksamkeit die Zukunft des Judenthums gekichert wird, das nicht wie jedes andere blos durch seinen Inhalt, sondern vorzüglich durch seinen Ertrag der wahren Religiosität zu Gute kommt, bei dessen Entstehen weder Habnoch Ehrsucht, noch irgend ein selbstsüchtiger Beweggrund mitwirkten, ein solches Buch ist epochemachend in der jüdischen Literatur. — Was ist geschehen, daß dieses Buch erscheinen konnte? — Es ist der alte Fluch — oder richtiger der fluchwürdige Zustand, den man, weil man seine wahre Ursache niait verstand, oder nicht verstehen wollte, daher nicht beseitigen konnte oder wollte, ans das Patriarchcnwort (Osv. 49, 7.): „Ich will sic vcrtheilen in Jakob und zerstreuen in Israel" znrücksnhrte.— gebannt und in Segen verwandelt. Der israelitische Lebrer, der stets bejammerte und beklagte, und darum meist jämmerliche und klägliche ist verschwunden und ein Lehrcrstand als festgeschlossenc Körperschaft steht vor uns. Seines Wcrthcs sich bewußt, darum stolz auf seinen Beruf ford.-t er unsere Achtung, macht geltend sein Recht und wir können beides, ohne uns selbst verächtlich zu machen, ihm nicht versagen, da er es sich auch ohne uns zu versch affen weiß. Das Jahrbuch Achaw'. in das wirksamste Heilm ittel gegen den Schaden, woran die jüdische Schule bisher kränkelte, gegen den Mangel an tüchtigen Lehrern. Berufen fühlte sich gar manche Jizg ndkraft zum Lehrsache; aber wenn der Berufene das Schicksal seiner Scandesgenossen überdacht e, so mußte er sich zurückgeschreckr und zu jeder anderen Lebensbahn eher, als zu der des JngendunterrichteS angclriebcn fühlen. Seine Stellung war — wir sagen nicht — eine verachtete; denn wir glauben, daß die Zeiten, in welchen dies der Fall war, längst hinter uns liegen, aber doch die abhängigste. Die Mittel, die sie bot, reichten nothdürstig zum Lebensunterhalt, selten auch zur Erhaltung einer Familie hin. Einen Sparpfennig zu erübrigen, daran war nicht zu denken, Was hatte er zu erwarten, wenn seine Kräfte zu der, körperlich und geistig so i aufreibenden Beschäftigung nicht mehr ausreichten? Was sollten j seine Hinterbliebenen anfangen, wenn der Tod ihn abrufen! würde? — Aber würde sich denn die Gemeinde -nicht der 'l Witwe und der Waisen des Mannes annehmen, der ihnen! im heiligsten Berufe seine Kräfte opferte? Die Gemeinde sah! sich vor, nicht in diese Norhwcndigkeit zu gerathen, und be-! willigte niemals die desinitivc Anstellung. Also Ängstlichkeit! hüben und drüben, und daher wählten nur die den Lchrerstand, die zu keinem andern, und darum zu diesem am wenigsten tauglich waren. - * Der Verein, dem das Jahrbuch sein Entstehen verdankt j und dem es seinen Bestand sichern helfen soll, hebt diese Bej denken. Der Lehrer, der diesem Vereine angehört, darf ohne : Zagen seinem Berufe sich ganz hingebcn, weder er, noch seine | Lieben werden verlassen sein, wenn er nicht mehr thätig sein t" kaunZ Die Gemeinde, welche durch den Verein die Zukunft! des ihm ungehörigen Lehrers gesichert weiß, wird einen guten? Lehrer dadurch zu fesseln suchen, daß sie ihn definitiv anftellt. Indem durch den Verein der israelitische Lehrer ansgehört hat, ein vereinzeltes, heimathloses, von Gemeinde zu Gemeinde hin- und hergeworfcncs Snbjeet zu sein, steht er nun da als ein unentbehrliches, gerngesehenes, sieb eng anschließendes Mitglied der Gemeinde, in welcher die Pflänzlinge, die er in seiner Jugend gepflegt, zu kräftigen Bäumen heran - gewachsen, ihre Äste liebend über sein Alter ausbrciten. So ist ihm die Achtung aller Guten gesichert. Davon gibt nun auch schon der Verein selbst das sprechendste Zeugniß. Wäh-! rend früher ein Rabbiner es tief unter seiner Würde gehalten I hat, mit dem Jugendlebrcr gemeinschaftliche Sache zu machen *) Unser "satt bringt diesmal eine Recension statt des Leitartikels, weil der Zweck des sehr gelehrten Herrn Berjassers desselben mit dem Streben der fr. r bestandenen „Zeitstimme", für Böhmen einen Lehrerverein zn bilden, zmammeiisält, und es von nun an die Ausgabe deS gegenwärti. i Blattes sein wird, diese Bestrebungen wieder anftnnehmen, so ivie das JnSIebentreten des Vereines herdeiznführen. —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.