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Das Abendland · 1865-02-08 · 4 (8.2.1865) · p. Seite 38

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
4 (8.2.1865)
Date
1865-02-08
Page
Seite 38 (sequence 6)
Language
German
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38 zu (Lude der zwanziger Jahre den Inden die Niederlassung in den Primatialgütern gestattet, aber die Privilegien wurden nicht aufgehoben und die Bürger halten daran fest wie an den heiligsten Reliquien. Daß es den Bürgern mehr um die Ausrechthaltung des alten Zopfes zu thnn ist, als darum, den eigenen Ansichten und Gesinnungen nachzngeben, lehren gar viele Beispiele. So z.B. darf in Sommcrein, wie schon erwähnt, kein Jude wohnen, der Stadtarzt aber ist ein Jude, der im nahen Orte Milchdors wohnen muß; zeitig morgens holt ihn ein Wagen ab, bringt ihn in die Stadt und führt ihn des Abends wieder zurück. Ueber Nacht darf er um keinen Preis und unter keinem Umstande in Sommerein bleiben. Der Doctor verlangte in die Gemeinde ausgenommen zu werden, oder er sehe sich genötyigt, den Ort zu verlassen. Der Doctor war sehr beliebt; man bat, beschwor ihn zu bleiben — aber — das Wohnen im Orte wollte man ihin doch nicht gestatten. Er reiste ab, und der gegenwärtige Ortsarzt ist —■ wieder ein Jude, der dieselbe Procednr täglich durchmachen muß. Auch er hat bereits erklärt, daß ihm die Ausübung seiner ärztlichen Praxis sehr erschwert werde, und daß er kündigen müsse, wenn ihin nicht gestattet werde, in der Stadt auch zu wohnen, die ihn als Arzt ausgenommen, was er doch nur als besonderes Zeichen des Vertrauens zu seiner Gewissenhaftigkeit betrachten könne. Steinamanger, int Januar. Am 29. v. M. fand hierorts im Beisein eines landesfürstlichen Commissärs eine israelitische Lehrerconfe rcnz des Eisenburger Comitats statt, um über die Crcirung eines Unterstütz nng sv ereiltes für israelitische Lehrer, deren Witwen und Waisen zu berathen. Herr Dr. N o b e l, als hiesiger Schuldirector, begrüßte in warmer, geistreicher Ansprache die anwesenden Conferenzmitglieder, worauf er mit Acclamation znm Präsidenten, Herr B. Pick, Cültnsvorsteher, znm Biceprüses und der Notar- Herr Bodanzky, so wie auch Schreiber dieses, zu Schriftführern ernannt wurden. Schreiber dieses ergriff dann das Wort, um den Zweck der Eonferenz, die Nothwendigkeit eines Unterstützungsvereines auseinanderzusetzen und die Anwesenden zur eifrigsten That anfzumuntcrn. — Sodann wurden die bereits ausgearbciteten Statuten verlesen und einer speciellen Verhandlung unterzogen. Alle Anweftnden bethätigten die lebhafteste und wärmste Theilnahme an den Debatten und zeigten eine überraschende Routine in denselben. Die Lehrerunterstützungs-Frage hat sich seit neuerer Zeit dem intelligenten und ernsthaften Lehrer als ein wahres Studium aufgedrungen, ein Studium, das wol manches seiner geistigen und moralischen Studien in den Hintergrund drängen dürfte. Schon aus letzterem Grunde wären wir, abgesehen von der bekannten Pietät und dem Wohlthätigkeitssinne der israelitischen Gemeinden, geneigt, deren unmittelbare Theilnahme am fraglichen Unterstützungsvereine zu prognosticiren, wenn nur die betreffenden Lehrer selbst den gebührenden Eifer bei der Sache bethätigten. Aber leider verhält sich noch immer ein großer Theil derselben in seiner wohlbehaglichen Passivität, trotz der traurigen Erfahrungen, die ihn durch die Zeitungen so oft an seine düstere Zukunft mahnen, trotz dem günstigen, seine höchsten Lebensfragen entscheidenden Momente, der ihn zum raschen Aufbruch allarmirt. Trotz den fehlenden Herren Eollcgen war indessen die Eonferenz doch zum Ziele gelangt. Zum Schlüße wurde das pro vi io rich e C omi tö gewählt, bestehend ans den Herren Dr. Nobel, B. Pick, Bodanzky, Zucker und Goldstcin, dessen Aufgabe es nun ist, die weiteren Schritte zur Constituirung und Sanctioniruug des Vereines sortzusetzen. Der Himmel verleihe ihm Erfolg! A. Roder, Hauptschullehrer. — sV. Eh.) SteinMttMlHer, im Januar. Herr Dr. Leopold Rokonstein ist mit dem hiesigen Rabbinatsposten betraut. Wir können uns zu dieser Acqnisition herzlich gratuliren. Miskolcz, 9. Jänner. Ein nicht geringes Aussehen erregte vor einiger Zeit die plötzliche Suspcudiruug des reuommirten Doctors Herrn Popper als Primararzt an dem hiesigen von der hohen Regierung sanctionirten allgemeinen Krankenhause, an welchem derselbe durch sein mehr als achtjähriges Wirken des Ersprießlichen so Vieles schon geleistet hatte. Doch selten dürfte die gekränkte Unschuld so schnell an den Tag gekonnnen sein, noch seltener aber dürfte sie solch' einen Triumph gefeiert haben. Kaum hatte die hohe k. Statthalteret die Ueberzengnng gewonnen, daß Iran Medisanec ihre verleumderische alles begeifernde Zunge im Spiele hatte, als ne sich beeilte, besagten Herrn Doctor nicht nur in sein Amt zu rchabilitircn, sondern ihn sogar znm Director dieser Heilanstalt zu ernennen, was hier bei der ganzen Bevölkerung die srendigstc Stimmung hervorbrachtc. — Durch die Ernennung der beiden Herren Doctoren Kazander und Schwarz, crstern zum Präses des Schulcomittzs, letztern als Mitglied desselben, dürfte unsere Schule, die an manchen physischen liebeln kränkelt, bald radical geheilt sein. Berlin. Nicht so leicht hat wol ein Sterblicher wechselvollere Schicksale gehabt, als der ain 29. Januar in Berlin gestorbene L. I. Levinsteiu. Vom höchsten Wohlstände in tiefste Entbehrung gesunken, dann lvieder emporgestiegen zu Reichthnm und Ansehen, ein Günstling des Glücks, der Mächtigen, mit seinen hohen Gönnern zugleich gestürzt und dennoch wieder gesucht und gehoben, hat Levinstein bis zu den letzten Tagen seines Lebens eine einflußreiche Thätigkeit entfaltet. Er kam vor etwa 30 Jahren nach Berlin, wo er eine Äattnnsabrik begründete. Verfehlte Speeulationeu brachten sie in Evncurö und zwangen Levinsteiu, sich einen anderen Erwerb zu suchen. Er wurde Pächter der Bahnhofs-Restauration zu Kohlfurth, wo er sich in den Mußestunden mit handelspolitischer Schriststellcrei befaßte. Eine im Jahre 1847 verfaßte Broschüre, in welcher Levinsteiu den Ansbrtlch der Märzrevolntion fast auf Tag und Stunde prophezeiht hatte, lenkte im Jahre 1849 die Aufmerksamkeit des Herrn v. Mantenssel ans ihn. Levinsteiu zog wieder nach Berlin und stieg von Tag zu Tag in der Gunst des preußischen Premiers, der seinen Rath hörte und ihn mit verschiedenen geheimen Missionen betraute. Levinsteins Haus wurde bald der Sammelplatz von Diplomaten, Banqniers oc. Die eigenthümliche Stellung, deren er sich erfreute, führte ihm einträgliche Geschäfte zu; er wurde Agent fürstli cher Persönlichkeiten, und Agent der Gebrüder Rothschild, deren finanzielle Operationen er vermittelte. zEr war es, der u. A. für den Vater des Angnstenburgers den Ankauf der mit dänischem Geldc bezahlten Herrschaft Primkenau vermittelte.) Mit der Macht des Ministeriums wuchs sein Ansehen und sein Vermögen, lieber die Rolle, die er als politischer Agent gespielt, wissen wir nichts Genaueres, doch steht fest, daß man ihn zu solchen diplomatischen Sendungen, zu denen man einer nicht osficiellen Persönlichkeit bedurfte, benutzte. Zweimal wurde er in längerer Audienz vom Kaiser der Franzosen und zu wiederholtenmalen an verschiedenen deutschen Höfen empfangen. Die ihm von Oesterreich angcbotene sreiherrlichc Würde schlug er aus, wie alle Titel und Orden, die ihm von anderer Seite angeboten wurden. Er hielt es für ein Gebot der Klugheit, Alles abznlehnen, wodurch er die öffentliche Ansinerksamkeit an sich gelenkt Hütte. — Die „nette Acra" setzte seiner politischen Thätigkeit nur ans kurze Zeit ein Ziel; auch der Fürst von Hohenzollern beehrte ihn mit seinem Vertrauen, und auch in der neuesten Aera lvnrde er nicht müde, politische Combinationen zu spinnen und den Verkehr mit Staatsmännern zu pflegen. Von seinen Schriften hat das meiste Aufsehen die kleine Broschüre unter dem Tittel „Natürliche Finanzwirthschast und ministerielle Verwirthschaftnng" erregt, welche vor etwa vier Jahren erschienen ist. Levinsteiu war ein streng orthodoxer Jude, der ein dauerndes Andenken erhalten wird, das ist den Sinn für Wohlthnn, den er bis an sein Lebensende bewährt und durch den er Hunderte und aber Hunderte beglückt hat. Kassel, 5. Jan. Eine, wie wir annehmen wollen, unbesonnene Aeußernng des Abgeordneten Herrlein in der Ti;- znng der zweiten Kammer vom 20. Deeember rief in den jüngst verflossenen Tagen eine Polemik in den hiesigen Blättern

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