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Das Abendland · 1865-02-08 · 4 (8.2.1865) · p. Seite 35

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
4 (8.2.1865)
Date
1865-02-08
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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nisses in der Predigt dürfte wol nnr eine Stimme herrschen, so daß höchstens nnr über die Wahl der Parabeln, die der Kanzelredner in den Kranz seiner Vorträge einflechten soll, eine Frage bliebe. Allein hierüber Regeln aufzustellen, wäre ganz überflüssig. Hier muß der Tact und Geschmack des Redners das Richtige finden. Daß die Predigt nicht mit Gleichnissen überladen werden dürfe, wird ihm die allgemeine Redekunst, sowie sein eigenes ästhetisches Gefühl sagen In der Regel sollte wol jede Predigt nicht mehr als eine Prrabel enthalten — die Kanzelredc würde sonst aus der höher, u Region tiefernster Belehrung, innerhalb deren sie sich doch bewegen soll, in den profanen Kreis spielender, Erzählung hinabsinkcn, ebenso wie es dann den Anschein gewinnen könnte, als ob den Redner auf die heilige Stätte nicht das heilige Streben leite, seine Zuhörer zu erbauen und zu sammeln, sondern im Gegenteil sie zu unterhalten und zu zerstreuen. Auch darf wohl die Parabel innerhalb der Kanzelrede nicht zu lange gedehnt sein. „Kurz und treffend" — das muß hier, so wie bei der Predigt überhaupt, als leitende Norm gelten. Daß alle solche Momente, die für die heilige, ehrsurchtgebietende Stätte, von der herab der Kanzelredner sein Wort verkündet, nicht angemessen scheinen, von der Parabel ferne zu halten sind, braucht gewiß nicht erst hier nachdrücklich betont zu werden. Es wird auch darauf zu sehen sein, vor welchem Zuhörerkreise der Redner seine Vorträge hält, um darnach die Wahl seiner Gleichnisse zu treffen. Herder sagt in seiner ersten Vorrede zu den der Hagada entnommenen jüdischen Dichtungen und Parabeln: „Der Reichthnm derselben ist unerschöpflich groß. Es thäte mir leid. wenn Niemand etwas Scharfsinniges, etwas Geistiges und Feines in diesen Dichtungen fände; sehr lieb aber wäre mir's, wenn ich einen Weisen, einen Gelehrten der Nation selbst veranlaßte, die Perlen aus dem Grunde des Meeres, die Goldkörner ans dem schlechten Staube hervorzuziehcn." — Run, diese Perlen und Goldkörner sind seitdem nicht nur von sehr vielen fleißigen Händen gesammelt, sondern auch von sehr vielen geschickten Händen glänzend und gediegen verarbeitet worden- So von Mendelssohn und Friedlünder, von Engel im „Philosophen für die Welt", von Gottlieb von Leon in den „rabbinischen Legenden" (Wien, 1821), von Landau („Geist und Sprache der Hebräer", Prag 1822), von Fürstenthal („rabbinische Anthologie", Breslau, 1834), von Hurwitz in den „Sagen der Hebräer", ebenso von Mannheimer, Salomon, Sachs und Abraham Kohn in dem Jahrbuch von Busch v. I. 1843 nud 1845. Professor Giuseppe Levi sammelte in einem eigenen Werke die „Parabeln aus Talmud und Midrasch" (deutsch von Ludwig Seligmann, Leipzig 1663), doch hätte diese Sammlung viel reicher anssallen können. Da nun Talmud und Midrasch auch in dieser Beziehung dem jüdischen Kanzelredner eine solch' reiche und schätzbare — oder vielmehr unschätzbare — Fundgrube bieten, so wird er über treffende und sinnvolle Gleichnisse nie verlegen zu sein brauchen. Doch ist es ihm wohl nicht zu wehren, auch sonstigen Quellen seine Parabeln zu entlehnen oder dieselben aus eigener Phantasie zu schaffen. Der Raum gestattet uns hier nicht, Beispiele von höchst geistvollen Parabeln der letzteren Art aus den besseren jüdischen Kanzelreden der Neuzeit anzuführen. Der geneigte Leser kann solche in den meisten größeren Prädigtsammlungen finden. Historisches bezüglich der Jude», zusammengetragen von I. Bloch. Die Juden und ihre gesetzliche Stellung in Nom vor und nach (^infntzrung des Chriftentbnms. Die Schicksale der Inden gehören zu den außerordentlichsten der Weltgeschichte; solche erwachsen aber aus außerordentlichen Motiven. Die größten Interessen, die großartigsten Leidenschaften boten den Stoff zu dem Drama ihrer Geschichte. Wie die Kämpfe und Leiden, die Geschicke und Erfahrungen der jüdischen Nation unvergleichlich sind, so auch ihre Standhaftigkeit, ihre Treue für nationales Gesetz, ihre Begeisterung für Glauben und Gedanken; wie sie in der Zerstreuung über den ganzes Erdboden an sich selber eine statistische Weltkarte bilden, auf der sich die Farben des Klimas und der Zonen abzeichnen, so hat auch die Weltgeschichte in der bunten Fülle ihrer geistigen Production keine Aeußernng, an der sich die elastische unverwüstliche Thütigkeit der Inden nicht betheiligt hätte, und wie die Liebe, der Enthusiasmus, den sie für ihre Güter besaßen, unerschöpflich, so war es auch der Haß, der Fanatismus, das Vorurtheil gegeu sie unsäglich. Ruhe und Gleichgiltigkeit war seit 2000 Jahren niemals der Himmel, unter dem sie wohnten; die Welt, die ihnen gegenüberstand, war in Lagern für oder gegen sie gespalten, ihre Religion war eine Quelle menschlicher Liebe und humaner Bildung, aber die Huinanität und die Liebe ist ihnen bis auf diesen Tag nicht aus dem Bollen zu Theil worden. Der jüdische Staat in Palästina, der durch 8im. Maccat), unabhängig von syrischen Königen wurde, hatte die Unabhängigkeit 80 Jahre bewährt. Pompejus machte das Land tributpflichtig, wenn es auch autonom blieb. Gabinius errichtete an 5 Stellen Synedricn. Antipater erhält von Cäsar römisches Bürgerrecht und wird zum Epitropos des Landes ernannt. Sein Sohn Herodes wird König, als Autigonus der Asmonäec sich gegen die Römer mit den Parthern verbindet. Er war mehr Schützling als Bundesgenosse, für das er gelten sollte, die Abgaben nicht bundesgenössische Unterstützung, sondern Geschenke. Im 37. Jahre nach der Schlacht bei Actium wird Judäa eine römische Provinz, aber unter einem eigenen Verwalter. Der Tribut war verpachtet an Ober- und Unter-Zöllner. Dino bru oma). cpddiq, pain, runo, »bin Es ruhte auf diesen Zöllnern der Fluch ihres Amtes: Joma 18. a heißt cs: Wenn dein Schwestersohn ein »nn ist, so gehe nicht an ihm aus der Straße vorüber. Lada Kama heißt 194. b rmp frauon poDiorn paaim pynn „Hirten, Einnehmer und Cassiere begegnen hart." Unter Cassius Florus fand eine Empörung der Inden statt. Die Juden lebten in Rom in den verschiedenen Lebensstellungen. Sie waren Sklaven, Libertinen und konnten auch das Bürgerrecht erhalten. A. Cecilius Niger, Quästor in Sicilien nach Cäsar, war ein Jude. Paulus nennt sich römischer Bürger, ebenso Philo. Agrippa, der Bruder der schönen Berenice, wird unter Titus Prätor. Caracalla ernannte alle im römischen Reiche Wohnenden zu Bürgern, also auch die Juden, und jegliches Amt stand ihnen offen, sic dursten die Tutel

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