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Das Abendland · 1865-02-08 · 4 (8.2.1865) · p. Seite 34

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
4 (8.2.1865)
Date
1865-02-08
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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34 in der Kanzclrede Hinzuwelsen — nämlich aus den Gebrauch der Parabel in der Predigt. Schon in der grauesten jüdischen Vorzeit haben die Redner die große und mächtige Wirksamkeit der Parabel sehr wohl zu würdigen gewußt und es erkannt, daß nichts so überzeugend und zugleich so fesselnd auf das Gemüth der Zuhörer einznwirken vermöge, als ein eben am rechten Orte glücklich angebrachtes Gleichniß, durch das der abstracteste Gedanke einen Körper erhält und so gleichsam mit den Händen greifbar wird. Dies sehen wir bei Iotham mit der Gleichnißrede von den Bäumen, die einen König wählen (Nicht. 9, 8 ff.); bei Nathan, dein Könige David gegenüber, mit dem Gleichnisse von dem armen Manne, der nur ein einziges Schaf besitzt (II. Samuel 12, l. ff.); bei dem König Jehoasch mit der Parabel von dem Dornbusch, der bei der Cedcr um eine Schwiegertochter werben läßt (II. Könige 19, 9), oder bei Hiob mit dem Gleichnisse von dem treulosen Bach (6, 15). Auch die Propheten, diese gottbegeistertcn Volksredner mit der unvergleichlichsten Sprachgewalt, haben ebenso das Gleichniß — das M aschal — in seiner mächtigen oratorischen Wirksamkeit erkannt und vielfach benützt. Wer kennt nicht das herrliche Gleichniß von dem undankbaren Weinberge bei Je'chaga. lind erst Jecheskel — dieser „Äschylos und Shakespeare der Ebräer," wie Herder ihn nannte, hat eben in der meisterhaften Anwendung des Maschal die Palme der Vollendung errungen. Man vergleiche die scharf ausgeprägte Parabel von der undankbaren Braut (Kap. 16), das prachtvolle Gleichniß von dem Adler mit den großen und breiten Flügeln (Kap. 17), die so sinnreiche Parabel von der Löwenmntter mit zwei jungen Leuen (Kap. 19), von den zwei treulosen Schwestern (Kap. 23), von dem über's Feuer gestellten Kessel (Kap. 24 und theilweise Kap. 11), von dem Krokodil im Nilfluß (Kap. 29 und 32), oder die majestätische Parabel von dem Eedernbaume auf dem Libanon (Kap. 31). Steigen wir zu den später» jüdischen Volkslehrern in der reichen Midraschliteratur hinab, so sehen wir die Parabel zur höchsten Entfaltung gediehen. Man glaubte hier, fast gar keinen Gedanken vortragen zu können, ohne demselben als Gelcitschein ein Gleichniß mitzugeben. nan "iznn “dS Süd, ist da eine stereotyp gewordene Redensart. Von einem der ältesten Lehrer der Mischnah, Hillel, wird im Tractat Soferim (cap. 16, 9) erzählt, daß er „alle Wissenschaften und Sprachen in seinen Sludienkreis gezogen, selbst das Gespräch der Berge, Hügel und Thälcr, das Gespräch der Bäume und der Kräuter, das Gespräch der wilden und zahmen Thiere, das Gespräch der Dämonen unv die Parabeln (mSüDi) — wahrscheinlich um alles dies bei ''einen Volksvorträgen nutzbar zu machen. Ein sehnliches wird auch von einem Schüler Hillel's R. Io h a n an b e n Sa ck ai erzählt. Auch er soll, wie sein berühmter Lehrer, ein großer Kenner von Parabeln gewesen sein. (Soferim das. tz. 8. Sucka 28a und Bab. bathra 134b.) Wieder einem Schüler dieses letztern, dem als Volksredner belobten R. Josua den Ehananja, wird eine Parabel nacherzählt, mit welcher er die gegen die römische Regierung aufgeregten Gcmüther zu beschwichtigen suchte. (Bereschit rabba cap. 64. Vergl. auch R apoport, KrechMillin Art. oir-rrn.) j Ein Schüler desselben war R. Akiba, und dieser! folgte auch hierin dem Beispiele seines eben genannten Lehrers, j Einst predigte er und das Volk schlief ein; da er cs wecken i und munter machen wollte, erzählte er ein Gleichniß. (Bercsch. rab. c. 58. Im Midr. z. Hohenl. 4, 1 wird ein Ähnliches von Rabbi berichtet.) Den Papus wußte R. Akiba nicht bester als durch eine Parabel zu widerlegen. (Berachot 61b.) R. Akiba's Schüler war K. Meir, und dieser hatte sich in Anwendung von Gleichnißreden besonders hervorgethan. (Sanhcdrin 38b.) Auch die Volksrcdner des jüdischen Mittelalters hatten die Parabel mit besonderer Vorliebe in ihre Deraschot ei ngeflochtcn. Wir nennen hier beispielsweise einen Redner par excellenee, den gelehrten und höchst geistvollen Verfasser des Akcdat Jizchak, R. Isaak A r a m a aus Calatajud in Aragonien. Derselbe verfaßte dieses berühmte Predigtwerk damit, wie er in der Einleitung sagt, die Juden in Spanien nicht hinter ihrer nichtjüdischen Umgebung zurückstehen möchten, welch' letzterer das Wort Gottes in volksthümlicher und herzgewinnender Weise verkündet wird, und damit sic nicht genöthigt wären, nichtjüdischc Gotteshäuser aufzusuchen, um eine Geist und Gemüth erhebende Predigt anzuhörcn. Seine sehr oft in philosophische Materien sich vertiefenden Homilien suchte er durch sinnige Gleichnisse volksthümlicher und faßlicher zu machen. (Vrgl. z. B. Akeda, Pforte 100 und 101.) Seiner Schrift Chasut kaschah ist eine große Parabel zu Grunde gelegt. Doch gehen wir auf die neuere Zeit über. Muß die Kanzelredc unserer Zeit die Parabel ausscheiden, oder soll sic dieselbe noch weiter fortpflanzen? — Ein bedeutender Kanzelredner unserer Tage spricht sich hierüber in folgender Weise aus: „Unter Vielem, was die jüdischen Prediger des Alterthums denen der Neuzeit zur Benützung Gediegenes, zur Nachahmung Wirksames anbicten, zeichnet sich besonders das Gleichniß aus. Tjvpyn Sp nin Sübh "n,> S». „Den Werth des Gleichnisses," spricht der Weise (Schir rabba 1), „achte nicht geringe, denn es ist ein Flämmchen, womit du in alle Spalten leuch-! tcn kannst, um die Perle der Belehrung zu suchen." Es wird! nämlich manchem Zuhörer schwer, den Vortrag als ein gegliedertes Ganzes in dessen Einheit so anfzufassen, als der! Redner ihn gedacht und gegeben; aber die Gleichnißrede trägt er als ein sicheres Gut mit nach Hause und erinnert sich durch sie nach Jahren noch der Lehre und des gewonnenen Eindrucks. Das Gleichniß ist der Thautropfcn, in welchem sich das Erhabene abspiegelt; cs bringt dem Zuhörer im Kleinen das Große zum Bewußtsein.! „Das Gleichniß unterscheidet sich dadurch von dem! Bilde, daß dieses den Zuhörer nicht überrascht, aber ihm bei der sortströmcndcn Rede keinen Ruhcpnnkt schenkt, wäh-! rcnd das Gleichniß durch die unterhaltende Form den ernsten Gang der Rede unterbricht, den Zuhörer erzählend in den Kreis des Familien- oder Natnrlebcns gleichsam entführt, um ihn bei der Anwendung desto sicherer zu fassen, oder durch die Freude des Voransrathcns seine Thcilnahme für den Gegenstand in Anspruch zu nehmen. Auch nimmt er in der Hülle dieses Versüßungsmittcls die Pille manches Tadels gerne ein, welchen er sonst als bitter und verletzend zurückweisen würde." (Leopold Stein, Xobeletn, S. XII.) Doch über die Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit des Gleich-

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