Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 3 (23.1.1865)
- Date
- 1865-01-23
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
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28 1321, wo mau sie wieder in Böhmen sinder, ist der doppelte Eid justimani für die Inden ekngcführt worden. ' ' 1190 war Die große Verfolgung wegen Steinigung eines Priesters. . . . - 1507 befahl Wladiölaw ihre Vertreibung, was aber durch Geldopfcr wieder aufgehoben ward. . *S- 1650 ward die Verordnung erlassen, in Orten, wo^ ssher kein Jude getvohnt, dürfe auch in der' Folge keiner wohnen. - - 1723 ward hierauf eine Strafe von 1000 Dukaten gesetzt. 1715 wurde verordnet, daß die Inden bis Ende Feber Prag zu räumen, mit Ende Juni aber ganz Böhmen zu verlassen haben — wa-Z aber nicht lange gedauert, da ans Verwendung der Weltmächte wie Englands und der Seestädte die Verordnung zurückgenomn^n wurde. So wie der Jude der Jetztzeit alleö in sich aufnimmt, was feine Umgebung schafft und thnt, so rhat er es auch in früherer Zeit. Wie er heute im Salon als Lowe signrirt, am Billard brillirt, in der Reit-, Tanz- und Tnruschule nicht der Letzte sein will, Sangvereine bildet, in der Schimmanstalt seine Geschicklichkeit erprobt und auf der Eisbahn bewcis't, daß er weit'von der Behauptung entfernt sei: „das Eis habe keine Balken," so mochte er auch im Mittelalter nirgends zurückbleibe», r ' wir sindcn auch im Ritrerftande ihn vertreten. — So erzählt ein alter Chronist von einem Indenrurniere wie folgt: „Anno 1381 hätten die Juden zu Wcisenfels nnrerlaug ein Thurnier gehalten und wie sie nun wiedernmb zu Ha.'.3 reiten wollen, so waren Olaus von Trutta und Koser von Krosigk auff sie, verffen zu erliche nieder und nahmen fnen ein stattlich Geld." — In der Fortsetzung des romantischen Ritterbnches Amadis stößt der Sylves, genannt der Ritter vom Walde, auf drei wuebende Kämpfer; einen Christen, Inden 'und Mohamedaner welche durch einen Srreit über ihre Religionen an einander gerathen waren. Blutig suchten sie sich einander die Wahrheit ihrer verschiedenen R.ligionen zu beweisen. — Sylves springt zwischen d,e Kämpfenden und ricfihnen zu: „Was ist das? Belehrungen und Unterweisungen müssen mit Sanftmnth ititb Geduld geschehen, aber nicht durchs Schwert." (Ein Ansspruch, wahrlich eines edlen Paladin würdig.) Minder liberal, aber ganz den Gesinnungen seiner Zeit angemeffeil ist das, >oaS von der Sache erzählt wird. — Es kam nun ju Mancherlei Erörterungen, 'nach denen sich endlich der Sylves gegen den Inden wendete und sagte: „Ihr aber, wie könnt Ihr Euch ritterlicher Waffen bedienen und deS" Ritter-Namens Euch anmaßen wollen, da Ihr ein.Hebräer seid? — Des hohen ritterlichen Titels seid Ihr itiebt würdig7 nicht würdig' seid Ihr Sporn zu tragen, da ibr Inden seid, Leibeigne sKammerknechtc), Sklaven und fremder Gewalt gänzlich untcrthan/' — Tapferkeit der Juden im 13. Jahrhundert. Der Kaiser Adolph von Nassau führte gegen das Ende des dreizehnten Jahrhunderts, in einem Kriege gegen Frankreich, an dreißigtausend Juden bei feiner Armee. EuspiniamU aber, ein Chronikcnschreiber j.ner Zeit, der uns dies Faktum anfbewahrt hat, fügt hinzu: „nicht weil er in ihre Tapferkeit ein besonders Vertrauen setzte, sondern daß sie, im Vordcrtreffen aitfgestellt, den ersten Angriff des Feindes auffangcn möchten." Ein Jude, Salomon Ben Icckaim, befehligte im Jahre 1190 die Armee in Portitgal als Ober-Feldherr eben so glücklich als rühmlich. Im sechsten Jahrhundert verthcidigten sie die Stadt Neapel tapfer und ehrenvoll gegen die wiederholten Angriffe des Belijar. Herzhaft standen sie den Christen zur Vertreibung der Räuber aus Böbm u bei, und erhielten zur Belohnung ihrer Tapferkeit eine Synagoge zu Prag. Im Jahre 1316 befestigten sich die Juden in Burgos, und vertheidigten sich glücklich gegen die Anfälle des Mörders ihres Regenten. Übrigens erzählt auch Dietrich, in seiner Schrift de jure et statu Judaeorum in Republica Christianorum, pag, 26* baß zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts 30,000 Juden bei der französischen Armee, unter Philipp dem Schönen, gedient hätten. Er behauptet, diese Anekdote aus einer alten, unter Heinrich dem Löwen abgcfaßten Chronik genommen zu habenwahrscheinlich aber bat der Cbronikeuschreiber dieselbe Begebenheit verdrehet, und Adolph voir Nassau mit dem gleichzeitigen Philipp dem Schönen verwechselt. Korrespondenzen und Miilhcilungen aus der Zeit. Tie israelitische Schule Böhmens. Hvrazbivwiiz. Die bis jetzt noch zu Recht bestehende politische Schitlverfassung gebietet, daß „da, wo die Inden nicht eigene conceffionirte Schulen haben, ihre Kinder die im Orte befindliche katholische Pfarrschule zu besuchen verhalten siitd." Dieses Gesetz zn eitler Zeit gegeben, wo die meisten nuferer sogenannten Gelehrten ihren Namen nicht anders als in ebräischer Sprache und Schrift zu ttuterfertigen verstanden, übt noch heute! auf uns denselben Druck ans, wie unter dem vormärzliehen Nej flinte. Die Gemeinee dl. (und mit ihr 100 andere) hat ihren i Rabbiner nach neuester Facon, einen Lehrer aus einer unseren! betten Lehrerbildungsanstalten hervorgegangen, welche beide dazu! benimmt und, der Schuljugend den Unterricht $u errbeilen; das märe in Ordnung, wenn nicht ein ämtlicher Auftrag die jüdischen Kinder zum sieißigeil Besuche der dortigen Pfarrschule verhalten i nu'd'te. Wie da der Unterricht und überhaupt das geistige Wohl i bet Kinder beeinträchtigt wird, darüber der hoher: Regierung gehörigen Anftchlnß zu geben, wäre in der That schvtt längst an der Zeit gewesen. Um acht morgens wird die erste Wanderung der israelitischen Kinder in die katholische Schule angetreten, wo sie bis g.gen IO1-, Uhr verweilen, und sodann die zweite Wanderung in die sogetiannte Neligionseigentlich Winkelschule vvrgenommen, der für die Geplagten ersehnte Mittag ist endlich da und in stürmischer Hast wird der Eßtisch ereilt. Auf ähnliche Weise wird der Nachmittag vonhch'2 bis 7 Uhr AbendS erlebt. Dieses Faktum allein wäre hinreichend, darznthnn, wie tivthwendig ein neues Gesetz über den Unterricht der israelitischen Jugend sei. ES itt kaum glaublich, aber dennoch wahr, daß auf diese Art die israelitischeit Kinder täglich einem 0 biS lOstündigeu Unterrichte beiwvhneil mnnen, dabei aber nebst der geistigen Ab, spannung auch faktisch wci tgcr lernen, als wenn sie an Einer gehörig) für pe organisirten (Schule sechs Stunden des TagS