Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 3 (23.1.1865)
- Date
- 1865-01-23
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 27 ftmfmmeu obzuliegen, bei rabbinische gimltieiieit ihn nicht selten von ber Schule emsernt halten. WaS bie zweite Frage, den systematischen Religionsunterricht betrifft, so ist dieser Gegenstand zwar sehr oft imb bis zumUebcrdruß besprochen worden; aber eS ist von allenJenen, welche einen solchen Unterricht ans ber Schule verbannen, und den biblischen Quellenunterricht als alleinige R igionslehre annehmcn wollen, cim — wenn ich mich bieses LLusdruckeS bedienen darf — unpraktische Bigotterie. Soll etwa der Religionsunterricht in einer bloßen Ucbersetznng des Bibelcertes bestehen? Oker sollen wohl die Labei ertheilten sehr zerstreticen mündlichen Erläuterungen als Glaubensnnd Morallebre für die Jugend ansreichen? Hat man' denn mwt die Ueberz.ugnug, daß Schüler, welche nicht viele Jahre einen gründlichen Bibelnnterricht erhalten haben, imb bei ihrer Reise dann dieses Studium und das der einschlägigen Fächer nicht sorlsetzen, sondern im 10., 11. Jahre, wie das jetzt gewöhnlich der Fall ist, die Realschule oder das Gymnaffnm besuchen, nichts von all dem Gelernten behalten, als eine norhdürftige Uebersetzung, ohne daraus die nöthige Religions« tenntniß abstrahiren zu können, oder selbst nur den geschichtlichen Theil-in gewünschter Weise amzufaffen? Und eine blos nfierscstte Bibel kann ja am Ende im Sinne einer jeden Confession gedeutet werden. — Das haben Koryphäen wie der hochgeehrte Herr Profeffor Di". Wessely und viele seiner Borgänger und Zeitgenoffen wohlweislich eingesehen, und uns daher ihre vortrefflichen Leitfäden zum Religionsunterrichte geliefert. Soll der Schüler z. B. eine Frage über die Eigenschaften Gorces, über die Hanptpflichren des Menschen, über die Unsterblichkeit der Seele, über die Bestimmung des Menschen u. dgl. m. ans der Bibel selbst genügend beantworten? Oder soll man ihul solche Fragen gar nicht stellen dürfen? Zur bessern Erläuterung wollen wir noch ferner ein coucretes Beispiel aus der Schulpraxis anführen. Gesetzt, der Lehrer, der keinen systematischen Religionsunterricht nach irgend einem Buche ertheilt, kommt beim Unterrichte des Bibelterres zu dem Abschnitte i\ Er hat nun den Decalog als Gegenstand des Religionsunterrichtes ausführlich zu erkläre: und die daraus abzuleicenden religiösen' und moralischen Lehren, so weit sie für die Bolksschnlen erforderlich sind, zu erörtern, und wiederbolcer Malen abzukatechisiren, jeder Sachkundige wird zugestchen, daß dies eine Arbeit von mindestens 8 Wochen ist, wenn die Mehrzahl der Schüler das Nöthige aufgefaßt haben soll; eine nicht viel geringere Zeit würde der Abschnitt erfordern re. rc. Welcher Baker kann nun zufrieden sein, wenn sein Kind mit einer solchen Langsamkeit den Peirtatench lernt? Eine ganz naive Frage erlaube ich mir auch zu stellen,, was denn z. B. der rci” ""d andere gleiwarrigen alten Werke, deren unschätzbarer Werth von Niemandem in Abrede gestellt rvird, ailderes sind, als systematische Religionsbücher in groß« artigem Maßstabe imb für Theologen. Wir sehen also, daß man schon zil jenen Zeiten selbst für erwachsene Studirende Religionsbücher verfaßt hatte, imb es nicht darauf ankommen ließ, daß Jeder aus der bloßen Bibel selbstständig das religiöse und moralische Wiffen sich zusammenstelle, was nur Schwankungen zu Folge haben kann. Und für die zarte Jugend sollte nicht ein ihren Kräften angemeffenes Eompendium der Religion?- und Morallebre als Begleitung des Bibelrertunterrichtes oenützt werden? Ja selbst der geschichtliche Theil der Bibel bedarf einer solchen Unterstützung, und die Zöglinge können vom Memoriren nicht ganz verschont bleiben; sie sollen und müssen die ausgedehnteren Erzählungen der heil. Schrift in kurzen abgerundeten, der Bibelsprache möglichst treugebliebencn Absätzen dem Gedächtnisse eiuprägen, und das Gelernte jederzeit frei wiedergeben, so wie über die daraus folgernden Religionslehren Rechenschaft geben können, welche letztere Methode vorzüglich bei der weiblichen Jugend angewendet werden muß. Es unterliegt daher keinem Zweifel, daß jeder Einwurf gegen die Einführung des systematischen Unterrichtes in der Religion und biblischen Geschichte nur ans einem Mangel an praktischer Auffassung der Sache hervorgehr, und es wird unter anderem eine wichtige Aufgabe der Lehrerconferen; sein, die gehörige Wahl bezüglich der Religionsbücher für die verschiedenen Klaffen zu treffen. Vorstehendes, als etwas allseitig Erschöpfendes anszugeben, ist keineswegs meine Absicht, aber als eine der Grundlagen zu Besprechungen über die Regelung des llnterrichtswesens in unserem Vatcrlande wird es hoffentlich Anklang finden. Kultur-Killorisches bezüglich der Juden, zusammengetragen von I. Bloch. Es war nnS die Gelegenheit geboten in der hiesigen k. k. Universitätsbibliothek ein Werkelcn in die Hände zn bekommen, das den Titel führt; „Die Inden in Böhmen." DaS Ganze ist im judenfeindlicken Sinne gehalten, und weist dem Juden alle Untugenden zu, die man im vorigen Jahrhundert ihm zur Last zu legen nichr*müde geworden ist. — Erwähnenswerth finden wir nur einige Daren, die wir unseren Lesern hiemit mittheilen wollen. — — ' Anno 095 bekamen die Juden die Erlaubniß eine Schule (Synagoge) in der kleinen Residenzstadt Prag (Kleinseite) unter dem Kloster, unserer lieben Frauen genannt, zu errichten. 1059 wurden sie auS Prag und dem ganzen Lande vertrieben, worauf Herzog Spitihuev ihre Käufer seinen Hofbedienten schenkte. AuS dem eingezogenen Vermögen wurde 75.-108 Mark gelöst. Die Judenschuleu blieben stehen. — 1001 kamen viele Juden nach Prag um da Unterkunft zu finden. König Wratislaw gebot aber binnen 3 Tagen sie aus dem Lande zu entfernen und sollen selbe sich nach Kroatien und Slavonien begeben haben. — 1007 erhielten die Inden vermittels großer Geschenke und angeborener 200 Mark jährlicher Steuer in die kön. Kammer, daß sie ferner das Kontributions-Quancum doppelt bezahlen, die Bewilligung, 12 Häuser auf dem Oujezd kaufen zu dürfen. 1070 hatten sie sich schon auf 5150 vermehrt, welche aber bis auf 1000 vertrieben wurden. 1097 vertrieb mau die Inden aus Prag, ihre Häuser wurden geplündert und ihr Vermögen ward dem Könige nberbracht. — 1101 gaben die Juden wieder Aerzte ab. 1235 wurden sie zum vierten Male ansgejagt. •’ , i 1 7 7 ,( '4 i I 7/ y i 1 i i