Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 2 (12.1.1865)
- Date
- 1865-01-12
- Page
- Seite 22 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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bösen Prinzips einen übermächtigen Einfluß einreinmte, namentlich durch den Glaubenssatz der Erbsünde und ewigen Deodammniß, die keine Anstrengung des Manschen aufheben könne. Neben diesen Gott es Vorstellungen, welche alle, vom Fetischdienste bis zum evangelischen Ehristengotte, das geschlossene Bild eines in Eigenschaften und Tätigkeiten dem Menschen ähnlichen persönlichen Wesens enthalten, «damit aber auch die Welt in Schöpfer und Geschaffenes spalten; neben diesen GotteSvorstellungen entwickelte sich schon früh eine Mannigfaltigkeit von Gottesbegrifsen, welche auch das Gottwesen in die Allgemeinheit und Einheit des Weltalls auflösen: Zunächst in den Geheimlehren der egyptischen Priester und in der Buddhalehre, dann aber in den Systemen aller großen Denker, von den hellenischen Weltweisen Pythagoras, .^enophaueö und Parmenides bis zu den jüngsten deutschen Philosophen Schopenhauer, Feuerbach und Reifs. Beide Bahnen haben eine gemeinsame Quelle, daö menschliche Streben nach Erkenntniß.und einen gemeinsamen Endverlauf, nämlich die Ucberzeugung, daß der ewige unbegrenzte Gott wie das ewige unermeßliche Weltall dem in Zeit und Raum begrenzten Menschen unerfaßlich sind. — Nachdem der Verfasser dieses niederschlagende Faeit gezogen, glaubt er dem 2efer eine Art von Trost bieten zu müssen, und schließt in der überraschendsten Weise folgendermaßen: ,,Dic GotteSvorstellnngen in ihrer höchsten Entwickelung sind bis an die Grenze des GottesbegrifsS vorgeschritten, bis an den Punkt, wo sie nur gemeinsam dem gemeinschaftlichen Ziele sich nähern können; der nächste Schritt zur Fortbildung der Gottesvoistellungen bringt daö Ineinanderfließen zu Wege. Es hält schon jetzt schwer, die Grenzschranke zwischen beiden aufrecht zu erhalten; welche, genau genommen, nur noch in der veralteten Schöpstmgssage der Bibel liegt, seitdem die Vorstellung vom rührenden tobten Stoffe der fortschreitenden (. kenntniß gewichen ist. Zue klebrigen ist noch eine gemeinsame Schwierigkeit vorhanden, in der Einfügung des Bösen, welche aber den Gottesvorstellungen nicht so leicht gelingen kann, wie dem Gotlesbegrisse, jedoch fortfüllt im Augenblicke der Verschmelzung, in welchem der Mensch erkennt, das böse i und gut nicht Eigenschaften der Welt sind, sondern Unterscheidungsmerkmale feines Denkens, Bezeichnungen der Eindrücke, welche die verschiedenen Vorgänge auf ihn machen. Sobald die . morsche Schranke fällt, stießen die Gottesvorstellungen und Gottesbegriffe zusammen in der Erkenntniß des All, von Gott geschaffen und erhalten." Dcborah, ein Lehr- und Bildungsbuch für die israelitische Jugend von Michael Stein er t. Prag, 1863, im Sclbstvcrlagc dcS Herausgebers. Maricuplap 101. Sic vos non vobis melliiicatis apes. „Ihr, nicht euch i bereitet ihr Bienen den Honig/' muß man unwillkürlick in Bezug auf Natuen, Inhalt und Schicksal dieses Buches ansrufen, lieber Werth und Nutzen desselben haben sich bereits alle, für den Leserkreis desselben bestimmten Blätter des In- und Auslandes auf das günstigste ausgesprochen. Der Herausgeber, ebemals Inhaber einer Lehranstalt, hat mit löblichem Fleiße und seinem Takte die zerstreuten Erzeugnisse der jüdischen Muse aus neuerer Zeit gesammelt und sie so der Jugend leicht zugänglich gemacht. Darin hat er es einer Biene, die aus unzähligen Blumen der « Flur das Süße zusammenträgt und zu Honig bereitet gleich gethan. In andern Beziehungen aber war die Gleichheit mit ihr nicht herzustellen. Der Biene kostet ihr Sammeln nichts weiter wie die Befriedigung ihres Naturtriebes, dem Herausgeber hat seine Samlung aber auch — Geld gekostet. Ferner, wenw man der Biene ihren Honig läßt, so hat sie in der schlimmen Jahreszeit ihren ausreichenden Lebensunterhalt; wenn man aber — wie leider ge'chchen ist — dem Heranslj gebet die ganze Auflage seines Buches auf dem Lager läßt, so! muß er dabei verhungern. > Indem Schreiber dies die „Deborah" als ein sehr lehrj reiches und unterhaltendes Buch empfiehlt, möchte e; alle israelitischen Eltern veranlassen, ihren Kindern damit eine Freude zu machen und so gegen den Herausgeber, der wegen Kränklichkeit seine Lehranstalt hat ausgeben müssen, die Pflicht des Bierenvaters zu erfüllen, der seinen Bienen in böser Zeit Qbdack und Nahrung verabreicht. * Ast. Feuilleton. Israels Zug durch die Wüste, von Jos. Lo'wil. Wie der Adler seine Jungen auf den Flügeln sicher tragt, hock sick schwingend durck die Lüfte in das Felseilnest sie legt: So auch trug auf seinen Flügeln über tiefen Abgrunds Rand Gott, der Herr I sein Volk Israel bin in daS gelobte Land. Als die Feinde eS verfolgten' auf des Königs Machtgcbot, fanden schmachvoll in den Wellen sie den grausen Wassertod; — , doch das Volk, daS er erkoren, führte Gott mit trauer Hand durch getheilte MeereSwogcn bin in das vcrheiß'ue Land. In Refidims weiten Fluren, wo den Kampf Amalek bot, rettet Gott die Auserwählten aus Gefahr und großer Noch. MoseS hob die greisen Hände, — und die Kraft des Feindes schwand, und der Herr trug auf den Armen hin sein Volk iu's heil'ge Land. Als es dürstete nach Wasser, und den Stab der Fübrer schwang, sandte Gotr aus darre a Felsen ihm den kühlend frischen Trank, ' reichte ihm die Wüstemiahrnng . und das Manna stets es fand'; — so trug Gort auf Varersarmen hin sein Volk iu's heil'ge Land.'