Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 2 (12.1.1865)
- Date
- 1865-01-12
- Page
- Seite 21 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 21 einer Zeitung omS Rtcbinond schickte. Gin jüdischer Held — Eapitän Madison YNarcus. Dieser tapfere Offizier, welcher Donnerfiag, bot 13. dss. getobter uuirbe, batte den Oberbefehl bei der heldeiiinüthigen Vettbeidignilg des Fort Girmer, als dieses von einer großen Anzahl Neger und Weißen angegriffen wurde. Seine Vertbeieiglingsmacht bestand aus fünf Compagnien des 15. Georginifcben NegiinentS und einigen wenigen Zuzüglern ans anderen Eommandos. Er infiruirte seine Mannschaft, ihr Feuer aufzubewahren, bis der Feind fast ganz nahe bei ihnen wäre, so wie dies geschah, gab er Befehl uitb ein schrecklicheres Feuer ans Kanonen unö gezogenen Büchsen empfing nie einen Feind. Die Neger, welck'e sogleich in den Graben unter den Wallen sprangen, bemühten sich, einander auf ihre Schultern Heraufziehen; aber sobald daß Weiße des Auges eines Negers über dem Rande sichtbar wurde, wurden sie niedergeschoffen. Eapitän Marcus befahl seiner Mannschaft, die Bomben in dem Fort als Handgranaten zu benutzen. Sie erplodirten, ehe sie den Boden des Grabens erreicht hatten und viele der Neger wurden durch dieses Verfahren so verstümmelt, daß ihre Körper gar nicht n ehr zu erkennen waren. Unsere Vertheidigung war heldenmüthig und das Resultat, wie es nur erwünscht werden konnte. Eapitän Markus war ein junger Mann zwischen fünf^ undzwanzig und dreißig Jahren. Er war ein Israelit, und obgleich ein großer Theil seiner Glaubensgenossen, welche in der Armee dienten, den Urlaub erhielten, um den Versöhnungstag, an welchent keine Arbeit verrichtet werden darf, und das. gleich darauffolgende Laubhüttenfest zu feiern, verlangte er keinen Urlaub, da er glaubte, in, der Ausübung seiner VaterlandSpsticht seinen Gott in angemessener Weise zu verehren. Die Begräbniß- Eeremonien wurden in der deutschen jüdischen Synagoge von Reo. Herrn Nüchelbacher verrichtet. ■; . .;j (Eine Ra b b i n e r steII e.) , Eine bedeutende Gemeinde Nordamerikas sackt einen Rabbiner, der nebst den nothigen theologischen und philosophischen Kenntnissen die erforderliche Rednerqualifikation besitzt. -— Ter Redakteur dieses Blattes ist angegangen worden, eine geeignece Persönlichkeit zu empfehlen, niußte jedoch gestehen, aus Mangel an Bekantschait diesem Ansuchen vorläufig nicht entsprechen zu können. Wir fordern daher diejenigen, die auf eine solche Anstellung reflektiren möchten,! auf, sich um näbere Auskunft an uns wenden zu wollen. Khromii für Wissenschaft, Literatur und Kunst. „Isis" Ter Mensch und die Welt, r Ties ist der Titel eines Werkes von E. Radbausen, dessen vierter und letzter Baud letzthin in Hamburg bei Otto Meißner erss ienen ist. Von der periodischen Presse mit vieler Achtung ausgenommen, wollen auch wir besonders bezüglich des zweiten Kapitels diese Erscheinung einer kleinen Besprechung unterziehen, nicht etwa in dem Sinne als wenn wir dessen Behauptungen mit unterschreiben wollten, sondern indem wir zeigen wollen, welchen Ansichten die Gelehrten sich hingeben, um der T-adition einen Hintergrund z verschaffen, die heilige Schrift aber zu negiren. :— Das zweite Kapitel: Gott in der Geschichte erinnert an das gleichnamige Werk von Bunsen, aber unser Verfasser gelangt zu dem gerade entgegengesetzten Resultate. — Roch immer hat der Mensch mit Thieren und Pflanzen um die Erdherrschaft zu kämpfen. In Brasilien überwuchern ihn und seine Werke undurchdringliche Urwälder, in anderen Ländern Sümpfe und Grasmeere. In Oberindien, Malakka und Mittel-Afrika werden alljährlich Hunderte von Weibern und ^Kindern eine Beute blutdürstiger Raubthiere und ganze Stämme zur Auswanderung genöthigt. Die Sagen der Hellenen und anderer Völker des Allerthums erzählen von Thierungeheuern, lue das Land verwüsteten, und feiern die muthigen Jäger als Halbgötter. Mit Grauen malen die Psalmen und Prophetenschriften der Israeliten Leviathan und Behemoth (Krokodil und Nilpferd). Erst die Furcht trieb den Menschen zur Anerkennung und Verehrung von Ueb er Mächten, und zwar von ihm feindlich gesinnten Uebermüchten, denn die rückständigste und verbreitetste Form der Anbetung war der Thierdienst. So roh diese Ehrfn.cht auch erscheinen mag, bezeichnet sie dennoch einen großen Fortschritt: in der Gegenwart leben Völker, die von' keiner Uebermacht iiss'Thierzestalt umgeben, noch nicht die geringste Vorstellung religiöser Art entwickelt haben. Mit der zunehmenden Wehrfähigkeit des Menschen mußte der Thierdienst verfallen, und an seine Stelle trat die Verehrung der elementarischen Gewalten, insofern sie verheerend auftraten, z. B. des Meeres und der über ihre Ufer tretenden Ströme, des Waldbrands und Wüstenstnrms, des Regen- und Gewitterhimmels. Diesem Verehrungswesen zur Seite, oft sogar als Grundlage oder untergeordnete Form ihrer Anbetung, s eht der F -tischdien st, welchem nicht nur die Negervölker West-Afrikas, sondern auch Mohammedaner und Christen anhangen, letztere als ' Wallfahrer und Reliquien-Anbeter. Auf höherer/Stufe werden? jene elementaren Gewalten personifizirt; so verehrte man mf j dem Hochlande Asiens den Wolken Herrn, an den Küsten j den Meerherrfche r, in den Sandebenen den W ü st e n h e r r u, in Steppen und Wäldern den Fenerherrn, bei. Egyptern, Babylonern und Assyriern den S o n n e n h e r r n; bis der Mensch sich endlich beim Anblick des Alles überragenden Himmelsraumes zur Anbetung des Himmelsherrn erhob/—Der Ver-; -faffev tritt hier der fast allgemein verbreiteten Ansicht entgegen,! daß die Israeliten Monotheisten gewesen. Vom Auszuge aus Egypten bis zur Abführung in die Gefangenschaft habe das auserwählte Volk feine Verehrungsweisen von anderen Stämmen und Völkern.entnommen und eben so viel Unselbstständigkeit wie verzweiflungsvolle Gier nach rettenden Uebermächren offenbart, was sich allerdings aus seiner gefahrvollen Lage, 'nämlich in D'treff der Ansiedelung auf der Völkerbrücke Palästina, erklären läßt. Die Israeliten verehrten nach und neben einander Jave und Asasel, Moloch und Bal, den Herrn Nissi l und den egyptischen Tiube, bis sie sich unter Salomo dem! prangenden Adonai zuwandten, ' welchen sie jedoch unter dem! König Josia und Oberpriester Hilkia wieder mit Jave, Moloch und Bal vertauschten. Erst nach der Rückkehr aus dem Exil kam der heitere segenspendende Adonai wieder zur Herrschaft, und ihm hangen auch die heutigen über alle Lande zerstreuten Juden an. — Aus dem ChaoS der Götterehen, Götterkämpfe! und Götterwanderungen erhob sich allmülig der E i n g o t t g l a u b e, I welcher in der Gottesvorstellung Jesu gipfelt. Durch Beschluß! der Kirchenversammlung zu Ricäa (325 nach Christi) wurde JesuS zur zweiten Person der Gottheit erhoben, und somit der zw e i e i n i g e C h r i st e n g o t t geschaffen, welcher sich 5(3 Jahre später durch Hinzntreten deS Heiligen Geistes als dritte Person in die Dreieinigkeit verwandelte, (381 auf der Kirchenversammlung zu Konstantinopel). Eine weitere Rückbildung erfuhr die Gottesvorstelliing durch den Heiligen- und Madonneni kn l.tuS, woran sich die Bilder- und Reliq nienverels-! rung schloß. Die aller Orten vorhandenen Stücke von Jesu I Kreuz bestehen nicht nur ans den verschiedensten Holzarten,! sondern würden auch zusammengesetzt ein Kreuz von mehr als! 70 Fuß Höhe ergeben. Indem die Reformatoren auf den Jn- | halt der Bibel znrückgingen, entstand die evangelische Gottesworstellnng, welche jedoch nicht nur das Dogma der Trini- 1 tät beibehielt, sondern auch dem Teufel als Repräsentanten des 4