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Das Abendland · 1865-01-12 · 2 (12.1.1865) · p. Seite 20

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
2 (12.1.1865)
Date
1865-01-12
Page
Seite 20 (sequence 8)
Language
German
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20 an welcher der Prediger Herr vr. Jellinek eine auf die kindlichen Gemüthcr cinwirkcnde Ansprache hielt, woranf die Bethcilung stattfand. ES erhielten die 220 Knaben 97 Wintcrröcke, 112 Paa. Beinkleider, 220 Paar Stiefel, 82 Hemden, 77 Unterbeinklcidcr, 08 Westcil, 92 Paar Strümpfe, 02 Paar Handschnhe, 110 HalsshawlS, 92 Halstücher, 12 Kappen, 111 Paar Stutzers, 2-1 Kamafchen, 20 Hüte und viele einzelne Kleidungsstückes Die 200 Mädchen erhielten 190 Kleider, 11 Jacken, 3 Stoffe zu Kleidern, 7 Mäntel, 85 Barchentröcke, 110 Schürzen, 200 Paar Stiefeln und 800 andere Kleidungsstücke, als: Hauben, Umhängtücher, Hemden, Strümpfe, Sacktücher, Muffe, Hüte, Handschuhe re. — Zahlreiche Gäste, welche dem Woblthätigkeilsakte beiwohnten, kauften von den ausgestellten weiblichen Handarbeiten mit reicher Ueberzahlung. (W. Ll.) N. Wien. 2. Jänner. Wie ich weben vernehme, soll eine bevorstehende Interpellation Mühlfclds im Abgeordnctenhansc von seiner Exzellenz, dem Staatsministcr Herrn Ritter von Schmerling, dahin beantwortet werden, daß die Encyklika des Papstes auf die Verhandlungen bezüglich der Revision des Konkordates keinen störenden Einfluß nehmen wird. Von so hoher Wichtigkeit die Mittheilung für alle jene sein mag, die von den oberwähnten Verhandlungen eine Änderung des Eoncordats hoffen, aus uns vermag sie keine zündende Wirkung zu üben. — Seit zwei Jahren spricht man immer und immer wieder von einer Revision des Konkordates; thatsächlich ist auch nicht ein Paragraph geändert und fast scheint es, als wollte cs so bleiben, für und für, mit und ohne Encyklika. sEin Mord und Se lbstmord in Warschaus Ueber diesen tragischen Vorfall, erhält die Breslauer Zeitung folgende nähere Angaben: Ein junger Ruffe von vornehmer Familie, dem Eadetencorps angehörend, Namens Wladimir Sabanin! machte die Bekanntschaft einer jungen Jüdin von außerordentlicher I Swönhcit, der 17jährigcn Tochter eines gewissen Landstein, und i machte ihr die Cour in einer jWeise, die den Eltern des Mädchens, übrigens Personen von laxen Grundsätzen, nicht zusagte. Tcr Vater wußte nicht, wie es anzufangen, um den in sein Haus ofr kommenden Gast loszuwerden; er klagte deshalb bei Trepow und nahm dessen Hilfe in Anspruch. Trepow ließ auch den jungen Militär deshalb zur Rede stellen, welcher aber allen' weiteren Störungen dadurch sich enrzog, daß er erklärte, das Mädchen heiraten zu wollen. Hiemil waren die Eltern einverstanden und gestatteten seitdem dem Junker den vertrautesten Umgang mit ihrer blutjungen Tochter. 2' an sah seitdem das Paar im Theater und auf Spaziergängen immer zusammen und oft ohne alle Begleitung. Am 29. v. M. Mittags holte Sabanin seine Braut ab, um mit ihr eine Spazierfabrc nach Wilanow zu machen. Sie fuhren in einem geschlossenen Wagen. In Wilanow befahl Sabanin dem Kurscher, vor die Wohnung seines Vorgesetzten, des Commandircnden des Garderegflnents, irr dem er diente, zu fahren. Als der Wagen dort anhielt, und. als nach einiger Zeit niemand ansstieg, wurde die Thür geöffnet und die beiden jugendlichen' Insassen desselben wurden leblos gefunden. Von zwei Revolvern, die Sabanin bei sich hatte, waren zwei Läufe des einen abgefeuert; durch die Schläfe deS Mädchens, sowie durch die Stirne des Junkers waren die Kugeln gedrungen, die ihnen die Gehirnkasten zerschmetterten. In der Tasche des Junkers wurde ein Brief gefunden, in welchem er das Vorhaben und dessen Motiv milthcilt; der genaue Inhalt der Briefes wird jedoch dem Publicum verschwiegen. Die Ellern des Mädchens sind auf Befehl der Militär-Behörde gleich nach Bekanntwerden der Thar in Verwahrsam genommen worden, wo sie über Nacht blieben. Ebenso ist der Kutscher verhaftet worden und noch in Hast. Derselbe will zwar mitten im Fahren zwei aufeinanderfolgende Knalle gehört haben, von denen cS ihm aber, wie er sagt, nicht einfallcn konnte, daß es Schüsse gewesen seien. Der große Pelzkragen, der seine Ohren cinhüllte, har natürlich zur Dämpfung des Tones beigctragen. * sMirabeau und die Juden.j In dem sogenannten „Beth- Hamidrasch," (ein vor kurzer Zeit durch die Munisizkirz der jüdischen Kultusgemeinde gegründetes wissenschaftliches Institut) bielt am 31. v. M. Dr. Mübsam einen Vortrag über das von 'Mirabean im Jahre 1787 herauSgcgebene Werk: „lieber MoscS Mendelssohn und die politische Rewru: der Juden", Ter Vortragende beginnt mit einer Schilderung der geistigen Bewegung des vorigen Jahrhunderts und verliest sodann die bedeutendsten Stellen deS Buches. Im ersten Theile desselben wird von Mirabean auf die Bedeutung 'Mendelssohns als Mensch, Schriftsteller und Philosoph hingewiesen und zur Uebersctzung seiner Schriften in's Französische aufgefordcrt. Im zweiten Theile widerlegt der Verfasser in schlagendster Weise die gegen die Juden, namentlich in einem Werke Eisenmenger's erhobenen ungerechten Beschuldigungen, so wie die gegen ihre Gleichberechtigung gerichteten Argumente, beiprichr zum Schlüsse die 1753 in England bezüglich der Juden erlassene Ncuuralisationsbill uitb weist die nachrheiligen Folgen der Zurücknahme derselben für England nach. Sodann auf den Verfasser selbst übergehend, charakrerisirt ihn der Vortragende in beredten Worten als gewaltigen Vorkämpfer für die Rechte der Menschheit im Allgemeinen und insbesondere für die Rechte der Inden und schließt mit der Bemerkung, daß die Inden die Wicdererlani gung ihrer bürgerlichen und politischen Rechte, wenn auch nicht | ganz, so doch zum großen Theile Mirabean zu verdanken halten.! (Herr Dr. Mühsam ist ein junger jüdischer Gelehrter, der durch mehrere anerkennenswerthe Arbeiten auf historischem und homiletischem Gebiete in wissenschaftlichen Kreisen bereits vorrheilhast bekannt ist.) Turin, 20. Dec. Man hat hier Nachrichten ans Rom erhalten, denen zufolge die Verfolgungen gegen die dortigen Juden in aller Srille fortgesetzt werben und die desfalls erhoben werdenden Beschwerden gar nicht in die Oeffentlichkeit. dringen. Wieder ist am 12. d. M. ein Jndenkind von 8 Jahren, ohne daß dessen arme Eltern nur darum gefragt worden seien, von einem mir den Geistlichen eng verbündeten Handwerker als sein Adoptivkind ins Hans genommen und getauft worden. Der betreffende Akt wurde ganz stillschweigend aufgesetzt, und den verzweifelnden Eltern wurde mit Ausweisung gedroht, wenn sie die Sache in die Oeffentlichkeit bringen würden. Zweien Inden, welche außerhalb des Ghetto in der Bia de Pastini auf fremden Namen Handel trieben, wurden am 18. d. das Gc ölle von der Polizei gänzlich ausgeleert, ohne daß man ihnen darüber weirere Rede gestanden. Die Juden haben in Nom Niemanden, der sich ihrer Sache annahme; Graf Sartiges, der französische Gesandte, hört keine Klage derselben an; der dortige jüdische Gemeindcvorstand wird von der Regierung nur geduldet,- hat aber kein Recht, Beschwerden zu führen und kein hoher Beamter empfängt einen jüdischen Gemeindeverrreter in Angelegenheiten seiner Gemeinde. So handelt die päpstliche Regierung im Jahre 1801! (Neue Ff. Zeitg.) Nichmond, im November. (Jew. Chr. Jüdische Nachrichten aus den consöderirten Staaten sind so selten, daß wir dem Herrn sehr dankbar sind, der un) folgenden Auszug ans

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