Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 2 (12.1.1865)
- Date
- 1865-01-12
- Page
- Seite 19 (sequence 7)
- Language
- German
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— 19 — Wamügfalligcs. Tcn Herren Lehrern Böhmens geben wir Ijtcmtt Iiclnnnt, tmf; öaö (yomitejur Bcrathnng der Statuten des, zur Nnter siiisinng hilfloser Lehrer und deren Witwen uu>i Waisen ju stiftenden Vereines bereits mit seiner Arbeit zn Ende gediehen ist. — Nachdem die, - von hervorragenden Mitgliedern der Prager Enltnsgemeinde laut bereits ftattgcfnndener Vereinbarung, einrnhalendc Vcgntachtnng erfolgt sein wird, werden besagte Statuten in diesem Blatte verössc tlicht, und die weiter nt treffende Maßregeln angcdcntet werden. I r Aufträge des „Comitr" " Ur. 3. llofcitancr, als Obmann. * Wir können nicht umhin in unserem Blatte, das sich die Aufgabe gestellt, die Interessen der Juden Böhmens zu vertreten, eines Gerüchtes Erwähnung zu thun, das nicht blos uns, sondern gewiß auch die meisten Mitglieder der hiesigen "Eulrnsgemeind höchst unangenehm berührt hat, deS Gerüchtes mämlich, daß unser Präses Hr. Ernst Weh l i von seinem mit 'so vieler Würde und Takt verwalteten Ehrenposten zurückzurreten beabsichtige. — Zu unserer gr.ßeih Genugthnung finden wir jedoch bereits im „Tagesboren"> das Gerücht dementirt. Conzcrl des Arion am 6. Jänner 1865. Die immer mehr für die 'Leistungen dieses Gesangverein.s üch steigernde Theilnahme, zeigte sich an diesem Abende in eklatantester Weise. Die zum Zwecke der Produktion bestimmten Räumliä'stttcn der Brisker'schen Restauration erwiesen sich, kaum als noch die Halit der Gäste erschienen war, schon als unzulänglich; der Inhaber der Lokalitäten mußte daher bestürmt werden, noch einen Nebensaal zu östnen, und fügte sich, voll Mitleid mit der gequälten, hörlustigeu Menschheit, die bei dem nicht enden wollenden Zuströmen der Gäste in der That in eine bejammernSwerrhe Situation gerierh, allerdings mir einigem Widerstreben. — „Wo alles liebt, kann Carlos allein nicht hasten." Der allgetrtPttl PvrtrlllTlt/t.StrMT.? <»ltS St« vll XU IxL C. *•/ genußreiche Abend blos geistige und nicht zugleich auch körperliche Eindrücke —in Form gelinder Quetschungen —hinterlassen, so gebührt der Dank hiefllr Herrn Briöker. — Die Erwartungen des Publikums mußten offenbar sehr groß gewesen sein; denn so mir Nichts, dir nichts, setzt man sich nicht einem erbitterten Ellbogenkampf aus, um einen im vollen Sinne des Wortes gesperrten, ja "durch Menschenleiber förmlich blokirren Sitz zu erlangen. — £y wie bedauerten wir die armen, zarten Dämchen, die diesmal vielleicht mit einer gewissen Schadenfreude auf die Sitze gedrängt wurden, wäbrend ihre Galans sich die fiÄe Beweglichkeit in einer erträglichern Atmosphäre sicherten. Doch wir trösteten uns und sie mit dem bekannten Worten eines Wiener Komikers: ES geht mchrs übern Kunstgenuß, ' ' " ' Und wenn mir MUb' auch und Verdruß 7' Man sich ihn erst .-ämpfen muß, Ist doppelt süß der innstgenuß — Es gehl nichts über n Kunstgenuß. , _ Aber nicht bloß doppelt, sondern zehnfach süß mußte diesmal der Kcknitgenuß sein — nachdem die Mühe einen Platz zu erringen so groß, die Anstrengung ihn;n behaupten und auf ihm auszuharren noch größer, die Vorzüglichkeit der Leistnngcil aber am größten war. —Unter den trefflich und nül musterha' m Einklang eretutivten Choren haben wir vorzugsweise „die Turnersahrr' Gedicht von Hansgirg und Musik von Mori; Nemiklnf (Prcischor) hervo heben. DaS Talent für Composition dieses jungen Chordirigenten des -ercins maiiifestirr sich in immer mehr erfreulicher Weife und berechtigt zu ehr bedeutenden Erwartungen. Der Beifall, der diesem Chore, und einem gleichfalls von Newikluf eomponirlen und von Herrn Operniänger Bernard mir .seltener Bravour vorqelraqenen ..Weberliedc^ deisen, <snln nnd^Iemiith in gleicher Weile fesselnde Composition, gleichfalls dem jungen Küniiler angebört. Theodor Wahle ist trotz seiner Jugend einer der beliebrcilen Erscheinungen im Conzercsaale. Sein trefflicher Anschlaq, seilt feuriges, scelcnvolleS Lviel und seine blendende Technik, sichern ihin überall den Beifall mi, die Anerkennung der Hörer um so gewisser, als er bei edler und seiner Bildu! q jene Harmonie des /Vortrages besiizt, auf welcher ern wahrhaft künstleri'hcS-Spiel berühr. Wahle steht auf" der Höhe der ^.eujntf, seine Jenujfcu, 'Jtoiitljcii und ^radfioit spricht den schivierigslen Ltelleu Hohn, aber er toqueitirr nicht mit dieser Fertigkeit, er spielt so, als schlüge er diese Virtuosiiäc selbst nicht hoch au — als verstünde' sie sicki' von selbst und als wollre er nur eines erreichen — die Wirkung eines echten KnnstgcbilvcS. Herr Wahle entfaltete auch hier seine herrlichen Vorzüge in glänzender Weise und verdiente den überschwänglichen Beifall, mir dein das Publikum ihn überschüttete. Sein (lalop di liravura, den er vorcrng. ist wie oben bereits angedentct, eine treffliche, an zündenden Momenten reiche Compostrion, die aber nirgends jene Effekthascherei zur Schau trägt, weiche uns die Werke vieler sonst begabter Coinponisten verleidet. In ech: künstlerischer würdiger Haltung ist sie reich an genialen Gedanken, an mnsterhafrester Ausführung, aber auch reich an Momenten, welche die technische Fertigkeit des Vircnosen auf die Probe stellen. Nur ein Pianist von der giäuzenden Begabung und Schule Wahles, lvird sie zur gehörigen Wirkung bringen. Daß Fräulein Porth, bei der man wirklich in Verlegenheit geräth, ob inan mehr ihre persönliche Liebenswürdigkeit oder ihre schauspielerische Begabung preisen soll, auch diesmal durch Vortrag zweier Deklamationen die Gäste entzückte und zu stürmischen Applaus hinriß. verdient um so mebr unfern Dank, als besonders das erste der beiden Gedichte: „Vergeltung," von Ocro Ludwig viele ausccgeude und spannende Momente bietet, voll dramatischen Lebens ist und daher ein vollendetes künstlerisches Geschick fordert. Herr Cantor Pereles bewahrte seine anerkannte Meisterschaft durch Borirag zweier! Lieder von R. Genre. Zündende Wirkung übte der Preischor Carl Binder's: , „Ich bin ein alter Knabe." Frische und Originalität, zarte Ausführung des i charakteristischen Grundgedanken zeichnen diese Composition in seltener Wette [ aus. Die Vorstellung schloß in heiterster Weise mit einem Duerr: „Musikalische | Fragen und Antworten" von R. Genre, vorgetragen von den Herren Bernard! und Eikers, welche den köstlichen Humor der Pie>;e so trefflich zum Ausdruck zu bringen verstanden, daß die fröhliche Stimmung der Anwesenden sich in lebhaftestem Beifall kund gab. Die allgemeine, durch die Produktion wenn nicht geradezu geweckte — denn wir bemerkten fast lauter junge, kebens»! muntere Leutchen unter den Gästen, — doch jedenfalls gesteigerte angenehme Aufregung, mußte nothwendig erst nach der Vorstellungen sich zu vertoben suchen. Die Gesellschaft blieb daher noch lange in gemächlichster Stimmung bei einander, gewiß nicht zum Schaden des Herrn Brisker, der somit den Lohn seiner guien Thar —schon in diesem Leben gcärntet, und durch Vortresslichkeit der dargebotenen Speisen und Getränke übervies noch ganz besoudern Anspruch auf den allgemeinen Dank erworben. - * Die von unserem verehrten -Herrn Vorsteher in's Leben gerufene Talmud-Thora-Schnle ist im erfreulichem Wachsen und Gedeihen. Sie wurde in jüngster Zeit durch eine neue Klasse, welche eine längst gefühlte Lücke ausfüllr, und gleichsam die Brücke bildet zwischen dem hebräischen Elementar-Unterrichr und den höberen, von Herrn Teweles für Rabbinats-Candidaten abgehaltenen Vorträgen, erweitert. Den Unterricht in diesen Mittelklasse leitet der wackere Prediger an der Meiselsynagoge, der durch Gelchisainkeit wie Rednertalent ausgezeichnete Dr. Stein mit Elfer und wahrer Hingebung. — Der bei der Eröffnung der Borträge gegeilwärtige Vorstand koirnre nicht umhin seine volle Anerkennilttg dem pädagogischen Geschicke des würdigen Lehrers anszusprechen. . . ..... , ' Dem Vernehmen nach hat der bisherige Oberkantor an der Meiselsynagoge, Herr Samuel Weltsch, einen Ruf nach New-chork erhalten. Seit zwei Jahren erst ans den Kreisen, der Geschäftswelt in jene der Künstler übergetreten, hat Herr Weltsch durch die kurze Zeit seiner Wirksamkeit sich bereits einen ehrenvollen Namen erworben, und bleibt sein Abgang von Prag immerhin bedanernswerlh. Wien, I. Jauner. (E h a n u ka fe st.) Der hier unter dem Namen „Theresienkrcuzer-Verein" schon viele Jahre bestebeilde israelitische UnterstütznngSverein, welcher sich zur Aufgabe macht, der feinem Schutze empfohlenen Jugend unentgeltlichen Schulunterricht angedeihen zu lassen und dieselbe zu bekleiden, feierte vorgestern, wie alljährlich im Sperlsaale das „Channkafest" tu Verbindung mir einer Verheilung. Der Sperlsaal glich einem Bazar eil miniature; ringsherum waren Tistbe mit Spenden überladen miö auf beiden Seiten des Saaleinganges standen etwa fünftbaibhtuiderl Körbchen mir Obst uitb Backwerk ff* - die Kleinen bereit. In der Mirte des Saales lagen auf einer geschmackvollen langen Tafel seine weibliche Handarbeiten der Schülerinnen. Im linken Nebeusaale halten sich an der einen Seite 220 Knaben und auf der andern 200 Mädchen eingefunden