Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 2 (12.1.1865)
- Date
- 1865-01-12
- Page
- Seite 18 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— .13 — daß er unseren Unterricht noch ferner ausschließlich überwache?— [ -Ist es nicht schon ein Gebot der Ehre, des berechtigten Selbst- > gefühlcs, daß wir uns von dem Einflüße desjenigen emancipiren,; dem als letztes Ziel die Auslösung des JudcnthumcS nothwendig vorschwebt? — Gott sei Lob dafür, daß wir endlich so reden dürfen! — Wenn Sie daher gar da« Princip der Gleichberechtigung zur Vcrtheidigung Ihrer, wir. können nicht anders sagen als verkehrten und verschrobenen Ansicht zu Hilfe rufen, so ist das der höchste Grad von Naivität! — Während dem jüd. Lehrer ganz und gar eine höhere Laufbahn verschlossen, seine Wirksamkeit gegenüber der christlichen Ingend gerad u versehmt ist — während zu gleicher Zeit der christliche Lehre', ungehemmt durch eonsessionelle Rücksichten seinem Berufe obliegt — sollen wir selbst die eigenen Fessel schmieden — gewissermaßen die Hand küssen, die uns niederhält? — Das wäre der nnwürdigerr Bescheidenheit zu viel. Ja, wie soll es aber anders.und besser werden? höre, ich Sie fragen. — Darüber in einem nächsten Briese. - . EorrclpondenM und Wiüheiümgcn ans der Zeii. Jüdische Grabsteine und Eisenbahn. Es ist wohl eine allgemeiir anerkannte Tbarsache, daß in allen Ländern und Städten, wo das Iudenthum sich frei entwickeln konnte, der Handel und die Industrie sich mehrterr und in Folge reffen die Verkehrsmittel, die öffeuilichen Straßen verbessert wurden — daß aber auch stumme Zeugen vergangener jüdischer Ge" schlechter als materieller Baustoff zur Eisenbahn verwendet wurden, mag außer in unserem Königreiche nirgends vorgekommen sein. ■ In Eger hat ein Sreinmctzer diesen Sommer eine nicht nnbedemendc Menge jüdischer Grabsteine zum Baue des dortigen Bahnhofes bebauen lassen, wodurch manche archäologische Merk- Würdigkeit für die Geschichte der Inden in Böhmen : ciloren ging. Schreiber dieses kam auf seiner Ferienereise auch nach Eger und len:re da den Archivar Herrn Prökl kennen, der mir dieses mittbeilie und daS HanS des Skeinmetzers bezeichnete. Im Hofe tcw'clbcn fand ich unter dem Schutte noch einen Grabstein, von welchem ich nach dessen Reinigung folgende Iicschrisr abnahm: W1 .pSW r.yp r:u? tnini» tr-'; crsntsits-* tks 12 nta x s* rrrirrn Dieser Grabstein ist also 1-10 Jahre alt. Eger war im 1!. Jahrhunderte eine der größten Gemeinden Böhmens, so daß der vierte Thcil der Bewohner Israeliten waren und sehr rutl' zur Vergrößerung der Stadt beitrugen. Ihre großen Reichthümer ei regten längst die Habgier des Pöbels, so daß durch die sanaiische Predigt eines jndenseindlichcn Priesters ansgestachelt, am Gründonnerstage 1350 ein wmhender Hanfe über die wehrlosen Inden herfiel und alle ermordeten, welche sich durch schleunige Flucht nicht retten konnte». Doch bevor noch zwei Dezennien verflossen waren, hauen sich wieder viele unserer Glaubensbrüder daselbst ansässig gemacht, sie zahlten 100 Schock Schntzgeld und König 'Wenzel nahiic sie!!!!>! unter seinen besonder» Schutz. Kaiser Sigismund aber erlheilte 1130 den Befehl, iannntliche Inder, ans Eger anSzmveisen und die Svnagoge in eine christliche Kirche zu verwandeln, diese Svrmgoge, welche find nialren Zeiten flau,,me, bildete ein längliches Viereck voll 17' Länge und Breite unb balle eine kunstvoll üeruartig geformte altgorlsssche Wölbung, die aus einer in der'Mine stehenden Granusäiile rühre; dieses Gebäude, von welcheitc erst im Jahre 1317 wegeit Bansälligleik der Kiicbendaeln'iul'I abgetragen weiden mußte, stürzte aus Verwahrlosung 1 S-t*l ganz ein. ^ügenivärtig wohnen gegerc ckst israelitische Familien in Eger, roelcku' in, Hause des Herrn Zuckenuaii» ein Belzimmer 'ein,-- Llcrichiel haben. sl;i ntvli nu Iäniur lN(i7 M. Pick. Kacsfalu Anfangs Jauner. Tie Inspekrvrenfrage, die eben wieder in Ihrem geschätzten Blarre auftauchre, veranlaßt mich Ihnen folgendes Faktum mitzuiheilen: Der um die Gründung der isr. . Eulrns-Gemeinde ju Sreinamanger hochverdiente Rabbiner Leopold Königsberg fel. And., der keine Parteien im Iudenthum kannte, indem er uns stets zuries: C'prx 'nin *Vx' 'kn*' war bestrebe den Religionsunterricht an den öffentlichen Lehranstalrcn;u heben, von der Ueberzeugung ausgehend, daß je mehr eine Generarion vorwärts schreitet, desto nötbiger derselben eine reine Erkcnnrniß Gorrrs sei. ' Ter Zufall führte diesem Seelenbirren ein zarieS Knäblein zu, das sich äußerst empfärrglich für den Unrerrichr irr der heil. Schrift bewies, und im achten Jahre bereir-s die 24 heiligerr Bücher in der Urschrift verstand, ivofür es von vielen Rabbinern schriftliche Auszeichnnngen erhielt; unter Andern auch von Sr> Hochwürden dem Herrn Oberrabbiner Rappoport, der sich in lobendster Weife über den Schützling des sei. Königsberg aussprach. Damir war aber nufer Rabbiner nicht znnieden, er ging mit diesen Knaben in die Residenz, und da damals nach Abschluß des Konkordats die Oberaursichr über das ganze Unterrichtswesen in die Hände der Geistlichkeit überging, so trat dieser treue Hirt unerschrocken vor den Schöpfer dieses berühmten Vertrages; er sprach offen über die Vorrheile des Srndiums der semitischen Sprachen, und daß die Israeliten angehalren werden sollten, den Bibelunterricht nicht zu vernachläjngcn. Er debatnrre eine volle Stunde mit dem Kardinal, stellre seinen Schützling vor, worüber dieser Kirchensürst zwar sehr erfreut sich zeigte; dennoch blieb das Resultat, das unser selige Königsberg zu hören bekam: Meine Ausgabe ist cs, gute Ehristen u n b keine I u e n h e r a n z u b i l d e n, n n b diesesSystem werde i ch auch nie ändern. Relata refero. Hier lieber Leser ein Beleg für die gegenwärtige Gesinnung der Gei:- lickkeit gegen das Iudenthum, und noch immer sollten wir nur ihr liebäugeln? Wir können nicht umbin, es hier auszusprechen, daß die Schulen als solche eigentlich konfessionelle Anstalten sind, die AufnchcJiber dieselben kommt also Israeliten zu, und in erster Reihe den Gemeinden. Daß Uebergriffe flefebev-eit, ist eben so wahr wie bcdanernswerth, und wir selbst gesteben es offen, daß die „Iala-Latim-Wirthschasc" uns manche schlaflose -Nackt und sorgenvolle Tage bereitet bat, aber bo 3i>i Ni:"*’ *'"« “ri’pr'? 9tarir unserer Ansicht wäre doch ru'emand betehigrer die Inspektorsielle zu bekleiden, als eben ein gewesener Lehrer selbst, ivarnm aber niemand muh an diesen dachte, davor, liegt der Gtiind in dem persönlichen Ehrgeize Einzelner/ denen der Lehrer ewig nur der Gemeinde-Diener ist. So lange daher bei rnlS der Usus besteherr wird, das; wir nicht offen ainrrelen dürfen, weil wir Inden sind, und daher bevormundet werdeii müssen, ist auch die Schule nicht frei, >vird diese aber einmal frei, so glauben wir, hat auch die Knechtschaft der gebildererl in. Lehrer ihr Ende erreiiht! Pollak, Religioiislehrer in Kaeösaln.