Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 1 (5.1.1865)
- Date
- 1865-01-05
- Page
- Seite 10 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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10 — dasselbe in keiner Hinsicht überladen, ihm die leichteste Ucbersicht gewährt. — Daß die Grundlage schwarz und die Linien weiß gehalten sind, ist ferner ein glücklicher Kunstgriff, wodurch sicherlich endlich das erzielt werden muß, worauf es beim geografischen Unterrichte doch eigentlich nur ankommt, nämlich, daß die reellen Verhältnisse an die Stelle der imaginären treten, und endlich die Physiognomie eines Lande? und Bezirkes der Vorstellung so leicht und geläufig wird, wie die eines alten Bekannten, dessen charakteristische Züge wir jeden Augenblick unö zu reproduciren vermögen. -- Wahrlich, wir beneiden die heutige Jugend, der es so leicht gemacht wird, die schönsten Kenntnisse spielend zu gewinnen, um die wir uns,Zöglinge einer früheren Epoche, gar bitter abmühen und arquälcn mußten. *Von dem berühmten Talmudgelehrtcu Herrn Aaron Kornfeld in Jeuikau, dessen Talmudschule ehemals zu den vorzüglichsten in Oesterreich und Deutschland zählte, und an der Tausende von Jüngern Belehrung schöpften, erscheint im Verlage deS Buchhändlers D. Ehrmann hier eine intercssautc Schrift, ' welche nicht verfehlen wird, die Aufmerksamkeit der Freunde der hebr. Literatur auf sich zu lenken. Es werden in dieser Schrift die mosaischen Gebote durch hebr. mncmouiscde Sätze von gleichem Zahlcnwerthe anschaulich emachtsi in welchen die tradinduellerr Bestimmungen enthalten find. Die Nachweise und Anmerkungen sind .eL immensen Wissens und Scharfsinns des berühmten Verfassers würdig. ' f: f < U'euil!etv;;j;-1: Die- Wanderungen des Ahasver*) /. ( , von.S. Heller. . Erste Wanöerung^ . s {• r i . c l l-"' rc :. , Zwei Dinge sind es, die uns beim Anblick dieses Buchemit Befremden erfüllen. Zn einer, rein praktischen Tendenzen so ganz hiligegebenen Zeit wie die unsrige, fällt es zunächst auf, wie es Jemandem beikommen lonnte, so einsame Bahnen zu wandeln, und wenn ihn Neigung und Anlage dazu getrieben, wie er sich dazu bestimmen ließ, aus dem stillen abgelegenen Rundgange dichterischer Verzückungen in die breitgetreteuen Straßen der nüchternen Öffentlichkeit zurück;u kTocri und es zu wagen, da eine Waare ßeilzubicen, nach welche: seit Dccenuien entschieden alle und jede Nachfrage aufgehört hat. Das Zweite noch Seltsamere an der Sache ist aber der Umstand, daß hier nicht etwa rgcnd eine Größe im Gebiete der schönen Literatur alten süßen Gepsiogenheiren nachhängt, den Zauber, der einst in des Dichters Jugend- .rausche seine Leser beherrschte, wieder walten läßt, sondern, daß .rin bis jetzt völlig unbekannter Name uns entgegen tritt.-?;* : r Und mit wie ungewöhnlichen Anforderungen! Man öffnetdas Büchlein und meint mit flüchtiger Durchsicht die Novität abgethan und antiquirt zu haben. Aber dem ist nicht so. Das Gedicht ist ernst, ernster vielleicht, als es der edlen Heiterkeit der göttlichen Musen ansteht. Freilich ist es Clio, die ernsteste von Allen, welche diesem Poeten am meisten zur Seite gestanden zu haben scheint, und der hehre Glanz UranienS verklärt mit einer cigenthümlichen Glorie das wuchtige Erz ihrer unsterblichen Tafeln, und eben dieser heutzutage so sonderbare Reiz ist eS, der uns verlockt, der Erscheinung .etwas näher zu gehen und ibr fast rachselhaftes A ftrcte»' aus ihr selbst zu erklären.. ' .... :' Wir sind vielleicht am wenigsten berufen, dock sicherlich eher' gestimmt als jeder Andere, nnS dieser Arbeit zu unterziehen, da irr diesem Augenblicke oas ganze Epos, sämmrliche drei Wanderungen, woraus eS besteht, vor uns liegt, und selbst die pikanteste" Genüsse einer, sich umfassenden Strebens und großer Errungenschaften bewußten Zeit es bin und wieder durch die darauf folgende Übersättigung fast nothwendig machen, an dem nüchternen aber lebendigen Urquell menschlicher Kraft sich zu erquicken und in das Gedankenheiligthum des Geistes hmeinznlauschcn.; Ein Gedankenheiligthum ist ,es denn auch, welches 'der Ahasver erschließt. Nichts hat seit etwa einem halben Jahrhunderte die Geister der Zeit so beschäftigt, als die großartigen Leistungen unserer modernen christlich-germanischen Entwickelung; .keine Gestalt der S '.ge dürr für den Dichter diese lange Periode zu veran'- sckaulichen geschickter sein, als der ewi-e Jude. Es kommt nur freilich darauf an, der' Figur einen solchen' Charak.cr zu-gebein der sie zu harmlosen Erle ben'und ruhigen Anfnehmen des erlebten, zum reinen Gefäße des Weltgcistcs befähigt.. , Der unglückliche Schubart hat in ihr eine mächtige Cmpsindung, Tvrannenhaß und: daö Gefühl gekränkter Menschlichkeit rhapsodisch Hinströmen lassen; Mosen's 'chönes T llcnt stellt in AhaSvereinen denhöhern Planender Gcsch. bte bewußt widerstrebenden Geist dar. Sein Gedicht enthält höchst glückliche von ächtcr Dich-- rcrkraft eingegebene Schilderungen; ob jedoch eine solcbe Gestalt.: als menschlich möglich gedacht werden kann, ob eine absichtliche- Sünde gegen den Geist nicht unserer Natur in ihrcnr gesunden *) Schusclkas „Reform" sagt über dieses Buch: " . ... s ’ : ‘ ' „Ein höchst interessantes, schwungvoll poetisches Werk, welches in erfreulicher und tröstlicher Weise den Beweis liefert, daß in unserer prosaischmateriellen Zeit doch noch begeistcrie Dichterseclcn für die höchsten geistigen Interessen der Menschheit glühen!— Der Dichter schildert in vollendet schöner Form den ersten Emwickelungslamps des Ehristenthums, anlnüpscnd an die Sage des Ahasverus. — Das Gedicht verdient in literarischer und religiöser. Beziehung die höchste Bcachiung. — Wern daö religiöse Gefühl abhanden gekommen, der wird cs hierin panischer Verklarung wieder finden und sich dem mächtigen Eindruck desselben nicht entziehen können. .Ist und bleibt doch die Religion, was immer der krirische Verstand dagegen ausbringcn mag, dir höchste Poesie des Mcnschembumö." — . .; , . , , - Daß der Rcccnsenl hier nur den ersten mächtigen Eindruck wieder gib), den das herrliche Buch aus ihn gemocht, isckuns klar, die wir das Werk, nicbl blos in seinem ersten Thcile, sondern in seiner Totalität, und die Ansichten des Dichters aus persönlichem Umgänge kennen. — Nichts weniger big . . oder lieg: noch gegenwärtig in feiner Absicht, als eine Glorificirung der christlichen Religion. Bielmehr, auf dem höchsten philosophischen Star.dp»■ f:e stehend, hat er bereits den widerstreitenden Kampf der Ideen in seinem Busen dnrchgefochicn; mir klarem , durch kein nationales Vorunherl getrübten B. cke.' übersöbank er, wie einst der Prosct von Ncbo ans, daö unermeßliche Gebiet der Geschichte, die unendliche Zahl der Flüsse und Strome, die den Doden. menschlichcr Cultur bcsrnchtcn. — Jede große Erscheinung zieht seinen Blick auf sich, und er verklärt sie durch die Strahlen der himnielentsiammienMuse,^ u nbcrin von dem Paneigezänke; er läßt den Inden in sich zurilcklrercn, und nur den Menschen walten... Daß das Christenthnm in seiner ersten Periode, wo es noch ielbn nnterdrückl, eine durchaus ideale,;nr aufopfernden Begeisterung sonreißende Haltung bewährte, ihn stark fesselt, wird nur der blinde Zelot ibm als Fehler anrcchnen; daß die Gestalt des IesuS ihm als Vorbild edler und reiner Menschlichkeit vorschwcbt, gibt Zengniß von seiner eigenen nicht, durch ti.e lirincn wiüni'chainicheu Stil di IN gclrübren snngiraulich laniern Herzcns-Einsalt; daß er aber nichts desto weniger die Beikchrthcil der später durch Einftust der griechiichen Vhiloiophic umgestaltetcii evangelischen bchrmcinungen mit scharfer Geißel heimsuchl, und die E: tarinng der Kirche- , schrnungölo/ tmljisllt, ist ein Beweis, daß er. nicht im Mvsticiemns versumpft, seinen Geist sich stcls frei :u erhalten wußte für den Einfluß der berechtig» rni vbiloiotluichen »trink '