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Das Abendland · 1865-01-05 · 1 (5.1.1865) · p. Seite 9

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
1 (5.1.1865)
Date
1865-01-05
Page
Seite 9 (sequence 10)
Language
German
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9 Wieder ein Mortarafall. Aus Rom wird berichtet, ta? am 12. December wieder ein Judenkind von 8 Jahren ohne Wissen und Willen der Eltern von einem katholischen Handwerker adoptirt und getauft wurde. Das Ghetto in Nom. Die Geschichte mit Coön rief in Manchem, auch in mir, schreibt ein Eorrespondent der „Boss. Zrg.", das alte Interesse für den Ghetto wach. Ich besuchte ihn nach langer Zeit wieder; es bleibt eines der merkmürt gsten Stücke Erve der ewigen Noma; über fünfthalbtausend Luden leben da aus einer Oberfläche, arm, verachtet, unterdrück;; .in jeder andern Stadt wohnt kaum ein Sechstel dieser. Bevölkerung ans einem so kleinen Traume zusammen gedrängt. Tritt man in eine'Ghettostraße, zumal in die Fiumara, dir der Tiberalljährlich bis zum ersten Stockwerk der Häuser unter Wassersetzt, so finden wir Israel vor seinen dunklen Hütten im Schweiße des Angesichts in Mühsal vergraben. Die Hauptbeschäftigung ist, zwischen Lappen und Lumpen zu wühlen, ein passendes Stück zu irgendwelcher Flickerei zu entdecken, denn ganz Rom läßt im Ghetto flicken, was ein christlicher Schneider als zu gering von der Hand weist. Die Töchter Zions arbeiten mit dem a^o ct'oro (der goldenen Nadel), sie sind unerreichbar im Nähen, Stopfen, Flicken, sind wahre Arachnen, aber der Lohn alles dieses Fleißes -ist das tiefste Bersnnkensein in das gc'cllschastliche-Elend. -n. @1)routfi für Wchenschasi, Literatur und Kunst- Lidttnon. Ein poetisches ckamitienbuch von vr. Ludwig ümjuft tfran&cf. — 5Ba§ in allen Zeiten besonders seit Beginn des Mittelal' rs das Herz des von dem theuern Boden Kanaans ertriebe. en Juden sreud- und leidvoll durchzittert, klingkan? diesen Buche wieder, das eine Art poetischen Harttschatz des IndcntgnmeS bildet.-Die Sänger aller Völker stellen hier ihr Eonlingent; was in den verschiedenartigsten Zungen ge-, dichtet worden, fügt sich hier geschmeidig in das weiche Gewand . der deutschen Sprache. — Eigenthümlich und neu fanden wir 'bei dem erstenEinblicke»die-Anordnung der Dichtungen.' — Nicht wiecs herkömmlicher nn w.ohlbegründeter Usus - ist,; nach 'Perioden oder Materien-, sonder Lärach^chMMMtzbet-.Ler^Dichf. terno. 'U sind u Stücke an einander' ereiht, s daß,'B. Alfleriw 6 Iahrh.) dicht auf Adija (. Jahr i llgt. — Es läßt sich aber nicht in Abrede stellend daß-mit icru streng wissenschaftlichem Werthe. (um welchenes dem geistvollen Sammler ohneden in diesem.Falle.kaum zu thun war) das Buch zuglesch. jene M -notonie verliert, .die.sonst sen^Ehreftomathieen nhaflet, da Dichtungen de sei -en Periode meist, auch dieselbe Färbung und Stim.mng zeigen. Das Auch empfiehlt sich -mch. durch besonders gefällige, äußere Ausstattung. - - ■ •* fern/ Phantasten nicht ins Praktische überzusetzen sich unter- ' fängt, 7 und Kn seinen'Träumen verzückt auch alle Menschen zu! Träumern nmgestalten möchte, wie dies wailand Oskar von l Redwitz versucht. Ist die Kunst heiter, so ist das Leben ernst.— , „Was. sich schön im Liede ansnimmt, ist noch nicht gut und i brauchbar für die gemeine Noch des Daseins" — Drum mögen! wir immerhin durch künstlerische Behandlung die alten zersal- - lenvcn Formen. jüd. Lebens und Strebens für die pietätsvolle Betrachtun , er Nachwelt interessant gestalten — ol-ne aber zu verkennen? was die Zeit-von uns verla un'- bap . tr ein'für alle "M i brech n müsse mit dem, was der her- .u ' tige Ste d t der, D - lärnng alscheni .odcrnea ^ulturle^n .fremdartig aus? .Wi. vsrl'eg nde 'o Acu mllun, der Sip urig z :gt. hat ec der wackere N hsc.lger e.nes würdigen' B sterö. HerrJai. Pascheles, nicht m .-Mühen und Opfer fehlen lassen,-Um das Werk Immer '.-gehaltvoller, gediegene: zu gestalten, und cs auch äußerlich -immer fre. ndlicher und gesäLizer auszustatten.— AuS den Er ählungen:h^oen wir. besonders die ganz vorzüglick' gelungene Arbeit des rresslichen D. Chrmänn hervor.. Auch die Leistung;.. David Mendels n.achen dem anerkannten schriftstellcrischen Talente' des Verfassers alle. Ehre.- - ■' - -; - - -i- -- * ' Sippurim. Dieses Sammeln rkchüd'?Sagett/'in. Jahre 1c Ü7 durch den äußerst strebsamen'-l-mchhandlec'Wols ch 'cheleö angeregt und begründet,-.übt mit Recht.eine immer groß.;Zug^ kraft-aus., die Leterwelr ans.; — Ix mehr. Pie alten Sitten, Bräuche und Gewohnheiten schwinden, je. energischer und rascher sich der Umgestaltungsprozeß im Iudenthume ' vollzieht, desto mehr werden fromm gestimmte Geinüther sich'an den Bildern der in das Dämmerlicht poetischer 'Verklärung sich zurück ziehenden' Vergangenheit erbaüen, .und es -dem Dichter Dank wissen', dessen Phantasie die verschwimmenden Umrisse verschollener Sagen und Geschichten wie durch einen Photographischen , Apparat zu .fesseln vermag. Göthe sagt.:. i ' P.. . .D . Was in der Zeiten Bildersaale'je vortrefflich gewesen, Wird immer, wieder einer 'ausfrischen und lesen. In der That, cs' geht der ganzen, g-immmten Menschheit ‘ttuc dem Einzelnen. — Das Alterpreist die Zeit der Jugend, aus her trüben prosaischen Gegenwart flüchtet es sich gern in die Tage der Kinob-it.' — ,Die Zeit, in der uns das.Dasein mehr anmuth.te, il unser Herz noch frisch und -.mpfänglich warfürjeden Ge: I. muß überhaupt eine .bessere gewesen sein;"—' -auch die nüchternste Logik unterliegt zuweilen'' solchen Einflüste-'. rungen des-GemütheS, und wir sehen heute alles kahl und öde, was sonst mit üppigstem Grün umkleidet, mit Blumen durchsäumt war. Es ist ja da-, allgemeine menschliche Loos sich unzufrieden von dem Bestehenden wegzuwenden und nach Trugbildern zu Haschen) die nur äußerst selten realisirungsfähig sich zeigen. Auch der Dichter hält, gern den, seinem Sa.rge l urschenden.Hörern das Spiegelbild längst untergegangener Zustände-- -vor, und was der eherne Schritt des Zeitgeistes zertreten, glaubt er aus dem.Staube hervorziehen und mit'nettem Lehen urchD hauchen zu. müssen, / Lassen wir .ihn immerhin .gewähren, und ' stören, w r .ihn nichts in seiner sinnigen Thättzkeit, wem, er nur '' ^eögfäPhische Schulknrten d e öilerreichif^est . l Nouaru v. Herrn Stein. Wir begrüßen in'dieser Leistun^ des .strebsamen Herrni Stein.einen eminenten Fortschritt aus-dem Gebiete.-des--geographischen-Unterrichtes) Das. Prinrip,- das aller methodischen. .Unterweisung in den Realien. i Grunde'. liegt, ist „Veranschaulichung' — d. h. Vereinigung der abstrakten Theorie mit der concreten'Praxis)''— Die Klwpe, an der nnnSchtfl- Männer zu scheitern pflegen,-Ust,' daß sie sich nicht die-nöthig: Reserve anfzulegen verstehen— sie wollen-zu vieles geben?.und erzielen daherbei Ihren Schülern/höchstens ■ eine , verworrure VlelwisserZ, ohne das klare Bewußtsein des Zusammenhanges, wodurch imän seines Gegenstandes eigentlich erst mächtig wird. Es bewährt sich am , er s Wort des Dichters: „In der Beschränkung nur zeigt sich oer Meister."-Nicht Vieles, sondern das Wenige gut und gründlich geben, ist die wahre und einzig berechtigte päda/ogische Regel,, welche auch Herr Stein bei Anfertigung seiner durch ein k. k. ansichl. P ioilegium geschützten, und durch die Dnerkennnn,; .der ersten Fachmänner ausgezeichneten Karten sich zur strengen Richtschnur gemacht. — Es ist un'ere aufrichtige Ueberzengung,'. daß schon .der erste flüchtige B ck jeden LIrer für dieses Werk gewinnen und zur möglichsten Verwendung bei 'einen Schülern ansporn-en wird- — In äußerst scharfen Umrissen, mit der -frischesten Krichnung. treten un? hier die Länderbilder des österr. "Kaiserstaates entgegen und zwar ist das natürliche Länderbild (die fisikalische Karte) immer getrennt von dem. politischen dargestellt; das in zweckmäßigster Weise aus. einer .Schiefertafel entworfene und durch wenig; charakteristische Striche, als Oeientiernngs- und Haltpnnkte für den Zeichner angedeutete Netz muß' den Schüler unwillkührlich zur 'Nachzeichnung des in präg tantiiter, ausgeprä,tcester. Weise ihm vorliegenden LNärtchens verlockm, um so mehr, als, - 9

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