Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 1 (5.1.1865)
- Date
- 1865-01-05
- Page
- Seite 8 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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hf ' Preßburis im Dezember. ' -tX. Ihr gcsckätzteS Blatt imnil sich ein Centralorgan, wc'halb wir nicht einschcii, warum Sic, geeinter Herr Red.! nicht bereitwilligst meiner Feder sich bedienen sollten, um über eine andere Stadt, die sich auch ein Ccntrum dünlt — über das heilige Preßburg — berichten zu können. Wir erlauben uns daher Herr Red. unsere Berichte au Sic direkt in die altehrwürdige Praga einzusendcn, wobei wir uns der Hoffnung hrngeben, daß Sie diesem sowie vielleicht noch anderen gerne einen kleinen Raum in Ihrem trotz der Kürze seines Bestandes schon rühmlich qenaiinten und verbreiteteten Blatte gönnen werden., lieber beide Parteien nächstens ausführlicheres — für heute nur ein kleines Geurebikdchen, b. zeichnend für die herrschenden Anstände. — Weit geöffnet sind die Thüren der „großen Schul," deren Raum von einer ge-. mUthlich konversirenden Menge gefüllt wird. Alt und Jung, Groß und Klein, Weiber und Mädchen kunterbunt durcheinander. Die Vorhänge an der Frauen-, gallerie fehlen noch, denn Dank der Kurzsichtigkeit unseres Magid, Herrn Fischmann, scheint noch dieser Umstand, über den er sonst gewiß ein Zetergejchrri erheben würde, seiner Aufmerksamkeit entgangen zu sein. —. Und was, wird man fragen, ist die Ursache all deö Drängens und Tobens? Ist doch heute nicht Sabbat und nicht Festtag?, ,,'3>r Seelsorger von Großeselsdorf ist gestorben und unser würdiger Wagsoll ihn behespeden." Se. Ehrwürden erscheint, und vom Wirbel bis zur Zehe in den Talis gehüllt, betritt er die Kanzel. Was wir nun zu hören bekommen? Aoungs Nachtgcdankcn und Rotteks Weltgeschichte,, den großen Rambam und Friedrich Schiller, Midraschim und Kotzcbue, daß die Prediger Blitzableiter sind und also Franklins Ersindung unnütz war, daß über die Brüder in Tunis das Unheil gekomnren, »veil sie nach Emanzipation streben, daß Israel verloren sei, weil die jungen Bale Bathin am Samstag die Zeitung lesen und die jungen Mädchen ihre Toilette besorgen n. s. w. Das ist die geistliche Kost, die unser Seclenhirte, Raw Magid Fischmaiin, seiner Heerde reicht. „Mein Volk! deine Führer leiten dich irre."—R u n das Gegenstück. Die Abendstunden des 11. Dezember sind gekommen. . In den Reformlcmvel der Geisigasse eilen die Anhänger der Bestrebungen der Rcuzeit, ober auch so mancher Bochnr der von Sopherschen Tradition geleiteten heil. Vreßbnrger Icschiba, so mancher, der für einen „Frommen" gilt. Teppiche dämpfen die Schritte der C'ingclretencn, Kommissäre geben sich Mühe Ordnung zu halten in dem kleinen Raume, der Juden und Christen vereint. Der TodeStag des Schenkers des Primärschulgcbäudcs, des Sitzes der Reforinpärlri, soll feierlich begangen werden. Er war zugleich der Gründer des BanguierhanseS Todesko, denn damals besaßen die Großen noch ein für ihr Volk warm fühlendes Hcr^ Die Töne der Musik erfüllen den Raum, ein ernster Choral anSgefühn von dem unter Leitung des tüchtigen Oberkanlors Zwinger sichenden Chore erhöht die ernste Stimmung der Anwesenden und noch ist er nicht ganz verklungen, als unser wackerer Prediger, Ehrw. IX. Brüll, die Kanzel besteigt. Der wackere, redcgcwaltige Prediger ist sichtlich erregt, gilt eS doch dem Andenken eines edlen Todlen. —• In erhabenen und beredten Worten schildert er daS Andenken des edlen Verblichenen, weist auf Israels Vergangenheit hin, die der großen Männer so viele zählt und ermuntert uns ihnen nach zu streben und unserem Volke zur Ehre zu gereichen. Mit einem Gebete, das alle Herzen erschütterte und kein Auge thränenleer ließ, schloß Se. Ehrw/ — Hier haben Sie geehrter H. Red. zwei Szenen unseres Lebens und Treibens in Prcßburg. — ... ' WaNIÜgfnüigeS.' n ff /vi.' i'-.* Am Abende des Reusahrstagcs veranstaltete seine Excel-' j lenz Herr Statthalter. Belcredi eine glLnzend^.Soireeg zu wel- | cher auch Herr ,Oberrabbiner .Rappapprt stund .der"" Präses. der j hiesigen-ffsraeluischeu Eultusgemeinde beigezogen lvurden. ... j Wohllhätigkeitsaktt Das Comite zur Errichtung * eines Ehristbaumcs für arme Kinder deutscher Eltern übcrschickte; am 2?. Dezember v. Z. in einer Zuschrift die namhafte Summe s von fünfzig Gulden öfter/ Währung "an die Direkzion der! Joscsstädter Haupt- ,und Unterrealschule,-und sie an arme ifraej litische'-' Kinder zu vertheilen. Die-" Direkzion/beeilte-sich diese j hochherzige -Spende alsoglcichan 50 arme Zöglinge dieser-Schule! zukommen zu ,lassen,- und ihren Dank - im Namen der bctheilig-! teu Schuljugend hierfür öffentlich auSznsvrechen/l 0;; j vr' ' .0 rü .Uttochi--" /. n.1 (Jude—aus»L,iebe.).^Man schreibt aus einem böhmischen Badeorte vom 27, Decembcr.:. Ein, hiesiger wohlbestclltcr, „ Hotelier,, d.r mit einem dex.renvmmirtesten Wiener Bühnen-, künstler noch mehr als namensverwandt, und, vor etwa zehn" Jahren der mosaischen Religion entsagt, um , in den Schooß der evanZelischen Kirche ausgenommen zu, werden, verliebte sich ity ein-/reizendes Mädchen», das jener Consession angehört, welcher er.vor seiner.Taufe zugezählt wurde. .Seine Liebe fand Erhörung bei.,.dem Mätzchen., weniger aber seine,Bitte,-daß es m>l dem Eintritt in den heiligen Ehestand auch" seine Religion wechsle; das..Mädchcn bcharrte fest in dem Glauben seiner Väter und würde lieber der glänzenden Versorgung entsagt haben. .Bei solchem! Umstande blieb dem von der Liebesgluth fast verzehrten Hotelier nichlS übrig, als reuig unter ,die Jünger Mosiö zurückzukehrcn, j nachdem das glaubensstarke Mädchen selbst das. Eingehen in eine ff Busch - Ehe verweigerte. .Der licbende.Bräutigam ging' nun nach ff Amsterdam oder Rotterdam.'—das im Grunde auch einerlei I ist — lehrte dort zum jüdischen Glauben zurück,-zog von da nach Hamburg, wy er durch den Ankauf eines Besitzstandes das! städtische Bürgerrecht erlangte, und wo am morgigen..Tage seine - Trauung nach jüdischem Ritus mit dem geliebten Mädchen I stattfinden wird. In einigen Tagen erwartet inan hier die dien-! vermälten und hofft, daß sie in ungetrübten Verhältnissen auch! hier verbleiben werden. I * (Eine Spitalgeschichte.) Im Wiener allgemeinen : Krankcithause befand sich ein israelitischer Spcnglcrlehrjuirgc in j IK'handlung, dessen Krankheit eine tödtliche Wendung nahm. Al..> er dem Sterben nahe nnd bewußtlos war, wurde er ohne > kvcilcrc Fragen mit den heil. Slerbcsacramenlen versehen, nnd! als er ktirze Zeit darauf verschied, narfi katholischem üeitns cingcsegnct und am 16. v. M. Nachts mit dem allgemeinen Spital- Leichenwagen nach dem katholischen Friedhöfe in Währing überführt.. Der .Meister des verstorbenen Lchrjungen,- ebenfalls ein'' Jsraelite, kam am 22. v. M. in das Spital, um den Krankem zubesuchens und erfuhr zu seinem Erstaunen den seltsamen Borgang, woraus - er sogleich bei der Judengemeinde die Anzeige machte. In Folge dessen.wurde am 23. v. M. der Leichnam einstweilen in die Leichcnkammer des Währinger Friedhofes beige-, setzt und endlich Mittwoch den" 28. v. M. durch die betreffende' Commission dessen Ucbcrtragüng nach dem israelitischem Friedhofe in einem-von der Iudcugemeinde beigegebenen Sarge veranlaßt. n }"c! m::;trj m: .l * Nach "den ".Wiener Mrtkheilungeü"'hat ein junges-! Frauenzimmer katholischer Religion die Bekanntschaft eines jung N Mannes jüdischer. Eonfcssion .gemacht, nnb ist das- Verhältnis, ein so inniges geworden, daß die jungen Leute mit Einwilli-' gung ihrer-Eltern nach Breslffu. gegangen sind, wo'das Mädchen zum jüdischen G niben übcrgegangen ist, und wird'deren Ehe nächstens ich Lundcnburg' nach jüdischem Ritus geschlossen' werden.'-—-'- r« <n*ii . - ---- . < ^Jüdische Aerzte in der Nkilitargrenze. A^it Beginn des Wimers hat Herr Dr. Adler seinen bleibenden Aufenthalt! in der Militärgrenze genommen,-N'wozti er vom Generalkom-. mando' die Erlaubniß. erhielt."-Er ist. der erste Jude,^ dem es, gestattet wurde,-sich dort bleibend, niedcrzulasscn. . - * H-amburg, 26. D-e- Gin Gcsclicnk von seltener Liberalität^ nämlich die Sulnine. von 001,000 Mark Ert. hat Hr. Karl Heine in Hamburg,dem von scineni verstorbenen Vater, Salomon, Heine, 'auf.St/' Pauli'gegründeten, israelitischen Kränkenhause gemacht."^. . " : * Die kaiserliche Akadeinie der Wissenschaften in -Paris (L’Institut impörial/de France) tat au /Dr. M. Lerteris über beffeu hebiaistbe Umdichtung des s,Faust" fcoir Goctbe ein sebr cbrenvvlleS würtzigcitdes Schreitzeii'durch den' Leevetnir j>erpetiel de 1’ Academie zngeben Iaffen Das crwähnte'- Werk. in zu gleicher Zeit im Auftrag der Akadcmieffu ibre BlibliotheL aiifgcnvmmcil worden. Jnr Komptoir des Baron James Herrn von Rothschild arbeiten 70 .Komptoiristeu, unter welchen 40 der jüdischen Üicligion zngclhan. Diese schreiben: Frattzösisch, Englisch und Deutsch. In Familienangelegenheiten wird nur hebräisch correspontzirt.