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Das Abendland · 1865-01-05 · 1 (5.1.1865) · p. Seite 7

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
1 (5.1.1865)
Date
1865-01-05
Page
Seite 7 (sequence 8)
Language
German
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h 1 strahlte von einem Wohlwollen, in dem sich die Regung des HerzenS unverkennbar verricth. — Zu unserer weirereu höchst angenchnren Ueberrasctung gereichte uns der erste in naivster Weise von Seite der Kmder abgestatcctc Bericht, „wie sie sich nämlich gestern im Theater unterhalten hatten!" — Einer der Kleinen stand dabei etwas eingeschüchterr im Hiiitergrmu e, und ließ sein klares Auge wie flehend ans dem Direktor ruhen. — Die Ursache blieb unS nicht lange verborgen- — Der Hofmeister tbeilte uns mit, daß der Kleine wegen unruhigen Verhaltens gestern vom Besuche des Theaters ausgeschlossen worden. — Herr Dr. Gi schein drohte mit dem Finger — konnte aber doch nicht umhin, gleichzeitig eine Fürbitte einznlegen, damit dem Kleinen, falls er ernstliche Besserung gelobe, dock nächtens dasselbe Vergnügen bereiter werde. —Es war grade Cbanutazeit, die Kinder hatten Ferialtage; sie begleiteten (dreizehn au de'. Zahl) uns ganz ungenirt durch alle Zimmer, ohne dabei in mindesten jene Wildheit und Ausgelassenheit zu verrathen, die man sonst bei Kindern selbst sogenannter „besserer" Häuser bei ähnlichen Anlässen wahrnimmt. Bei Durchmusterung der Schul- und Hausgeräthe erhielten einige ernstliche Rügen .wegen Unordentlichkeit, andere wurden belobt, keines entging der in ächt väterlich milder Weise geübten Controle; dabei zeigte das ganze Wesen der Kleinen den Stempel jener Offenheit und naiven Kindlichkeit, die den sichersten Schluß auf ein freundliches, unverdorbenes Gemürh gewährt. Kurz, das Ganze machte auf uns den Eindruck eines ächten Familiendramas, ohne Effekthascherei, vom Hauche altjüdischer Gemüthlichkeit durchweht. Wir konnten daher beim Abschiede nicht"umhin,den Wunsch auszusprechen, daß diese Anstalt ferner gedeihen, und ihr würdiger Vorstand in dem heitern Bewußtsein, den erhabensten Zwecken der Menschheit zu dienen, noch lange seinen schönsten Lohn finden möge. Smichow. Herr Redakteur!Jch hatte dieser Tage Gelegenheit einem Trauungsakre im neuen Tempel zu Smichow beizuwohnen, und ich kann nicht umhin den angenehmen Eindruck zu schildern, den sowohl dieses so schöne und respektuöse Gotteshaus, als auch der so ansprechende erhebende Gottesdienst darin auf * mich machte. Es ist dies Alles noch eine'sehr junge Schöpfung, denn sowohl das Gotteshaus wie seine moderne Liturgie dürften kaum V-, Jahr ihr Dasein fristen, und doch ist der Gottesdienst schon hübsch geregelt, und geht Alles in gemessener Ordnung. Der Ehor, wohl noch etwas schwach im Stimmmitteln, ist schon gut eingeschult, dafür hat der Cantor Herr Körner wieder eine äußerst kräftige sonore Stimme, die einen nochmals so großen Tempel auSzufüllen im Stande ist. — Daß der „Ma towu“ vom Eamor auf deutsch recitirt wurde, ist wohl nicht zu tadeln, doch befremdete es Mich, da es, so viel ich weiß, in keinem unserer modernen Gotteshäuser Nibung ist, zumal wir ja mehrere wunderschöne ,31a Towu’s“ von Sulzer, Pereles u. a. in der heil, hebräischen Sprache besitzen, die. die Herzen der Betenden wahrhaft erbgnen und zur Andacht stimmen. Auch kann ich nicht unerwähnt lassen, daß ganz im Einklänge damit auch der trauende Rabbiner Herr I)r. Lambert, Rabbiner zu Dobrisch, der uns auch schon aus mehreren Aufsätzen in Zeitschriften vortheilhaft bekannt ist, mich mir seiner Manier zu trauen sebr angesprochen har. Er sprach im Mannheimer'schen Stile frische und kräftige Worte; namentlich gefiel mir sein rein deutsches Organ. Er genießt in der Gegend auch den Ruf als guter Redner, was auch wahr ist. Schließlich ist dieser Jsraelitengemeinde zu wünschen, daß sic auch fürder materiell und geistig prosperire und erstarke, nur ihre Wünsche in Bezug auf einen gutem Prediger realisiren zu können. Der würde zu diesem schönen Tempel wohl passen. I- B. L. Brandeis. Ende Dezember Allezeit strebe zum Ganzen, und kannst du selber kein Ganzes werden: Als dienendes Glied schließe einem Ganzen dich an. Sagt der große Schiller und mit Recht, denn der Befähigte kann im kleinsten Wirkungskreise viel, sehr viel für das Ganze thuu, und oft gibt es an weniger hervorragenden Orten Männer, die dem Gcmeindewesen auf eine Weise vorskehen, wie sie dem Ganzen nur zum Frommen gereichen kann. — Die Gemeinde ist unläugbar der wichtige Theil des Staates und gehört verhültnißmäßig ein eben so geeigneter Mann an die Spitze ihrer Verwaltung, als an die eines ganzen Landes. - - Ebenso wie dieser muß er die Um- und Zustände seines Terrains kennen, eben so jede -sich bietende Gelegenheit anszunützen, eben so jeden günstigen Vorfall beim Schopfe zu erfassen und immer dem Nagel ans den Kopf zu trefseiUWssew; hängt doch von seinem Gebühren ebenfalls das Wohl und'Meh einer Anzahl von Staatsbürgern ab, indem er über Vermögen, Sicherheit, Moral, Kirche und Schule zu wachen hat. Von diesem Gesichtspunkte besehen ist jedes Vorsteheramt in der Gemeinde ein wichtiges Amt, eine Ehrenstelle, wo aber die Stellung nicht den Mann, sondern der Mann seine Stellung ebrt. — Diese Gedanken waren es mit welchen ich am 24. d. Monats das hiesige Gotteshaus betrat, in welchem Herr Jakob Bischitzky seit 34 Jahren Vorsteher der Cultnsgemeinde Brandeis, in einer herzlichen Ansprache an die Gemeindemitglieder dieser bei seinem Rücktritte von diesem Ehrenamte seinem Dank in einigen Worten den Ausdruck gab, indem er das Vertrauen zu würdigen sich bemühte, das ihm diese durch eine so lange Reihe von Jahren entgegengetragcn. — Zugleich stellte er die Bitte, ihm eS zu E nte zu halten, wenn er irgendwo gegen Jemand ' in der Zeit seiner Amtirung in etwas verstoßen hätte, da er, das Ganze stets vor Augen habend, den Einzelnen oft nicht immer berücksichtigen konnte. — Ferner empfahl er der Gemeinde seinen Nachfolger Herrn JonaS Janowitz auf das wärmste, und betonte es vorzüglich, man möge gegen diesen auch jene Nachsicht und jenes Zutrauen haben, wie man diese bisher ihm geschenkt. — Er hoffe, der Gemeindeausschuß werde dem neuen Vorstande ebenso eifrig und willig an die Hand gehen, wie er selbst es will, der nun im Ausschüsse nach Kräften mitzuwirken gerne bereit ist-. In kräftigen Worten legte er seinem Nachfolger die übernommenen Pflichten ans Herz, verschwieg aber auch die Schwierigkeiten nicht, die seiner Stellung sich entgegenstellen werden, denen er aber mit Entschiedenheit und Ausdauer entgegen zu treten bemüht sein muß. und daß das beabsichtigte Gute jederzeit doch zu erreichen ist, wenn man nur ernstlich will. Nachdem er Herrn Janowitz die wichtigsten Gemeinde-Akten und Dokumente übergeben hatte, wurde dem neuen Vorsteher von den Ausschußmünnern der Ehrensitz im Behause angewiesen, den er auch einnahm, als er von sümmtlichcr Gemeinde zu demselben feierlichst geleitet worden war. Um auch einige von den vielen Verdiensten zu erwähnen, welche sicb Herr Bischitzky um seine Gemeinde erworben, erlauben Sie mir noch zu bemerken, daß er es war, der den llmban des hiesigen Tempels bewerkstelligte, indem er nicht nur den Bau leitete, sondern auch aus eigenen Mitteln Vorschüsse bot, um daö Werk seiner Vollendung zuzuführen. Auf seine Veranlassung wird auch der Gottesacker neu eingefriedet und hat er sich um geregelten Gottesdienst, um Schule und sonstige wohlthätige Einrichtung vielfach bemüht. Auch als Mensch steht Herr Bischitzky stets achtnngswerth da, indem er dem leidenden Bruder ohne Unterschied der Konfession jederzeit helfend zur Seite steht. Der beste Beweis für seine Popularität ist, daß er mehrmals zum Sladtrath erwählt worden ist. Möge es allenthalben solche Männer geben die, e°.3 z~pz'V sind — und in unfern Gemeinden werden Eintracht, Friede, Fortschritt und Gedeihen jedes Bessern nicht lange aus sich warten lassen. M.

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