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Das Abendland · 1865-01-05 · 1 (5.1.1865) · p. Seite 6

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
1 (5.1.1865)
Date
1865-01-05
Page
Seite 6 (sequence 7)
Language
German
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- 6 — tungsplatz für crfrmifte, arme Schüler; hierauf die Theresia Wienerische und Geitler Edler von Nrnnnlzcn'sche Stiftung zu vollständiger Bekleidung verdienter armer Schüler und schulerinen; einige, wicdieDr. Schicklische und Dr. M. Tellerische für arme Waisen - Knaben wegen Sprechen des Kadischgebews an den betreffenden Gedächtnißtagcn, die übrigen endlich als Geldstipendien für arme fleißige Schüler, die sie entweder solange sie die Schule besuchen und auch noch als HandwerkSlehrlinge beziehen, welches bei den sieben Herz öilabcrischctt der Fall ist. Sämmtliche Interessenbeträge werden jedesmal am I allerhöchsten Geburtsfeste Sr. k. k. apostolischen Majestät in Gegenwart der Schulvorstände, der eingeladenen Gäste und der;1 versammelten Schuljugend öffentlich vertheilt, bei welcher Gclc-! genheil der betreffende Direktor eine dem Zwecke der hohen Tagesfeier entsprechende Rede an die Versammlung hält. ES durste dem Leser dieses Blattes nicht unangenehm sein, wenn zum Schlüße eine tabellarischer Uebersicht dieser Schulstiftungcu nebst der Angabe der jedermaligen Stiftung, .hie Zeit ihrer! Gründung und hoher Bestätigung, so wie auch ihre Bestimmung folgt. Tabellarische Jtebersicht der Schulstisiungen. Nr. Benennungen d. Schulfondes oder d. Schulstistungen Angelegtes Kapital Datum des Stistbricses Datuul d. hochortg. Bestätigung Bestimmung derselben . flkr. i. Moritz Zdekauer'sche 1050 29. August 1822 9. Septb. 1822 thcilö Fußbekleidung, theilö Prämienbüchcr. 2. Erste M. Winternitz'sche 210 — 22. Mürz 1835 14. Mai 1836 Zeichnungsstipendium. 3. Sechs Klaber'sche Stiftungen 1260 — 22. November 1835 15. Juni 1836 für arme fleißige Schüler. 4. M. Winternitz'sche 126 — 6. November 1838 4. April 1839 Krankenstistnng. 5. Dr. Schickl'sche 105 — 26. Mai 1843 17. Nov. 1844 für arme Waisenknaben (Kadischgebet). 4 6. Dr. M. Tellcr'fche 63 — 1. Nov. 1843 30. Dez. 1843 für arme Waisenknaben tKadischgebet). . 7. Dr. Jsak Ieitteles'fche 210 — 3. Dez. 1849 4. August 1850 für arme fleißige Schulkinder. 8. Dr. Jonas Eger'sche 105 — 3. Dez. 1849 9. August 1850 detio 9. Osterbrodkomite 84 — 7. Februar 1850 19. August 1850 detto 10. Dr. von £ önigsbcrg'sche 105 — 22. Jänner 1851 22. April 1851 detto 11. Dr. Jsak Jeitteles'sche 210 — 12. Juli 1854 11. Oct. 1854 detto 12. Mäunergesangverein 44 10 26. Octobcr 1856 5. Dez. 1856 detto 13. Siebente Klaber'sche 210 — 14. Nov. 1856 4. Mai 1857 detto 14. Ernst Wehli'sche 315 — 17. Dez. 1856 16. Februar 1857 für Prämienbücher. 15. Ludwig I. K. Frankel'sche 105 — 10. Juli 1859 23. August 1859 für arme Waisenknaben. 16. Zweite M. Wiuternitz'sche 105 — 5. April 1861 8. Juni 1861 Zeichnungsstipendium. ' 17. Theresia Wieuer'sche 420 — 1. Juni 1861 22. Juni 1862 zur Bekleidung 18. Josef Brummov'sche 52 50 12. Juli 1861 4. April 1862 für arme fleißige Schulkinder. 19. David I. Fischel'sche 105 — 23. Oct. 1861 4. April 1862 detto 20. Gcitlcr Edler v. Armingen'fche 525 — 27. Juni 1862 11. Juli 1862 zur Bekleidung. 21. Benedikt Focws'sche 100 — 16. März 1863 19. Sept. 1863 für Militärkinder. 22. Josef Eichler'sche 100 — 7. Juli 1863 27. Sept. 1863 für arme fleißige Schu.linder. Die sämmtlichcu Schulstiftuugen betragen zusammen 5609 fl. 60 kr., nimmt man noch die im Zuge begriffenen dazu, geben diese ' ein Kapital von über 6000 fl. östr. W., welche ohne Abzug der Einkommensteuer einen Inleressenbetraa von 500 fl. östr. W. jährlich abwerwn.*) ' * - G. L. Ein Besuch im Prager jnd. Waisenhause. Zu einer Zeit, wo die Frage der Opportunität eines Waisenhauses für die gesammie Zudeuschast Böhmens vielfach veurilirt wird, dürste eine kurze Notiz über die bereits in Prag best bende äbnlicbe Anstalt nicht unzeitgemäß unb ohne Interesse sein. — Der Freundlichkeit des um die Prager jüd. Gemeinde vielfach verdienten I)r. GirsLin, zugleich Direktors besagter Anstalt, hatten^wir eS jüngsthin zu danken, in dieselbe eiugeführt zu werden. Bei dem vielfach gegen solche Hnmauitälsstiftnugen herrschenden Vorurtheil waren unsere Erwartungen, offen gestanden, nichtsehr hoch gespannt. — Um so leichter wurden dieselben übertroffeu, als wir allenthalben dem Geist der Ordnung und Reinlichkeit, — sehr schlichten aber nichtS desto weniger zweckentsprechenden Einrichtungen begegneten. — Man weiß, daß bei dergleichen Instituten meist dchij^WM^enheir vorherrscht, daS Aeußere so bestechend als inöglich für den Beschauer zu gestalten. — Dieser Besorgniß konnten wir nnö natürlich bald entschlagen beim Anblicke deS mehr als bescheidenen GebändeS; dennoch fühlten wir uns nicht ganz frei von einer leisen Anwandlung von Mißtrauen; denn man zeigt doch gewöhnlich nur das, was man wirklich für sehenSwerrb hält. Diese Stimmung wurde jedoch gleich im Momente des Eintrittes überwunden, nicht etwa durch den uns entgegen strahlenden Comfort und die Splendidität der Ausstattniig, sondern durch einen Umstand, der in diesem Falle sicherlich weit mehr, ja nach unserem Dafürhalten einzig und ausschließlich maßgebend ist. Kaum, daß wir nämlich den Fuß über die Thürschwelle eines größeren Saales gesetzt und Zeit gewonnen hatten, einen -jungen Mann, der uns als Hofmeister der Anstalt vorgestellt wurde, zu begrüßen, als eine Schaar blühend aussehender Kinder, ebenso einfach wie reinlich gekleidet, in ihrem ganzen Aeußern sauber und nett, mit den freundlichsten Mienen unS entgegensprang, und den ei retenden T.rektor in einer Weise begrüßte^ die uns lebhaft an die i.hvnste Seene des Familienlebens, dew Moment nämlich, wo der von einer Reise heimkehrende Vater zu ersten Male wieder seinen Kindern sichtbar wird, gemahnte. Die Kleinen küßten die Hand ihres Direktors und schmiegten sich mit einem Ansdrucke von Liebe und Hingebung an ihn, der nicht den geringsten falschen Accent, vielmehr das reinste Gepräge von Wahrheit und Natürlichkeit zeigte. — Man brauchte übrigens in diesem Augenblicke nur daS Antlitz des würdigen Direktors zu betrachte», um die^anze rührende Scene begreisiich zu finden. Dieses *) Bei dieser reichen Donrung einer Ansiali kann man sein innigeö Bedauern um so weniger unterdrücken, daß dieseL Schooßkind der Prager, cremnude seiner Auslösung enigegkn geht.

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