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Das Abendland · 1865-01-05 · 1 (5.1.1865) · p. Seite 5

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
1 (5.1.1865)
Date
1865-01-05
Page
Seite 5 (sequence 6)
Language
German
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der geschriebenen (Geschichte der Vergangenheit, sondern auch von der im iminerwährcnden Fortschreiten der Weltbegebenhciten sich abwickclndcn Geschichte, die keinen Rückschritt kennt, und jede Ertödtung von Ideen der Eioilisation nur als ein Streben des Fönix cnoeist, das ein verjüngtes, schöileres Sein zur Folge hat. Aber wenn wir unsere Aufmerksamkeit dem Kampfe "zu- 'wenden, der eben jetzt in und um Rom stattfindet, und dessen Manifestation und Phase die Encyclica ist, fällt uns nnwillki.hrlich eine eigenthümliche Parallele ein. Tie Schaarendes Titus belagerten Jerusalem, und die Mauerbrecher hatten schon an m chem Punkte die Bollwerke erschüttert, als der Eifer der Zeloten im Innern Jerusalems in stets neuen Flammen aufschlug und jede Transaktion mit dem gewiß siegreich werdenden Gegner zurückwieS. Wohl fanden sich auch unter den Großen Jerusalems manche, die die Situtation richtig erfaßten, und einer der vorzüglichsten Männer seiner Zeit ließ sich, eingesargt wie ein Verstorbener, hinanslragen aus der Stadt, um zu nnäerhandeln. Gegenwärtig ist R m von der Macht und der Politik des Königreiches Italien umspannt, und mdit'mtr diese,' sondern auch die freisinnigen Ideen, die in allen Völkern uno Ländern herrschen, verlangen Einlaß und Anerkennung in Rom. - Als Antwort wird ihnen die Encyelica, azber wie einst in Jerusalem sind auch hier die Männer der Transaktion vorhanden, von denen Cardinal Andrea einstweilen am weitesten geht. Wir überlassen es den Geschichtskundigen und sonstigen denkenden Lesern die Parallele fortzusetzen. . '; In Angelegenheit der Steneriiberschnßgclder. . ä Es liegen uns bereits in Folge unnrer Aufforderung mehrere Mittheiluugen vor, von denen wir heule zwei;u bringen uns erlauben. Löbliche Redaktion des „Abendland!" Tie Aufforderung in Rr. 7 des Abendlandes als willkommene Gelegenheit ergreifend, um meine bescheidene Ansicht über zweckmäßige Anwendung des Kapitals der böhm. Judenschafl auszusprechen, erlaube ich mir folgendes zu bemerken: Zweckmäßiger kann das gesummte Vermögen de? Judenthums nicht verwendet werden, als zur Veredelung desselben: Wie schmerzhaft muß es jeden wahrhaften Israeliten berühren, wenn er das Buch, für welches er Jahrtausende gekämpft und gelitten, beinahe der Vergessenheit anheimfallen sieht, die ehrwürdige Sprache, die so große Männer geschaffen, und wie in dem lehr gediegenem Aufsatze in Rr. 6 dieses Blattes nachgewiescn worden, weltbistorische Ereignisse herbeigeführt, wenn die Sprache, Zeugin vergangener Größe, nun fast ganz und gar vernachläßigt wird! Als praktischer Schulmann werden Sie geehrter Herr Redakteur wohl wissen, was für einen Unterricht die jüd. Kinder auf dem Lande genießen, da giebt es hunderte von Familien, die wegen zu großer Entfernung von der Gemeindeschule gezwungen sind, Hauslehrer zu halten. Und wie sieht es mit dem hebräischen Unterrichte ans? Die wenigsten dieser H. Hauslehrer sind mit dem Hebräischen vertraut. Und wie viele geprüfte Lehrer gibt es, die einen gründlichen Unterricht im Hebräischen ercheilen können? In welchem Institute sollten sie sich auch hiezu qnalisiziren? Haben wir es endlich dahin gebracht, daß wir unsere Kinder aus der 4. Hauprsct Masse prüfen lassen, und zur weiteren Ausbildung in eine öffentliche Ansi . der Hauptstadt schicken, wer sorgt dann auch für Ausbildung im hebräii-,en Fache? So sehen wir, leider! oft gelehrte Männer, Juristen, Mediziner, Techniker ins praktische Leben eintreten, die dem Judenrhnme beinahe ganz entfremdet sind, und somit har leider die Intelligenz des Judcuthums keinen Begriff vom Jndenrhnnr! Diesen Uebeln wäre anr sichersten durch Errichtung eines Lehrer- und Rabbiner-Seminars abgeholfen. An ausgezeichneten Männern zur Leitung der Schule sehlr es, Gottlob! unserem theucren Varerlande nicht. So wäre das Gcineingnt für das allgemeine Wohl am besten verwendet. Hochachtungsvoll S im im Dezember 1464. Jgna; Reis, ealtu,-vorltkl,er. Slalfkv. Die in der 7. Nummer des „Abendland" angeregte Frage bezüglich des-dir böhmischen Judenschafl gehörenden Vermögens dürfte nach meiner uinnaßgebenden Ansicht aus eine gerechte und befriedigende Weise nur dann zu lösen sein, wenn die Hauptperson „das Volk" hierüber einveruommen würde. Denn wenn gleich, wie eS in der Aufforderung heißt, mehrere, die sich berufen glauben, ihre Meinungen abgebe.., so wären dies doch r-nmer nur individuelle Ansichten, die Meinungen Einzelner. Wie bereits von vielen Seiten hervorgehobcn wurde, ist die Errich- ( hing eines Rabbinerunb Lehrer-Seminars zur dränget.oen Roth-! wendigkeil geworden; sollte nun dieses Bedürfniß, wie ich nicht zweifle, all- : gemein anerkannt werden, so möchte ich fragen:? -pvj'j, V'l'OV fö EN! Die böhmische Judenschaft besitzt einen nicht unbedemeuden Baar-! betrag und ein schönes HauS in Prag; sind diese beiden Objekte für eine An-! stalt wie die erwähnte unzureichend, so könnten sie doch wenigstens als an-! sehnliche Grundlage hiezu benäht werden; würden dann die in Böhmen bestehenden 300—1<)0*) Kultusgemeinden durch ihre Repräsentanten befragt, und ihnen der Gegenstand als. uoihwendig und zweckmäßig dargelcgt, so würde sich gewiß eine jede nach Umständen entweder mit einem Betrage zum Gründungsfonde oder mit einem jährlichen Beitrag herbcilassen und wäre'auf diese Art höchst wahrscheinlich ein günstiges Resultat zu erzielen. Die gelegenheirlich von einem Mitglied« der Landesrepräsenranz en> gegengestellte Besorgniß: „d as V ol k w ü rd e hierin e i n e Er u eu eru n g der verhaßten In de nsten er erblicke n," i st e n tsch i e d en g run dl o s und ist es schwer begreiflich, wie man die freiwillige Unterstützung einer solchen Anstalt, mit der verhaßten Judensteucr idemificiren könnte. Sollte diese in schlichten Worten abgegebene Ansicht auf kompetenter Seite einige Beachtung finden, so würde dies zum neuen Bewege di nen, daß das Jndemhum für Aufrechthaltung seiner Religion und V rbreitung religiöser Wissenschaften noch immer Sinn und Her; besitzt. , . D. skohn. ' Eine silberne Hochzeit. Der" Vorstand der ' Lämel'schen VersorgungSstisiung hat beschlossen, dem Herrn I)r. Pribram, einem seiner thätigsten Mitglieder, bei Gelegenheit der silbernen HochzeitSfeicr desselben eine Ovation 'darzubringcn, nnd zwar sollte diese religiöser Natur sein. — Zu diesem Dehnst wurde Herr Prof. Di\ Kämpf von dem Präses Herrn Ernst WebliT der zugleich Vorsitzender des Verwaltungskörpers besagter Stiftung ist, ang.gangen, di'er Feier durch Ansprache des Jubelpaares die angemessene Weihe zu geben. — Die Sclennität fand nun ain jüngstvcrwichcnen Samstag statt. — Um 3 Uhr Nachmittags versammelte sich in dem Betlokale genannter Stiftung ein zahlreiches Publikum, worunter der Vorstand, die näheren Verwandten so wie eine größere Anzahl von Freunden und Verehrern des Jubelpaares beiderlei Geschlechtes sich befanden'. — Die Feier begann mit dem üblichen Minchagebet, welches in besonders erhebender Weise vor sich ging. — Hierauf bestieg Herr Prof. I)r. Kämpf die Kanzel, und hielt eine der Feier angemessene, ergreifende Rede. In der Einleitung schilderte der Redner die Bedeutung einer solchen Feier überhaupt, wies nach, daß eine solche Feier dem Geiste des Judenthnms wenigstens nicht widerspricht, ' ging dann zur Schildern^ z der Würdigkeit des Jubelpaares und namentlich der Verdienste des Herrn I)r. Pribram in seiner öffentlichen Wirksamkeit nach den verschiedenen Richtungen hin über. — Den Kernpunkt der Rede bildete der sinnige Bibelspruch : '„Goldene Früchte in silberner S gale." Mit der größten Spmuung und Thcilnahme folgte man den geistvollen Worten, die auf die Gemächer einen solchen Eindruck machten, daß wir in vielen Augen Thränen erblickten. - Den Schluß bildete das übliche Olenu-Gebet. — Die Feier war eine erhebende und wird in der angenehmen Erinnerung der Theilnehmer sich noch lange erhalten. Um ras Vertrauen, das Herr I)r. Pribram bei den Mitbürgern verschiedener Confessionen besitzt, zu illusiriren, dürfte die in der Rede berührte Thatsache hinreichen, daß Herr vr. Pribram bei nicht weniger als 16 Vereinen theils als Vorstandsmitglied theilS als Geschäftsleiter thätig ist. fß Die Schnlstiftnngtn .'an der Prager Josefstädter Haupt- und Unterrealschnle. In einer der letzten Nummern des vorigen Jahrgang« dieser Zeitschrift wurde der an der Josefstüdter Schule seit zwei Jahren bestehenden Josef Eichlerischer Schulstistnng erwähnt.Es dürfte bei dieser Gelegenheit bemerkt werden, daß vielleicht keine Lehranstalt in dem österreichischen Kaiserstaate so viele Schnlstiftungen, die so mannigfache Zwecke verfolgen, besitzt, als wie die eben oben angeführte. Es bestnden sich nämlich an derselben 22 bereits fundirte, eine noch int amtlichen Zuge begriffene, eine andere erst zu gründende, deren Kapital zwar bereits vorhanden, über deren Bestimmung sich aber der Gründer noch nicht ausgesprochen hat. Tie jährlichen Interessen dieser Schulstiftnngen werden verwendet, erstlich: theils zu Fnßbekteidung, (wozu die Collcktengelder genommen werden), theils zu Prämienbüchern an fleißige Schulkinder ain Ende jedes Sommerknrscs wie die M. Zdekaurischc, die Ernst Wehlischc wieder zum letzteren Zwecke am Ende des Winterkuries. Ferner zwei M. Wintermtnsche Stipendien für die besten Schüler im Zeichnungsfache; dann ein M. Wiiltcrnisiischcr Spital-Stis- °) Die ötaiiiiit bü9<ui|\t>eu 3uboiif^aft durch dieltiilatt kennen ju lerne», warr wünsche Nrwerld-

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