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Das Abendland · 1865-01-05 · 1 (5.1.1865) · p. Seite 4

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
1 (5.1.1865)
Date
1865-01-05
Page
Seite 4 (sequence 5)
Language
German
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- 4 — der minder charaktervolle Heine trauernden Auges auf die thcnerc Heimat trotz aller Frivolität seines Gcmes? . . , v v Und warum suhlt sich nicht der Jude unter unS Ecchen als Eeche wie in Deutschland als Deutscher? fragen viele. (5s ist nicht zu leugnen, daß dieser Vorwurf nicht ganz ohne Berechtigung erhoben wird. Aber erade der Eeche, dessen Bestie 'ngen in der Geschichte ihren ..rsprung nehmen, sollte sich gewöhnen, allenthalben das Recht historischer Entwickelung gelten und eintreten zu lassen. Fragen wir also die Geschichte wie das so kommen konnte. eFortsctmng folgt). Lhren-Kall'e .jüdischer Kelelmtäten der Hegenwart. ."■-I. vr. Mar Lndlmzcr, ord. Proscßor der Geschichte und lioetvr magnificus an der Züricher llrivcrütät. Im erfreulichsten Gegensätze zu manchen anderen Eantonen der Schweiz, die rücksichtlich der Inden e'ncr noch mittelalterlichen Intoleranz huldigen, hat die Stadt Zürich in neuestcr Zeit einen Beweis von religiöser Duldsamkeit gegeben, welcher ihrer freisinnigen Hochschule, ihren vorurthcussreicn Denkern und Gelehrten zur höchsten Ehre gereicht. Wir meinen die Wahl des Historikers, Dr. Büdingcr zum Rektor der Univcr fität in oben genannter Stadt, die Wahl desjenigen Mannes, welcher, unserem Glauben angchörcnd, sich durch seine „Geschichte Oesterreichs" bereits in weiteren Kreisen einen Namen gemacht hat. Eben so bescheiden und schlicht, als thätig und vielseitig, rang Dr. Büdingcr nie nach dieser Auszeichnung, die ihm als j reise Frucht seiner Verdienste von selbst in den Schooß fiel, ' ist aber in den Reihen des Fortschritts um so geschätzter, nicht; bloS feines tiefen Wissens, seiner eingehenden Studien wegen, sondeni auch als Denker und Kritiker. ", ... > Am 1. April 1828 zu Kassel geboren, ist er ein Sohn! des um das jüdische Schulwesen so hochverdienten ehemaligen; Scminarlehrers Dr. Moses Büdingcr. Aus dem Gymnasium; seiner Vaterstadt wissenschaftlich ausgebildet, widmete er sich, j als er die Universitäten zu Marburg und Berlin bezog, dem > .Studium der Geschichte, zu welchem er schon früher durch ci- | frige Benutzung der bedeutendsten historischen Werke den Grund gelegt hatte. Nachdem er in seiner Fachwissenschaft bei Sybel und -Ranke erwünschte Förderung gefunden hatte, b stand er 1850 seine Examina, erlangte im folgenden Jahre di philosophische Doktorswürde und habilitirte sich 1851 als Privatdozent zu Marburg. Später nahm er in Wien seinen Aufenthalt, um an Ort und Stelle Quellenstudien zu der von ihm beabsichtigten Herausgabe einer,Geschichte Oesterreichs zu machen. Bevor er mit dem projektirten Werke vor die Öffentlichkeit trat, r rte er eine sehr geschätzte Monographie: . „lieber Gerbcrtö w enschaftliche rd politische Stellung" (Kassel'1851), von der aber bloß der Thcll erschienen ist. Seine Habilitationsschrift: „Zu den Quellen der Geschichte Kaiser Hein-! richs III." (Wien 1853) zeigt, wir ernst er seine Aufgabe als! Geschichtsforscher erfaßte, und seine Abhandlung: „lieber einige! Reste der Vaganten-Poesie in Oesterreichs (Wien 1854) wurde! sogar in den Sitzungsberichten der kais Akademie der Wisseni schäften abgcdruckt. Ebenso schätzenswerthe Beitrüge lieferte -Dr. Büdingcr den „Oesterreichischen Blättern für Literatur und Künste, dann auch der „Zeitschrift für österr. Gymnasien"; namentlich erwarb er sich durch seine „llmrisse der österr. Geschichte voiü Ende' des achten bis gegen Ende des zehnten Iahrhundertes" ein besonderes Verdienst. Seine nachfolgende Schrift: „Zur Kritik altböhmischer Geschichte" (Wien 1857), stellt über die Quellen der Geschichte des hl. Wenzel und der hl. Ludmilla eine minutiöse Untersuchung an. Ein ^eitenstück hiezu ist die in den Sitzungsberichten der kais. Akademie der Wissenschaften vublizirte Abhandlung: „Zur Kritik altbayrischer Gescbichre", welche über die Einführung des Ehristentbumes in Bayern neue Details bringt. Ueberhaupl spricht sich bei Büdingcr im Allgemeinen deutlich das Streben aus, Aufklärung in die Vergangenheit zu bringen, einzelne Thatsachcn, so wie auch die Vergangenheit im Ganzen, aus ganz neue Weise zu betrachten. Seine schon genannte: „Oesterreichische Geschichte bis zum Ausgange res l3. Jahrhunderts" (1. Band, 1858, Leipzig) begründete den Nus res Historikes noch fester, trug ihm aber merkwürdiger Weise nicht in Oesterreich, sondern in der Schweiz eine Lehrkanzel ein, wie sie seinem Talente, seinen Verdiensten schon lange zukam. Mit dem Auge des Forschers steigt Büdingcr besonders im letztgenannten Werke, in die Tiefen entschwundener Jahrhunderte hinab und fördert manchen bisher verborgenen Schatz, manch' neue Anschauungen zu Tage. Freilich finden sich hie° und da einige Verstösse und bleibt Dr. Büdingcr zuweilen den Beweis seiner Behauptungen schuldig, im Großen und Ganzen sind überfeine Forschungen von reellem Werthe. Durch seine in Sybels historischer Zeitschrift 1859 erschienen: Abhandlung: „Die Königin- Hofer Handschrift und ihre Gesö vister," lief er in der böhmischen Literatur eine heftige Polemik gegen sich hervor, namentlich suchte Palacky in derselben Z itschriit die von Büdingcr behauptete Unechlheit der Handschrift'zu widerlegen. l lieber den jetzt in seiner vollen Manneskrast stehenden Schriftsteller ein endgiltiges Unheil zu fallen, geht nicht gut an; denn wohl wissen wir, was er bereits geleistet hat, keineswegs aber, was von dem Manne noch zu erwarten steht, der kaum die Hälfte seines muthmaßlichen Lebensweges zurückgelegt und sich aus diesem, durch mehr als gewöhnliche Leistungen bemerklich gemacht hat. Die Bedeutsamkeit Büdingers erstreckt sich nicht nur aus seine geschichtliche» Werke und Abhandlungen, sondern auch auf sein ausgezeichnetes Lehrtalent; alle seine Schüler rühmen insbesondere die große Klarheit und Faßlichkeit seines Vortrages und die ansprechenre Form seiner Rede. In dieser Richtung wirkt er schon seit dem Sommer 1861 an der Universität in Zürich und hat sich in kurzer Zeit so populär zu machen gewußt, daß ihm für dieses Studieitiahr die akademische Würde des Rector Magriificus daselbst zuerkannt wurde. Wie lange Zeit dürfte es noch brauchen, bis wir in Oesterreich Aehnliches erleben? — S. H. 4 Korrespondenzen und Witthcilüngen aus der Zeit. Tie päpstliche Encyclica. * Nicht blos daS Vedürfniß, in einem Zeitungsblatte . wie das unsere von jedem bedeutenden Ereignisse auf dem Ge-! biete der Religion oder der Politik Akt zu nehmen, allein ist es, was uns veranlaßt, der päpstlichen Encyclica einige Worte zu widmen; vielmehr ist dieses Akterslück ein für uns höchst; bedeutendes. Das Oberhaupt der kath. Kirche, das sich selbst > Statthalter Gottes auf Erden nennt, als solcher aber freilich! nur von seinen (Gläubigen anerkannt wird, beansprucht und übt; wluiä) ^eincii^ bcmitenbc» Giufluf? aus die Legislatur, die innere un. äupere Politik der europäischen und mancher außereuropäischen Staaten. Namentlich macht sich das Eoncordat in Oesterreich vielfach auch für die Juden fühlbar, und dürsten jetzt, wo die Grund,ätze deö Papstthums, in so ferne sic mit den Zcitidceu collidircu, so klar prüzisirt sind, die Trgane dieser Macht sich mit strengerer-Eonseguenz an die gegebene Richtschnur halten, und da diese Organe als keineswegs unbedeutende Faktoren unseres Reichsrathes und unserer Landtage erscheinen, iin Sinne der Encyclica zu wirken suchen. Dennoch ist jede journalistische Polemik gegen die Encyclica überflüssig; diese Polemik wird vom Zeitgciste selber nnd von der Geschichte geführt, nicht blos von

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