Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 8 (29.12.1864)
- Date
- 1864-12-29
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Malbim 1× ep/1002711
- Tunis 1× ep/1048155
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— 71 Berlin. Die jüdisch, Eombactancen von S chleswig-Holstein .'hatten am 18. b. iit der großen Synagoge ' eine Dankseierlichkeit, im Beisein einer zahlreichen Versammlung der Houorationcn hiesiger Stadt, veranstaltet. Die ineisten derselben hatten sich im Kriege ausgezeichnet und waren fach alle dekorirt. Breslan.D ettkmalsetzung an demGrabeLasfal e's. "Vorgestern (Mittwoch) Nachmittag strnd hier die Deuknralsetzung an dem Grabe Lassalle's Statt. Der israelitische Prediger Dr. Joel hielt die Leichenrede. Das einfache Denkmal enthält folgende Inschrifn „Hier liegt, was sterblich war au Ferdinand Lassalle, dem Denker und dem Kämpfer." Verfaßt ist dieselbe von dem freunde des Verstorbenen, Prozessor Prietzel in Berlin. Der berühmte Professor Boeckh harr, ebenfalls eine Denkschrift singesandr mit den Worten.: „Dem großen Denker und dem großen Kämpfer." Man hatte jedoch die obige als die einfachere vor-, gezogen. PlN'is, den 9. Dec. Unser Glaubensgenosse, Herr Dr. Qppert, der berühmte Entzifferer der Keilschrift, hatte vom Kaiser eine Einladung zum Besuche nach Courpiegne, wo gegenwärtig der kaiserliche Hof weilt, erhalten und wurde daselbst mit großer Auszeichnung behandelt. In einer Abendgesellschaft forderte ihn die Kaiserin auf, ihren Namen in Keilschrift zu schreiben; er entledigre sich dieser Aufgabe um so mehr zur allseitigen Zufriedenheit, da unter den hohen Anwesenden Niemand war, -der härce nachjehen können, ob er nicht gegen die Orthographie .der Keilschrift verstoßen habe. Einnral, es war gerade bei der Tafel, fiel es dem Kaiser ein, sich zu erkundigen, welchen Inhaltes eigentlich das Buch sei, das Dr. Oppert den 20,000-Fraitt?en-Preis verschafft habe. Er wandte sich an den General Goyon^ da es dieser auch nicht wußte, so sandte er einen Bedienten an Dr. O., um diesen selbst zu fragen. „Mon livre, sagte Dr. O., o'est le dechiffrement des inscriptions cuneiformes.“ (Mein Buch enthält die Entzifferung der keilförmigen Inschriften.) Dem Bedienten mußte das spanisch Vorkommen, denn er meinte: „de u’oserai jamais rapporter une teile reponse l" (Ich werde niemals wagen, eine solche Antwort zu überbringen!) Paris, im Dec. Herr Marmilian Königs warte r ist durch kaiserliches Decret zum Municipalrath von Paris für das L. ArondiDment und zugleich zum Gemeinderath für das Departement .er Seine ernannt worden. Herr Königswarter ist Ossizier der Ehrenlegion. — Der junge Freiherr Edmund von Rothschild hat das Baccalaureats-Eramen mit großer Aus- Zeichnung bestanden; derselbe wird zu seiner weiteren Ausbildung eine Reise nach Aegypten unternehmen. — Herr Albert Cohn sendet im Aufträge dec Frau Baronin James von Rothschild vier silberne Lampen für die Synagoge des Rothschild'schen Hospitals nach Jerusalem. — (Univ. Jsr.) Parts, im December. Es erschein in diesen Tagen das Bülletin der Alliance isra&ite universelle aus den Monaten Juni bis Oktober, enthaltend die Protokolle "von fünf während dieser Zeit gehaltenen Sitzungen. Es geht daraus hervor, daß die Anzahl der Mitglieder, namentlich im Oriente, im Steigen begriffen i|t. Ein Neberblick über die Gegenstände der Verhandlungen zeigt u..s das traurige Bild, daß neuerdings die Mißhandlungen unserer Glaubensgenossen im Oriente, in Marokko, Tunis und 'selbst in Korfu immer häufiger und gewaltsamer werden, daß der Vorstand der Alliatice im Verein mit dem Board of Deputies eS an Anurengungen nichr fehlen läßt, daß diese aber trotz mehrfacher verheißenden Antworten in vielen Fällen erfolglos bleiben. Die Iuterveiilion der französischen und englischen Ministerien des Auswärtigen selbst richtet nur augenblicklich etwas, zerschellt aber immer wieder au dem Fanatismus in Rom wie bei der muselmännischen Bevölkerung. Auch für Schulen im Oriente wird möglichst gewirkt. Daß hierfür aber auch im Heimatlande noch viel zu thitn wäre, zeigt die Petition einer holländischer Eolonie in Paris, deren Jugend ganz ohne Unterricht ist. Die Petition wurde an das Eonsistorium geschickt. Einen gefährlichen Schritt scheint unS die Alliance gethan zu haben, indem sie sich in die Angelegenheit des Rabbinen Malbim gemischt, der bekanntlich aus Bukarest verwiesen worden. Die Leser Ihres Blattes kennen die Vorgänge in jener Gemeinde sowie die Ursachen jener Ausweisung. Es scheint uns nicht gerechtfertigt, daß die Alliance auf solche Dinge eingeht, die leicht zu weiteren Einmischungen in die inneren Verhältnisse jüdischer Gemeinden führen könnten. Daß oft abenteuerliche und unter dem Deckmantel der Wirksamkeit für die Alliance eigennützige Anforderungen an sie gestellt werden, ist erklärlich. Doch weiß der Vorstand solche sehr wohl zurückzuweisen. (Z. d. I.) , Zu der bereits in vorig. Nr. gebrachten Notiz bringen wir aus französischen Blättern noch folgendes: Der Synagogettbau in Paris. Am lehren Dienstag war die ganze jüdische Gemeinde von Paris zu einer Versammlung eingeladen worden. Einer der Präsidenten des israelitischen Eonsistoriums von Paris, Baron Alphons v. Rothschild, theilre den Anwesenden mit, daß der Seine-Prafeet, Herr Haußmann, ihm angekündigt habe, die Stadr Paris habe zwei Millionen zum Bau zweier neuen Synagogen der jüdischen Gemeinde in Paris (sie besteht ungefähr aus 160.000 Seelen) zur Verfügung gestellt. Voriges Jahr habe man zu diesem Zwecke bereits ein Capital von 1,500,000 Francs in Actien zu 300 Francs aufgebracht. Es fehlten nun noch 500,000 Francs, um die Summe (4 Millionen) vollständig zu machen. Einer der Anwesenden zeichnete 100,000 Francs, und die übrigen 400,000* Francs sollen nach dem Vorschläge des Herrn Coben (von der France), dec wollte, daß jeder Jsraelite zum Baue der Tempel seinen Srein hinzufüge, in Actien zu 30 Francs aufgebracht werden. Die jüdische Gemeinde in Paris wird also in Zukunft, außer dem portugiesischen Tempel in der Rue des Martyrs, drei Synagogen haben. Bologna. Unter päpstlicher Herrschaft waren die Israeliten hier sehr gedrückt, und es wohnren auch nur wenige hier. Jetzt genießen sie volle Freiheit, und mehr als 600 jüdische Seelen haben hier dauernd ihren Aufenthalt. Allein die hiesigen Juden haben bis jetzt ihre Freiheit noch nicht zum Besten der Religion benutzt. Sie haben keine Synagoge, keine Schule, keinen Friedhof, es herrscht auch in gemeinheirlicher Beziehung vollständige Anarchie. Die Zeitschriften Edncatore Jsr. und Corriere Jsr. haben bereits wiederholt auf diese Mangel aufmerksam gemacht, ohne daß es Erfolg gehabt Härte. Es wäre sehr zu wün' yen, daß einige energische und religiöse Männer sich dieser vernachlässigten Zustände annehmen möchten. Nom, im November. Ein furchtbare-) Verbrechen hat das Iudeuviertel in Schrecken versetzt. Zwei Individuen begaben sich in einen der Läden des Ghetto') um Kleider zu kaufen. Sie schleppten die Verkäuferin in ein oberes Zimmer, schnitten