Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 8 (29.12.1864)
- Date
- 1864-12-29
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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60 gcfühl und der Eifer im Anslreben jedes Zeitgemäßen, Würdigem und Ersprießlichen sich hier ein bedeutendes Feld erobert und wurde jederzeit den berechtigten Anschauungen gebührende Rechnung getragen, und für den Fortschritl und das Gedeihen der Gemeinde kein Opfer gescheut. Berdienstc um dieses Gebühren haben sich vorzüglich erworben der Herr Eultuövorsteher zugleich LandcSrepräscntant des Git'chiner Kreises, Franz Schnabel, der, seiner vielen anderweitigen Beschäftigungen und Ehrenämter ungeachtet, unablässig bemüht ist, das Gute der Gemeinde zu fördern, ferner eine Anzahl von M nnern, die ihm mit ihrem ersprießlichen Wirken energisch zur ^eite stehen. — AlsMuster und Borbild vieler seiner Eollegen können wir Herrn Prediger EiSner hinstellen, dessen Bemühungen dahin gehen, die Schule zu heben, den Iugendunterricht auf das rechte Maaß zu bringen und den hebräischen Fächern die nöthige Geltung zu verschaffen. Der gefaßte Entschluß, in Neubidschow eine dreiklassige Schule zu errichten, dürfte dem Ganzen die Krone aufsetzen. Ich kann nicht umhin auch eines ManneS Erwähnung zu thnn, der hier als praktische Arzt nicht minder denn als menschenfreundlicher Förderer alles Bessern sich der allgemeinen Achtung erfreut, des Hrn. Med. Dr. I. P. Löwy, eines Arztes. der frühern Schule, bei dem gegenwärtigen skatns vielleicht senior aller jüd. Ärzte Böhmens, der kaum promooirt, schon Leibarzt der Herzogin von Sagau wurde, nachdem er in der damals herrschenden Cholera-Epidemie sich rühmlich ausgezeichnet hatte. — Zugleich Stadtchronist Bidschows, dürfte es diesem Herrn leicht werden, Ihnen einige Daten über die Geschichte unserer alten Gemeinde zukoimuen zu lassen, die Ihren geschätzten Lesern gewiß willkommen wären. — Den geregelten Gottesdienst am hiesigen Platze, die deutsche Predigt, die vielen wohlthätigen Anstalten, so wie den allehrwürdigen, am äußersten Ende unserer Stadt gelegenen und mit trefflichen, zum Theil in deutscher Sprache verfaßten Grabschriften versehenen Gottesacker lobend hervorzuheben, bleibe einer andern Gelegenheit Vorbehalten, vorläufig möge die bloße Andeutung dem Leser genügen. ^.Wicn. „Der Krug geht so lange zum Brunueu bis er das .Ohr verliert und mau reizt Jemanden so lauge, btS er endlich doch die Geduld verliert." — Wohmichmit diesem will? — Es handelt sich um die Angelegenheit Brunner contra Talmud, — überhaupt contra Judenrhum. Herr Sebastian Brunner har nicht nur sich in den Mund aller gebracht und an Ehre nicht gewonnen; wider seinen Willen hat er den Talmud in Wien zu einem Gegenstände der allgemeinen Beachtung, der allgemeinen Besprechung gemacht, so daß mau hier allgemein erzählt, eine hohe christliche Dame harre, da sie immer vom Talmud sprechen gehört, ihr Stubenmädchen in eine Buchhandlung geschickt, ihr den 1. Theil des Talmuds zu holen. —Aber da wie bekannt nichts so schlimm ist, daß cs nicht auch etwas Gutes im Gefolge härte, hat auch diese Talmudangelegenheit das Gute, daß in dem von der Behörde den Vertretern abgeforderten Gurachtcn über die Eanonizität des Talmuds sich die Gelehrten aller Parteien geeignet haben und jeder Conflikt zwischen Reformern und Orthodvren gewichen ist, wenn er ja irgend bestanden wäre, und hat diese Angelegenheit auch im Vertretungskörpcr einige Energie geweckt. Herrn Brunner haben wir nun die Ueberzeugung zu verdanken, daß in Israel sowohl Laien als Gelehrte treulich zusammensteheu, wo es sich darum handelt, der Intoleranz und der Verleumdung die Spitze abzubrecben. — lieber die Ankündigung des nene» Jahrgangs der sogenannten Kirchenzeituug schreibt ein hiesiger Feuilletonist: „Stolz lieb' ich den Spanier und materialistisch die „Kirchenzeitung," die in ihrer letzten Nummer eine völlige Stinkblumenlese über Hebräerduft, dessen Nothwendigkeit sie durch menschliche und göttliche Gesetze zu begründen sucht, den Lesern vorlegt. Der specisische Jrldengeuch, mit dem sich die „Kirchenzeitung" in koketter Vorliebe parsümirr, hat sie bereits in dem Maße angestänkert, daß ein Unterschied zwischen Dr. Brunner und Reb Schnnrti gar nicht mehr zu bemerken ist. „Mit Gottes Hilfe," bemerkt das Blatt in der eben erschienenen Nummer, „wird es nun doch entschiedener vorwärts gehen." Das achtzehnte Lebensjahr, in das nun die ehrsame Jungfer tritt, macht also, um sich an Mann zu bringen, eine größere Entschiedenheit nothwendig. Das freut uns aufrichtig, denn wir hätten es schmerzlich vermißt, wenn das gelungenste Wiener Witzblatt mit dem neuen Jahr veraltet wäre oder zu erscheinen aufgehört hatte. „Figaro", nimm dich z'samm, die „Kirchenztg." macht dir Concurrenz!" Einen Wunsch haben wir nur: Möge uns Gott lauter solche Feinde geben, wie Herr Sebastian Brunner und Eonsorren, ihrer hohen Gönner ungeachtet, es sind, und wir hätten unsere Freunde immer mehr als sie zu fürchten, jene nämlich, die in Ungarn gegen das Seminar mit. so schnöden Waffen ankämpfren, die das Licht der Oeffentlichkeit mtt zu sehr zu scheuen haben. Mit Stolz fonuert wir die Hoffnung aussprechen, daß Wien der Ort ist, wo der seit Jahren so verrufene Talmud zu Ehren gelangt, die Midraschim in ihrer wahren Bedeutung aufgefaßt und so zurecht gelegt»werden, daß das historisch-kritische und philosophische Element zu Tage tritt, das den eigentlichen Werth ausmacht. Jetzt wird in dieser Beziehung eine Zeit kommen, wo man — wie Jean Paul sagt — die Gebäude nach Umständen aufführt. Auf dem Lande baut man recht weitläufig aber niedrig, in der Stadt enge aber hoch. Mit anderen Worten können wir sagen, wo sonst der Pilpul und die Halacha der mehr beachtete Theil war, mit dem Uebrigen rnan aber nicht wußte, was anzufangen, wird jetzt keine Zeile, und schiene sie noch so absurd, übergangen und ihr jene Deutung gegeben, welche mit ihr beabsichtigt war. — Daß Herr Prediger Dr. Ad. Jellinek durch Errichtung des Beth Hamidrasch sich ein unsterbliches Verdienst erworben, darf nicht erst erwähnt werden. Möge dieser fleißige und thätige Gelehrte noch lange wirken, und die jüdische Gelehrsamkeit gehet einer schönen Zukunft entgegen. — Mannigfaltiges. Replik. Auf die Bemerkungen des Herrn Rabbiners Fürth zu meiner Abhandlung über den Selbstmord in?u 7 dieser Zeitung habe ich folgendes zu erwiedcrn. In der Stelle Genes. \)l 5. wird wohl kein nnbefailgencr Leser die talmndische Ecklärnug als den einfachen Worisinn Nipra bü? und noch weniger als ein direktes Berbot der Tora gegen den Selbstmord betrachten. Selbst Onkelos, der sonst genau die halacknschen Bestimmungen in seine Uebersetznng anfniinmt, hat hier bloS U'örtlich übersetzt. Den Selbstmord Sanl's anzufnhrcn, war in meiner Arbeit kein Grund vorhanden, selbst wenn der Talmud diesen rapfern König nicbr verrheidigt hätte; übrigens