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Das Abendland · 1864-12-29 · 8 (29.12.1864) · p. Seite 68

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Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
8 (29.12.1864)
Date
1864-12-29
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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der Oeffentlichkeit wenigstens, als aller menschlichen Schwäche ledig, als vorurthcckslo's, von jedem Makel rein gewaschen da stehen. Zn diese Kategorie von flciitd.cn gehört mm auch ein guter Theil der Lehrer. — Man hat sich in den lobpreisen-, den Ton nach und nach so cingewöhnt, daß man jedes Körnchen bitterer Wahrheit nur in einer dicken Umhüllung von Süßigkeiten zu bieten wagt. — Damit wird nun freilich der Sache, die man vertreten will, eigentlich der schlechteste Dienst erwic- [Cll> — Denn der kühle, unbcsangcuc Beobachter dringt doch endlich zur Wahrheit durch, trotz alles sie einhüllcndcnNebels; aller Wcihrauchsduft betäubt nicht den nüchternen Sinn des ruhigen Forschers. — Und doch gehen gerade von dieser, alles im rosigsten Lichte darstellenden Partei zuweilen Manifestationen aus, gegen die man mit den schärfsten Waffen des rief und aufs äußerste gekränken Selbstgefühles ankämpfcn würde, wenn sie in nichtjüdischem Feldlager ihren Ursprung genommen hätten. — Man stelle sich einmal vor, ein christliche« publicistisches Organ hätte cs auszusprechcn gewagt: „Die Juden taugen nicht zur Inspektion weder ihrer eigenen Schulen, noch viel weniger der christlichen." — Welch ein Geschrei im Lager der Hebräer! — Als ob wir sie sähen und hörten! — Man könnte nicht eilig genug die ganze Rüstkammer jüdisch. Gelehrsamkeit aufthun; schon die Kernsprüche Salomonis müßten beweisen, daß der Jude bereits in der Urzeit viel richtiges Bcrständniß für Erziehung und Unterricht der Jugend bewährt z denn in der That, gibt es eine trefflichere pädagogische Regel als diese ist: „Führe den Knaben nach seiner Weise — auch wenn er zur Einsicht gelangt, weicht er nicht ab davon!"-Fortschreitend zur Mischnah, ju den Midraschim und den Talmuden wäre man in der That im Stande, durch eine Unzahl von Sätzen darzulcgen, daß, wie der Jude in zärtlichster Anhänglichkeit an Familie und Kind von keinem andern Volke überboten wurde, auch seine Einsicht in das Wesen und Bedürfniß der Schule mindestens nie geringer gewesen als das anderer Nationen. — Endlich würde man auf Maimonidcs Hinweisen, diesen trefflichen Geist, dessen Schriften auch dem Pädagogen die reichste Ausbeute gewähren. — ,,Wie^, so möchte vermuthlich der Schlußsatz in dem sehr scharfsinnigen und sehr gelehrten Plaidoyer lauten, „das geistig so hoch begabte Judenthum, das Männer aus sich zu zeugen vermocht, die maßgebend wurden auf allen Gebieten menschlicher Geistesthätigkeit, sollte nicht Capacitäten besitzen, die eine Bolks- 'schule zu überwachen vermögen?" ' . Das christliche Organ, wenn es anders wirklich ohne Borurtheil und Befangenheit die Sachlage zu würdigenchich bestrebte, würde vermuthlich so antworten: „An euerer Intelligenz und geistigen Befähigung haben wir nie gezwriselt, ihr seid — um es mit einem Worte zu sagen — nicht zu schlecht, sondern vielleicht zu gut zur Inspektion einer Schule; als geweckte Geister voller Reg- und Strebsamkeit dürftet ihr leicht des uöthigcn Taktes ermangeln; der Maßstab euerer Anforderungen würde bald über das Gebührliche hinaus, bald unter daü Gebührliche hinab reiche»!"-So könutg,man in der That aus dem bekannten Eharaltcrchcs Juden a priori folgern.—Vermuthlich würde aber der Schluß siä) gerade so bcwäbrcn— wie so mancher andere, ähnliche, den mau statt aus Tbnsachen aus individuellen Anschauungen und Ansichten über gewisse Eulturzustände und Eulturclcmente gezogen. — Ist es denn schon versucht worden? Hat man je ernstlich daran gedacht, die jüd. Schulinspcktion an die Stelle der christlichen zu setzen? — Wir wetten, daß, wenn nicht glücklicherweise die Frage, ob der Jude zum Soldatcnstande tauge, bereits gelöst wäre, sich ähnliche oder vielmehr noch größere Bedenken gegen eine bejahende Beantwortung derselben geltend machen würden. — Es bewährt sich eben auch hier das alte Sprichwort, daß man nur im Wasser die Befähigung zum Sd)wimmen darthun könne. — Den Versuch, die jüd. Schulinspektion an die Stelle der christlichen zu setzen, müssen wir nun aber allerdings machen — selbst auf die Gefahr hin, saß er im Anfänge mißlänge, wiewohl uns, aufrichtig gesagt, diese nicht sonderlich groß erscheint. Denn kurz und gut, cs wäre eine wahre Schmach für uns, wenn der Jude nicht in Allem sich selbst genügen könnte, und der Aushilfe Anderer bedürfte, besonders in der heiligsten und heikelsten Angelegenheit, — in der Angelegenheit des Jugendunterrichles.— Im Grunde genommen heißt: dem Juden die -Fähigkeit zur Inspektion absprechen, nichts anderes, als überhaupt keinen Lehrerberuf anzweifeln. — Ist es aber wahr, daß wir gute und tüchtige Lehrer besitzen, so können wir wahrlich auch der zur Inspektion nöthigen Persönlichkeiten nicht ermangeln; denn zu einem guten Inspektor gehört eben auch uuriein guter Schulmann. — Das sollten die jüdischen Lehrer doch vor allem bedenken, und wie sie im Grunde nur sich selbst ein Armuthszeugniß geben, wenn sie für christliche Schulaufsicht schwärmen. Jeder übe nur gewissenhafte Kritik an sich selbst, und frage sich, ober in der That seiner Aufgabe sich gewachsen fühle? — Kann er dies mit gutem Gewissen bejahen, so werden w i r wenigstens keinen Anstand nehmen, ihm so gut die Vollmacht zur Inspektion einer Schule zu ertheilen, wie den ersten besten christlichen „Hochwürden.L — : r. ■*'. '7 v Wir haben bisher die Sache so behandelt, als ob es blos eine nationale Ehrcnfrage für uns wäre, daß eine Acudcrung in der Schulinspcktion einträte — es gibt aber noch ganz andere und wichtigere Gesichtspunkte in dieser Angelegenheit. — Doch verspüren wir die Beleuchtung derselben für einen nächsten Brief. Korrespondenzen und Witkheitnngen aus der Zeit. B. Neilbidschow. Das nordöstliche Böhmen, wo vie israelitischen Gemeinden nicht gar so enge aneinander gedrängt sind, als in den andern Thcilcn dieses gesegneten Kronlandes, die Gegend, die so flach und trefflich gelegen, und hinsichtlich der Fruchtbarkeit auf ökonomischen, wie der Strebsamkeit auf indui striellcm Gebiete sicherlich keiner andern nachstcht, wenn ihr nicht i gar in dieser Beziehung eine hervorragendere Stellung ringej räumt werden muß, diese Gegend zähltzwci clltcCultnsgcmciuden, | die beide würdig neben einander gehend, um so mehr eine Besprechung in einem öffentlichen Blatte verdienen, als sie selbst bc- : scheiden genug siud, selten etwas von sich hören zu lassen. — j AnS der größern von Beideit, aus Ncubidschow, wollen Sie,"! Herr Redakteur, in Ihrem geschätzten Blatte einigen schwachen Andeutungen Raum gönnen, vielleiäck daß hiedurch die zweite Gemeinde, Horic nämllch, welche sich gern das jüdische Athen Böhmens nennen hört, veranlaßt wird, auch einmal etwas über seine Zustände Ihren geehrten Lesern mitzirtheilen. — So öiel i|t gewiß, das wenn die Horiccr Athener sind, die Renbidsd)0wer keinesfalls die Rolle der Thebancr spielen, denn gerade aus Ncubidschow sind wie bekannt ausgezeichnete Gelehrte und Schriftsteller hervorgegangen, und dürften wenige Gemeinden ein solches Eontingent von Studirendcn und intelligenten Gcschästsbeflissenen in die Welt senden, als eben Ncubidschow. — Als eine der ältesten Gemeinden Böhmens war sie nicht nur stets der Sitz berühmter Rabbinern sic war auch eine der ersten Gemeinden, die eine öffentliche Normalschule hatte, und hat an dieser der bekannte Peter Beer, ein geborener Bidschowcr, den Grund zu seiner später» Berühmtheit gelegt, und da der Bildung Bahn gebrochen, zu einer Zeit, wo cs anderswo kaum noch zu dämmern begonnen hatte. Bemerkcnswerth ist, daß selbst das schwächere Geschlecht eine seltene Intelligenz mauifestirt, was untüilich nicht verfehlen kann, eine bessere Jugenderziehung mächtig zu .beeinsiiißen. — Wohl haben die vorgeschrittenen Ansichten auch manä)eS beseitigt, was die alte Gcmüthlichkeit und orthtzdoxe.Frömmigkeit dem Inden so sehr als unerläßlich vorschrcibt, dafür hat aber anderseits daö neu geweckte Selbst-

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