Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 8 (29.12.1864)
- Date
- 1864-12-29
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9050333-9088672-9050404--0075-9050407- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
jrcrfcci; seien; deshalb wurden ihnen auch irr alten Zeiten schwere Lasten ausgcbürdet und sie mußten sogar jährlich acht Malter Korn für die Stadl in der Roßmühle mahlen. Um sie gegen die Beleidigungen des Volkes in Schutz zu nehmen, wurden ihnen die Herren von Talberg, die das erbliche Kammeramt in Worms bekleideten, als Schirmvögte vorgesetzt und diese stellten wieder einen eigenen Beamten an, der sie gegen die Anfälle deS Pöbels schützen mußte. Die Jndenschaft wurde endlich durch den Schutz so kühn, daß sie dem Bischof Emmerich, der von 1293 bis 1299 regierte, den Gehorsam geradezu aussagte und ihm alle Steuern verweigerte. Schwerlich würden aber die Juden diese Dreistigkeit gehabt haben und schwerlich würde solche unbestraft geblieben sein, wenn rricht die Bürgerschaft die Juden unterstützt hätte, in der Absicht, sie unter ihre Gemeinde aufzunehnien, um die großen Steuerrr der Juden der Sladtkasfe zufließen zu lafscti. Um nicht seine Rechte über die Juden ganz ztl verlieren, mußte Bischof Emmerich gelinde verfahren. Er verzieh der Judenschafr ihre Widersetzlichkeit und gab ihr eine eigene Vorfassung mit einem Vorsteher und zwölf Aeltesten, und der Vorsteher wurde von dem Volke der Judenbischof genannt. Einige Jahre darauf wurde vom Kaiser Ludwig dem Bayer die Verfassung , bestätigt und die Judenschaft förmlich unter die Stadtgemeinde ausgenommen. Kaiser Karl IV. übergab die Juden ganz der Stadt, doch unter bischöflichem und Dalbergischem Schutze. In dem vierzehnten Jahrhunderte wurden die Bischöfe der Juden wegen öfret in Verlegenheit gesetzt. Sie hatten, wie bereits erwähnt, dringende Gründe, die Juden zu beschützen; auch wurde ihnen der Schutz der Juden sowohl von den Kaisern als von den Päpsten zur Pflicht gemacht. Dennoch verlangte sowohl das Dorurrheil des Volkes, als auch der Haß der niedern Geistlichkeit von ihnen eine Verfolgung der Juden, und indem sic diese oft mir aller Mühe nicht verhindern konnten, waren! sie genöthigt, sich vor Kaiser und Papst ju rechtfertigen, daß sie die Juden angeblich nicht hinreichend geschützt hatten. Als im Jahre 1309 König Philipp der Schöne in Frankreich eine allgemeine Verfolgung der Juden begann, um sich ihrer Schätze zu bemächtigen, da nahm sie König Albrecht in Deutschland bereitwillig auf, weil sie durch ihre Abgabeir seine Einkünfte vermehrten. Dagegen erhob sich das Volk, und in Frankerr, Schwaben und Bayern 'wurde viele Judeir geplüirderr und ermordet, König Albrecht aber strafte die Verfolger mit einer unerbittlichen Strenge. Kaiser Ludwig der Bayer, der stets geldbedürftig war, begünstigte die. Inden so aussallend, daß von seinen Feinden ein Gerücht verbreitet wurde, er wolle sich selbst arr die Spitze der Juden stellen und die Christen ansrotten. Nun wurden die schon oft gebrauchter! Beschuldigungen, daß die Juden Hostien entweiht hätten, erneuert, der Pöbel aurgewiegelt urrd die Juden überall ermordet oder wenigstens geplündert und gemartert. Am heftigsten war aber die Verfolgung in den Jahren 1318—50, wo »die allgemeine Pest würheie. Tie Judenfeitide hatten das Gerücht verbreitet, daß die Juden die Brunnen vergiftet und dadurch die Pest jhervorgebracht hätten. Dieses Gerücht war so allgemein und fand einen solchen Glauben, daß die Juden überall ermyrdet wurden und die Obrigkeiten nicht mehr im Stande waren, sie gegen die Wuth des Pöbels zu schützen. In Straßburg mußte der Bischof selbst in den Mord der Juden willigen, ja sogar die Taufe, wozu sich viele entschlossen hatten, schützte sie nicht. Sehr viele vergruben ihre Schätze und verbrannten sich dann selbst. Der Papst erließ nun ein strenges Verbot der Judenverfolgung und bevollmächtigte die Bischöfe und Erzbischöfe, die Verfolger mit dem Banne zu belegen; doch selbst dieses wollte nicht fruchten, mehr rhaten die großen Geldstrafen, womit der Kaiser alle Städte' worin die Juden ermorde: waren, belegte. Alier jüdische Schutinspekiion insbesondere und jüdisches Schulwesen im Zellgemeinen. Lricft an Herrn £>. in D. Zweiter Rrief. Nach Ihrem Dafürhalten also, lieber Herr B. i D., solle es bezüglich der Schulinspektion beim Status quo sein Verbleiben haben, und daher die kath. Geistlichkeit noch ferner mit der Mission betraut sein,'auch den jüdisch. Schulen Norm und Haltung vorzuzeichnen. Ick habe Ihnen versprochen, Ihnen mit aller Unumwundcnhcit meine Bedenken hiegegen auszusprechcn. Cs gibt eine Partei im Judenthume, die nicht ängstlich genug jeden frischen Windzug von demselben abwehren zu müssen glaubt, die für den alten Körper alsbald eine todtbringcnde Verkühlung besorgt, wenn auch die geringste Blöße desselben unverhüllt dem scharfen Luftsirom der Kritik ausgesetzt wird.— Nach dem Begriffe dieser Leute sind jüd. Organe blos da, um jeden Fehler zu bemänteln, auch dem berechtigslcn Vorwürfe von Seiten unserer Widerfacher entgegenzntrcten. — Im Grunde ist cs bloS die dem Juden durch daS nahezu zweitausendjährige Epil tief eingeprägte Scheu vor der Ocsfcntlichkeit— wiewohl gerade ein jüd. Sprichwort sagt: „Wer eine Wunde hat, soll sie nurd zu Markte zeigen — da wird sich der Heiler schon finden." Die Leute vergessen, daß, wenn feit Mendelssohn und Dohm die geistreichsten Köpfe Deutschland's für das gute Recht des JudenthumS in die Schranke getreten, immer die Basis ihres Plaidoycrs der Satz geblieben: „Der Jude soll als Mensch unter Menschen geachtet sein." — vllomo sinn, nil humanum a me alienum puto:“ ,,Ein Mensch bin ich, nichts menschliches ist mir fremd;" so ungefähr lautete der ewige Refrain all' der wehmüthigeu lyrischen Ergüsse, die das trübe Schicksal des Juden sich zum Thema gewühlt. — — 'Niemanden aber von all den Advokaten des JudemhumS fiel cs je ein, diesen als über der Menschheit stehend, also aller menschlichen Fehler und Schwächen bar, darzustellcn. — Es ist eine Thatsache, so alt wie die aus der Beobachtung rcsultireude menschliche Erfahrung überhaupt, daß nicht blos jeder Stamm, jede Familie, sondern auch jedes Jndividium seine Eigenthümlichkcilcn im günstigen wie ungünstigen Sinne besitzt — und hiedurch erst eigentlich zum Jndividium wird. — Also auch dem Juden haften gewisse Slammcscigeuthümlichkeitcu au — nicht etwa weil er dem Deutschen, Franzosen, dem Engländer oder — Ungar uachsteht, sondern vielmehr, weil er diesen glcichstcht — und Mensch ist wie sie. — — Ganz über die Natur hinaus können wir nun einmal nicht — und sollen dies auch nicht einmal wollen. — Tic verschiedene Naee wird sich immer in verschiedenen, wenn auch so feinen Eigeuthümlichkciteu manifestiren, daß si^ nur dem Auge des geübten Beobachters bemerkbar sind. — £>ierut liegt eben so wohl der Vorzug wie das Gebrechen der allgemeinen menschlichen Natur. — , Das mögen oberwähnte Leutchen durchaus nicht als wahr zngeben; nach ihrer llebcrzeugung muß der Jude, vor den Augen 9*