Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 8 (29.12.1864)
- Date
- 1864-12-29
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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66 — mußten denn auch die Kaiser, die Landesherren und die Obrigkeiten nachgeben und durch mancherlei bedrückende und entehrende Gesetze es bezeugen, daß die Juden nicht ihre Günstlinge wären. So wurden ihnen Kleidungen, die den Pricsterklcidern ähnlich waren, zu tragen unterlagt, so nnlßten sie Abzeichnnngen, an denen ne kennbar waren, tragen. An Festtagen waren sie gezwungen, ihre Laden zu schließen. Jn^der Eharwoche durften sie pch nicht auf der Straße zeigen; auch war ihnen untersagt, von ihrem Eingcschlachretcn das für sie Unbrauchbare (die Hinterviertel von den vicrfüsiigen Thicren, die sie nach Satzungeit nicht essen durften) an die Christen zu verkaufen. Fromme Bischöfe versuchten auch wohl mitunter eine Bekebrung und ließen den Juden mit Gewalt ihre Kinder entreißen und' taufen, doch geschah dieses nur selten unb wurde gewöhnlich von den Kaisern arnrcrsagt. Die mehrsten Bischöfe schützten die Juden kräftig, theils weil sie von den Kaisern dazu beauftragt waren, theils ihres eigenen Bortheiles wegen, denn wenngleich die beträchtliche Steuer der Juden den Kaisern zustand, so verliehen sie sie doch. oft ganz oder znm Theil den Bischöfen, die auch außerdem reiche Geschenke von den Juden erhielten, wodurch diese sich Schonung erkauften. Im Anfänge der Kreuzzüge wurde aber das Volk so lehr von den Wallfahrern gegen die Juden aufgereizt, daß die Bischöfe nicht vermögend waren, die Unglücklichen vor der Wuth deS Pöbels ,;u schützen. Als im Jahre 1006 die Wallfahrer den Rhein hinabzogen, da wurden in allen bischöflichen Städten die Juden geplündert und ermordet. In Köln riß das Volk ihre Synagoge und ihre Wohnungen nieder imb tödtete viele. 200, die entflohen waren, wurden noch auf dem Rheine eingeholt und gerödtet. In Trier hatte gleichfalls ein solches Morden statt rlttd uni großern Martern z l entgehen, ersäuften sich 'stele Judenwcibcr selbst. In Mai, retteten sich die Juden in den Pal"t deS Erzbischofs Rurhard. Vergebens wollte der sie aber schilpen, der Palast wurde von dem Pöbel erstürmt und ein schreckliches Morden hatte statt, so daß über 1000^ Juden umgekommen lein sollen. Doch wurden unter den Anstiftern dieses Frevels nrehrere Verwandte des Erzbischofs entdeckt, daher beim er selbst in den Verdacht der Theilnahme kam und von dem Kaiser deßhalb hart angelassen wurde. Mehrere Juden harten, um ihr Leben zu retten, das Christenthnm angenommen; diesen erlaubte der Kaiser zum Judenthume zurückzutreten. In Worms suchten die Inden gleichfalls bei dein Bischöfe Schutz; als er ihnen demclben nur unter dem Bedinge gewähren wollte, wenn sie llch taufen ließen, da baten sie sich eine kurze Bedenkzeit auS unb todtcten einander selbst. In Speier vertheidigten sie sich tapfer gegen die Pilger und das Volk unbdarauf gewährte ihnen der Bischof gegeil eine Summe Geldes Sicherheit, worüber der Pöbel sehr unwillig war. Da die Abgaben der Juden einen beträchtlichen Theil der kaiserlichen Einkünfte auömachten, so duldeten die Kaiser einen Angriff auf die Juden nicht ungestraft und we>m die Bischöre alls Fanatismus oder Eigennutz stch Verfolguirgen und B - drnckilngen der Inden erlaubten, so wurden sie dafür in Verantwortung gezogen. So mußte 1 ISS der mächtige Erzbischof voll Köln eine namhafte Strafsumme zahlen, weil er sich hatte beikommcn lassen, die Kölner Juden zu bedrücken. Auch verboten die Päpste alle Verfolgungen und gewaltsame Bekehrungen der Inden und selbst der heilige Bernhard eiferte gegen ihre Ver> folgnng in Deutschland bei Gelegenheit des zweiten Krenzznges. Dennoch lonrden die Inden von der niederst Geistlichkeit im Ganzen bitter gehaßt, weil sie von ihrem großen Vermögen keine Abgaben an die Kirche bezahlten, weil sie manche einträglichen Aemter, als Rechnnngsführer, Einnehmer, Schatzmeister, WirthschaftSaufseher u. s. w., die auch von den Geistlichen verwaltet wurden, versahen; endlich, weil die Inden derr-Priestern an Klugheit und Gewandtheit in Geldgeschäften überlegen waren r und so den Gewinn von den Laien mir ihnen theiften. Deshalb verbreiteten die Priester stets die Märmen von d.'n grcft.elvollen Ermordungen, die Juden an Christ ukindern begangen haben sollen, um sich ihres Blutes zur Heilung von Krankheiten oder als Zaubermittel zu bedieueu; ferner von Entheiligung geweihter Hostien. Sie erregten dadurch eine solche Wuth bei dem Volke, daß au mehrreu Orten die Inder ermordet wurden, oder daß, um daS Volk zu beruhigen, Untersuchungen gegen die Juden der angeschuldigten Frevel wegen veranlaßt werden mußten, wo dann durch die Folter die Unglücklichen gezwungen wurden, sich schuldig zu bekennen, worauf ähre qualvolle Hinrichtung erfolgte. Die Erzbischöfe und Bischöfe waren als Verwalter der herzoglichen und gräflichen Aemter die Juden im Namen des Kaisers zu schützen verbunden. Der Erzbischof von Mainz war überdem noch beständiger Reichsjift, enrichter. Docl hatten die geistlichen Fürsten noch andere Ursache sich der Inden anzunehmen, denn nicht selten wurde ihnen der Judenzins von den Kaisern verpfändet, 'außerdem mußten sich die Juden unter mancherlei Vorwänden doch von den Bischöfen beschätzen lassen und bedurften die Bischöfe ein Darlehn, so wußten die Juden Rath zu schassen. Da'die geistlichen Fürsten nicht aus Rücksichten der Menschlichkeit, sondern nur aus Eigennutz die Juden schützten, so machten sie sich auch oft kein Gewissen daraus, sie unter den nichtigsten Vorwänden zn bedrücken und zu berauben. Ruprecht, Erzbischof von Magdeburg von 1260—1266. ein geborner Graf von Mannsfeld, fand den erzbischöflichen Schatz bei dem Antritt seiner Regierung leer, und da er nach Rom eine Steuer zur Miedereroberung des heiligen sGrabes senden sollte, so überfiel er im Jahre 1261 die zum Laubhüttenfest in Magdeburg versammelten Juden, ließ ihnen alles baare Geld und alles Gold und Silber rauben, auch überdem die reichsten Juden gefangen setzen, bis sie mit großen Summen sich löseten. In Halle, wo er es eben so machen wollte, widerfetzte sich die Bürgerschaft, er belagerte aber die Stadt, nahm den Herzog von Bcauuschweig, der sie entsetzen wollte, gefangen und ließ sich für seine Befreiung 18,000 Mark Silber bezahlen; dagegen aber ängstigte er die Stadt so sehr, daß sie nicht nur die Juden preis geben, sondern auch selbst eine ansehnliche Strafsumme erlegen mußte. Durch die Beraubung der Juden soll er, die silbernen und goldenen Gerärhe ungerechnet, 100,000 Mack Silber gewonnen haben. Er konnte dah r nicht nur den Papst befriedigen und verpfändete Srisrsgüter eiulöseu, sondern auch viel Geld ausleihen. Ganz besonders zahlreich waren die Juden in Worms und standen daselbst auch in'einem ganz vorzüglichen Ansehen, wozu vielleicht die Sage bcigercagen hat, daß die Worurser Juden schon vor CH. Geburt eine Synagoge in Worins gehabt haben sollen, daher sie denn auch der Vecwurs nicht tresseu könne, zum Tode des Weltheilandes gestimmt zu haften. Diese Sage wurde von den Juden geflissentlich verbreitet und zu ihrem Vorrbeile gelreuft gemacht. Die Christen behaupteten dagegen, daß sie mir dem Stammvater der Familie Dalberg, der ein wahrer Arverwaudtcr der Jungfrau Maria, als Sklaven nach Wvrm) gebracht