Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 7 (22.12.1864)
- Date
- 1864-12-22
- Page
- Seite 61 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Gl Ankers in die Uhr; er kann auch hemmend wirken, wie der Eingriff des Schleifbalkens oder deS Schuhes in das Wagenrad. In welche Klasse der Eingriffe rangirt nun der Wunsch der jüd. LandeSrepräfentanz nach Errichtung einer Lehrerbildungsanstalt?— Wrr glauben, die Phrase des Hr. Dr. Wiener ist eben nur eine Phrase, lind als solche hätte sie weiter gar kein Gewicht, tame sie nicht aus denr Munde eines geistreichen, sonst viel verdienteil Juristen und gewänne sie durch ihre Herkunft nicht an Gewicht bei jenen, die gewohnt sind zu schwören in verda ma- .gistri. Für uns hat die Phrase ein höchst komisches Moment. Man hat sich nämlich bei passenden und unpassenden Gelegenheiten mehr als zu oft in Oesterreich über Bevormundung durch -die Negierung unb ihre Organe beschwert, und jetzt sind wir Zndcn, die wir von jeher genug gemaßregelt wurden, ans einmal so. originell, die höchsten Körperschaften des Staates bevormunden ru;d vor Eingriffen in rhre Rechte bewahren zu wollen. Ueberlassen wir das getrost ihnen selbst und ihren Organen, den Staatsanwaltschaften. Es ist aber auch gegen die Errichtung der jüd. Lehrerbildungsanstalt schon früher ein anderer Einwurf gemacht -worden, nämlich der, daß dieses Institut weder nothig noch nützlich fein könne. Gebe es doch Lehrerbildungsanstalten genug in Böhmen. Diejenigen, die diesen Einwurf erheben, mögen nur auch konsequent sein, und bezüglich des von ihnen in gleicher Weise perhorrescirten Rat inerseminars sagen: Es gibt der theologischen Lehranstalten genug in Böhmen! „Die sind ja aber katholisch!" Tufen unsere Leser. Nun wohl! Die Lehrerbildungsanstalten sind eben auch katholisch, uub es gehört für den jüd. Kandidaten ein ganz tüchtiger jüdischer Kern dazu, um von der konfessionellen Richtung, der gegenwärtig allein Iugendunterrichte gegeben wird, ganz frei zu bleiben. Wie sehr aber das Religiöse und Cousessionelle an den bestchenden Anstalten in den Vordergrund gerückt wird, möge beispielsweise folgendens bekräftigen. Schreiber dieser Zeilen zog als Lehramtskandidat bei der kr-oelassibus-Prüfung -einen Zettel, der beinahe folgendermassen lautete: „Auf welche Weise wollen Sie beim Unterrichte im Rechnen das religiöse 'Element fördern?" Als einmal zur schriftlichen Ausarbeitung das Thema gegeben wurde: „Die Schule eine heilige Stätte," ward er sogar als Jude aus Humanitätsrücksichten durch den Herrn Professor von dieser Ausgabe dispensirt, machte jedoch von dieser Dispensation keinen Gebrauch, da ihm in den Schriften jüdischer Weisen und Glaubenslehrer Stoff genug zu den nöthigen Citaten geboten erschien. Und da wir es nun einmal lieben, unsere 'Leser mit Anekdötchen aus rncwren eigenen Erlebnissen zu unterhalten, noch folgendes: Ein Lehramtskandidat unterrichtete zwei Knaben, die gegenwärtig beide Med. Doktores sind, und für die Wahrheit des hier Gesagten zeugen können, in der Religion und kam auf das heikle Thema vom Messias. „Der Messias," sagte er, „wird einst kommen, die Juden von allen Qualen zu erlösen„Und wer wird denn die Christen erlösen?" fragte der eine Schüler. „Die sind.sschon erlöst," antwortete der jüdische Lehramtskandidat, und aus unsere bescheidene Frage, woher er das wisse, antwortete er mit dem Stolze der Ueberlegenheit: „AuS dem Katechismus." — Wir erlauben uns es zu sagen, daß wir es für weit ersprießlicher hielten, wenn mit einer zu gründenden Lehrerbilvungsanstalr ein Waisenhaus verbunden würde, als daß erstere blos ein Anhängsel des letzteren sei. Läirgst haben große unb gediegene Pädagogen sich über die Uebelstände ausgesprochen, die jedem Waisenhause und ähnlichen Anstalten unvermeidlich ankleben und das Vorhandensein dieser Institute nur mit der unausweichlichen Nvthwendigkeit entschuldigt. In dem volksreichen, ausgedehuterl Prag, wo eine genaue Ueberwachung der der Versorgung durch die Gemeinde überlassenen Waisenkinder dann nur schwer möglich wäre, wenn diese Waisenkinder in Privathäusern untergebracht würden, mag ein Waisenhaus eine dringende Norhwendigkeit sein. Anders ist es mit den Landgemeinden. Hier kommen die Falle der Verwaisung erfahrungSmäßig nicht so häufig vor, und können solche Kinder daher von den ersten Autoritäten der Schule und Gemeinde selbst überwacht werden, ohne durch Fernsein in früher Jugend allen verwandtschaftlichen und heimatlichen Gefühlen entfremdet zu werden. Will man von dem Vermögender Landesjudeuschaft für die Waisen erpreß etwas thun, so kann vorkommenden Falles der Gemeinde, die ihn wünscht, ein Beitrag für ihre Waisen bewilligt werden. In dieser Weise würde das Vermögen der böhm. Iudenschaft nicht durch den kostspieligen Bau und die Dotirung einer Anstalt vertrödelt werden, deren Nothwendigkeit nicht praktisch eristirt, und niemand würde hierbei zu kurz kommen, als höchstens einige Ehrgeizige, die aus Kosten der Landesjudenschaft ihre Namen auf Gedenktafeln gebracht und sich ohne Opfer aus ihrem Eigenen eine ewige Haskorath hanschomotli, Kadisch und was sonst dazu gehört, gesichert haben wollen. D. M. Schlau 18. Dez. So klein auch das Häuslein unserer Glaubensgenossen in hiesiger Ltadt ist, so war doch dessen Drang, den Gott der Väter in würdiger Weise anzubeten, nicht minder groß. — Um einen ge» eigneteu Ort zur Andacht zu besitzen, wurde vorläufig ein Zimmer gemietet.— Als jedoch dieses gekündigt wurde, sah man sich in die unausweichliche Noch» Wendigkeit versetzt, ein besonderes Gotteshaus zu gründen. — Wie aber das hiezu nöthige Kapital aufbringen, bei den äußerst beschränkten Mitteln der Gemeinde? — Es wurde daher die Mildthätigkeit unserer Glaubensgenossen allent» halben, und zwar nicht resultarlos angegangen. Aber alle, dieses würde nicht den beabsichtigten Zweck gefördert haben, wenn nicht die wahrhaft adelige Hochherzigkeit unseres Herrn Grasen Clam Martinitz uns hilfreich beigesprungen, und seine Unterstützung es ermöglicht, hätte, daß wir nun nicht nur ein würdiges Gotteshaus, sondern zugleich eine Schule besitzen. — Von Dank überquillt daher unser Herzgegenden edlen Mann; möge die späteste Nachwelt sein Andenken ehren; er hat sich das schönste Monument gesetzt durch diesen Bau, der Zeugniß geben wird allen kommenden Geschlechtern von der Toleranz und der Humanität unserer Zeiten. — Hier aiso haben wir ein wahres Gotteshaus; denn wie Gott ein Vater aller Menschen ist, ohne Unterschied der Religion, so haben auch christliche wie jüdische Hände zur Förderung dieses Baues beigerragen. — Mögen unser Gebete in dem neuen Tempel >segen erflehen auf das Haupt des edlen Grafen, und möge sein schönes Beispiel Nachahmung finden. * Strakonitz den 16. De;. Sie haben, sehr geehrter Herr Re- * daktcnr, durch Veröffentlichung der Biographie des Herrn Moseö Weil vielen Mitgliedern der hiesigen Gemeinde eine recht angemessene Ueberraschung bereitet, und mir natürlich mir ihnen. Gestatten Sie mir daher noch folgenden Nachtrag zur Biographie. In Berücksichtigung des besonderö'religiöscn und moralischen Lebenswandels des Dekorirten, und in Anbetracht seines einstigen Strebend, seine alten Eltern von dem mit schwerer Blühe und vielem Fleiße Erworbenen zu ernähren und auch seine armen Anverwandten zu unterstützen, endlich, daß er bei Einweihung des hiesigen isr. Tempels Anno 1860 eilf Hundert Gulden ö. W. zum ^>'er tamick (ewige Lampe) ans immerwährende Zeilen fnndirt, haben der Herr Kreis- und Lokalrabbincr sich veranlaßt gesehen, ihn auch mit einer schriftlichen Morenn als religiöses Ehren-Diplom auszuzeichnen, die er zwar in größter Bescheidenheit ablehnen wollte, jedoch aus Zureden angenominen, und ain 26. November, als er zur Thora vorgerufen wurde, gelübdete er 100 fl. östr. W. zu einer neuen Institution welche durch ferneres Hinzuthnn deS Schreibers dieser Zeilen sehr bald ins Leben gerufen werden wird. Ich kann auch nicht unerwähnt lassen, daß Herr M. Weil am Abende nach der Dekoration eine großartige Soire für alle isr. Gemeiudegliede r